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Das von den Juden getötete Mägdlein (Sage)

Von Stadtwiki

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Die Legende über das von den Juden getötete Mägdlein Margaretha von Pforzheim ist eine aus einer Reihe antisemitischer Ritualmordlegenden, die ab dem 12. Jahrhundert, beginnend in England, in Europa entstanden. Sie fand in Jacob und Wilhelm Grimms 1816/18 erschienene Sammlung Deutsche Sagen Eingang.

Inhaltsverzeichnis

Fassung der Legende nach den Brüdern Grimm

Im Jahre 1267 war zu Pforzheim eine alte Frau, die verkaufte den Juden aus Geiz ein unschuldiges siebenjähriges Mädchen. Die Juden stopften ihm den Mund, daß es nicht schreien konnte, schnitten ihm die Adern auf und umwanden es, um sein Blut aufzufangen, mit Tüchern. Das arme Kind starb bald unter der Marter, und sie warfen's in die Enz, eine Last von Steinen obendrauf. Nach wenigen Tagen reckte Margaretchen ihr Händlein über dem fließenden Wasser in die Höhe; das sahen die Fischer und entsetzten sich; bald lief das Volk zusammen und auch der Markgraf selbst. Es gelang den Schiffern, das Kind herauszuziehen, das noch lebte, aber, nachdem es Rache über seine Mörder gerufen, in den Tod verschied. Der Argwohn traf die Juden, alle wurden zusammengefordert, und wie sie dem Leichnam nahten, floß aus den offenen Wunden stromweise das Blut. Die Juden und das alte Weib bekannten die Untat und wurden hingerichtet. Beim Eingang der Schloßkirche zu Pforzheim, da, wo man die Glockenseile zum Geläut ziehet, stehet der Sarg des Kindes mit einer Inschrift. Unter der Schifferzunft hat sich von Kind zu Kind einstimmig die Sage fortgepflanzt, daß damals der Markgraf ihren Vorfahren zur Belohnung die Wachtfreiheit, »solang Sonne und Mond leuchten«, in der Stadt Pforzheim und zugleich das Vorrecht verliehen habe, daß alle Jahre um Fastnachtsmarkt vierundzwanzig Schiffer mit Waffen und klingendem Spiel aufziehen und an diesem Tag Stadt und Markt allein bewachen sollen. Dies gilt auf den heutigen Tag.

Hintergrund

Den Hintergrund der Legende bildet der Aberglaube, Juden würden mehr oder minder regelmäßig das Blut hierfür zu ermordender christlicher Kinder für magische Zwecke benutzen. Er konnte noch bis ins 20. Jahrhundert derart als allgemein bekannt gelten, dass die von den Brüdern Grimm 1816/18 veröffentlichte Fassung der Legende gar nicht explizit auf ein Mordmotiv einzugehen braucht. Daneben bezieht sich die Legende auch auf die im Mittelalter allgemein geltende Überzeugung, die Wunden eines Mordopfers würden wieder zu bluten beginnen, wenn der Mörder in die Nähe der Leiche käme. Mit den in der Legende erwähnten "Schiffern" sind die Pforzheimer Flößer (lateinisch als nautae bezeichnet) gemeint.

Siehe hierzu auch: Margaretha von Pforzheim

Literatur

Weblinks

Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Ritualmordlegende”

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