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Aktion Gitter

Von Stadtwiki

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Die „Aktion Gitter“ war eine Terrormaßnahme der Nationalsozialisten nach dem Attentat am 20. Juli 1944 und richtete sich gegen den Widerstand sowie andere dem NS-Regime mißliebige Gruppen.

Inhaltsverzeichnis

Nach dem 20. Juli 1944: „Aktion Gitter“

1944 lief nach dem mißglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli in ganz Deutschland die „Aktion Gitter“, auch „Gewitter“ genannt, an, eine schon länger geplante Verhaftungsaktion. Betroffen waren nicht nur die mittelbar oder unmittelbar Beteiligten am Attentat, ihre Familien oder Mitwisser, sondern alle potentiellen Regime-Gegner aus der Reihen der 1933 verbotenen Parteien, in erster Linie deren frühere Funktionsträger, selbst wenn sie sich aus der politischen Arbeit zurückgezogen hatten. Über 5.000 „Antifaschisten“ wurden verhaftet, über 700 Mordurteile gefällt und vollstreckt.

August 1944 in Pforzheim

In Pforzheim holten im August 1944 Männer der Gestapo-Außenstelle Pforzheim an der Bahnhofstraße – früher stand dort der Hexenturm in der Stadtmauer; nach 1945 war wieder die Polizei in dem Gebäude untergebracht – insgesamt 15 frühere sozialdemokratische und kommunistische Stadtverordnete aus ihren Wohnungen, brachten sie ins Gefängnis an der Rohrstraße und deportieren sie über das Gefängnis in Karlsruhe ins Konzentrationslager Dachau.

Augenzeugenbericht von August Weik

August Weik schreibt in Meine Lebensbeschichte über seine Zeit im Konzentrationslager Dachau:

Nachts sind wir in Dachau angekommen. In einer großen Brausebad, wahrscheinlich aber Vergasungshalle mit Züchtigungsvorrichtungen, mussten wir bis zum Morgen aushalten. Nach dem Antreten und Registrierung hieß es splitternackt ausziehen und alles abgeben... Die größte Erniedrigung und Gemeinheit war, dass jedem alle Haare geschert wurden - mit der Schere, wo zuvor einem das Geschlechtsteil geschoren wurde, kam der nächste mit dem Schurrbart dran. Am nächsten Morgen war Trauer, einer brachte die Nachricht, cirka 90 Häftlinge seien in der Kiesgrube erschossen worden. So gab's jeden Tag neue Parolen. Der Vergasungs- und Verbrennungsofen rauchte alle Tage zu jeder Zeit. Der doppelte Drahtzaun war mit elektrischem Strom geladen, außerdem bemannte Türme mit Maschinengewehren. Ein Entweichen der Häftlinge war unmöglich. Das Fressen, Essen konnte man nicht sagen, war fast jeden Tag das gleiche, und trotzdem rissen sich viele darum. TBC-Kranke gab's viele. Drei Wochen musste unser Transport in diesem schrecklichen Martyrium ausharren, bis er erlöst und entlassen wurde. Während der ganzen Haftzeit (bekamen, fehlt im Original) wir nie eine Erklärung, weshalb wir hier sind, auch nie eine Vernehmung. Nur bei der Entlassung bekamen wir von einem SS-Offizier die kategorischen Worte mit auf den Weg: 'Wer das Lager nicht mehr von innen sehen will, muss das Maul halten'. Ein nie gekanntes Gefühl überkam mich, als ich das schwere eiserne Tor hinter mir hatte. 'Frei sein', was man zu jener Zeit noch 'frei' nennen konnte...“[1]

Opfer aus Pforzheim

Namentlich bekannt sind aus Pforzheim

Wilhelm Doll (KPD), Karl Fecht (KPD), Josef Hils (SPD), Joseph Hoffmann (SPD), Heinrich Jäger (KPD), Gottlieb Mössinger (SPD), Rudolf Pöhler (SPD), Richard Raisch (SPD) sowie Ernst Stoll (SPD) und August Weik (SPD).

Die Genannten haben das Konzentrationslager Dachau alle überlebt.

Der in Pforzheim geborene Julius Helmstädter, der ebenfalls nach dem 20. Juli 1944 festgenommen worden war, starb unter unbekannten Umständen am 11. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau.

Auch im Zuge der „Aktion Gitter“ wurde Nikolaus Bernhard, der 1911/12 in Pforzheim Stadtverordneter für die SPD war, im Konzentrationslager Sachsenhausen eingesperrt.

Karl Bauer aus Arnbach, der in Pforzheim die Goldschmiede- und dann die Kunstgewerbeschule besuchte, als SPD-Mitglied und Gewerkschaftssekretär schon ab 1935 für 22 Monate in den Fängen der Gestapo, wurde im August 1944 erneut verhaftet und im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Als die aus Pforzheim stammenden Nazi-Gegner im August 1944 im KZ Dachau eintrafen, saßen dort schon seit Jahren Menschen, weil sie versuchten, dem Regime zu widerstehen, so die Kaplane Kurt Habich und Emil Kiesel von der St. Franziskus-Pfarrei in Pforzheim sowie der SPD-Reichstagsabgeordnete Dr. Kurt Schumacher MdR. Er war Redner bei der letzten Kundgebung gegen die NSDAP auf dem Turnplatz in Pforzheim am 4. Februar 1933 mit der prophetischen Warnung: „Hitler heißt Krieg, Not, Hunger, Elend für das ganze deutsche Volk“.

Literatur

Quellen

  1. August Weik: Meine Lebensgeschichte. Pforzheim, 1957 (ungedruckt), Heft 3, S. 12 ff.

Weblinks

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