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Emil Strauß: Unterschied zwischen den Versionen
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Seit 1937 war er [[Ehrenbürger]] Pforzheims<ref>{{pz-online|Home/Nachrichten/Pforzheim/arid,212757_puid,1_pageid,17.html|Ist Schriftsteller mit Nazi-Nähe zu Recht Ehrenbürger?|15. August 2010}}</ref>. |
Seit 1937 war er [[Ehrenbürger]] Pforzheims<ref>{{pz-online|Home/Nachrichten/Pforzheim/arid,212757_puid,1_pageid,17.html|Ist Schriftsteller mit Nazi-Nähe zu Recht Ehrenbürger?|15. August 2010}}</ref>. |
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Emil Strauß war zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilweise populärer als Hermann Hesse oder Thomas Mann. Seine Bücher erschienen bis 1920 in dem damals führenden Verlag für Literatur, dem S. Fischer Verlag. Emil Strauß wird heute zu den Großen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gezählt. In der Edition „Bibliothek des 20. Jahrhunderts“ erschienen in den 80er Jahren insgesamt 97 Bände (Deutschen Bücherbund Stuttgart). Im Band 80 wird von Emil Strauß „Freund Hein“ (erstmals 1902 erschienen) veröffentlicht. Herausgegeben wurden die Bände von Walter Jens und keinem geringeren als dem bekanntesten Literaturkritiker Deutschlands Marcel Reich-Ranicki. „Freund Hein“ ist ein Schülerroman, mit Vater-Sohn Konflikt, sowie der Auseinandersetzung in und mit der Schule und der Suche nach Sinn und Identität mit tragischem Ende. Ähnlich ist die Erzählung von Hermann Hesse „Unterm Rad“ (später erschienen 1906). Noch heute erscheint „Freund Hein“ im Reclam-Verlag. |
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Eine andere Facette war seine Naturverbundenheit. Er unternahm mit einem Freund landwirtschaftliche Siedlungsversuche, wanderte zeitweise nach Brasilien aus (1892-1894) und suchte nach einer alternativen Lebensform. Er wendete sich gegen die Folgen der Industrialisierung; er war eine Art Aussteiger mit ökologischem Bewußtsein. Die Novelle „Der Laufen“ (1909) z. B. ist ein frühes literarisches Dokument ökologischen Bewußtseins und handelt von der Zerstörung der Natur durch den Bau eines Kraftwerkes. Auch die Novelle „Der Laufen“ erscheint heute noch bei Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Herausgeber Marcel Reich-Ranicki, in dem Band „Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“. |
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Hohe Auflagen erzielte Emil Strauß mit seinen Veröffentlichungen lange vor dem 3. Reich. Das wird im Wiki-Artikel falsch dargestellt. Nach dem Krieg erreichten die Neuauflagen seiner Werke 1949 im Verlag Carl Hanser ebenfalls wieder hohe Auflagen. |
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Für fragwürdig, besser für unglaubwürdig, halte ich auch den angeblichen Auszug aus einem Brief von Hermann Hesse an Wilhelm Schäfer. Eine zuverlässige Quelle wurde nicht angegeben. Richtig ist natürlich seine Mitgliedschaft in der NSDAP und seine Vereinnahmung durch das NS-Regime. Warum allerdings sich Hermann Hesse ausgerechnet bei Wilhelm Schäfer in einem Brief über Emil Strauß und dessen vermeintliche „fanatische Hitlertreue“ beschwert ist völlig unlogisch. Wilhelm Schäfer war zwar nie NSDAP-Mitglied aber genau wie Emil Strauß ab Mai 1933 Mitglied in nahezu gleichgeschalteten Sektion der Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, sogar Ehrensenator der Deutschen Akademie der Dichtung. (Quelle: Literatur-Archiv-NRW) Nicht zu vergessen, belegte Wilhelm Schäfer auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“, eine 36 Seiten umfassende Liste der wichtigsten Künstler des NS-Regimes, vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und Adolf Hitler 1944 zusammengestellt, den 9. Platz. Emil Stauß folgte auf dem 11. Platz. |
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Davon abgesehen ist ein willkürlich herausgesuchtes Zitat völlig unbedeutend. Es ist eben auch nur eine Meinung. Ein anderes Zitat von Hermann Hesse: „Wir lieben und ehren in ihm einen der gewissenhaftesten und kraftvollsten Verwalter der deutschen Sprache und einen unbestechlich sich selber treuen Charakter. Er hat, vom „Engelwirt“ bis zum Riesenspielzeug“, genau das Gegenteil von dem getan, was die falschen Heimatdichter anstreben. Diese kommen vom Schreibtisch und bemühen sich, ihre Schreibsprache und ihr Schreibdenken volkstümlich zurechtzumachen. Statt dessen hat Strauß, ein Kind des Volkes und seiner echten Sprache bis in alle Falten kundig, sich zeitlebens auf eine vorbildliche Art darum bemüht, diese bodenständige Sprache in strengster Zucht zur dichterischen Sprache zu erheben.“ Das Zitat stammt aus dem Jahre 1936!! Quelle: Hans Bender, Bibliothek des 20. Jahrhunderts |
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Und 1975 empfahl Jean Améry, im August 1943 beim Verteilen antinazistischer Flugblätter verhaftet und in die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen deportiert: „Ich plädiere für das Wiederlesen des Romans „Freund Hein“; das Buch ist am Ende mehr als nur die Schülertragödie einer abgelebten Bürgerzeit.“ Quelle: Freund Hein, Emil Strauß, Reclam-Verlag |
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== Literatur == |
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Version vom 1. Mai 2011, 15:05 Uhr
Emil Strauß (* 31. Januar 1866 in Pforzheim; † 10. August 1960 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Dichter.
