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[[Bild:Zollamtgr.jpg|thumb|Der Götterbote Hermes als Wandmosaik mit gemaltem Hintergrund, |
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Version vom 31. Mai 2018, 16:33 Uhr




Bernhard Karl Becker (geb. 9. Februar 1899 in Pforzheim; gest. 29. März 1991 in Schwetzingen) war Maler und Gegner der Nationalsozialisten in Pforzheim
Leben und Wirken
Becker studierte 1915/'16 in seiner Heimatstadt Pforzheim an der Kunstgewerbeschule in der Holzgartenstraße bei den Professoren Adolf Hildenbrand und Bert Joho. Im Ersten Weltkrieg erlitt er im Oktober 1918 durch einen Splitter eine schwere Verletzung des rechten Arm, die ihn 2 ½ Jahre in ein Lazarett zwang. Wanderjahre führten ihn von 1923 bis 1929 nach Rumänien, Griechenland und Italien. Aufgrund der Massenarbeitslosigkeit setzte er 1929 sein Studium an der Kunstgewerbeschule bei Adolf Hildenbrand fort.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die am 5. März 1933 in Pforzheim 57,5 Prozent der Wählerstimmen erhielten, kam er für vier Wochen ins Gefängnis, weil er sich für zwei jüdische Mitschülerinnen eingesetzt hatte. Das Verteilen von Anti-Kriegs-Flugblättern kostete ihn den Jahrespreis der Schule. Im Gefängnis musste er eine Unterlassungserklärung unterschreiben, sich aller Äußerungen gegen Hitler und die NS-Regierung zu enthalten; andernfalls wurde ihm mit der Einweisung in ein Konzentrationslager gedroht. Er unterschrieb und hielt den Mund, arbeitete als Künstler aber weiter. Mit Hilfe seines Lehrers Adolf Hildenbrand konnte er an der Kunstakademie in Karlsruhe weiter studieren, wurde aber ständig überwacht. 1936 erhielt er seinen ersten größeren Auftrag: er gestaltete Wandbilder im Studentenhaus der Technischen Universität Karlsruhe.
1943 verlor er durch die Bombardierung von Karlsruhe sein Atelier mit allen Arbeiten. Am Abend des 23. Februar 1945 wurde seine Wohnung in Pforzheim ebenfalls zerstört.
Aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, ließ sich Becker in Schwetzingen nieder.
Ulf-Udo Hohl, ein langjähriger Weggefährte Beckers, erinnerte sich 2009:
- „Bernhard Karl Becker verstand sich als Humanist und Pazifist. Künstlerisch sah er sich als Romantiker, den politische Realitäten und der Krieg, ‚ausgelöst durch die Dummheit vernebelter Hirne‘, zu dem Versuch trieben, die politische Wahrheit in ernsthafter Malerei auszudrücken.“
Davon zeugen unter anderem die Ölbilder "Feuersturm" (ohne Datum) und "Zerstörung Pforzheims" (1956) sowie die Federzeichnung "Kriegsende" (1972).
Hohl beschrieb Beckers politische Haltung:
- „Die schrecklichen und blutigen Ereignisse in Vietnam und der aufkommende Neonazismus waren die zentralen Themen, die ihn immer wieder umtrieben und beim politischen ‚Jour fix‘" [den Becker Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mit initiiert hatte] "zur Sprache kamen.“
Chronik
- 9. Februar 1899: Geburt als Sohn eines Email-Malers in Pforzheim.
- 1915 - 1917: Studium an der Kunstgewerbeschule Pforzheim bei Bert Joho und Adolf Hildenbrand
- 1921 - 1923: Tätigkeit als Email-Maler in Pforzheim und Tätigkeit als Ausbilder für Email-Malerei in Bukarest für 15 Monate .
- 1924 - 1929: Tätigkeit als Email-Maler in Mailand. Studium an der Accademia di Brera. Freundschaft mit den Maler Carlo Carrá und Giorgio di Chirico.
- 1929 - 1933: Tätigkeit als Email-Maler in Pforzheim. Fortsetzung des Studiums an der Pforzheimer Kunstgewerbeschule bei Adolf Hildenbrand. Freundschaft mit dem Architekten Karl Gerstung.
- 1933: Verlust des Jahrespreises der Pforzheimer Kunstgewerbeschule wegen Verteilens von Anti-Kriegs-Flugblättern. Haft und Gefängnisstrafe wegen Einsatz für jüdische Mitschülerinnen der Pforzheimer Kunstgewerbeschule
- 1933 - 1937: Hochschulwechsel an die Badische Hochschule der bildenden Künste nach Karlsruhe, Meisterschüler bei Hans Adolf Bühler.
- 1936: Wandbilder im Studentenhaus der Technischen Universität Karlsruhe. Weiterhin Studium an der Badischen Hochschule, Ausbildung in Maltechnik von Siegfried Cerny.
- seit 1937: Wohnsitz in Karlsruhe.
- 1938 - 1942: Freier Künstler in Karlsruhe.
- seit März 1945: Wohnsitz in Schwetzingen und freier Künstler in Schwetzingen. Ehe mit Paula Rapp.
- 1947: Mitglied der Künstlergruppe „Der Kreis“ in Karlsruhe.
Werke in Pforzheim
- Wandbild im Zollamt, 1954. Die Stirnseite der großen Schalterhalle im Zollamt wird mit einem großen, farbigen Wandmosaik geschmückt. Es stellt den antiken Götterboten Hermes dar. Das Wandmosaik wurde 1954 nach einem Entwurf des Malers Bernhard Karl Becker von Rolf Gröger aus Pforzheim geschaffen.
- Wandbild im Gesundheitsamt, 1955
- Restaurierung der Wandbilder am Bezirksamtsturm, 1963
- Wandbild in der Pausenhalle der Schanzschule, 1963
- Wandbilder in der Kinderklinik, 1968
- Gemälde „Pforzheim, 23. Februar 1945“, 1954 (Pforzheimer Kunstsammlung)
Werke außerhalb von Pforzheim
- Wandbild im Großen Sitzungssaal des Landgerichts Mannheim
- Wandbild in der Bezirksgewerbeschule Weinheim
- Wandkeramik in der Bezirkssparkasse Heidelberg
Literatur
- Ulf-Udo Hohl, in: Schwetzinger Zeitung 21.2.2009
- Werner Weißbrodt, Das Portrait: Der Maler Bernhard Karl Becker, in: Blickpunkt Pforzheim, Hrsg.: Stadt Pforzheim (Kulturamt), 1979, S. 34 ff.
- Becker, Bernhard Karl . In: Christoph Timm:Pforzheim. Kulturdenkmale in den Ortsteilen Pforzheim 2006, S. 342 bis S. 376: Baumeister und Bildhauer. Kleines Who-is-Who der baubeteiligten Künstler, hier S. 345.