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Haus Theodor Bohnenberger, Westliche Karl-Friedrich-Straße 86 in Pforzheim

Von Stadtwiki

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Das Haus wurde nach Entwürfen von Baurat Karl August Schwarz, einem Schüler von Friedrich Weinbrenner für Theodor Bohnenberger (Papier- und Schmuckfabrikant) im Jahre 1826 erbaut.[1] Das Gebäude befand sich an der Westliche Karl-Friedrich-Straße 86 in Pforzheim. Beim Luftangriff am 23. Februar 1945 wurde das Anwesen völlig zerstört. Das Bauwerk wurde auch Bohnenberger Schlössle oder Bohnenberger Schlösschen genannt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Bohnenberger Schlössle nannte man in Pforzheim das Gelände an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße zwischen Museum-, Kiehnle- und Goethestraße, früher im Westen bis zur heutigen Berliner Straße und im Norden bis zur später erbauten Bahnlinie reichend.

Architektur

Bohnenberger Schlössle,Entwurf für Aufriß von Karl August Schwarz (1781-1853)
Bohnenberger Schlössle, Entwurf für Grundriß von Karl August Schwarz (1781-1853)
Bohnenberger Schlössle, Entwurf für Querschnitt von Karl August Schwarz (1781-1853)

Theodor Bohnenberger teilte im März 1826 dem Großherzog Ludwig mit, dass er beabsichtige, dort ein Haus in edlem Styl zu erstellen. Es sollte einen freundlichen Anblick gewähren und fünfzig Fuß hinter der Straßenfront liegen. Die Bauinspektion verlangte, dass die Mauer zehn Fuß von der Straße zurückgestellt werde. Den Entwurf für das Haus lieferte der Karl August Schwarz. Als Bauzeit war auf einer Inschrifttafel das Jahr 1826 angegeben. Zu dem Anwesen gehörte ein großer Park, der entlang der Westlichen Karl-Friedrich-Straße bis zur heutigen Berliner Straße und im Norden über die später durchgeführte Luisenstraße reichte.

Das Wohnhaus wurde nach einem streng symmetrischen Grundriss erstellt. Es besaß einen sehr großen gewölbten Keller, zu dem von der Straße her eine Zufahrt führte; in diesem Keller betrieb der Besitzer neben seinem sonstigen Beruf einen Weinhandel. Über dem Kellereingang befand sich das Hauptportal des Hauses, zu dem von der Straße aus eine doppelte Auffahrtsrampe führte. Südlich und nördlich überragten dreiachsige Risalite, also Aufbauten, das Dachgeschoss und auch die beiden Seitenfronten besaßen solche kleinere Aufbauten, sodass das Gebäude eine reich gegliederte Form hatte. Durch seine beherrschende Lage hoch über der Straße, seine edlen Formen, seine im gleichen Stil gehaltenen Hintergebäude mit Stallungen, Remisen usw. machte das Anwesen inmitten des großen Parkes einen wahrhaft herrschaftlichen Eindruck.

Im Inneren des Hauses führte vom Haupteingang her ein Korridor, flankiert von kleineren Räumen, zu einem hohen, auf vier jonischen Säulen ruhenden Mittelraum, der an der Nordseite zu einer halbrunden Apsis endete, an deren Rundung eine breite Wendeltreppe ins Obergeschoss führte. An der Südfront des Oberstocks befand sich ein großer, ein halbes Stockwerk höherer Festsaal mit drei großen Fenstern sowie zwei dazu gehörigen Nebenräumen. Die geräumigen Wohnräume lagen auf beiden Stockwerken an der Ost- und Westfront des Hauses.

