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Flößerei

Von Stadtwiki

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Pforzheimer Flößermarsch
Flößer an der Bogenbrücke
Die letzten Flößervorstände Gerwig, Christoph und Ludwig
Wasserstube Nonnenwag an der Nagold beim Monbachtal
Wasserstube Nonnenwag

Die Flößerei wurde lange Zeit auf Enz und Nagold betrieben, um Holz aus dem Nordschwarzwald Richtung Norden zu transportieren.

Inhaltsverzeichnis

Flößerei heute

Im Gedenken daran wird z. B. in Neuenbürg alle zwei Jahre ein Flößerfest gefeiert.

In Pforzheim gibt es auf der Auerbrücke ein (umstrittenes) Flößerdenkmal. Die Au, ein Stadtteil in der Stadtmitte Pforzheims, wird auch "Flößerviertel" genannt.

Flößer beim Talhubenfest 2011

In Unterreichenbach wurde 1999 ein Flößermuseum eingerichtet, außerdem findet dort alle 3 Jahre ebenfalls ein Flößerfest, genannt Talhubenfest, statt. Das Flößermuseum in Unterreichenbach informiert vorwiegend über die Flößerei an der Nagold und im Nordschwarzwald.

In Altensteig findet alle zwei Jahre das traditionelle Flößerfest an der Monhardter Wasserstube statt und im Heimatmuseum gibt es eine Flößerabteilung.

Im Bad Wildbader Stadtteil Calmbach gibt es ein Heimat- und Flößermuseum.

Geschichte

Die älteste deutsche Urkunde über die Regelung der Flößerei ist der Vertrag vom 17. Februar 1342 , welcher auf Anregung der freien Reichstadt Heilbronn zwischen dem zu Pforzheim wohnenden Markgrafen Rudolf IV. und dem Grafen Ulrich von Wirtemberg zu Stuttgart beschlossen wurde, und welcher den Betrieb der Flößerei auf der Enz, der Nagold, der Würm und dem Neckar regelte.

Baden besaß damals noch die waldreichen Ämter Liebenzell und Altensteig an der Nagold und an der unteren Enz das Amt Besigheim und hatte damit an der Regelung der Flößerei ein großes Interesse. Die Hauptpunkte des Vertrages waren: 1. dass die Nagold und die Würm bis Pforzheim und die Enz bis Besigheim geöffnet werden, ebenso der Neckar bis Heilbronn, und dass diese Wasser für immer geöffnet bleiben. 2. Wer auf diesen Wassern flößen will, hat an den Wehren Zoll zu zahlen von jedem 100 Zimmerhölzer und von jedem 100 Dielen 4 bis 6 Heller und an einigen Wehren 10 Heller. Von diesen Zöllen sind Fluß- und Wehrbauten zu unterhalten und die “Floßgassen“ von durch Hochwasser hereingeschlepptem Geröll und größerem Gestein zu reinigen. Fuhr- und Handelsleute (Flößer und Holzhändler) haben auf den Flößen und auf dem Heimwege freies Geleit, sei es Krieg oder Frieden. Bezüglich des Wehrzolls zu Pforzheim heißt es: „da nah ze Pfortzheim von vier weren viertzig haller.“

Markgraf Christoph erließ und bestätigte 1501 diese Zunftordnung aufs Neue. In Pforzheim saß eine enggeschlossene Zunft in der Flößervorstadt Au beisammen. Hier war dem Schiffer verboten, selbst oder durch Knechte im Wald Holz zu fällen oder zur Einbindestelle führen zu lassen, er war auf seinen Beruf beschränkt. Die Gesetze waren streng und man war darauf bedacht, eine völlige Gleichheit aller Zunftgenossen zu erhalten. Kein Flößer durfte bei Strafe der Konfiskation mehr als 5.000 Stück Holz oder Borde verflößen. Jedes Kompagniegeschäft war verboten, um nicht vereinte Kräfte stärker als vereinzelte werden zu lassen. War jedoch eine Schiffer durch Hochwasser oder auf andere Weise in Not geraten, durften ihm die Kameraden die Hilfe nicht abschlagen.

