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Gesundheitsamt für Pforzheim und den Enzkreis: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Gesundheitsamt für Pforzheim und den Enzkreis''' befindet sich in Pforzheim. Das von Frau Dr. Roswitha Kull geleitete Amt ist dem [[Landratsamt Enzkreis]] (LRA) unterstellt bzw. angegliedert. |
Das '''Gesundheitsamt für Pforzheim und den Enzkreis''' befindet sich in Pforzheim. Das von Frau Dr. Roswitha Kull geleitete Amt ist dem [[Landratsamt Enzkreis]] (LRA) unterstellt bzw. angegliedert. |
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* Zahngesundheit |
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'''Beratung''' erfolgt ebenso in den genannten Bereichen. '''Kooperationen''' zur Gesundheitsförderung und Prävention besteht mit [[ |
'''Beratung''' erfolgt ebenso in den genannten Bereichen. '''Kooperationen''' zur Gesundheitsförderung und Prävention besteht mit dem [[Netzwerk looping]] und der [[Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege]]. |
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== Geschichte == |
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=== 1920 bis 1935 === |
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Bis [[1935]] lag die Wahrnehmung der Belange des öffentlichen Gesundheitsdienstes, soweit es sich um Aufsichtsaufgaben, Seuchenbekämpfung, öffentliche Hygiene und gerichtliches Gutachterwesen handelte, in den Händen des staatlichen Bezirksarztes. |
Bis [[1935]] lag die Wahrnehmung der Belange des öffentlichen Gesundheitsdienstes, soweit es sich um Aufsichtsaufgaben, Seuchenbekämpfung, öffentliche Hygiene und gerichtliches Gutachterwesen handelte, in den Händen des staatlichen Bezirksarztes. |
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Die Tätigkeiten des Gesundheitsamtes erweiterten sich auf die Schulgesundheitspflege, auf das Wohlfahrtsamt, die Säuglingsfürsorge und Mütterberatung, die Schulkindererholungsfürsorge und Schülerspeisung sowie die Tuberkulosefürsorge. Letztere war damals erst in ganz wenigen Städten als öffentliche Aufgabe in Angriff genommen worden, im Land Baden nur in Mannheim und Freiburg, Karlsruhe folgte [[1922]]. Ergänzende fachärztliche Untersuchungen von Tuberkulosekranken wurden vertragsweise durch den Facharzt Dr. Lühl durchgeführt. |
Die Tätigkeiten des Gesundheitsamtes erweiterten sich auf die Schulgesundheitspflege, auf das Wohlfahrtsamt, die Säuglingsfürsorge und Mütterberatung, die Schulkindererholungsfürsorge und Schülerspeisung sowie die Tuberkulosefürsorge. Letztere war damals erst in ganz wenigen Städten als öffentliche Aufgabe in Angriff genommen worden, im Land Baden nur in Mannheim und Freiburg, Karlsruhe folgte [[1922]]. Ergänzende fachärztliche Untersuchungen von Tuberkulosekranken wurden vertragsweise durch den Facharzt Dr. Lühl durchgeführt. |
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Beim städtischen Jugendamt wurden, zugleich zur Mitwirkung beim Gesundheitsamt, 1920 sechs Fürsorgerinnen eingestellt. Ihnen oblagen die Säuglings- und Kleinkinderfürsorge, die Familienfürsorge und Jugendpflege einschließlich Mündelfürsorge. |