Leben
Emil Strauß stammte aus einer Pforzheimer Schmuckfabrikanten-Familie.
Er ist ein Enkel des aus Österreich stammenden Komponisten Joseph Strauß der von 1824 bis 1864 unter Eduard Devrient erfolgreich die Karlsruher Oper leitete. Der Vater von Emil Strauß war Kaufmann in Pforzheim und ehelichte ein Mädchen aus der angesehenen Familie Hepp.
Emil Strauß besuchte die Schulen seiner Heimatstadt, dann das Gymnasium in Karlsruhe, studierte danach in Freiburg, Lausanne und Berlin; war mit Emil Gött befreundet, war 1891 in Italien, Ende 1892 nach Brasilien, lebte später am Bodensee, in Kappelrodeck, Hellerau, Freiburg und in Schlierbahn bei Stockach.
Sein Studium der Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaftslehre brach er frühzeitig ab, um freier Schriftsteller zu werden.
Mit dem Roman "Der nackte Mann" und der Novelle "Euphemia" setzte Emil Strauß seiner Heimatstadt Pforzheim literarische Denkmale. "Der nackte Mann" schildert den Konflikt zwischen dem kalvinistischen Markgraf von Baden und der lutherischen Stadt Pforzheim.
Sein bekanntester Roman ist "Freund Hein", der thematisch Ähnlichkeiten zu "Unterm Rad" von Hermann Hesse aufweist.
Emil Strauß ist wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus umstritten. So schreibt Hermann Hesse 1948 in einem Brief an Wilhelm Schäfer: „Um Strauß tut es mir leid, ich habe ihn einst geliebt. Aber ich kann mir nicht denken, dass sich in der Schweiz ein Finger für ihn rühren würde. Er war seit 1914 ein typischer Deutsch-Nationaler, seit 19 Saboteur und Verhöhner der jungen Republik, dann fanatischer Hitlerjünger und von der Partei auf einen Ehrenposten gestellt. Fanatischer Antisemit war er auch. Wir haben längst unter Trauern von ihm Abschied genommen.“
Emil Strauß trat 1929 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ein. Durch Joseph Goebbels wurde er 1936 in den Reichskultursenat berufen. Strauß erzielte als Schriftsteller hohe Auflagen, weil er durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP und seine Ideologischen Gedanken für völkische Erneuerung deutscher Lebensgemeinschaft, einige Ehrungen vom dem nationalsozialistischen Regime erhielt. Die Stadt Freiburg verlieh ihm 1936 die Ehrenbürgerschaft, 1946 wurde sie ihm wieder aberkannt.
Ehrungen

Nach Emil Strauß ist in Pforzheim die Emil-Strauß-Straße benannt. Im Februar 2011 lehnte der Gemeinderat die Umbenennung der Straße ab.
Seit 1937 war er Ehrenbürger Pforzheims[1].
Emil Strauß war zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilweise populärer als Hermann Hesse oder Thomas Mann. Seine Bücher erschienen bis 1920 in dem damals führenden Verlag für Literatur, dem S. Fischer Verlag. Emil Strauß wird heute zu den Großen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gezählt. In der Edition „Bibliothek des 20. Jahrhunderts“ erschienen in den 80er Jahren insgesamt 97 Bände (Deutschen Bücherbund Stuttgart). Im Band 80 wird von Emil Strauß „Freund Hein“ (erstmals 1902 erschienen) veröffentlicht. Herausgegeben wurden die Bände von Walter Jens und keinem geringeren als dem bekanntesten Literaturkritiker Deutschlands Marcel Reich-Ranicki. „Freund Hein“ ist ein Schülerroman, mit Vater-Sohn Konflikt, sowie der Auseinandersetzung in und mit der Schule und der Suche nach Sinn und Identität mit tragischem Ende. Ähnlich ist die Erzählung von Hermann Hesse „Unterm Rad“ (später erschienen 1906). Noch heute erscheint „Freund Hein“ im Reclam-Verlag.
