Zur Anmeldung als Teilnehmer bitte E-Mail mit Nennung des gewünschten Benutzernamens an: vorstand@pfenz.net

Pierre Dayné

Von Stadtwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Pierre Dayné (* 17. November 1902 in Neuilly-sur-Seine; † 30. November 1944 in Pforzheim, ermordet) war ein französischer Widerstandskämpfer im Réseau (Netzwerk) "Alliance" und wurde bei der Erschießung französischer Widerstandskämpfer im Waldgebiet Hagenschieß unweit des Wildparks erschossen.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend

Der Sohn eines Polizisten im Ruhestand im Correze wurde 1917 mit 15 Jahren Schiffsjunge; er war zwei Jahre im Ersten Weltkrieg. Sein älterer Bruder starb im September 1918 an der Front.

Beruf und Familie

Nach dem Krieg verließ Pierre Dayné 1922 die Marine, weil er sich mit einer jungen Frau aus der Gegend um Brest in der Bretagne verheiraten wollte. Er wollte in die Polizei eintreten, weil schon sein Vater Polizist gewesen war. Sein handgeschriebener Lebenslauf befindet sich im Polizeimuseum in Paris, ebenso ein Diktat, das er bei der Aufnahmeprüfung schreiben musste. Nach weiteren Prüfungen arbeitete er bei der Sittenpolizei („brigade mondaine“) in Paris, 1939 legte er seine Diplom-Prüfung ab.

Er wohnte seit 1926 in Paris. Durch die Vermittlung seiner Frau, die von Beruf Stickerin war, machte er ungefähr 1929 die Bekanntschaft von Madame Madelaine Fourcade, da seine Frau für die großen französischen Familien Wäsche stickte.

Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht

Der Vater von zwei Kindern trat am 1. Februar 1941 der Résistance-Organaisation „Alliance“ bei und war zu diesem Zeitpunkt Verbindungsmann von Madame Madelaine Fourcade, die in der illegalen Arbeit gegen die deutsche Beatzung den Decknamen „Arche de Noe“ trug. Sie gab ihm den Tarnnamen „Fourni“, also „Ameise“.

1943 war er Sicherheitsbeauftragter für die Radiosender der Widerstandsorganisation in Paris und nahm teil an der Organisation „Lysander“, also der Aufnahme der Flugzeuge beziehungsweise deren Besatzung und Fracht per Fallschirm, die aus London kommend, die Résistance in Frankreich unterstützten. Gleichzeitig arbeitete er als Verbindungsmann für Madame M. Fourcade, wenn sie in Paris war. In seiner legalen Existenz als Polizist hatte er ja das Recht, eine Waffe zu tragen.

Réseau Alliance

Haupttätigkeiten von Réseau Alliance waren das Auskundschaften von geheimen Rüstungsfabriken in Hitler-Deutschland und von Abschussrampen für V 1- und V 2-Raketen sowie die Übermittlung von Nachrichten über Truppenbewegungen der Wehrmacht an die Alliierten. Réseau Alliance-Mitglieder stellten falsche Papiere für politisch Verfolgte oder gesuchte Juden zur Fluchthilfe oder zum Untertauchen in der Illegalität her, halfen Gefährdeten über die Grenzen und unterstützten Familien von Verfolgten oder Inhaftierten. Die Widerstandsgruppe hatte auch Beziehungen zum militärischen Widerstand um Graf Stauffenberg gegen Hitler und konnte so Nachrichten über den Kriegsverlauf im Osten an die Westalliierten übermitteln.

Haft

Pierre Dayné wurde am 17. August 1943 in Paris festgenommen, er war inhaftiert im Gefängnis Fresnes in Paris und der Festung Montluc in Lyon. Wie er wann von dort ins Gefängnis Pforzheim kam, ist unbekannt.

Ermordung in Pforzheim

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle in Straßburg, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer des Réseau "Alliance" aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus, ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt durch Genickschuss und Gewehrkolbenhiebe und verscharrten sie in einem Bombentrichter östlich der Tiefenbronner Straße in der Nähe des heutigen Wildparks.

nach 1945

Nach der Befreiung Pforzheims am 18. April 1945 wurden die Leichen durch die französische Besatzungsmacht exhumiert und auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof feierlich beigesetzt. 1947 wurden die Leichen in die Heimatgemeinden der Ermordeten überführt. Bei wenigen Opfern konnten keine Angehörigen gefunden werden; sie wurden – so auch Pierre Dayné – auf dem Militärfriedhof in Strasbourg-Cronenbourg beerdigt.

Erinnerungstafel

Seit Januar 2008 erinnert ein Gedenkstein an das Kriegsverbrechen vom 30. November 1944. Auf diesem sind die Erschossenen jeweils mit Bild und Namen aufgeführt.

Am 30. November 2009 konnte das Foto des Widerstandskämpfers Pierre Dayné als vorletztes Bild in die Erinnerungstafel eingefügt werden.

Quellen

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Themenportale
Unterstützt von
Werkzeuge