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== Allgemeines ==
Flache Flussquerung durch die [[Enz]] aus der Zeit der römischen Siedler, welche namensstiftend für [[Pforzheim]] ist.
Die '''Furt''' war eine flache Flussquerung durch die [[Enz]] in der Zeit der [[Römer|römischen]] Siedler, welche namensstiftend für [[Pforzheim]] war.


== Lage ==
== Lage ==
Die Furt quert die [[Enz]] zwischen [[Altstädter Brücke]] und [[Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG|Allgemeiner]], ca. eine Gehminute vom Haupteingang des [[Klinikum Pforzheim]].
Die Furt quert die [[Enz]] zwischen [[Altstädter Brücke]] und [[Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG|Allgemeiner]], ca. eine Gehminute vom Haupteingang des [[Klinikum Pforzheim|Klinikums Pforzheim]].


== Gedenktafel ==
== Gedenktafel ==
[[Bild:Gedenktafel_Furt-THUMB-MarkusKarg-2006.JPG|thumb|256px|Gedenktafel für die Furt]]
Eine Gedenktafel weist auf die historische Bedeutung und die im [[Kappelhof]] zu besichtigenden Reste der römischen Militärstrasse hin.
Eine Gedenktafel weist auf die historische Bedeutung und die im [[Kappelhof]] zu besichtigenden Reste der römischen Militärstrasse hin.
[[Bild:Gedenktafel_Furt-THUMB-MarkusKarg-2006.JPG]]



Der Text der Gedenktafel lautet wie folgt:
Der Text der Gedenktafel lautet wie folgt:
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''PORT(us), eine römische Gründung
''PORT(us), eine römische Gründung


''Etwa um 90 n. Chr. zur Zeit Domitians (81-96) wurde die römische Militärstraße vom Legionslager Straßburg (argentorate) über Ettlingen und Pforzheim PORT(us) zum Limes nach Cannstatt angelegt. Die Fernstraße umging den Schwarzwald im Norden und überquerte an der flachen Enzfurt den Fluß, so dass die im Oberlauf tiefeingeschnittenen Täler von Enz, Nagold und Würm gemieden werden konnten. Die Furt selbst wie auch ein 90 m langes Teilstück der Straße zwischen der heutigen Abnobastraße und der Kappelhofstraße konnten nachgewiesen werden. Diese Militärstraße stellte die Versorgung der Truppen in den Provinzen sicher. Das heutige Baden-Württemberg gehörte den Provinzen Obergermanien und Rätien an.
''Etwa um [[90|90 n. Chr.]] zur Zeit Domitians (81-96) wurde die römische Militärstraße vom Legionslager Straßburg (argentorate) über [[Ettlingen]] und Pforzheim PORT(us) zum Limes nach Cannstatt angelegt. Die Fernstraße umging den [[Schwarzwald]] im Norden und überquerte an der flachen Enzfurt den Fluß, so dass die im Oberlauf tiefeingeschnittenen Täler von Enz, [[Nagold (Fluss)|Nagold]] und [[Würm]] gemieden werden konnten. Die Furt selbst wie auch ein 90 m langes Teilstück der Straße zwischen der heutigen [[Abnobastraße]] und der [[Kappelhofstraße]] konnten nachgewiesen werden. Diese Militärstraße stellte die Versorgung der Truppen in den Provinzen sicher. Das heutige [[Baden-Württemberg]] gehörte den Provinzen Obergermanien und Rätien an.


''Auf einem römischen Meilenstein von 245 n. Chr., den man 1934 bei Friolzheim fand, steht: a PORT(u) L(eugas) V. Übersetzt: von Pforzheim 5 Leugen (1 Leuge - keltisches Entfernungsmaß - sind 2,22 km). Die Entfernung von der Fundstelle des Leugensteines bis zur Furt beträgt tatsächlich 11,1 km.
''Auf einem römischen [[Leugenstein|Meilenstein]] von [[245]] n. Chr., den man [[1934]] bei [[Friolzheim]] fand, steht: a PORT(u) L(eugas) V. Übersetzt: von Pforzheim 5 Leugen (1 Leuge - keltisches Entfernungsmaß - sind 2,22 km). Die Entfernung von der Fundstelle des Leugensteines bis zur Furt beträgt tatsächlich 11,1 km.