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| ⚫ | Da der Gesundheitszustand der Schulkinder damals infolge der Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse und der Inflation sehr schlecht war, wurde für die Erholungsfürsorge zur Verwendung als Kindererholungsheim von der Stadt Pforzheim das Gasthaus „Sonne“ in Neuenweg Kreis Schönau, am Fuße des Belchen, erworben. Das Haus konnte 50 Kinder aufnehmen. Ferner wurde im Mai 1920 in Bad Wimpfen das Hotel „Zum Ritter“ gekauft. In diesem Hause wurden Solbäder eingerichtet, später bekam das Erholungsheim eine eigene Soleleitung. Im gleichen Jahr wurde noch das Schloß Bauschlott gepachtet und als Erholungsheim für 120 Kinder eingerichtet. Kurze Zeit später wurde in Marxzell ein Kindererholungsheim für 45 Kinder geschaffen. Die Kurdauer betrug in Neuenweg 7, in Wimpfen 8, in Bauschlott und Marxzell je 6 Wochen. [[1923]] wurde das Kinderheim Marxzell wieder aufgegeben, ebenso das Schloß Bauschlott, letzteres weil es sich zeigte, dass die Nähe der Stadt und die damit verbundenen Besuche von zu Hause den Kurerfolg bei den Kindern beeinträchtigten. Die Kurerfolge waren als gut zu bezeichnen und die Bevölkerung war mit den Leistungen der Erholungsfürsorge zufrieden. |
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| ⚫ | Zur Hebung der des Gesundheitszustandes der Kinder trug auch die [[Quäkerspeisung]] bei. Sie erfasste im Jahr bis zu 6.000 Kinder und erfolgte an 6 Wochentagen. Es waren 5 Küchen vorhanden mit je 1 bis 4 Kochkesseln. Ein Teil der Kosten der Quäkerspeisung übernahm die Stadt. Von [[1925]]/[[1926]] ab wurde die Quäkerspeisung als sogenannte Schülerspeisung weitergeführt. |
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Gesundheitspolitisch war die Schaffung eines Gesundheitsamtes eine vorbildliche, wegweisende Tat, die sich in der Folge für die Volksgesundheit in unvorhergesehenem Maße günstig auswirkte. Sie trug ebenso wie die Fortschritte auf anderen Gebieten der Gesundheitspflege dazu bei und hat mitgewirkt, dass das durchschnittliche Lebensalter von etwa 30 Jahren um die Jahrhundertwende auf jetzt über 65 Jahre gestiegen ist. |
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| ⚫ | Da der Gesundheitszustand der Schulkinder damals infolge der Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse und der Inflation sehr schlecht war, wurde für die Erholungsfürsorge zur Verwendung als Kindererholungsheim von der Stadt Pforzheim das Gasthaus „Sonne“ in Neuenweg Kreis |
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| ⚫ | Zur Hebung der des Gesundheitszustandes der Kinder trug auch die [[Quäkerspeisung]] bei. Sie erfasste im Jahr bis zu 6.000 Kinder und erfolgte an 6 Wochentagen. Es waren 5 Küchen vorhanden mit je 1 bis 4 Kochkesseln. Ein Teil der Kosten der Quäkerspeisung übernahm die Stadt. Von [[1925]]/[[1926]] ab wurde die Quäkerspeisung als sogenannte Schülerspeisung |
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weitergeführt. |
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[[1924]] trat ein Wechsel in der Leitung des städtischen Gesundheitsamtes ein. Die Leitung übernahm als Stabsarzt und späterer Stadtmedizinalrat Dr. Eisenlohr. In jener Zeit wurde zur Ergänzung der verminderten Entsendefürsorge eine sogenannte örtliche Erholungsfürsorge eingeführt, die auf verschiedenen Sportplätzen durchgeführt wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Tuberkulosefürsorge weiter ausgebaut und als nebenamtlicher Lungenfacharzt Dr. Lühl von der Stadt fest eingestellt. Von etwa [[1925]] ab bis [[1935]] wurde in den Volksschulen eine Kropfprophylaxe durchgeführt; es wurde auf freiwilliger Basis an die sich beteiligenden Kinder ein geeignetes Jodpräparat in kleinsten Dosen laufend verabreicht. |