Eine andere Facette war seine Naturverbundenheit. Er unternahm mit einem Freund landwirtschaftliche Siedlungsversuche, wanderte zeitweise nach Brasilien aus (1892-1894) und suchte nach einer alternativen Lebensform. Er wendete sich gegen die Folgen der Industrialisierung; er war eine Art Aussteiger mit ökologischem Bewußtsein. Die Novelle „Der Laufen“ (1909) z. B. ist ein frühes literarisches Dokument ökologischen Bewußtseins und handelt von der Zerstörung der Natur durch den Bau eines Kraftwerkes. Auch die Novelle „Der Laufen“ erscheint heute noch bei Manesse Bibliothek der Weltliteratur, Herausgeber Marcel Reich-Ranicki, in dem Band „Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts“.
Hohe Auflagen erzielte Emil Strauß mit seinen Veröffentlichungen lange vor dem 3. Reich. Das wird im Wiki-Artikel falsch dargestellt. Nach dem Krieg erreichten die Neuauflagen seiner Werke 1949 im Verlag Carl Hanser ebenfalls wieder hohe Auflagen.
Für fragwürdig, besser für unglaubwürdig, halte ich auch den angeblichen Auszug aus einem Brief von Hermann Hesse an Wilhelm Schäfer. Eine zuverlässige Quelle wurde nicht angegeben. Richtig ist natürlich seine Mitgliedschaft in der NSDAP und seine Vereinnahmung durch das NS-Regime. Warum allerdings sich Hermann Hesse ausgerechnet bei Wilhelm Schäfer in einem Brief über Emil Strauß und dessen vermeintliche „fanatische Hitlertreue“ beschwert ist völlig unlogisch. Wilhelm Schäfer war zwar nie NSDAP-Mitglied aber genau wie Emil Strauß ab Mai 1933 Mitglied in nahezu gleichgeschalteten Sektion der Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, sogar Ehrensenator der Deutschen Akademie der Dichtung. (Quelle: Literatur-Archiv-NRW) Nicht zu vergessen, belegte Wilhelm Schäfer auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“, eine 36 Seiten umfassende Liste der wichtigsten Künstler des NS-Regimes, vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und Adolf Hitler 1944 zusammengestellt, den 9. Platz. Emil Stauß folgte auf dem 11. Platz.
Davon abgesehen ist ein willkürlich herausgesuchtes Zitat völlig unbedeutend. Es ist eben auch nur eine Meinung. Ein anderes Zitat von Hermann Hesse: „Wir lieben und ehren in ihm einen der gewissenhaftesten und kraftvollsten Verwalter der deutschen Sprache und einen unbestechlich sich selber treuen Charakter. Er hat, vom „Engelwirt“ bis zum Riesenspielzeug“, genau das Gegenteil von dem getan, was die falschen Heimatdichter anstreben. Diese kommen vom Schreibtisch und bemühen sich, ihre Schreibsprache und ihr Schreibdenken volkstümlich zurechtzumachen. Statt dessen hat Strauß, ein Kind des Volkes und seiner echten Sprache bis in alle Falten kundig, sich zeitlebens auf eine vorbildliche Art darum bemüht, diese bodenständige Sprache in strengster Zucht zur dichterischen Sprache zu erheben.“ Das Zitat stammt aus dem Jahre 1936!! Quelle: Hans Bender, Bibliothek des 20. Jahrhunderts
Und 1975 empfahl Jean Améry, im August 1943 beim Verteilen antinazistischer Flugblätter verhaftet und in die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen deportiert: „Ich plädiere für das Wiederlesen des Romans „Freund Hein“; das Buch ist am Ende mehr als nur die Schülertragödie einer abgelebten Bürgerzeit.“ Quelle: Freund Hein, Emil Strauß, Reclam-Verlag
Literatur
- Joachim Noob: Der Schülerselbstmord in der deutschen Literatur um die Jahrhundertwende. Heidelberg: Winter 1998. (= Beiträge zur neueren Literaturgeschichte; F. 3; 158) ISBN 3-8253-0696-8
- "Wahr sein kann man". Dokumentation zu Leben und Werk von Emil Strauss (1866-1960). Ausstellung der Stadt Pforzheim 8. Mai bis 14. Juni 1987. 2. Auflage, herausgegeben von Bärbel Rudin. Pforzheim: Stadt Pforzheim 1990.
Einzelnachweise
- ↑ Ist Schriftsteller mit Nazi-Nähe zu Recht Ehrenbürger?, Online-Artikel der Pforzheimer Zeitung vom 15. August 2010
Freund Hein; Reclam-Verlag Deutsche Erzähler des 20. Jahrhunderts, Band 2, Von Arthur Schnitzler bis Robert Musil; Manesse-Verlag