''Das lateinische Wort portus bedeutet Flussübergang, Hafen. In merowingischer Zeit wurde die Endung -heim angefügt. 1067 wird Pforzheim erstmals als "Phorzheim" urkundlich erwähnt.
''Das lateinische Wort portus bedeutet Flussübergang, Hafen. In merowingischer Zeit wurde die Endung -heim angefügt. [[1067]] wird Pforzheim erstmals als "Phorzheim" urkundlich erwähnt.


''Die heutige Stadt Pforzheim hat also ihren Ursprung am Übergang der Militärstraße über die Enz. Die Furt schaffte die Grundlage für die Entstehung einer Siedlung, deren Bewohner von den Dienstleistungen für durchziehende Truppen und Zivilreisende lebten. Mit der Zeit wurde Pforzheim ein bedeutender Etappenort. Sicher hat es damals schon Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben. Aus einer Inschrift ist auch ein Polizeiposten nachgewiesen.
''Die heutige Stadt Pforzheim hat also ihren Ursprung am Übergang der Militärstraße über die Enz. Die Furt schaffte die Grundlage für die Entstehung einer Siedlung, deren Bewohner von den Dienstleistungen für durchziehende Truppen und Zivilreisende lebten. Mit der Zeit wurde Pforzheim ein bedeutender Etappenort. Sicher hat es damals schon Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben. Aus einer Inschrift ist auch ein Polizeiposten nachgewiesen.
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''Die römische Provinz war in zivile Verwaltungsgebiete (civitates) gegliedert, deren Mittelpunkt jeweils der Hauptort gewesen ist. In Baden-Württemberg sind sechs civitates bekannt; eine davon soll Pforzheim gewesen sein.
''Die römische Provinz war in zivile Verwaltungsgebiete (civitates) gegliedert, deren Mittelpunkt jeweils der Hauptort gewesen ist. In Baden-Württemberg sind sechs civitates bekannt; eine davon soll Pforzheim gewesen sein.


''Ausgrabungen im Bereich der Altstädter Kirche und des Krankenhauses brachten umfangreiche Nachweise für die Existenz der frühen römischen Siedlung. So steht die Altstädter Kirche auf römischen Grundmauern, die wohl zu einem größeren öffentlichen Gebäude gehörten, das jedoch nie fertig gestellt wurde. Im Jahre 1909 fand man bei der Kirche auch einen der keltischen Göttin Abnoba geweihten Altar mit der Inschrift: Abnoba quadruvia (Vierwegegöttin).
''Ausgrabungen im Bereich der [[Altstädter Kirche]] und des Krankenhauses brachten umfangreiche Nachweise für die Existenz der frühen römischen Siedlung. So steht die Altstädter Kirche auf römischen Grundmauern, die wohl zu einem größeren öffentlichen Gebäude gehörten, das jedoch nie fertig gestellt wurde. Im Jahre [[1909]] fand man bei der Kirche auch einen der keltischen Göttin Abnoba geweihten Altar mit der Inschrift: Abnoba quadruvia (Vierwegegöttin).


''Südlich der Enz wurden sowohl bei der Enzkorrektion von 1903-1910 als auch beim Krankenhausbau der 1960er und 1970er Jahre Baureste mit Fußbodenheizungen (hypocaustum) und Teile eines Daches mit Gebälk und Ziegeln gefunden. Von den dort nachgewiesenen zwei Lagerhäusern lassen sich die Grundrisse vollständig rekonstruieren, nicht aber von den angrenzenden
''Südlich der Enz wurden sowohl bei der [[Enzkorrektion]] von [[1903]]-[[1910]] als auch beim Krankenhausbau der [[1960er]] und [[1970er]] Jahre Baureste mit Fußbodenheizungen (hypocaustum) und Teile eines Daches mit Gebälk und Ziegeln gefunden. Von den dort nachgewiesenen zwei Lagerhäusern lassen sich die Grundrisse vollständig rekonstruieren, nicht aber von den angrenzenden Wohnbauten. Auch konnten elf römische [[Brunnen]] ausgegraben werden, aus denen umfangreiches Fundmaterial geborgen wurde, so eine hölzerne Statuette der Sirona, Göttin heilkräftiger Quellen, und ein Tierjoch ([[1947]]). Die Funde sind am [[Archäologischer Schauplatz Kappelhof|Archäologischen Schauplatz Kappelhof]] zu sehen.
Wohnbauten. Auch konnten elf römische Brunnen ausgegraben werden, aus denen umfangreiches Fundmaterial geborgen wurde, so eine hölzerne Statuette der Sirona, Göttin heilkräftiger Quellen, und ein Tierjoch (1947). Die Funde sind am Archäologischen Schauplatz Kappelhof zu sehen.


