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Fritzmartin Ascher

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Fritzmartin Ascher (*22. September 1895 in Mannheim; † 15. April 1975 in Crailsheim, im Regierungsbezirk Stuttgart) war ein Lehrer und Kommunalpolitiker.

Dr. Ascher arbeitete ab den 1920er Jahren als Lehrer in Pforzheim am Hilda-Gymnasium; in den 1940er Jahren war er Bürgermeister von Mühlacker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Der Apothekersohn Ascher besuchte ab 1904 das Gymnasium und zog nach dem 1913 abgelegten Abitur 1914 als Freiwilliger in den Krieg, wurde dort verwundet und mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Nach einem erneuten Kriegseinsatz geriet er in französische Gefangenschaft. 1919 erfolgte aufgrund der Genfer Konventionen die Internierung in die Schweiz, wo er ein Studium begann und seine Frau Elsa Schütz (* 23. August 1895 in Thun/Schweiz; †1976) kennenlernte. Er heiratete die gleichaltrige Schweizerin, die als Primarlehrerin arbeitete 1920 (in manchen Quellen steht 1925 in Mannheim als Hochzeitsdatum). 1927 wurde die erste Tochter, Marianne (später in die USA ausgewandert) geboren, 1930 wurde in Pforzheim die zweite Tochter geboren, Aude (heute Einstein-Ascher).

Trotz seiner Liebe zur Philosophie studierte er von 1918 bis 1921 Naturwissenschaften (Zoologie, Mathematik und Botanik) in Bern, Marburg und Heidelberg; den Doktortitel erwarb er 1923. Danach war er leidenschaftlicher Lehrer, der gerne Exkursionen mit seinen Schülerinnen und die "Gegend unsicher machte".

Ab 1927 (andere Quellen sagen ab 1925) war er Gymnasialprofessor am Hilda-Gymnasium in Pforzheim.

Diskriminierung in der NS-Zeit

1933 wurde er als Jude zwangsbeurlaubt, 1935 bekam er aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wegen seiner jüdischen Abstammung Berufsverbot wie der Lehrer Max Bodenheimer vom Reuchlin-Gymnasium und viele andere.

Er arbeitete dann als Straßenkehrer, Milchfuhrmann, Friedhofsgärtner und Totengräber. Er war mit einer Schweizerin verheiratet, die sich weigerte wegen sog. "Mischehe" sich scheiden zu lassen.

Die Familie wurde auch aus der Wohnung ausgewiesen. Auswanderungsversuche scheiterten. Die Familie zog nach Mühlacker um. Es erfolgte Zwangsarbeit, die ebenso seine Frau und die älteste Tochter absolvieren mussten.

Nach 1945

Von 1945 bis '47 war Dr. Ascher Bürgermeister der Stadt Mühlacker.[1]

1947–'48 war er Landrat im Landkreis Waiblingen[2] und in den 60er-Jahren im Gemeinderat Crailsheim in der SPD-Fraktion. In dieser Funktion hielt er u. a eine Rede zur ersten Gedenkveranstaltung zum Hinrichtungstag der Geschwister Scholl am 22. Februar 1964 in Ingersheim, von wo Hans Scholl stammte.[3]

Von 1948 bis 1962 war er 14 Jahre lang Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) in Crailsheim.

Außer seiner Tätigkeit als Stadtrat war er Kreisverordneter, Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats und u.a. Gründungspräsident der Crailsheimer Lions.[4]

1963 erhielt er für sein bürgerschaftliches Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Mit fast 80 Jahren starb Oberstudiendirektor Prof. Dr. Ascher am 15. April 1975 in Crailsheim. Seine Frau folgte ihm 1976.

Ehrungen

Orden und Ehrenzeichen:

Spuren heute

Zeitzeugen:

- Vortrag, Lesung und Interview mit der jüngeren Tochter zum Tagebuch von 1933 von Fritzmartin Ascher: 1933 schrieb er die Veränderungen in seinem direkten Lebensumfeld und der Stadt Pforzheim in sein Tagebuch. Dieses Tagebuch sollte im September 2008 in einer Matinee der Löblichen Singer in der Stadt Pforzheim mit dem Historiker Olaf Schulze durch die Tochter Aude Einstein-Ascher vorgestellt wurden, musste aber leider aus gesundheitlichen Gründen der Zeitzeugin abgesagt werden.

- Gedenkfeier am ASG Crailsheim, mit Anwesenheit der Tochter: Anlässlich seines 25. Todestag wurde dort eine Gedenkveranstaltung gefeiert, bei der auch seine Tochter Dr. Doris Ascher-Einstein aus Berlin zugegen war (Siehe unten im Abschnitt Weblinks: Berichte im Hohenloher Tagblatt auf den Seiten des ASG, z.T. mit Bild von Dr. Fritzmartin Ascher).

Literatur

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Liste der Bürgermeister von Mühlacker”
  2. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Landräte Landkreises Waiblingen”
  3. "Hohenloher Tagblatt" vom 20. Juli 2004 auf der Webpräsenz des Weiße Rose Arbeitskreis Crailsheim e.V.
  4. Artikel (vom 17. April 2008) zum 40jährigen Jubiläum des Lionsclub Crailsheim auf Crailsheim.de
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