[[1924]] trat ein Wechsel in der Leitung des städtischen Gesundheitsamtes ein. Die Leitung übernahm als Stabsarzt und späterer Stadtmedizinalrat Dr. Eisenlohr. In jener Zeit wurde zur Ergänzung der verminderten Entsendefürsorge eine sogenannte örtliche Erholungsfürsorge eingeführt, die auf verschiedenen Sportplätzen durchgeführt wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Tuberkulosefürsorge weiter ausgebaut und als nebenamtlicher Lungenfacharzt Dr. Lühl von der Stadt fest eingestellt. Von etwa [[1925]] ab bis [[1935]] wurde in den Volksschulen eine Kropfprophylaxe durchgeführt; es wurde auf freiwilliger Basis an die sich beteiligenden Kinder ein geeignetes Jodpräparat in kleinsten Dosen laufend verabreicht. |
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Stadtphysici bzw. Bezirksärzte in Pforzheim waren in der Zeit von [[1805]] bis [[1933]]: Hofrat Dr. Gyhser bis [[1813]], danach Dr. Wenz, dann nacheinander Dr. Dietz, Dr. Wilser, Dr. Moppey, Dr. Arnsperger, Dr. Fischer und Medizinalrat Dr. Rehmann, von [[1877]] bis etwa [[1914]]. Sein Nachfolger war dann Medizinalrat Dr. Mayer. |
Stadtphysici bzw. Bezirksärzte in Pforzheim waren in der Zeit von [[1805]] bis [[1933]]: Hofrat Dr. Gyhser bis [[1813]], danach Dr. Wenz, dann nacheinander Dr. Dietz, Dr. Wilser, Dr. Moppey, Dr. Arnsperger, Dr. Fischer und Medizinalrat Dr. Rehmann, von [[1877]] bis etwa [[1914]]. Sein Nachfolger war dann Medizinalrat Dr. Mayer. |
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Ergänzend seien als weitere staatliche Ärzte noch genannt die Leiter der [[1921]] aufgelösten Heil- und Pflegeanstalt im ehemaligen Dominikanerinnenkloster am Waisenhausplatz: Dr. [[Johann Christian Roller|Johann Christian Roller]] von [[1804]] bis [[1814]] und dessen Sohn Dr. [[Christian Friedrich Roller|Christian Friedrich Roller]] bis [[1826]] (?), Dr. Johann Georg Müller von 1826 bis [[1859]], Dr. Franz Fischer von 1859 bis [[1881]], Dr. Walter von 1881 bis [[1889]], Dr. Franz Fischer von 1889 bis 1914 und Dr. Barbo von 1914 bis [[1919]]. |
Ergänzend seien als weitere staatliche Ärzte noch genannt die Leiter der [[1921]] aufgelösten Heil- und Pflegeanstalt im ehemaligen Dominikanerinnenkloster am Waisenhausplatz: Dr. [[Johann Christian Roller|Johann Christian Roller]] von [[1804]] bis [[1814]] und dessen Sohn Dr. [[Christian Friedrich Wilhelm Roller|Christian Friedrich Roller]] bis [[1826]] (?), Dr. [[Johann Georg Müller]] von 1826 bis [[1859]], Dr. [[Franz Fischer sen.]] von 1859 bis [[1881]], Dr. Walter von 1881 bis [[1889]], Dr. [[Franz Fischer jun.]] von 1889 bis 1914 und Dr. Barbo von 1914 bis [[1919]]. |
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=== 1935 bis 1956 === |
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Aufgrund des Gesetzes zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens vom Jahre [[1934]] wurde ein Staatliches Gesundheitsamt geschaffen, das alle nach dem damaligen Stand der Dinge zum öffentlichen Gesundheitsdienst gehörigen Aufgaben zu übernehmen hatte. Sowohl die bisher vom staatlichen Bezirksarzt las auch die vom städtischen Gesundheitsdienst wahrgenommenen Sachgebiete gingen in die Zuständigkeit des neuen Amtes über. Der oberste Leiter des hiesigen Amtes wurde der bisherige erste Bezirksarzt Dr. Croissant. Die Diensträume waren im Hause [[Bahnhofstraße]] 20. Das Amt war [[1945]] besetzt mit 5 hauptamtlichen Ärzten, 1 Verwaltungsbeamten, 1 Registraturangestellten, 1 technische Assistentin, 5 Gesundheitspflegerinnen und 6 Kanzleiangestellten. Beim Großangriff auf Pforzheim im Februar [[1945]] wurde das Amt mit sämtlichem Aktenmaterial vernichtet. In der Folge wurde das Amt behelfsmäßig untergebracht und zwar in [[Dillweißenstein]], dann [[Friedenstraße]] 82, dann [[Wolfsbergallee]] 48, vom November 1948 bis November 1955 im obersten Geschoss des Hotels [[Wittelsbacher Hof|Wittelsbacher Hof]], und seit dem [[11. November]] [[1955]] wieder in der Stadtmitte, in einem für das Amt erstellten Neubau im [[Blumenhof]]. Maßgebend für die Genehmigung des Neubaus waren bei dem Ministerium des Innern in Stuttgart Ministerialrat Dr. Unger, bei dem Regierungspräsidium Nordbaden [[Karlsruhe]], Regierungsdirektor Dr. Emmelmann. Die Planung und Oberleitung lag in den Händen von Regierungsbaurat Gremmelspacher vom Staatlichen Hochbauamt Pforzheim, die Bauleitung hatte Regierungsoberbauinspektor Mack. |
