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Vicus Senotensis

Von Stadtwiki

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Der Vicus Senotensis ist ein römischer Vicus, die bei Wilferdingen gelegen hat. Sie ist neben Portus (Pforzheim) die einzige römische Siedlung, deren lateinischer Name bekannt ist.

1842 wurde eine Weiheinschrift für Jupiter gefunden, die Auskunft über eine ehemalige römischen Siedlung bei Wilferdingen gibt und sich heute im Badischen Landesmuseum Karlsruhe befindet. Die Civitas (Gebietskörperschaft) der Gegend lag in Aquae (Baden-Baden). Es ist nicht viel über diese Art ländlicher Siedlungen bekannt, die im gesamten südwestdeutschen Raum zu finden sind. Die Größe des römischen Vicus Senotensis ist unbekannt. An Hand einiger Funde lässt sich die Gründungszeit um etwa 100 nach Christus bestimmen. Die älteste in Wilferdingen gefundene Münze stellt Kaiser Nerva (96–98) dar.

Der derzeitige Stand der Erforschung des Vicus Senotensis wird im Foyer der Kulturhalle in Remchingen-Wilferdingen durch eine kleine Ausstellung dokumentiert.

Am südwestlichen Ortsrand von Wilferdingen wurde 1988 durch Luftaufnahmen ein weiterer Gutshof entdeckt. 2002 wurde dieser archäologisch untersucht. Ein etwa 26 Meter mal 23 Meter großer Teil des Gebäudes wurde freigelegt. Etwa 60 Meter weiter wurde noch ein kleineres Wirtschaftsgebäude entdeckt.

Zum Teil wurden die Ausgrabungen durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamts Pforzheim ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Im Bereich des nördlichen Ortsrand von Wilferdingen wird das Zentrum des Vicus Senotensis vermutet.


Weihestein von 1842

Der Weihestein wurde 1842 beim Pflügen im Wilferdinger Flurgewann "Welschental" entdeckt. Der Wortlaut war:

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) I(ovi) O(ptimo) M(aximo)
In venalius Maccrinus vica(nis)
Senot(ensibus) macer(iam) d(e) s(uo) d(edit)

übersetzt: "Zu Ehren des göttlichen (Kaiser)Hauses, Jupiter dem Besten und Größten, hat Juvenalius Maccrinus den Bewohnern des Vicus Senotensis eine Umfassungsmauer aus eigenen Mitteln gestiftet"

Mit dem Weihestein wurden drei Münzen von Traian und Hadrian (Regentschaften zwischen 98 bis 138 n. Chr.) gefunden.

Geschichte

Die hiesige Region kam 74 nach Christus unter römische Herrschaft. Die Gründung des Vicus Senotensis dürfte wohl auch mit der südlich des Remchinger Gemeindegebiets befindliche römische Militärstraße Ettlingen-Portus-Cannstatt zusammenhängen. Ein Verbindungsweg führte wahrscheinlich von Jöhlingen über die Singener Gewanne "Pfähler", "Hohstraße" und "Hegenach" dorthin. Die günstige Verkehrsinfrastruktur lockte wohl verschiedene Handwerkergruppen wie Schmiede, Töpfer oder Steinmetze an. Der Name Senotensis könnte sich von einen Stammesname der hiesigen keltischen Urbevölkerung abgeleitet sein. Die Münzfunde bei dem Weihestein deuten auf eine Gründung bzw. Blütezeit des Dorfes Anfang des 2. Jahrhunderts hin.

Belegt ist unter anderem eine römische Badeanlage. In den zur Straße zugewanden Häuserteilen befanden sich die Verkaufs- und Wohnräume und in den hinteren die Werkstätten. Zur Lebensmittelversorgung befanden sich mehrere römische Gutshöfe im näheren Umkreis.

Leugensteine im Ranntal geben die Entfernung nach Baden-Baden an und stammten vom Kaiser Caracalla (211-217) und Servus Alexander (222-235). Angegeben wurden auf den Leugensteinen in der Regel nur Civitas-Orte, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass Vicus Senotensis zur Civitas Aquae (heutiges Baden-Baden) gehörte.

Untergegangen ist der Ort wahrscheinlich nach dem Limesfall um 260 n. Chr.


Quellen

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