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Hermann Rapp

Von Stadtwiki

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Hermann Rapp (* 20. Mai 1894 in Iptingen; † 23. Dezember 1988 in Pforzheim) war Gewerkschafter und Gegner des NS-Regimes.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Hermann Rapp wurde 1894 als sechstes von sieben Kindern in einer armen Bauernfamilie in Iptingen geboren. Er konnte in Pforzheim eine Lehre als Maschinenschlosser machen und trat 1911 der Gewerkschaft bei. Unversehrt 1918 aus dem Weltkrieg heimgekehrt, fand er wieder Arbeit, seine Kollegen wählten ihn zum Betriebsrat und zwei Jahre später zum Betriebsratsvorsitzenden. 1932, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, gab er seinen sicheren Arbeitsplatz auf und übernahm den Vorsitz des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts-Bundes Pforzheim. „Trübe Ahnungen zogen in letzter Zeit an meiner Seele vorüber“, schrieb er über seine Hauptsorge, da „die nationalsozialistische Bewegung wächst und wächst“, denn er wusste, dass Hitler Krieg bedeutet. Im April 1933 notierte er: „Es begann der Weg von einem Elend in ein noch viel größeres Elend hinein.“

nach der Machtergreifung

Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 wurde Hermann Rapp wie seine Gewerkschaftskollegen Reinhard Dathe und Rudolf Pöhler zum 31. Juli 1933 fristlos entlassen; er kam in seiner alten Firma unter, er und seine Kollegen mussten 1939 nicht für „Führer, Volk und Vaterland“ in den Krieg, sondern arbeiteten als Zulieferer für die Rüstungsindustrie, die Mauser-Werke, ungewollt Rädchen im System des Eroberungs- und Vernichtungskrieges. Am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, notierte Hermann Rapp: „Was stand auf jenem sozialdemokratischen Wahlplakat bei einer der letzten Wahlen zum Deutschen Reichstag vor der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus ? ‚Hitler bedeutet Krieg !’ Nur zu schnell war diese Prophezeiung Wirklichkeit geworden.“

Seine Bewertung des Attentats am 20. Juli 1944: „Wäre das Attentat geglückt, hätten sicher Hunderttausende unschuldige Opfer weniger ihr Leben lassen müssen und viele deutsche Städte wären nicht mehr der Zerstörung anheim gefallen.“

Die Bombennacht des 23. Februar 1945 überlebte Hermann Rapp im Keller der Firma Andreas Daub in der Luisenstraße; ein Auszug aus seinem Bericht: „…um 19.50 Uhr fielen die ersten Bomben. Jetzt brach die Hölle los. Man hatte das Gefühl, als ob die Erde beben, die Grundmauern des Hauses aus ihren Fundamenten heraustreten, der Erdboden sich heben und senken würde. Wir glaubten, der letzte Augenblick sei jetzt gekommen. Ich dachte, wenn es so sein soll, dann wenigstens schnell. Die Angriffswellen kamen immer näher und näher und zogen vorbei, ohne dass man vom Keller aus sagen konnte oder wusste, wo die Bomben alle und überall hinfielen. Draußen tobte es, aber der Keller hielt stand. Es hörte sich an, als ob Hunderte von leeren Benzinfässern von einem ungeheuren Sturm über schlechte holprige Straßen und Plätze, die mit Steinen übersät waren, dahingejagt würden. Dazwischen das Krachen der Bomben, eine schaurige Musik, die durch die Finsternis im Keller, denn das Licht war ja gleich zu Beginn des Angriffs ausgegangen, nur noch unheimlicher wurde.“

Nach der Bombardierung am 23. Februar 1945 schrieb Rapp: „Vor uns eine zerstörte und tote Stadt, aus der fast alles Leben gewichen war. Keine Produktionsstätten mehr. So gut wie alle Betriebe der Schmuck- und Uhrenindustrie und der übrigen Wirtschaft zerstört. Rund 18 000 Tote unter den Trümmern. So weit das Auge reichte, nichts als Schutt und Trümmer, Trümmer und Ruinen, die übersät waren mit Kreuzen für die unter den Trümmern Begrabenen…Für den falschen und blinden Wahn eines Teil (des deutschen Volkes) muss es mit dem totalen Zusammenbruch, dem Trümmerhaufen seines Landes, seinen Millionen von Todesopfern, seinen im KZ Gemordeten und dem damit verbundenen Leid und Elend einen unendlich hohen Preis bezahlen“.

Nach Kriegsende

An den 18. April 1945, der Tag der Befreiung Pforzheims, erinnerte sich Hermann Rapp: „Die feindlichen Truppen hatten nach zehntägigem Kampfe das ganze Stadtgebiet erobert und besetzt. Man konnte wieder aufatmen. Wohl hatten wir für die Terrorherrschaft der Nazis die Herrschaft der Franzosen eingetauscht, aber damit ging ja auch der Krieg seinem Ende zu und man konnte wenigsten wieder ein freieres Wort sagen ohne zu befürchten, angezeigt oder gemeldet zu werden.“

Nach der Befreiung setzte sich Hermann Rapp wieder für seine Mitbürger ein, er half mit bei der Lebensmittelverteilung und bei der Organisation der Aufräumarbeiten. Mit den von Krieg und Konzentrationslager verschonten Kollegen bereitete er die Neugründung der Gewerkschaften vor. Er wird IG Metall-Bevollmächtigter und DGB-Kreisvorsitzender, er wirkte beim Wiederaufbau der Baugenossenschaft Arlinger und der Allgemeinen Ortskrankenkasse mit und war Mitbegründer der Volksbühne und der Volkshochschule. 21 Jahre trug er als SPD-Gemeinderat Mitverantwortung für das Gemeinwesen.

Hermann Rapp war und blieb Kriegsgegner: 1957 protestierte er mit vielen Bürgern gegen die Stationierung von Nike-Raketen der US-Armee auf dem Wallberg - die Nike-Station wird dann trotz heftiger Proteste auf Wurmberger Gemarkung errichtet.

1958 war Hermann Rapp bei der Kampagne gegen Atombewaffnung dabei: „Kampf dem Atomtod!“

Ehrung

1973 erhielt er den Ehrenring der Stadt Pforzheim.

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