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Arisierung

Von Stadtwiki

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Als "Arisierung" wurde im Nationalsozialismus die planmäßige und schrittweise Ausschaltung von Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit aus dem Wirtschaftsleben durch die antisemitische Politik der NSDAP bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

In Pforzheim kommt es schon im Mai 1920 zu antisemitisch motivierten Boykott-Aufrufen: An Schaufenstern in der Innenstadt kleben Zettel mit der Aufschrift: "Kauft nicht bei Juden!" Die "Freie Presse", Organ der SPD, kommentiert: "Wenn die antisemitisch-deutsch-nationalen Hetzpolitiker glauben, uns Arbeiter aufputschen zu können, so beweisen sie damit ihre groteske Gedankenlosigkeit. Wucherer, Schieber und Schwindler sind in allen Konfessionen und Rassen vertreten".

Im Oktober 1923 kleben Unbekannte über Nacht an Türen und Schaufenster jüdischer Geschäftsleute Zettel mit der Aufschrift: "Kauft nicht bei Juden!" Die "Freie Presse" schreibt dazu: "Die Arbeiterschaft will für den wenigen Lohn, den sie erhält, möglichst viel gute Ware erhalten. Wer daher in der Lage ist, die werktätige Bevölkerung mit preiswerten Bedarfsartikeln zu versorgen, ist ihr willkommen, mag es ein Christ, Jude oder Heide sein".

Boykott am 1. April 1933

Am 31. März 1933 beginnt die erste offene antisemitische Aktion der NSDAP mit dem Boykott von Läden, Arztpraxen und Rechtsanwaltsbüros, deren Besitzer zur jüdischen Gemeinde gehören. SA-Männer unter Leitung des Standartenführers Rilling versperren den Zugang z.B. zum Kaufhaus Schocken und fordern die Käufer zum Verlassen des Hauses auf. In der Nacht zum Samstag kleben Nationalsozialisten an jüdische Geschäfte Zettel mit Aufschriften wie "Ein Lump und Landesverräter ist, wer in jüdischen Geschäften kauft!" oder "Geschlossen, da abgereist nach Palästina". Am 1. April 1933 stehen ab 10 Uhr morgens SA- und SS-Männer vor den Eingängen der boykottierten Geschäfte, blockieren sie und halten mögliche Käufer durch Warnungen vom Betreten der Geschäfte ab, so bei den Kaufhäusern Schocken (heute Galeria Kaufhof) und Knopf (am Marktplatz) und auch beim Fotograf Max Rödelsheimer am Schloßberg. Durch das "Gesetz zum Schutz des deutschen Einzelhandels" mit Einschränkungen für Warenhäuser und durch das Verbot für NSDAP-Mitglieder, in Warenhäusern einzukaufen, kommt es zu Umsatzeinbußen. Am 9. Mai 1933 beschließt der gleichgeschaltete neue Stadtrat Pforzheims, dass städtische Betriebe und das Wohlfahrtsamt nichts mehr aus Warenhäusern, Konsumvereinen und jüdischen Geschäften beziehen dürfen.

"Arisierung" in Pforzheim

Im Gebiet der heutigen Fußgängerzone und der anliegenden Leopold- bzw. Zerrennerstraße befanden sich bis 1933 insgesamt 18 Geschäfte, deren Inhaber der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten:

Sieben der Geschäftsinhaber wurden bis 1938 durch Boykott und daraus folgend durch Umsatzrückgang zur Aufgabe gezwungen, elf Geschäfte wurden "arisiert". 14 der Besitzer, der betroffenen Familien bzw. der Angestellten "starben verfolgungsbedingt" im südfranzösischen Internierungslager Gurs, "im Osten", im Konzentrationslager Bergen-Belsen, in Tröbitz bzw. im Vernichtungslager Auschwitz.

Ähnliches geschah auch in der Nordstadt bzw. am Güterbahnhof. Neben den Besitzern von Ladengeschäften waren auch Lehrer und Lehrerinnen vom Berufsverbot betroffen (Ascher, Bloch, David, Kahn, Kassewitz), Ärzte, Rechtsanwälte, Schmuckfabriken, Apotheker, Edelsteinhändler, Viehhändler, Bankiers... wurden z.T. zur Aufgabe gezwungen, d.h. das Geschäft, die Firma bzw. die Praxis verschwanden, z.T. wurden die Geschäfte von nichtjüdischen Personen "übernommen", "arisiert", liefen also unter neuem Namen weiter.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Weiße Flecken, Januar 2006, S. 7 (Arisierung in Pforzheim)

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