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Emil Odenheimer: Unterschied zwischen den Versionen

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Ernst Feuerle (Diskussion | Beiträge)
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[[Bild:Emil Odenheimer.jpg|thumb|Emil Odenheimer]]
Dr. jur. Emil Odenheimer (5. 5. 1872 in Mannheim, Amtsgerichtsrat in Pforzheim, Berufsverbot durch die Nationalsozialisten, gest. 1. 11. 1956 Baden-Baden) war Opfer des Antisemitismus.
Dr. jur. '''Emil Odenheimer''' (* [[Geburtstag::5. Mai]] [[Geburtsjahr::1872]] in {{Geboren in|Mannheim}}; † [[Todestag::1. November]] [[Todesjahr::1956]] in {{Gestorben in|Baden-Baden}}) war [[Ist::Jurist]] und Opfer des Antisemitismus. Der Amtsgerichtsrat in [[Tätig in::Pforzheim]] war als [[Juden|Jude]] von einem Berufsverbot durch die [[Nationalsozialismus|Nationalsozialisten]] betroffen.


== Ausbildung und Beruf ==
== Leben ==
=== Ausbildung und Beruf ===
Emil Odenheimer kommt nach dem 2. Staatsexamen über das Notariat Messkirch 1901 nach Pforzheim. 1905 wird er Oberamtsrichter beim Amtsgericht. Im Ersten Weltkrieg erhält er das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Ab 1923 leitet er das Amtsgericht. 1924 findet die Heirat mit Anna Josefine Martin statt.
Emil Odenheimer kommt nach dem Zweiten Staatsexamen über das Notariat Messkirch 1901 nach Pforzheim. 1905 wird er Oberamtsrichter beim [[Amtsgericht Pforzheim]]. Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] erhält er das [[Eisernes Kreuz|Eiserne Kreuz]] Erster Klasse. Ab [[1923]] leitet er das Amtsgericht. 1924 heiratet er Anna Josefine Martin.


== 1933 ==
=== 1933 ===
Nach den Wahlen am 5. 3. 1933, bei denen die NSADP in Pforzheim, 57,5 Prozent der Stimmen erhält, und nach der ersten offenen antisemitischen Aktion am 1. 4. 1933, dem Boykott von Geschäften, deren Inhaber Mitglied der jüdischen Gemeinde waren, verbietet eine Anordnung von Kommissar Dr. Rupp im badischen Justizministerium in Karlsruhe vom 6. 4.1933 den jüdischen Anwälten, das Gerichtsgebäude zu betreten. Betroffen sind in Pforzheim Dr. Arthur Bloch, Samuel Fetterer, Dr. Oskar Netter, Julius Schnurmann sowie Adolf und Dr. Robert Weil.
Nach den Wahlen am [[5. März]] [[1933]], bei denen die [[NSDAP]] in Pforzheim 57,5 Prozent der Stimmen erhält, und nach der ersten offenen antisemitischen Aktion am [[1. April]] 1933, dem Boykott von Geschäften, deren Inhaber Mitglied der [[Juden|jüdischen]] Gemeinde waren, verbietet eine Anordnung von Kommissar Dr. Rupp im [[Baden|badischen]] Justizministerium in [[Karlsruhe]] vom 6. April 1933 den jüdischen Anwälten, das Gerichtsgebäude zu betreten. Betroffen sind in Pforzheim Dr. [[Arthur Bloch]], [[Samuel Fetterer]], Dr. [[Oskar Netter]], [[Julius Schnurmann]] sowie [[Adolf Weil]] und Dr. [[Robert Weil]].
Im Zuge der Gleichschaltung der Justiz erhält Amtsgerichtsrat Dr. Emil Odenheimer als einziger Richter jüdischer Religionszugehörigkeit am Amtsgericht Pforzheim vom Landgerichtspräsident die Aufforderung, ein Urlaubsgesuch einzureichen. Er wird Zielscheibe einer Kampagne der Hitlerjugend und bekommt Briefe, adressiert an den „Rotarier und Rassejuden Novemberling Dr. Odenheimer“.
Im Zuge der Gleichschaltung der Justiz erhält Amtsgerichtsrat Dr. Emil Odenheimer als einziger Richter jüdischer Religionszugehörigkeit am Amtsgericht Pforzheim vom Landgerichtspräsident die Aufforderung, ein Urlaubsgesuch einzureichen. Er wird Zielscheibe einer Kampagne der Hitlerjugend und bekommt Briefe, adressiert an den „Rotarier und Rassejuden Novemberling Dr. Odenheimer“.


== Berufsverbot ==
=== Berufsverbot ===
Da er Frontsoldat war, erfolgt die Zwangspensionierung nicht sofort 1933, sondern erst 1934, nach anderen Angaben lässt er sich in den Ruhestand versetzen bzw. wird am 1. 1. 1935 außer Dienst gesetzt.
Da Emil Odenheimer Frontsoldat war, erfolgt die Zwangspensionierung nicht sofort 1933, sondern erst 1934, nach anderen Angaben lässt er sich in den Ruhestand versetzen bzw. wird am 1. Januar 1935 außer Dienst gesetzt.
Am 15. 11. 1938 zieht er nach Baden-Baden um. Als Partner einer sogenannten „Mischehe“ übersteht er die Zeit der Nazi-Diktatur, er wird auch nicht – wie andere Partner von „Mischehen“ – 1942 bzw. 1945 ins KZ Theresienstadt deportiert.
Am 15. November 1938 zieht er nach Baden-Baden um. Als Partner einer sogenannten „Mischehe“ übersteht er die Zeit der Nazi-Diktatur, er wird auch nicht – wie andere Partner von „Mischehen“ – 1942 bzw. 1945 ins KZ Theresienstadt deportiert.