Die Flößer der oberen Enz und der Nagold durften ihr Holz nur bis Pforzheim verflößen und übergaben es hier zum weiterflößen oder verkauften es. Die Floßzeit war festgesetzt von Ostern bis St. Gallustag (16. Oktober): „ damit die Schiffer die heilige Zeit der Fasten und Ostern, auch zu Weihnachten mögen daheim bleiben und ihnen auf dem Wasser von Kälte und Winter keinen Schaden erwachse.“ Der Ostermontag war für die Meister und Knechte ein Festtag; die Zunft hielt ihren Umzug durch die Stadt, die Floßzeit ward eingeleitet durch den Rügungstag – auf diesem wurde erst die Zunftordnung verlesen, dann wurden alle im vergangenen Jahr erfolgten Vergehen untersucht und gerügt. Dann erklärte jeder, ob er in dem Jahr als Schiffer oder als Knecht fahren wolle; letzterer fuhr gegen Lohn und durfte nicht selbständig kaufen. Zum Schluß wählte man aus der Schifferschaft 4 Verordnete, welche die Zunftaufsicht führten und die gemeinsamen Geschäfte besorgten. Am Montag nach Dreikönigstag musste Bruderschaftstag gehalten werden; wer fehlte, zahlte Strafe von 1 Pfund Wachs auf den Altar unserer lieben Frauen, darauf erfolgte eine Seelenmesse für die abgestorbenen Zunftgenossen. Die Zunft war die rechtliche Seite der gewerblichen Vereinigung, die Bruderschaft die religiöse.

Nach den Franzoseneinfällen und drei verheerenden Bränden im 17. Jahrhundert war Pforzheim zerstört und die Flößerei zum Erliegen gekommen. Die Holländer hatten inzwischen fast den gesamten Holzhandel eingenommen und ließen das Holz durch hiesige Flößer bis nach Mannheim verflößen. Mit dem Eintritt der 3 übriggebliebenen Schiffer in die Calwer Holzhandelskompagnie, regte sich endlich das Gefühl, dass man in andere Bahnen einlenken müsse. Am 18. März 1747 kam der neue Floßverein zustande; das neue Status besagt: „Dass seit einiger Zeit viel schädliches Misstrauen, Stümpelei, Unordnung und Gebrechen eingegriffen und dadurch die von unseren Mitgliedern in zugehöriger Handirung vorhin ehrbarlich gesuchte Nahrung merklich zurück gegangen.“ Es wurden 26700 Gulden in 267 Portionen zusamengelegt und beschlossen, alle Holzeinkäufe und Verkäufe, Frachtakkorde u.s.w. auf gemeinsame Rechnung durch die Vorsteher betreiben zu lassen. Das von Fauler und Genossen geleitete Unternehmen gedieh und der Vorstand brachte es in den folgenden Jahren dahin, dass der Floßverein in die neue Murgkompagnie aufgenommen wurde.

Von 17581788 dehnte der Pforzheimer Floßverein neben seiner Beteiligung an der Murgkompagnie, seinen eigenen Holzhandel, den er sich vorbehalten, nicht über gemeines Bauholz und Sägwaren aus, und versorgte damit die Ortschaften am Neckar und Rhein bis Worms hinab. 1788 löste sich die Murgkompagnie auf. Die große Zeit der Flößerei ging Mitte des 19. Jahrhunderts langsam ihrem Ende zu. Infolge des Eisenbahnbaues und der Erweiterung des Schienennetzes traten weit abgelegene Waldgebiete in Wettbewerb mit dem Schwarzwald; aus Bayern und Österreich wurde nun das Holz nach den Niederlanden befördert. 1840 waren noch 90 Flößer in der Zunft; 1866 waren es nur noch 44. Die jungen Männer interessierten sich nicht mehr für den Schifferberuf und die alten Flößer starben aus. Christof Gerwig (geb. 1825 - gest. am 4. November 1906) war der letzte Vorstand, der am 31. Dezember 1899 aufgelösten Flößerei-Genossenschaft.

Heute erinnert in Pforzheim nur noch das Flößerdenkmal auf der Auerbrücke an die große Zeit der Flößerei.

Sonstiges

Flößerzunft Oberes Nagoldtal e.V. [1]

Siehe auch

Weblinks

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