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Dem Staatlichen Gesundheitsamt standen 1956 4 hauptamtliche Ärzte, 5 Gesundheitspflegerinnen, 1 technische Assistentin, 1 Gesundheitsaufseher, 8 Beamte und Angestellte, 4 Lohnempfänger zur Verfügung, außerdem nebenamtliche tätige Ärzte, Fachärzte und Zahnärzte. |
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== Adresse == |
== Adresse == |
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Aktuelle Version vom 28. Juni 2021, 09:19 Uhr
Das Gesundheitsamt für Pforzheim und den Enzkreis befindet sich in Pforzheim. Das von Frau Dr. Roswitha Kull geleitete Amt ist dem Landratsamt Enzkreis (LRA) unterstellt bzw. angegliedert.
Viele Jahre lang befand es sich im denkmalgeschützten Bau des Blumenhofes (heute dort: Caritas), seit einigen Jahren befindet sich das Amt nun in der Bahnhofstraße in Pforzheim.
Aktuell gibt es auf der Internetseite Informationen zur Schweinegrippe und den Impfungen.
Aufgaben
Zu seinen Aufgaben gehören verschiedene Dienstleistungen:
- AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten
- Amtsärztliche Untersuchungen und Gutachten
- Betreuungsbehörde
- Einschulungsuntersuchung
- Heimaufsicht
Im Bereich der Hygiene finden sich folgende Aufgaben:
- Impfberatung
- Infektionsschutz
- Infektionsschutzgesetz-Belehrungen (Lebensmittelbereich)
- Psychosoziale Gesundheitshilfe
- Qualität des Trinkwassers
- Sexualität und Behinderung “LiLu“
- Sexualpädagogische Primärprävention
- Tuberkuloseberatung
- Umweltbezogener Gesundheitsschutz
- Versorgungsärztlicher Dienst
- Verwaltung/Digitalierung
- Zahngesundheit
Beratung erfolgt ebenso in den genannten Bereichen. Kooperationen zur Gesundheitsförderung und Prävention besteht mit dem Netzwerk looping und der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege.
Geschichte
1920 bis 1935
Bis 1935 lag die Wahrnehmung der Belange des öffentlichen Gesundheitsdienstes, soweit es sich um Aufsichtsaufgaben, Seuchenbekämpfung, öffentliche Hygiene und gerichtliches Gutachterwesen handelte, in den Händen des staatlichen Bezirksarztes. All die Gebiete des öffentlichen Gesundheitsdienstes, wurden in Pforzheim bis Ende des ersten Weltkrieges noch nicht besonders bearbeitet. 1920 aber entschloss sich der Stadtrat der Stadt Pforzheim als der ersten badischen Stadt neben Freiburg zur Schaffung eines städtischen Gesundheitsamtes, nachdem 1919, eine „Schul- und Stadtarztstelle“ eingerichtet und dem Pforzheimer Arzt Dr. K.H. Mayer übertragen worden war.
Die Errichtung eines Gesundheitsamtes war eine freiwillige Leistung. Oberbürgermeister war damals Dr. Erwin Gündert, Dezernent für das Gesundheitswesen, für das gesamte Wohlfahrtswesen, für das Krankenhaus und das Jugendamt war Bürgermeister Streng. Der erste ärztliche Leiter des neu gegründeten Amtes wurde der bisherige Schul- und Stadtarzt Dr. Mayer. Als Verwaltungsbeamter stand ihm der damalige Stadtinspektor Artur Weigel zur Seite, als Schulschwester waren tätig zuerst Schwester Hedwig Weidelich, später Hanna Elsässer. Nicht lange nach der Gründung des Gesundheitsamtes wurde als weitere ärztliche Kraft Stadtärztin Dr. Käthe Lang eingestellt.
