Thailfingen

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Die Wüstung Thailfingen (Dagelfingen) war eine Ortschaft zwischen Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Heute ist "Tailfingen" der Name einer Straße und einer Flur im Gebiet Enzberg. Die Flur Dal(l)fingen liegt in der Gemarkung Dürrn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Römische Besiedlung

Kopie des gefundenen Herkulessteins

In der Dürrner Gemarkung fand man neben Mauerresten und römischen Münzen den sog. Herkulesstein, der auf eine römische Vorbesiedlung, mögl. eine weitere Villa rustica oder eine kleinere Siedlung (vicus), schließen lässt. Man vermutet, dass der Herkulesstein zu einem Grabmal gehörte. Heute befindet sich der Stein im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Gründung

Die Endung -ingen verweist auf eine mögliche alamannische Gründung. Die Alamannen stießen ab dem 3. Jh. n. Chr. in den Südwestraum vor. Namensgeber der Ortschaft dürfte ein Sippenanführer oder Gutsbesitzer namens "Dagolf" bzw. "Dagwolf" sein. Hierbei ist zu erwähnen, dass das althochdeutsche w noch vokalisch, ähnlich dem englischen w, ausgesprochen wurde und die meisten Vornamen mit -wolf (vgl. Adolf, Rudolf, etc.) ihren w-Laut bereits zur althochdeutschen Zeit verloren haben. Der Name Dagolf ist als männlicher Vorname mehrfach belegt (vgl. auch Dalsheim).

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) und datiert auf das Jahr 883. In dieser Urkunde handelt es sich um den Gütertausch zwischen dem Kloster Lorsch und einem gewissen Ernst aus Eckenweiher. Lorsch erhält gegen Abgabe von Gütern an Ernst, Besitz in Nußbaum, Mühlhausen und auf der "Dagolvinger marca" (Dagolfinger Mark/Gebiet). Im Jahr 1100 wird Dagelfingen wieder erwähnt. In diesem Jahr gründet der Bischof Johannes I. von Speyer, der Sohn des Enzgaugrafen Wolfram, das Kloster Sinsheim und stattete es mit zahlreichen Ortschaften aus. Seine Verwandte und Mitstifterin schenkte dem Kloster noch Enzberg und Dagelfingen im Enzgau. 1120/1140 ist ein eigener Niederadel belegt.

Wüstung

Im nächsten Beleg 1440 und den folgenden ist Thailfingen nur noch als Flurname belegt. Die Gemarkung wurde zwischen den Orten Enzberg, Dürrn, Kieselbronn und Ötisheim aufgeteilt. In einem späteren Vertrag im Jahr 1527 wurde die ehemalige Gemarkung zugunsten von Dürrn und Enzberg neu aufgeteilt.[1] Der Abgang der Ortschaft lag zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert. Stenzel (1975) nimmt an, dass "die Siedlung Dagelfingen mit Enzberg vereinigt wurde", da der Großteil der Gemarkung an Enzberg fiel.[2] Als Ursache für den Abgang erwägt er folgende Möglichkeiten[3]:

Unsicher ist auch welche Rolle Thailfingen für die Gründung Enzberg gespielt hat. Stenzel führt die Möglichkeit an, dass Enzberg ursprünglich "aus der Tailfinger Mark etwa bei der Gründung der Burg herausgeschnitten" wurde.[4]

Heute

Mehrere Flurnamen in den Gemarkungen Dürrn und Enzberg erinnern an die Wüstung. Auf dem Dürrner Gebiet gibt es den Gewann "Dallfingen" (mit Doppel-l), der wiederum aus den Fluren "Kleines Dalfingen" und "Großes Dalfingen" (mit einfachem l) besteht. Desweiteren verweist der Flurname "Kirchäcker" auf das ehemalige Dorf.

Auf dem Enzberger Gebiet erinnert die Flur und die Straße "Tailfingen", bestehend aus einem Aussiedlerhof, an die Wüstung. Als der Hof 1964 errichtet wurde, hatte die Enzberger Überlieferung noch "die Erinnerung an den "Tailfinger Brunnen" in der von Lettenkeuper bedeckten Quellmulde [..., so dass dieser] genau dort wieder ergraben werden konnte"[5].

Namensbelege (Auswahl)

Quellen

Einzelnachweise

  1. vgl.Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 122
  2. Stenzel (1975) S. 123
  3. vgl. S. 124f.
  4. Stenzel (1975) S. 124
  5. Stenzel (1975) 120f.
  6. F. Wißmann: Das ehemalige Städtchen Enzberg. 1952. S. 11
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