Krebspfad

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Der Krebspfad ist sowohl eine Straße als auch ein Pforzheimer Wohngebiet in der Nordstadt, die sogenannte Krebspfadsiedlung.

Inhaltsverzeichnis

Straße

Der Krebspfad beginnt Unterm Wolfsberg und verläuft in nordöstlicher Richtung zum Alten Göbricher Weg. Den Namen hatte der Weg schon vor 1930 und wurde nach dem Gewann Krebspfad benannt.

Wohngebiet

Das Wohngebiet liegt links des Alten Göbricher Wegs.

Geschichte

Landkartenauschnitt
Krebspfad um 1945
Krebspfad Heute

Das Gebiet um den heutigen Krebspfad war vor 1930 unbesiedelt. Die Kleinstraßen Haferweg, Hängsteigweg, Kornweg und Maisweg gab es ebenso wenig wie die Autobahn (erbaut 19361940). Die Grundstücke hier, Obstbaumwiesen und kleinere Äcker, befanden sich zum Teil in privater Hand oder waren Stadteigentum. 1932 bis 1935 wurden Schotterwege angelegt und 32 einfache Holzhäuser erstellt. Die Grundstücke, auf denen die Häuser standen, wurden auf 66 Jahre in Erbpacht vergeben. In den Wegen wurden von der Stadt an verschiedenen Stellen Trinkwasserhydranten gesetzt, von denen die Menschen bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter ihr Trinkwasser besorgen mussten.


Der nachfolgende Bericht stand 1934 oder 1935 in der Pforzheimer Presse – Der Text wurde nicht verändert:

Ein Besuch der Stadtrandsiedlung am Göbricher Weg.

23 Zwei- und 5 Einfamilienhäuser. – Rund 50 Familien finden Unterkunft. –

Der Bodenertrag durchschnittlich gut.

Wer zufällig in die Gegend der neuen Siedlung kommt (Maisweg), ist erstaunt, schmucke Häuser zu finden, wo vor Jahresfrist sich noch weite Felder dehnten. Dem St. Trudpert-Krankenhaus am nächsten die sog. Krebspfadsiedlung, die insgesamt acht Doppel- und drei Einfamilienhäuser umfasst; drei weitere sind noch im Bau. 19 zum Teil sehr kinderreiche Familien haben hier Unterkunft gefunden. Fast überall hat man die Kinderreichen, wenn es ging, in Einfamilienhäusern untergebracht. Jede Familie erhielt durchschnittlich 11 bis 14 Ar in Erbpacht. Sämtliche Arbeiten wurden von den Siedlern unter Anleitung von gelernten Facharbeitern durchgeführt. Für ein Haus benötigte man rund zwei bis drei Wochen Arbeitszeit. Die Straßen und Wege sind noch im Bau. Auch die Gärten sind noch nicht endgültig angelegt, so dass kein voller Ertrag erzielt werden konnte. Doch ist man im großen ganzen zufrieden, wenn auch die außergewöhnliche Trockenheit in diesem Sommer manchen Schaden gebracht hat. Die Hauptarbeiten, mit denen man Mitte Februar begonnen hatte, waren im September vollendet. Gleich nach der Fertigstellung wurden die Häuser bezogen. Zu einem Haus gehörten zwei Kellerräume – von denen einer als Stall oder Waschküche benutzt werden kann -, eine Wohnküche, zwei Schlafräume und darüber ein kleiner Speicherraum. Die Zimmerwände, wie fast das ganze Haus, bestehen, mit Ausnahme des Unterbaus, der betoniert ist, aus Holz. Überall herrscht peinlichste Sauberkeit, denn die Leute legen ihren ganzen Ehrgeiz hinein, bei jedem Besucher eine möglichst gute Erinnerung zu hinterlassen.