Die Tätigkeiten des Gesundheitsamtes erweiterten sich auf die Schulgesundheitspflege, auf das Wohlfahrtsamt, die Säuglingsfürsorge und Mütterberatung, die Schulkindererholungsfürsorge und Schülerspeisung sowie die Tuberkulosefürsorge. Letztere war damals erst in ganz wenigen Städten als öffentliche Aufgabe in Angriff genommen worden, im Land Baden nur in Mannheim und Freiburg, Karlsruhe folgte 1922. Ergänzende fachärztliche Untersuchungen von Tuberkulosekranken wurden vertragsweise durch den Facharzt Dr. Lühl durchgeführt.
Beim städtischen Jugendamt wurden, zugleich zur Mitwirkung beim Gesundheitsamt, 1920 sechs Fürsorgerinnen eingestellt. Ihnen oblagen die Säuglings- und Kleinkinderfürsorge, die Familienfürsorge und Jugendpflege einschließlich Mündelfürsorge.
Da der Gesundheitszustand der Schulkinder damals infolge der Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse und der Inflation sehr schlecht war, wurde für die Erholungsfürsorge zur Verwendung als Kindererholungsheim von der Stadt Pforzheim das Gasthaus „Sonne“ in Neuenweg Kreis Schönau, am Fuße des Belchen, erworben. Das Haus konnte 50 Kinder aufnehmen. Ferner wurde im Mai 1920 in Bad Wimpfen das Hotel „Zum Ritter“ gekauft. In diesem Hause wurden Solbäder eingerichtet, später bekam das Erholungsheim eine eigene Soleleitung. Im gleichen Jahr wurde noch das Schloß Bauschlott gepachtet und als Erholungsheim für 120 Kinder eingerichtet. Kurze Zeit später wurde in Marxzell ein Kindererholungsheim für 45 Kinder geschaffen. Die Kurdauer betrug in Neuenweg 7, in Wimpfen 8, in Bauschlott und Marxzell je 6 Wochen. 1923 wurde das Kinderheim Marxzell wieder aufgegeben, ebenso das Schloß Bauschlott, letzteres weil es sich zeigte, dass die Nähe der Stadt und die damit verbundenen Besuche von zu Hause den Kurerfolg bei den Kindern beeinträchtigten. Die Kurerfolge waren als gut zu bezeichnen und die Bevölkerung war mit den Leistungen der Erholungsfürsorge zufrieden.
Zur Hebung der des Gesundheitszustandes der Kinder trug auch die Quäkerspeisung bei. Sie erfasste im Jahr bis zu 6.000 Kinder und erfolgte an 6 Wochentagen. Es waren 5 Küchen vorhanden mit je 1 bis 4 Kochkesseln. Ein Teil der Kosten der Quäkerspeisung übernahm die Stadt. Von 1925/1926 ab wurde die Quäkerspeisung als sogenannte Schülerspeisung weitergeführt.
1924 trat ein Wechsel in der Leitung des städtischen Gesundheitsamtes ein. Die Leitung übernahm als Stabsarzt und späterer Stadtmedizinalrat Dr. Eisenlohr. In jener Zeit wurde zur Ergänzung der verminderten Entsendefürsorge eine sogenannte örtliche Erholungsfürsorge eingeführt, die auf verschiedenen Sportplätzen durchgeführt wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Tuberkulosefürsorge weiter ausgebaut und als nebenamtlicher Lungenfacharzt Dr. Lühl von der Stadt fest eingestellt. Von etwa 1925 ab bis 1935 wurde in den Volksschulen eine Kropfprophylaxe durchgeführt; es wurde auf freiwilliger Basis an die sich beteiligenden Kinder ein geeignetes Jodpräparat in kleinsten Dosen laufend verabreicht.