''Die römische Militärstraße hatte mit Sicherheit enztalabwärts eine Verbindung zu einem vicus bei Mühlacker und nach Illingen mit Anschluss an die Straße Cannstatt-Mainz. Auch dürfte es eine direkte Verbindung von Pforzheim zur römischen Siedlung SENOT(ensis), Singen, gegeben haben. Sie muss ungefähr beim Wallberg nach Norden entlang der heutigen Bundesstraße 10 verlaufen sein. Innerhalb des Stadtgebiets von Pforzheim ist der ursprüngliche Verlauf der Militärstraße nur bei der Altstädter Kirche nachweisbar.
''Die römische Militärstraße hatte mit Sicherheit enztalabwärts eine Verbindung zu einem vicus bei [[Mühlacker]] und nach [[Illingen]] mit Anschluss an die Straße Cannstatt-Mainz. Auch dürfte es eine direkte Verbindung von Pforzheim zur römischen Siedlung SENOT(ensis), [[Singen]], gegeben haben. Sie muss ungefähr beim [[Wallberg]] nach Norden entlang der heutigen [[Bundesstraße 10]] verlaufen sein. Innerhalb des Stadtgebiets von Pforzheim ist der ursprüngliche Verlauf der Militärstraße nur bei der Altstädter Kirche nachweisbar.


''Landesdenkmalamt
''Landesdenkmalamt


''Hinweise zur Besichtigung:
''Hinweise zur Besichtigung:
*''Villa rustica im Kanzlerwald
*''[[Villa rustica Kanzlerwald|Villa rustica im Kanzlerwald]]
*''Villa rustica in Brötzingen (Mittelsberg)
*''[[Villa rustica Altes Schloss|Villa rustica in Brötzingen (Mittelsberg)]]
*''Villa rustica bei Kieselbronn
*''[[Villa rustica Kieselbronn]]
*''Römische Straßenreste westlich des Wallberg, und an der Tiefenbronnerstraße beim Seilerskreuz
*''Römische Straßenreste westlich des Wallberg, und an der [[Tiefenbronner Straße|Tiefenbronnerstraße]] beim [[Seilerskreuz]]
*''Archäologischer Schauplatz Kappelhof, 100 m von hier
*''Archäologischer Schauplatz Kappelhof, 100 m von hier


''Gestiftet: PFORZHEIM MITGESTALTEN e. V. • Schwarzwaldverein Baden • Gruppe Pforzheim • Kulturamt der Stadt Pforzheim, 2003
''Gestiftet: [[Pforzheim mitgestalten|PFORZHEIM MITGESTALTEN e. V.]][[Schwarzwaldverein]] Baden • Gruppe Pforzheim • [[Kulturamt Pforzheim|Kulturamt der Stadt Pforzheim]], 2003


== FoTour ==
== FoTour ==
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[[Kategorie:Geschichte (Pforzheim)]]
[[Kategorie:Gewässer]]
[[Kategorie:Gewässer]]
[[Kategorie:Römer]]

Aktuelle Version vom 26. September 2019, 10:27 Uhr

OpenStreetMap
OpenStreetMap
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Die Furt war eine flache Flussquerung durch die Enz in der Zeit der römischen Siedler, welche namensstiftend für Pforzheim war.

Lage

Die Furt quert die Enz zwischen Altstädter Brücke und Allgemeiner, ca. eine Gehminute vom Haupteingang des Klinikums Pforzheim.

Gedenktafel

Gedenktafel für die Furt

Eine Gedenktafel weist auf die historische Bedeutung und die im Kappelhof zu besichtigenden Reste der römischen Militärstrasse hin.

