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Thailfingen

Von Stadtwiki

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Die Wüstung Thailfingen (Dagelfingen) war eine Ortschaft zwischen Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Heute ist "Tailfingen" der Name einer Straße und einer Flur im Gebiet Enzberg. Die Flur Dal(l)fingen liegt in der Gemarkung Dürrn.

ehemaliges Dorf Dagelfingen

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Römische Besiedlung

Kopie des gefundenen Herkulessteins

In der Dürrner Gemarkung fand man neben Mauerresten und römischen Münzen den sog. Herkulesstein, der auf eine römische Vorbesiedlung, mögl. eine weitere Villa rustica oder eine kleinere Siedlung (vicus), schließen lässt. Man vermutet, dass der Herkulesstein zu einem Grabmal gehörte. Heute befindet sich der Stein im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Gründung

Die Endung -ingen verweist auf eine mögliche alamannische Gründung. Die Alamannen stießen ab dem 3. Jh. n. Chr. in den Südwestraum vor. Namensgeber der Ortschaft dürfte ein Sippenanführer oder Gutsbesitzer namens "Dagolf" bzw. "Dagwolf" sein. Hierbei ist zu erwähnen, dass das althochdeutsche w noch vokalisch, ähnlich dem englischen w, ausgesprochen wurde und die meisten Vornamen mit -wolf (vgl. Adolf, Rudolf, etc.) ihren w-Laut bereits zur althochdeutschen Zeit verloren haben. Der Name Dagolf ist als männlicher Vorname mehrfach belegt (vgl. auch Dalsheim).

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) und datiert auf das Jahr 883. In dieser Urkunde handelt es sich um den Gütertausch zwischen dem Kloster Lorsch und einem gewissen Ernst aus Eckenweiher. Lorsch erhält gegen Abgabe von Gütern an Ernst, Besitz in Nußbaum, Mühlhausen und auf der "Dagolvinger marca" (Dagolfinger Mark/Gebiet). Im Jahr 1100 wird Dagelfingen wieder erwähnt. In diesem Jahr gründet der Bischof Johannes I. von Speyer, der Sohn des Enzgaugrafen Wolfram, das Kloster Sinsheim und stattete es mit zahlreichen Ortschaften aus. Seine Verwandte und Mitstifterin schenkte dem Kloster noch Enzberg und Dagelfingen im Enzgau. 1120/1140 ist ein eigener Niederadel belegt.

Wüstung

Lage heutiger Flurnamen

Im nächsten Beleg 1440 und den folgenden ist Thailfingen nur noch als Flurname belegt. Die Gemarkung wurde zwischen den Orten Enzberg, Dürrn, Kieselbronn und Ötisheim aufgeteilt. In einem späteren Vertrag im Jahr 1527 wurde die ehemalige Gemarkung zugunsten von Dürrn und Enzberg neu aufgeteilt.[1] Der Abgang der Ortschaft lag zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert. Stenzel (1975) nimmt an, dass "die Siedlung Dagelfingen mit Enzberg vereinigt wurde", da der Großteil der Gemarkung an Enzberg fiel.[2] Als Ursache für den Abgang erwägt er folgende Möglichkeiten[3]:

In dem Badischen Forstlagerbuch von 1717-54 wird die Thailfinger Mark als von Württemberg und Baden gemeinsam verwaltet dargestellt. Der große Zehnt gehörte dem Markgrafen von Baden und der kleine Zehnt dem Pfarrer von Dürrn.

Karl Ehmann (1980) ist der Meinung, dass der Ort jedoch bis ins 16. Jahrhundert bestand und die Bewohner wurden letztlich von der Obrigkeit vertrieben, da sie der Sekte der Wiedertäufer angehörten. [4] So schildert eine Urkunde von 1606, dass einst Güter von Wiedertäufern von den Vogtherren eingezogen wurden. In einem Streit um den Hitzberg im Jahr 1727 heißt es: "Hützberg [...] auf gemeinschaftlicher Thalfinger Mark, allwo vor diesem ein Dörflein namens Thalfingen gestanden, welches von Wiedertäufern bewohnt gewesen. Nun haben die damaligen Mitherrschaften die Resolution genommen, die Wiedertäufer auszutreiben und ihre Güter an sich zu ziehen [...]."

Unsicher ist auch welche Rolle Thailfingen für die Gründung Enzberg gespielt hat. Stenzel führt die Möglichkeit an, dass Enzberg ursprünglich "aus der Tailfinger Mark etwa bei der Gründung der Burg herausgeschnitten" wurde.[5]

Der "Thalfinger Fuß" wurde noch bis 1736 als Maßeinheit in Dürrn verwendet.

Heute

Blick auf Großes Dalfingen (Ackerland) und auf Kirchäcker (rechs des Grabens)

Mehrere Flurnamen in den Gemarkungen Dürrn und Enzberg erinnern an die Wüstung. Auf dem Dürrner Gebiet gibt es den Gewann "Dallfingen" (mit Doppel-l), der wiederum aus den Fluren "Kleines Dalfingen" und "Großes Dalfingen" (mit einfachem l) besteht. Desweiteren verweist der Flurname "Kirchäcker" auf das ehemalige Dorf.

