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Rudolf Kuppenheim

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Porträt von Rudolf Kuppenheim (hebräisch רודולף קוּפֵּנהַיים) (geb. 7.11.1865 in Pforzheim; gest. 23.11.1940 Pforzheim).png


Stolpersteine in Pforzheim:Rudolf Kuppenheim (hebräisch- רודולף קוּפֵּנהַיים).

Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim (hebräisch: רודולף קוּפֵּנהַיים) (geb. 7.11.1865 in Pforzheim; gest. 23.11.1940 Pforzheim) war ein Arzt jüdischer Herkunft in Pforzheim und arbeitete als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Pforzheimer Krankenhaus Siloah. Er war ein Pforzheimer Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung und damit der „Scho’a“ (hebräisch הַשׁוֹאָה; deutsch Holocaust).


Inhaltsverzeichnis

Familie

Rudolf Kuppenheim wurde als Sohn von Louis Kuppenheim geboren. Er war verheiratet mit Lily Kuppenheim. Er hatte mit seiner Frau Lily Ehmann folgende Kinder:

Sie begingen am 23.10.1940 Selbstmord, „um der drohenden Deportation ins Konzentrationslager zu entgehen“.[1]

Leben und Wirken

Er besuchte ab 1875 das Großherzogliche Pädagogium und Realgymnasium in Pforzheim, studierte in Heidelberg Medizin und wurde 1893 Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des evangelischen Diakonissenkrankenhauses Siloah. Mit seiner Frau Lily Ehmann, wohnte er am Marktplatz 1, wo er auch seine Praxis als erster in Pforzheim niedergelassener Frauenarzt hatte. Mitte der zwanziger Jahre wurden Praxis und Wohnung in die Luisenstraße verlegt. 1914 diente er als Oberstabsarzt und Chefarzt großer Seuchenlazarette an der Ostfront; 1917 verlieh ihm Großherzog Friedrich II. von Baden (1857–1928) den Titel Medizinalrat. Vor dem Ersten Weltkrieg war Rudolf Kuppenheim Stadtverordneter für die Deutschnationale Volkspartei und auch – nach sein seinem Übertritt von der jüdischen Religionsgemeinschaft zur evangelischen Konfession – als Kirchengemeinderat engagiert. Am 30. März 1933 meldete das „Pforzheimer Morgenblatt“: „Jüdische Ärzte und Zahnärzte sind von der Kassenpraxis ausgenommen“. Betroffen von diesem Berufsverbot waren folgende Ärzte in Pforzheim: Kurt Ehrenberg, Bernhard Kern, Abraham Kronstein, Hermann Netter, Nathan Roos, Wilhelm Rosenberg, Friedrich Schnurmann und auch Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim. Am 1. April 1933 wurde er zum Rücktritt gezwungen und musste aus dem Dienst des Krankenhauses Siloah nach 40 Jahren Tätigkeit als Gynäkologe ausscheiden. Nach den Erinnerungen seines Sohnes Felix hat er rund 19 000 Kinder in Pforzheim dabei geholfen das Licht der Welt zu erblicken. Seine Privatpraxis durfte er noch weiterführen. Mit einem „Gesetz“ vom 5. Januar 1938 zwangen die Nationalsozialisten Juden bzw. solche Menschen, die sie als Juden abstempeln wollten, zur Annahme eines zweiten „jüdischen“ Vornamens, für Männer „Israel“. So wurde aus dem zur evangelischen Konfession übergetretenen Rudolf Kuppenheim ein „Geltungsjude“ nach dem Glauben seiner Vorfahren. Am 1. Oktober 1938 wurde Dr. Rudolf Kuppenheim die Zulassung als Arzt entzogen. Die Eheleute Lily und Rudolf Kuppenheim bleiben in ihrer Heimatstadt. Am 21. Oktober 1940 feierten die Eheleute den Tag, an dem sie sich vor 50 Jahren in Heidelberg kennengelernt hatten. Am Morgen des folgenden Tages klingelten SA-Männer an der Tür, sie forderten Lily und Rudolf Kuppenheim auf, in einer Stunde abmarschbereit zu sein mit 50 Kilogramm Gepäck, einer Wolldecke, Verpflegung, Ess- und Trinkgeschirr und maximal 100 Reichsmark pro Person. Ähnliches geschah an über 100 Wohnungstüren in Pforzheim. Statt zu packen, nahmen die Eheleute das Gift, das in der seit zwei Jahren geschlossenen Arztpraxis noch vorhanden war. Die zurückgekommenen SA-Männer fanden neben den beiden noch Lebenden auf dem Tisch auf einem Samtkissen die Auszeichnungen von Rudolf Kuppenheim aus dem Weltkrieg. Lily und Rudolf Kuppenheim starben am 23. Oktober 1940 im Städtischen Krankenhaus. Die Trauerfeier fand am 25. Oktober 1940 in der Schlosskirche statt.

Laut dem „Merkblatt für eingesetzte Beamte“ hätten die Eheleute Kuppenheim gar nicht auf der Deportationsliste stehen dürfen, denn ausdrücklich ausgenommen von der für den 20. Oktober 1940 geplanten Deportation der Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland waren „Angehörige von Mischehen“.

Gedenken

Literatur

Einzelnachweise

  1. Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 503.

Weblinks

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