Der Text der Gedenktafel lautet wie folgt:

An dieser Stelle entstand Pforzheim

PORT(us), eine römische Gründung

Etwa um 90 n. Chr. zur Zeit Domitians (81-96) wurde die römische Militärstraße vom Legionslager Straßburg (argentorate) über Ettlingen und Pforzheim PORT(us) zum Limes nach Cannstatt angelegt. Die Fernstraße umging den Schwarzwald im Norden und überquerte an der flachen Enzfurt den Fluß, so dass die im Oberlauf tiefeingeschnittenen Täler von Enz, Nagold und Würm gemieden werden konnten. Die Furt selbst wie auch ein 90 m langes Teilstück der Straße zwischen der heutigen Abnobastraße und der Kappelhofstraße konnten nachgewiesen werden. Diese Militärstraße stellte die Versorgung der Truppen in den Provinzen sicher. Das heutige Baden-Württemberg gehörte den Provinzen Obergermanien und Rätien an.

Auf einem römischen Meilenstein von 245 n. Chr., den man 1934 bei Friolzheim fand, steht: a PORT(u) L(eugas) V. Übersetzt: von Pforzheim 5 Leugen (1 Leuge - keltisches Entfernungsmaß - sind 2,22 km). Die Entfernung von der Fundstelle des Leugensteines bis zur Furt beträgt tatsächlich 11,1 km.

Das lateinische Wort portus bedeutet Flussübergang, Hafen. In merowingischer Zeit wurde die Endung -heim angefügt. 1067 wird Pforzheim erstmals als "Phorzheim" urkundlich erwähnt.

Die heutige Stadt Pforzheim hat also ihren Ursprung am Übergang der Militärstraße über die Enz. Die Furt schaffte die Grundlage für die Entstehung einer Siedlung, deren Bewohner von den Dienstleistungen für durchziehende Truppen und Zivilreisende lebten. Mit der Zeit wurde Pforzheim ein bedeutender Etappenort. Sicher hat es damals schon Rast- und Übernachtungsmöglichkeiten gegeben. Aus einer Inschrift ist auch ein Polizeiposten nachgewiesen.

Die römische Provinz war in zivile Verwaltungsgebiete (civitates) gegliedert, deren Mittelpunkt jeweils der Hauptort gewesen ist. In Baden-Württemberg sind sechs civitates bekannt; eine davon soll Pforzheim gewesen sein.

Ausgrabungen im Bereich der Altstädter Kirche und des Krankenhauses brachten umfangreiche Nachweise für die Existenz der frühen römischen Siedlung. So steht die Altstädter Kirche auf römischen Grundmauern, die wohl zu einem größeren öffentlichen Gebäude gehörten, das jedoch nie fertig gestellt wurde. Im Jahre 1909 fand man bei der Kirche auch einen der keltischen Göttin Abnoba geweihten Altar mit der Inschrift: Abnoba quadruvia (Vierwegegöttin).

Südlich der Enz wurden sowohl bei der Enzkorrektion von 1903-1910 als auch beim Krankenhausbau der 1960er und 1970er Jahre Baureste mit Fußbodenheizungen (hypocaustum) und Teile eines Daches mit Gebälk und Ziegeln gefunden. Von den dort nachgewiesenen zwei Lagerhäusern lassen sich die Grundrisse vollständig rekonstruieren, nicht aber von den angrenzenden Wohnbauten. Auch konnten elf römische Brunnen ausgegraben werden, aus denen umfangreiches Fundmaterial geborgen wurde, so eine hölzerne Statuette der Sirona, Göttin heilkräftiger Quellen, und ein Tierjoch (1947). Die Funde sind am Archäologischen Schauplatz Kappelhof zu sehen.

Die römische Militärstraße hatte mit Sicherheit enztalabwärts eine Verbindung zu einem vicus bei Mühlacker und nach Illingen mit Anschluss an die Straße Cannstatt-Mainz. Auch dürfte es eine direkte Verbindung von Pforzheim zur römischen Siedlung SENOT(ensis), Singen, gegeben haben. Sie muss ungefähr beim Wallberg nach Norden entlang der heutigen Bundesstraße 10 verlaufen sein. Innerhalb des Stadtgebiets von Pforzheim ist der ursprüngliche Verlauf der Militärstraße nur bei der Altstädter Kirche nachweisbar.

Landesdenkmalamt

Hinweise zur Besichtigung:

Gestiftet: PFORZHEIM MITGESTALTEN e. V.Schwarzwaldverein Baden • Gruppe Pforzheim • Kulturamt der Stadt Pforzheim, 2003

FoTour

Dieser Beitrag (inkl. Foto der Gedenktafel) entstand anlässlich der ersten FoTour.

Weblinks

Wikipedia zum Thema „Furt”