Um 1935 war das städtische Gesundheitsamt besetzt mit einem Stadtmedizinalrat, einer Schulärztin, zwei Schulschwestern, einer Fürsorgeschwester für Tuberkulose- und Geschlechtskrankenfürsorge, einem Inspektor und einem Angestellten. Von 1922 bis 1935 war das Amt im Erdgeschoß der Reuchlinschule untergebracht. Die ebenfalls im Jahr 1922 eingerichtet Abteilung einer städtischen Schulzahnklinik befand sich in der Reuchlinschule.
Stadtphysici bzw. Bezirksärzte in Pforzheim waren in der Zeit von 1805 bis 1933: Hofrat Dr. Gyhser bis 1813, danach Dr. Wenz, dann nacheinander Dr. Dietz, Dr. Wilser, Dr. Moppey, Dr. Arnsperger, Dr. Fischer und Medizinalrat Dr. Rehmann, von 1877 bis etwa 1914. Sein Nachfolger war dann Medizinalrat Dr. Mayer. Ergänzend seien als weitere staatliche Ärzte noch genannt die Leiter der 1921 aufgelösten Heil- und Pflegeanstalt im ehemaligen Dominikanerinnenkloster am Waisenhausplatz: Dr. Johann Christian Roller von 1804 bis 1814 und dessen Sohn Dr. Christian Friedrich Roller bis 1826 (?), Dr. Johann Georg Müller von 1826 bis 1859, Dr. Franz Fischer sen. von 1859 bis 1881, Dr. Walter von 1881 bis 1889, Dr. Franz Fischer jun. von 1889 bis 1914 und Dr. Barbo von 1914 bis 1919.
1935 bis 1956
Aufgrund des Gesetzes zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens vom Jahre 1934 wurde ein Staatliches Gesundheitsamt geschaffen, das alle nach dem damaligen Stand der Dinge zum öffentlichen Gesundheitsdienst gehörigen Aufgaben zu übernehmen hatte. Sowohl die bisher vom staatlichen Bezirksarzt las auch die vom städtischen Gesundheitsdienst wahrgenommenen Sachgebiete gingen in die Zuständigkeit des neuen Amtes über. Der oberste Leiter des hiesigen Amtes wurde der bisherige erste Bezirksarzt Dr. Croissant. Die Diensträume waren im Hause Bahnhofstraße 20. Das Amt war 1945 besetzt mit 5 hauptamtlichen Ärzten, 1 Verwaltungsbeamten, 1 Registraturangestellten, 1 technische Assistentin, 5 Gesundheitspflegerinnen und 6 Kanzleiangestellten. Beim Großangriff auf Pforzheim im Februar 1945 wurde das Amt mit sämtlichem Aktenmaterial vernichtet. In der Folge wurde das Amt behelfsmäßig untergebracht und zwar in Dillweißenstein, dann Friedenstraße 82, dann Wolfsbergallee 48, vom November 1948 bis November 1955 im obersten Geschoss des Hotels Wittelsbacher Hof, und seit dem 11. November 1955 wieder in der Stadtmitte, in einem für das Amt erstellten Neubau im Blumenhof. Maßgebend für die Genehmigung des Neubaus waren bei dem Ministerium des Innern in Stuttgart Ministerialrat Dr. Unger, bei dem Regierungspräsidium Nordbaden Karlsruhe, Regierungsdirektor Dr. Emmelmann. Die Planung und Oberleitung lag in den Händen von Regierungsbaurat Gremmelspacher vom Staatlichen Hochbauamt Pforzheim, die Bauleitung hatte Regierungsoberbauinspektor Mack.
Dem Staatlichen Gesundheitsamt standen 1956 4 hauptamtliche Ärzte, 5 Gesundheitspflegerinnen, 1 technische Assistentin, 1 Gesundheitsaufseher, 8 Beamte und Angestellte, 4 Lohnempfänger zur Verfügung, außerdem nebenamtliche tätige Ärzte, Fachärzte und Zahnärzte.
Adresse
- Gesundheitsamt
- Landratsamt Enzkreis
- Bahnhofstraße 28
- 75172 Pforzheim
- Telefon: (0 72 31) 3 08 – 97 39
- Telefax: (0 72 31) 3 08 – 97 35
- E-Mail:
gesundheitsamt
enzkreis.de
