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Simon Kassewitz

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Simon Kassewitz (geboren 15. Dezember 1885 in Schmieheim; gestorben 16. November 1949 in Bolivien) war jüdischer Lehrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft, Ausbildung, Familie

Simon Kassewitz wurde am 15. Dezember 1885 als jüngstes von sieben Kindern der Eheleute Mathilde und Isaak Kassewitz in Schmieheim geboren. Sein Vater war Gastwirt. Er starb früh, so dass seine Mutter die Kinder allein versorgen musste. Simon Kassewitz besuchte ab September 1896 das Ettenheimer Realgymnasium. Danach studierte er in Straßburg und Freiburg Sprachen und Philosophie. Im März 1910 machte Simon Kassewitz die Prüfung, um Deutsch, Englisch, Französisch und Latein an der Höhere Schule unterrichten zu können. Am 24. Mai 1911 erhielt er schließlich die Anstellungsfähigkeitsbestätigung.

Berufstätigkeit

Danach arbeitete er an verschiedenen Schulen in Baden, bis er an der Oberrealschule in Rheinbischoffsheim eine Festanstellung erhielt. Im Ersten Weltkrieg diente er vom 27. Februar 1915 bis zum 28. Dezember 1915. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er am 1. April 1920 Professor an der Oberrealschule in Pforzheim. In Pforzheim wohnte er in der Bertholdstraße 24. 1928 heiratete er die 20 Jahre jüngere jüdische Edith Rosenbaum. Am 24. April 1930 kam ihre Tochter Eva zur Welt.

Berufsverbot

Am 7. April 1933 wurde er als Angehöriger der jüdischen Religionsgemeinschaft auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ beurlaubt und schließlich am 28. Juli 1933 zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Ebenfalls Berufsverbot erhielten die Professoren Kahn und Bloch derselben Schule. Danach arbeite er kurz in der Pforzheimer jüdischen Gemeinde, er gab Sprachunterricht. Die Familie zog 1933 nach Leipzig um. Kassewitz fand bereits 1934 in Leipzig eine neue Stelle an der israelitischen Carlebachschule. Am 22. Dezember 1934 erhielt er „im Namen des Führers und Reichskanzlers“ das noch vom vier Monate zuvor gestorbenen Reichspräsident Hindenburg gestiftete „Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer“, da Simon Kassewitz im Ersten Weltkrieg gedient hatte. Die Urkunde war vom Leipziger Polizeipräsident unterschrieben. An der Carlebachschule arbeite er bis 1938.

Konzentrationslager Buchenwald

Nach der Pogromnacht am 10. November wurde Simon Kassewitz von SS-Männern aus seiner Wohnung geholt. Sie brachten ihn zur erst zur Polizeizentrale, danach wurde er ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Die Eltern seiner Frau kamen, um sich um sie zu kümmern. Herr Rosenbaum, der Vater seiner Frau, der ebenfalls Jude war, wurde nicht eingesperrt, da er so alt war. Die Familie plante derweil die Flucht aus Deutschland: Sie wollte nach Bolivien zu entfernten Verwandten auswandern. Als Simon Kassewitz nach fünf Wochen im KZ zurückkam, war er abgemagert. Er hatte dort unterschreiben müssen, dass er niemanden erzählt, was im KZ passiert war. Ihm war gedroht worden, man würde ihn finden, wenn er sprach. Nach seiner Freilassung musste er sich täglich bei der Gestapo melden.

Auswanderung / Flucht

Im Gegensatz zu seiner Familie wollte er gar nicht auswandern, er dachte immer noch, dass die Macht Hitlers bald vorbei sei, doch seine Frau bestand darauf. Die Familie bekam ein Visum zur Einreise nach Bolivien. Die Eltern von Edith Rosenbaum flohen nach Indien. Die Familie Kassewitz musste vor der Abreise eine Liste anfertigen mit allem, was sie mitnehmen wollte, und mit allem, was sie in Deutschland lassen mussten. Diese Liste mussten sie bei der Gestapo abgeben. Die Gestapo schickte ihre Leute um das Packen der Sachen zu überwachen, damit nichts illegal mitgenommen wurde. Da die Familie kaum Geld mitnehme durfte, buchte Simon Kassewitz ein Luxusschiff, er wollte nicht, dass auch noch das Geld an die Gestapo ging, denn die Sachen, die sie in Deutschland ließen, wurden von der Gestapo beschlagnahmt.

Bolivien

Am 19. Juni 1939 ging die Familie Kassewitz in Hamburg an Bord des Schiffes „Patria“. Auf dem Schiff traf die Familie alte Freunde aus Pforzheim, die Familie Bensinger, die auch nach Bolivien auswandern wollten. Am 12. Juli 1939 kam die Familie Kassewitz schließlich in Arica in Chile an. Die Familie musste einige Tage in einem Hotel bleiben, bis der Zug nach La Paz ging, wo die Verwandten wohnten. Sie lebten sich dort gut ein und die Tochter Eva Kassewitz besuchte eine katholische Privatschule. Im Oktober 1940 wurden die Geschwister von Simon Kassewitz, die nicht schon ausgewandert waren, nach Gurs in Südfrankreich deportiert und später in Auschwitz ermordet. Am 16. November 1949 starb Simon Kassewitz in Bolivien.

Quelle

Eva Marianne Kassewitz de Vilar: „Wenn du es doch noch erlebt hättest, Vater“, Piata Sfatului 2004

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