Bis jetzt haben die Häuser vor der Witterung genügend Schutz geboten; ihre weitere Probe werden sie im Winter zu bestehen haben. Die Pläne und Entwürfe wurden vom Reich zur Verfügung gestellt; Bauherrin war die Stadt Pforzheim. Wenn die Straßen und Wege ausgebaut, die Gärten endgültig angelegt und die Siedlerstellen eingezäunt und ganz und gar fertiggestellt sein werden, wird das ganze einen netten und schmucken Eindruck machen. Es ist nämlich vollkommen irrig, wenn man etwa glaubt, es seien Menschen zweiter Klasse, die hier ihre Zuflucht gefunden hätten. Das Gegenteil beweist die emsige Arbeit und Selbstzucht der Siedler. In einem Hause finden wir sogar eine museumsartige Sammlung, die ihr Besitzer aus allen Erdteilen zusammengetragen hat und die gekrönt ist von einer Offiziersmütze des Großvaters von 1870/71, der auch dem Enkel das Eichenlaub hinterließ, welches vom Einzug der Sieger in Paris herstammt.

Nicht weit von dieser Siedlung entfernt, befindet sich eine zweite Siedlung (Kornweg und Krebspfad), die nur aus vier Zwei- und zwei Einfamilienhäusern besteht mit insgesamt zehn Familien, sonst aber der ersten fast vollkommen gleicht. Von Wichtigkeit ist dann vor allem die dritte und letzte Siedlung hinterm Wartberg, die sog. Hängsteigwegsiedlung. Sie ist nahezu vollständig fertiggestellt. Insgesamt besteht sie aus elf Doppelhäusern mir 22 Familien. Gebaut wurde sie von der Bau- und Spargenossenschaft unter Mithilfe der Siedler und unter Leitung von gelernten Facharbeitern, die die einschlägigen Arbeiten ausführten. Zum Haus gehören Keller, Waschküche (Stall), zwei Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein Speicher und ein hölzerner Anbau. Die Bauweise ist gut und solid. Das Haus kostet dasselbe wie ein Holzhaus. Der Boden ist Eigentum der Siedler und wurde für rund 700 Mk erworben. Die Siedler sind hier mit ihrem neuen Heim außerordentlich zufrieden, die Familien sind gesund und der Bodenertrag ist trotz des steinigen Bodens gut. Oft bekommt man zu hören, dass keiner der Siedler – „auch nicht geschenkt“ – in die Stadt zurückwolle. Ende des Artikels

Bis weit in die 1950er-Jahre waren die Schotterwege unbeleuchtet. Nach mehreren, jahrelangen, massiven Protesten der Bewohner, wurden dann einige Laternen aufgestellt und an das Stromnetz der Stadt Pforzheim angeschlossen. Nach Beschwerden von Briefträgern und Anwohnern bekam im Jahr 1961 jeder Weg seinen eigenen Namen (siehe oben). Bis circa 1965 blieben die Fassaden der Holzhäuser (außer den Farbanstriche) unverändert, dann begann der Aufschwung der Eternitplatten. Fast alle Häuser bekamen von ihren Besitzer eine neue Rundumansicht, denn die Carbonileumfarben verschwanden unter den grauen, asbesthaltigen Eternitplatten.

Ein paar Jahre später genehmigte die Stadt großzügige Anbauten, wobei der Charakter der (Krebspfad-) Siedlung erhalten bleiben musste, das heißt bei einem Doppel- und Einzelhaus durfte das Mittel- oder das Haupthaus nicht ganz abgerissen werden, ebenso waren Dachgauben nicht gestattet. Dafür wurde das Erbaurecht von 66 auf 99 Jahre erweitert. Seit den 1990er-Jahren ist es so, dass die Stadt beim Um- und Ausbau jede Variante gewährt. Erst in den Jahren 1987 und 1997/1998 wurden die Häuser der Krebspfadsiedlung an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen und legte gleichzeitg neue Frischwasserleitungen.

Literatur

Auszug aus der Festschrift - 75 Jahre Siedlergemeinschaft Pforzheim-Nord - erstellt durch Rudolf Cölsch unter Mitwirkung der Bewohner
Ulf Rathje: Die Straßennamen der Stadt Pforzheim – ihre Herkunft und Bedeutung, Verlag der Stadt Pforzheim (1992), ISBN 3-9802822-2-8

Weblinks

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