Geschichte

Nur eine Generation hindurch hat dies schöne Haus als vornehmer Wohnsitz gedient. Man konnte sich auch in späteren Zeiten, als das gesellschaftliche Leben in dem Schlößchen längst aufgehört hatte, gut vorstellen, wie eindrucksvoll dies stilvolle Haus früher gewirkt haben muss. Dass aber die Familie Bohnenberger neben ihren geschäftlichen und gesellschaftlichen Interessen auch einen Sinn für geistige Dinge hatte, geht daraus hervor, dass der bekannte Heidelberger Philosophieprofessor Kuno Fischer, der einige Jahre als Hauslehrer in der Familie Bohnenberger gewirkt hatte, eine seiner ersten Veröffentlichungen der Frau Emilie Bohnenberger-Dennig mit einer sehr schönen Würdigung gewidmet hat!

Nach dem Tode von Theodor Bohnenberger im Jahre 1864 verlässt die Familie Bohnenberger Pforzheim, „jahrzehntelang lag nun das schöne Schlösschen inmitten des nach und nach verwildernden Parks wie ein verwunschenes Märchenschloss“[2].

Im Jahre 1897 beabsichtigte die Familie Bohnenberger ihr Pforzheimer Besitztum zu verkaufen, da es für sie keinen praktischen Wert mehr hatte. Zum Leidwesen vieler Pforzheimer konnten sich die Pforzheimer Stadtväter, bei denen damals das Wort sparen sehr groß geschrieben wurde, nicht dazu entschließen, das gesamte Besitztum zu erwerben und den schönen Garten als öffentlichen Park zu erhalten. Nur das Haus und der nördlich anschließende kleine Teil des Parkes, wurde von der Stadt angekauft. Es bestand der Plan, anstelle des Schlößchens einen Theaterbau zu erstellen, der aber nie zur Ausführung kam. So wurde der große Park ausgeschlachtet und an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße, der Ispringer-, heutigen Berliner Straße, an der verlängerten Goethestraße und an der neu durchgeführten Kiehnlestraße entstanden lange Reihen von Mietshäusern.

Das Wohnhaus wurde zu mancherlei Zwecken verwendet. Es befand sich dort das Arbeitsamt; und als dieses im Jahre 1928 sein eigenes Gebäude erstellte, die von Stadtrat Alfons Kern gegründete städtische Gemäldesammlung. Im Erdgeschoss war die Stadtbücherei. In dem westlichen Hintergebäude war zunächst eine Kinderkrippe, seit dem Jahre 1936 das Stadtarchiv.

Der in der Ursprungszeit als Weinkeller konzipierte Gewölbekeller diente im Zweiten Weltkrieg als öffentlicher Luftschutzkeller. Beim Luftangriff am 23. Februar 1945 wurden die Gebäude zerstört; der Keller blieb intakt, doch der Druck einer vor dem Eingang explodierenden Luftmine tötete alle Insassen.[3] An diesem Unglückstag wurde das Anwesen völlig zerstört.

Nach dem Krieg wurde der südliche Teil des Geländes zum Parkplatz und der nördliche an der Kiehnlestraße zum Kinderspielplatz und Pausenhof für die Schüler/innen des benachbarten Hilda-Gymnasiums. Trotz vieler Proteste aus der Bürgerschaft plant die Stadt Pforzheim 2000/2001, das Gelände an einen privaten Investor zu verkaufen. Bald danach beginnen die Bauarbeiten, und auf dem Bohnenberger’schen Gelände entsteht ein großes Einkaufzentrum.... die im Jahre 2005 eröffnete Schlössle-Galerie. Sic transit gloria mundi!

Einzelnachweise

  1. Zur regionalen Geschichte der Baukunst. Klassizismus und Biedermeier. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 73-102, hier S. 79f.
  2. Trost, Oskar: Wohnsitze der führenden Pforzheimer Industriellen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Pforzheimer Geschichtsblätter, Band 3, Herausgeber: Stadtverwaltung Pforzheim: Pforzheim, 1971, S. 179 ff.
  3. vgl. Schmalacker/Wyrich, Esther: Pforzheim 23.2.1945, Der Untergang einer Stadt, Pforzheim, 1980

Literatur

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