== nach 1945 ==
=== nach 1945 ===
Nach dem Krieg setzen ihn die Alliierten als Vorsitzender einer der beiden Kammern des Landgerichts Baden-Baden ein, später arbeitet später er als Landgerichtsdirektor. Er stirbt am 1. 11. 1956 in Baden-Baden.
Nach dem Krieg setzen die Alliierten Emil Odenheimer als Vorsitzender einer der beiden Kammern des Landgerichts Baden-Baden ein, später arbeitet er als Landgerichtsdirektor. Er stirbt am 1. November 1956 in Baden-Baden.


== Erinnerung ==
== Erinnerung ==
Seit 2007 erinnert eine Stele vor dem Großen Sitzungssaal des Amtsgerichts Pforzheim in der Lindenstraße an Dr. jur. Emil Odenheimer.
Seit Ende März [[2008]] erinnert eine Stele vor dem Großen Sitzungssaal des Amtsgerichts Pforzheim in der [[Lindenstraße]] an Dr. jur. Emil Odenheimer.


== Literatur ==
== Quellen ==
* {{Brändle 1985}}
* [[Pforzheimer Zeitung]] vom 1. Dezember 2007
* Angelika Schindler: ''Der verbrannte Traum, Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden'', Bühl-Moos, 1992
* Stadtarchiv Baden-Baden, Auskunft 29. Februar 2008


== Weblink ==
Gerhard Brändle, Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim, Pforzheim, 1985
* {{Gedenkverzeichnis|O/Odenheimer,_Dr._Emil|Dr. Emil Odenheimer}}


{{SORTIERUNG:Odenheimer, Emil}}
Pforzheimer Zeitung 1. 12. 2007
[[Kategorie:Mann]]

[[Kategorie:Jude]]
Angelika Schindler, Der verbrannte Traum, Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Bühl-Moos, 1992
[[Kategorie:Jurist]]

[[Kategorie:NS-Opfer]]
Karl Schoth, Und immer wieder für die Freiheit, Pforzheim, 1977
[[Kategorie:Person (Pforzheim)]]

[[Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes]]
Stadtarchiv Baden-Baden, Auskunft 29. 2. 2008

Aktuelle Version vom 3. Dezember 2020, 11:12 Uhr

Emil Odenheimer

Dr. jur. Emil Odenheimer (* 5. Mai 1872 in Mannheim; † 1. November 1956 in Baden-Baden) war Jurist und Opfer des Antisemitismus. Der Amtsgerichtsrat in Pforzheim war als Jude von einem Berufsverbot durch die Nationalsozialisten betroffen.

Leben

Ausbildung und Beruf

Emil Odenheimer kommt nach dem Zweiten Staatsexamen über das Notariat Messkirch 1901 nach Pforzheim. 1905 wird er Oberamtsrichter beim Amtsgericht Pforzheim. Im Ersten Weltkrieg erhält er das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Ab 1923 leitet er das Amtsgericht. 1924 heiratet er Anna Josefine Martin.

1933

Nach den Wahlen am 5. März 1933, bei denen die NSDAP in Pforzheim 57,5 Prozent der Stimmen erhält, und nach der ersten offenen antisemitischen Aktion am 1. April 1933, dem Boykott von Geschäften, deren Inhaber Mitglied der jüdischen Gemeinde waren, verbietet eine Anordnung von Kommissar Dr. Rupp im badischen Justizministerium in Karlsruhe vom 6. April 1933 den jüdischen Anwälten, das Gerichtsgebäude zu betreten. Betroffen sind in Pforzheim Dr. Arthur Bloch, Samuel Fetterer, Dr. Oskar Netter, Julius Schnurmann sowie Adolf Weil und Dr. Robert Weil.

Im Zuge der Gleichschaltung der Justiz erhält Amtsgerichtsrat Dr. Emil Odenheimer als einziger Richter jüdischer Religionszugehörigkeit am Amtsgericht Pforzheim vom Landgerichtspräsident die Aufforderung, ein Urlaubsgesuch einzureichen. Er wird Zielscheibe einer Kampagne der Hitlerjugend und bekommt Briefe, adressiert an den „Rotarier und Rassejuden Novemberling Dr. Odenheimer“.

Berufsverbot

Da Emil Odenheimer Frontsoldat war, erfolgt die Zwangspensionierung nicht sofort 1933, sondern erst 1934, nach anderen Angaben lässt er sich in den Ruhestand versetzen bzw. wird am 1. Januar 1935 außer Dienst gesetzt. Am 15. November 1938 zieht er nach Baden-Baden um. Als Partner einer sogenannten „Mischehe“ übersteht er die Zeit der Nazi-Diktatur, er wird auch nicht – wie andere Partner von „Mischehen“ – 1942 bzw. 1945 ins KZ Theresienstadt deportiert.

nach 1945

Nach dem Krieg setzen die Alliierten Emil Odenheimer als Vorsitzender einer der beiden Kammern des Landgerichts Baden-Baden ein, später arbeitet er als Landgerichtsdirektor. Er stirbt am 1. November 1956 in Baden-Baden.

Erinnerung

Seit Ende März 2008 erinnert eine Stele vor dem Großen Sitzungssaal des Amtsgerichts Pforzheim in der Lindenstraße an Dr. jur. Emil Odenheimer.

Quellen

  • Gerhard Brändle: „Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim“, herausgegeben von der Stadt Pforzheim, Pforzheim 1985 (1. Auflage) ISBN 3-9800843-1-0
  • Pforzheimer Zeitung vom 1. Dezember 2007
  • Angelika Schindler: Der verbrannte Traum, Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Bühl-Moos, 1992
  • Stadtarchiv Baden-Baden, Auskunft 29. Februar 2008

Weblink