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Waldenser

Von Stadtwiki

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Signet der Waldenser
Steinrelief am Waldensermuseum in Neuhengstett, das Wappen der Waldenser mit dem Schriftzug: Lux lucet in tenebris (Das Licht leuchtet in der Finsternis).

Die Waldenser sind eine protestantische reformierte Kirche. Heute gibt es die Waldenserkirche vor allem in Italien und Südamerika.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name „Waldenser“ stammt aus dem Mittelalter. Die katholische Kirche bezeichnete so die Anhänger von Petrus Waldus (ursprünglich „Valdes“) aus Lyon. Er starb im Jahre 1206 oder 1207.

Entstehung

Die Waldenser sind eine christliche Laienbewegungen aus dem 12. Jahrhundert. Bei einer Laienbewegung predigten „normale Bürger“ anstatt katholische Priester.

Der Kaufmann Petrus Waldus "Valdes" begann 1176 in Lyon als Laie das Evangelium zu predigen. Er ließ Teile der Bibel in die Volkssprache übersetzten, (Valdes selbst sprach kein Latein), außerdem kritisierte er den Reichtum der Kirche.

Im Jahre 1170 verließ er aus christlicher Überzeugung seine Familie und verteilte seinen Vermögen unter den Armen.

Die Bewegung breitete sich in Südwest- und Nordostfrankreich sowie in Süddeutschland, Ungarn, Polen und der Lombardei aus. Sie verstanden sich als Mitglieder der katholischen Kirche, kritisierten jedoch deren Missstände.

Die Bekämpfung

Weil in dieser Gemeinschaft Laien predigten, wurden sie 1184 von Papst Lucius III. exkommuniziert zu Ketzern erklärt und verfolgt. Viele zogen sich in unzugängliche Alpentäler zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer wieder verfolgt.

Die Waldenser schlossen sich 1532 der Reformation an und gründeten 1560 eine reformierte Kirche in den Cottischen Alpen. Sie gaben sich jetzt selbst den Namen "Waldenser".

Im Jahr 1598 erließ König Heinrich IV ein Duldungsedikt, das "Edikt von Nantes". Es sicherte den Waldensern Rechte und Religionsfreiheit zu. Trotz des Edikts von Nantes fanden die blutigen Verfolgungen kein Ende. Die Waldenser wurden bekämpft und mussten immer wieder Rückschläge hinnehmen. Sie wurden in den Cottischen Alpen zunehmend in die Enge getrieben.

Die Vertreibung

Auch im 17. Jahrhundert wurden die Waldenser verfolgt. 1685 und 1687 setzten zwei große Fluchtwellen aus den Täler ein. 1685 untersagte der französische König Ludwig XIV. den Waldensern die Ausübung ihrer Religion, und hob das "Edikt von Nantes" im Edikt von Fontainebleau wieder auf. Die Waldenser wurden verfolgt, viele kamen in den Gefängnissen um. Im Jahre 1687 wurden die Waldenser im Piemont durch den Herzog von Savoyen in die Schweiz und nach Deutschland vertrieben.

Unter der Führung von Pfarrer Henri Arnaud gelang es ca. 1000 Waldensern im Jahre 1689 die Täler mit Waffengewalt zurück zu erobern. Dies ging unter dem Begriff die „Glorreiche Rückkehr“ in die Geschichte ein. Die Waldenser wurden daraufhin in ihren Dörfern geduldet.

Waldenser in Deutschland

1698 wurden ca. 2.700 französischen Waldenser aufgrund des Ausweisungsediktes vom 1. Juli 1698 durch den Herzog von Savoyen, wieder aus ihrer Heimat vertrieben. Die Waldenser fanden wieder Zuflucht in der Schweiz.

Die Verhandlungen zur Ansiedlung der Waldenser in Deutschland wurden hauptsächlich von den Pfarrern Henri Arnaud und Jacques Papon geführt. Sie wollten erreichen, dass die Waldenser in Deutschland so leben konnten, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren, und dass die Menschen aus ihren Herkunftsgemeinden zusammenbleiben konnten.

Die französischen Waldenser aus dem Pregelatal wurden nach Hessen geschickt, die piemontesischen Waldenser aus dem Perosatal unter Führung von Henri Arnaud, ins Herzogtum Württemberg. Auch die Markgrafschaft Baden-Durlach nahm Waldenser auf.

Die Zuwanderer trafen hier auf ein zerstörtes und entvölkertes Land: Der Dreißigjährige Krieg und der darauf folgende Pfälzischen Erbfolgekriegs (16881697), hatte mit Zerstörungen, Seuchen (Pest) und Hungersnöten viele Tote gefordert. Äcker und Weinberge waren zerstört und verwildert. In den meisten Orten lebten nur noch wenige Menschen.