Auf dem Enzberger Gebiet erinnert die Flur und die Straße "Tailfingen", bestehend aus einem Aussiedlerhof, an die Wüstung. Als der Hof 1964 errichtet wurde, hatte die Enzberger Überlieferung noch "die Erinnerung an den "Tailfinger Brunnen" in der von Lettenkeuper bedeckten Quellmulde [..., so dass dieser] genau dort wieder ergraben werden konnte"[6].



Gemarkung

Rekonstruktion nach Stenzel (rot markiert)

Stenzel versuchte die ehemalige Gemarkung von Thailfingen zu rekonstruieren.[7] Dabei ist handelt es sich um die Gemarkung während des Hochmittelalters als die Nachbarorte Enzberg, Kieselbronn und Dürrn schon bestanden. Diese sind jedoch erst frühstens Ende des Frühmittelalters entstanden. Wie die "Urmark" aussah ist schwieriger zu beantworten, da sich die Siedlungsstruktur nördlich von Pforzheim stark verändert hat (vgl. Neidlingen, Hadandesheim, Brinklingen). Möglicherweise wurde die Enzberger Gemarkung aus der Thailfinger herausgeschnitten, da diese ungewöhnlich klein ist und keine weiteren Urdörfer in direkter Nähe liegen. Der Lokalhistoriker Friedrich Wissmann geht jedoch davon aus, dass diese aus allen Teilen der Nachbargemeinden entstand.[8]

Kieselbronner Anteil

Ein Kieselbronner Bewohner zahlte 1440 den Kirchenzins von einem Morgen Wiese zu "Delfingen". Der Kieselbronner Anteil beschränkt sich vermutlich auf Wiesen im Ortsbachtal. 1696 werden im Enzberger Lagerbuch "3 Morgen von der Kieselbronner heimgefallene Wiesen unden uff Fleckenswiesen" erwähnt. Möglicherweise ist der sowieso geringe Anteil damit an Enzberg gefallen.

Enzberger Anteil

Auf der Enzberger Gemarkung befand sich 1446 ein sogenannter Tailfinger Bezirk. In einem Vertrag von 1527 werden die Orte Enzberg und Dürrn als Hauptnachfolgesiedlung erklärt und die Rechte über die Thailfinger Gemarkung wird so aufgeteilt, dass Enzberg den Flurschützen stellen und das Ge- und Verbotsrecht innehaben, während die Dürrner die Zufahrt und den Zugang zum Vieh besitzen. 1586 wird mit Dürrn und Ötisheim beschlossen, dass Enzberg die Kontrolle über den Güterverkehr auf der Thailfinger Gemarkung hat.

Gemäß dem Enzberger Lagerbuch von 1696 betrifft der "Talfinger Gülten" 46 Morgen bzw. 18 Grundstückseinheiten mit 147 Trägern (davon 12 aus Dürrn, 11 aus Ötisheim und 124 aus Enzberg) und weitere 40 Morgen werden in diesem Lagerbuch als "in Talfingen" bezeichnet. Das Areal betrifft die Flure Talfingen, Hitzberg, Wanne, Klamm, Lerchenrain und Krummenthal. Vermutlich war der Talfinger Gülten eine zu entrichtende Abgabe für die Erben der umgesiedelten Thailfinger und Erben oder den Besitznachfolgern der Thailfinger Grundstücke. Da genannten Flurnamen zur Zelg Unterhardt gehörten, die relativ größer war als die anderen Zelgen, ist dies ein Hinweis für eine nachträgliche Erweiterung der Enzberger Gemarkung.

Dürrner Anteil

1486 ist von 2 Morgen Acker "gelegen zu Dallfingen" die Rede. 1685 wird erstmals zwischen dem "Großen" und dem "Kleinen Dalphingen" unterschieden. Im Gegensatz zu heute reichte "Klein-Tailfingen" früher bis an die Weinstraße weiter westlich. 1727 taucht in einer Urkunde ein "Dalfinger Wald" auf.

Ötisheimer Anteil

Das Ötisheimer Zinsbuch beschreibt die "Talfinger Mark" z.B. mit den Angaben "stoßt oben uff die Dürrner Mark unden uff die Straß [alter Römerweg]" und zum Teil lagen die Flure auf der "Bösenhalde". 1565 wurde der Anteil zwischen zwei Zelgen aufgeteilt (Zelg Dürrn und Zelg Erlenbach).

Namensbelege (Auswahl)

Quellen

Einzelnachweise

  1. vgl.Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 122
  2. Stenzel (1975) S. 123
  3. vgl. S. 124f.
  4. Karl Ehmann (1980): Abgegangene Siedlungen um Pforzheim. in: Pforzheimer Geschichtsblätter 5, S.168ff
  5. Stenzel (1975) S. 124
  6. Stenzel (1975) 120f.
  7. Stenzel (1975): S. 121-124
  8. Friedrich Wissmann (1952): Das ehemalige Städtchen Enzberg, S. 10f
  9. F. Wißmann: Das ehemalige Städtchen Enzberg. 1952. S. 11
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