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Gottlieb Mössinger: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Gottlieb Mössinger''' (15. 2. 1886 - ) ist SPD-Stadtverordneter in Pforzheim, Gegner der Nationalsozialisten und 1944 Opfer der „[[Aktion Gitter]]“
'''Gottlieb Mössinger''' (* [[15. Februar]] [[1886]], ?) war [[SPD]]-[[Stadtverordneter]] in [[Pforzheim]], Gegner der [[Nationalsozialist]]en und [[1944]] Opfer der „[[Aktion Gitter]]“.


== Leben ==
== Leben ==
Gottlieb Mössinger ist Schlossermeister, ab 1929 SPD-Stadtverordneter und Gründungsmitglied der Freie Turnerschaft Pforzheim, bis zum Verbot 1933 ist er dort als Turnwart aktiv.
Gottlieb Mössinger ist Schlossermeister, ab [[1929]] SPD-Stadtverordneter und Gründungsmitglied der [[Freie Turnerschaft Pforzheim|Freien Turnerschaft Pforzheim]], bis zum Verbot [[1933]] ist er dort als Turnwart aktiv.
Unter der Herrschaft der NSDAP wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am 5.3.1933 umbesetzt, wobei die Sitze er KPD unter den Tisch fallen.
Unter der Herrschaft der [[NSDAP]] wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am [[5. März]] 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der [[KPD]] unter den Tisch fallen.
Bei der Wahl es Stadtverordneten-Vorstands am 10.5.1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.
Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am [[10. Mai]] 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.


Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:
Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:


''„Wir tun das, dem Zwang folgend, obwohl wir glauben, durch vierjährigen ununterbrochenen Frontdienst im Weltkrieg durch Verteidigung unserer Heimat unsere nationale Gesinnung bewiesen und das Recht erworben zu haben, als gleichberechtigte Bürger Pforzheims auch ein gemeinderätliches Ehrenamt bekleiden zu dürfen.
''„Wir tun das, dem Zwang folgend, obwohl wir glauben, durch vierjährigen ununterbrochenen Frontdienst im [[Erster Weltkrieg|Weltkrieg]] durch Verteidigung unserer Heimat unsere nationale Gesinnung bewiesen und das Recht erworben zu haben, als gleichberechtigte Bürger Pforzheims auch ein gemeinderätliches Ehrenamt bekleiden zu dürfen.


''Gottlieb Mössinger, Schlossermeister, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2.Klasse, und 30 % Kriegsversehrter
''Gottlieb Mössinger, Schlossermeister, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, und 30 % Kriegsversehrter


''Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“'' <ref>[[Vorlage:Schroth 1977|Schroth 1977]], S. 367 f.</ref>
''Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“'' <ref>{{Schroth 1977}}, S. 367 f.</ref>


Gottlieb Mössinger ist vom 12. bis zum 20. September 1939 im [[Gefängnis Pforzheim]] inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Gottlieb Mössinger ist vom 12. 9. bis zum 20.9.1939 im Gefängnis Pforzheim inhaftiert, vom 26. 8. bis zum 25.9. 1944 ist er im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.


== Nach 1945 ==
== Nach 1945 ==
Im August 1945 beruft ihn die US-Militärregierung in den Stadtrat, 1947 bei den ersten freien Wahlen nach der Nazi-Diktatur wird er für die SPD in den Stadtrat gewählt.
Im August [[1945]] beruft die [[US-Militärregierung]] Gottlieb Mössinger in den [[Gemeinderat Pforzheim|Stadtrat]], [[1947]] bei den ersten freien Wahlen nach der Nazi-Diktatur wird er für die SPD in den Stadtrat gewählt.
Gottlieb Mössinger ist ab 1945 im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Arlinger und ab 1948 Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.
Gottlieb Mössinger ist ab 1945 im Aufsichtsrat der [[Baugenossenschaft Arlinger]] und ab [[1948]] Präsident der [[Handwerkskammer Pforzheim]].


== Literatur ==
== Literatur ==
<references/>
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Weitere Literaturangaben und andere Biografien im Zusammenhang mit der „Aktion Gitter“ befinden sich in dem Artikel „Aktion Gitter“.
[[Kategorie:Pforzheimer]]
[[Kategorie:Politiker]]
[[Kategorie:SPD]]
[[Kategorie:NS-Gegner]]

Version vom 22. März 2008, 10:53 Uhr

Gottlieb Mössinger (* 15. Februar 1886, † ?) war SPD-Stadtverordneter in Pforzheim, Gegner der Nationalsozialisten und 1944 Opfer der „Aktion Gitter“.

Leben

Gottlieb Mössinger ist Schlossermeister, ab 1929 SPD-Stadtverordneter und Gründungsmitglied der Freien Turnerschaft Pforzheim, bis zum Verbot 1933 ist er dort als Turnwart aktiv. Unter der Herrschaft der NSDAP wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am 5. März 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der KPD unter den Tisch fallen. Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am 10. Mai 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.

Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:

„Wir tun das, dem Zwang folgend, obwohl wir glauben, durch vierjährigen ununterbrochenen Frontdienst im Weltkrieg durch Verteidigung unserer Heimat unsere nationale Gesinnung bewiesen und das Recht erworben zu haben, als gleichberechtigte Bürger Pforzheims auch ein gemeinderätliches Ehrenamt bekleiden zu dürfen.

Gottlieb Mössinger, Schlossermeister, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, und 30 % Kriegsversehrter

Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“ [1]

Gottlieb Mössinger ist vom 12. bis zum 20. September 1939 im Gefängnis Pforzheim inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Nach 1945

Im August 1945 beruft die US-Militärregierung Gottlieb Mössinger in den Stadtrat, 1947 bei den ersten freien Wahlen nach der Nazi-Diktatur wird er für die SPD in den Stadtrat gewählt. Gottlieb Mössinger ist ab 1945 im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Arlinger und ab 1948 Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.

Literatur

  1. Karl Schroth: "Und immer wieder für die Freiheit: Pforzheimer sozialdemokratische Arbeiterbewegung 1924-1939", Pforzheim (SPD-Kreisverband Pforzheim) 1977, S. 367 f.