Eine Gruppe von 450 Waldensern, kam im Jahre 1698 unter Führung von Pfarrer Papon nach Hessen in den Ort Mörfelden, wo sie vom Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt Land zugewiesen bekamen. Die Menschen, die aus den Dörfern La Balme, Roure und Méan stammten, sollten dort angesiedelt werden.

Nach ungefähr 3 Jahren zog der größte Teil der Gruppe weiter nach Württemberg und Baden. Nur wenige Familien blieben in Hessen. Aus dieser Kolonie, die damals noch "Waldenserniederlassung bei Mörfelden" genannt wurde, entstand der Waldenserort Walldorf.

Das Recht der freien Religionsausübung wurde den reformierten Waldensern zugesichert. Die Gottesdienste wurden bis ins frühe 19. Jahrhundert in französischem Dialekt gehalten. Erst im 19. Jahrhundert schlossen sie sich der evangelisch-lutherischen Landeskirche an.

Waldenserorte

Die Waldenserorte sehen städtebaulich gleichartig aus, da die baulichen Merkmale zur Gründungszeit vorgegeben waren.

Alle Wohnhäuser wurden an einer geraden Straße Giebelseitig gebaut. Anschließend kamen die Ställe und rechtwinklig dazu als Abschluss des Hofs die Scheune. Alle Gebäudeteil waren in L-Form zusammengebaut. Hinter jedem Anwesen befand sich ein Obstgarten. Die Grundstücke waren alle an der Straße 13,70 Meter Breit und 75 Meter lang.[1]

Waldenser heute

Was erinnert heute an die Waldenser?

Zwischen Karlsruhe und Stuttgart gibt es zahlreiche Waldenserorte, deren Ortsnamen häufig heute noch französischen Ursprung erkennen lassen: Pinache, Serres, Kleinvillars, Schönenberg und Corres im Enzkreis, Perouse im Landkreis Böblingen, Neuhengstett im Landkreis Calw, Großvillars und Mutschelbach im Landkreis Karlsruhe sowie Palmbach, Stadtteil von Karlsruhe.

Auch zahlreiche französische Namen wie Jourdan, Konstandin, Raviol, Piston, Guigas, Berger und Granget erinnern heute noch an die Nachkommen der Waldenser.

In den Waldenserorten gibt es Straßennamen wie Waldenserstraße, Welschenweg, Piemontstraße, Henri-Arnaud-Straße oder Petrus-Waldus-Straße, die ebenfalls an die Geschichte der Waldenser erinnern.

Durch die Waldenser kamen auch neue Früchte und Pflanzen ins Land. So brachten sie die ersten Kartoffeln nach Süddeutschland mit. Diese Frucht war bisher hier nicht bekannt. Ebenso wurde von den Waldensern der Tabakanbau, der Klee und Maulbeerbäume in Süddeutschland eingeführt.

Die Deutsche Waldenservereinigung

siehe Deutsche Waldenservereinigung

Die italienischen Waldenser heute

Das Gebiet um die Waldensertäler gehört heute zu Italien. Als die Waldenser in Italien 1848 endlich die bürgerlichen Freiheiten erlangten, breitete sich die Waldenserkirche über ganz Italien aus. Heute zählt sie rund 21.000 Mitglieder.


Waldenserdenkmal

In den meisten Deutschen Waldenserorten gibt es Plätze und Denkmäler, die an die Verfolgung und Vertreibung der Waldenser erinnern.

Das Waldenserwappen

„Lux lucet in tenebris“

Das Waldensertum begleitete stets ein sichtbares Wappen. Es zeigt einen goldenen Leuchter mit einer brennenden Kerze, den 7 Sterne umringen. Ein dunkelblauer Hintergrund gibt diesem Wappen eine mystische Tiefe und hebt das Licht der Kerze deutlich hervor. Darunter steht wie ein geheimes Motto „LUX LUCET IN TENEBRIS“, auf deutsch, „Das Licht leuchtet in der Finsternis“. Diesen Spruch entnahmen die Waldenser dem Johannisevangelium Kapitel 1 Vers 5.

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.wiernsheim.de/wiernsheim/portrait/ortsteile/pinache-serres.html baulichen Merkmale aller Waldenserorte

Weblinks

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Waldenser aus dem Stadtwiki Karlsruhe. Die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste. Wie im Stadtwiki Pforzheim-Enz stehen alle Texte des Stadtwikis Karlsruhe unter der CC-Lizenz BY-NC-SA.

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