Feier mit! 20 Jahre Pfenz!
Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
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[[Datei:Rudolf Kuppenheim (hebräisch רודולף קוּפֵּנהַיים) (geb. 7.11.1865 in Pforzheim; gest. 23.11.1940 Pforzheim) und Sybilla Karoline Gertrude Kuppenheim, genannt Lilly (geb. 7.12.1868 in Heidelberg; gest. 23.10.1940 in Pforzheim).jpg|thumb| ]] |
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[[Datei:Porträt von Rudolf Kuppenheim (hebräisch רודולף קוּפֵּנהַיים) (geb. 7.11.1865 in Pforzheim; gest. 23.11.1940 Pforzheim).png|thumb| ]] |
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[[Datei:Stolperstein Rudolf Kuppenheim (hebräisch- רודולף קוּפֵּנהַיים) (geb. 7.11.1865 in Pforzheim; gest. 23.11.1940 in Pforzheim).png|thumb|[[Stolpersteine in Pforzheim]]:Rudolf Kuppenheim (hebräisch- רודולף קוּפֵּנהַיים).]] |
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Medizinalrat Dr. '''Rudolf Kuppenheim''' (hebräisch: רודולף קוּפֵּנהַיים) (* [[Geburtstag::7. November]] [[Geburtsjahr::1865]] in {{Geboren in|Pforzheim}}; † [[Todestag::23. Oktober]] [[Todesjahr::1940]] in {{Gestorben in| Pforzheim}}) war ein [[Ist::Arzt]] jüdischer Herkunft in [[Tätig in::Pforzheim]] und arbeitete als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Pforzheimer [[Krankenhaus Siloah]]. Er war ein Pforzheimer [[Ist::NS-Opfer]]. Er und seine Frau [[Lily Kuppenheim]] begingen Selbstmord, „um der drohenden Deportation ins Konzentrationslager zu entgehen“.<ref>Christoph Timm: ''Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet.'' Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 503.</ref> |
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Rudolf Kuppenheim wurde als Sohn von [[Louis Kuppenheim]] geboren. Er war verheiratet mit {{Verheiratet mit|Lily Kuppenheim}} geb. Ehmann. Sie hatten folgende Kinder: |
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Sie begingen am 23.10.1940 Selbstmord, „um der drohenden Deportation ins Konzentrationslager zu entgehen“.<ref>Christoph Timm: ''Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet.'' Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 503.</ref> |
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== Leben und Wirken == |
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Er besuchte ab [[1875]] das Großherzogliche Pädagogium und Realgymnasium in Pforzheim, studierte in [[Heidelberg]] Medizin und wurde [[1893]] Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des evangelischen Diakonissenkrankenhauses [[Siloah]]. Mit seiner Frau Lily Ehmann, wohnte er am [[Marktplatz]] 1, wo er auch seine Praxis als erster in Pforzheim niedergelassener Frauenarzt hatte. Mitte der zwanziger Jahre wurden Praxis und Wohnung in die [[Luisenstraße]] verlegt. [[1914]] diente er als Oberstabsarzt und Chefarzt großer Seuchenlazarette an der Ostfront; [[1917]] verlieh ihm Großherzog Friedrich II. von Baden (1857–1928) den Titel Medizinalrat. Vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war Rudolf Kuppenheim Stadtverordneter für die Deutschnationale Volkspartei und auch – nach sein seinem Übertritt von der jüdischen Religionsgemeinschaft zur evangelischen Konfession – als Kirchengemeinderat engagiert. Am [[30. März]] [[1933]] meldete das ''„Pforzheimer Morgenblatt“'': ''„Jüdische Ärzte und Zahnärzte sind von der Kassenpraxis ausgenommen“.'' Betroffen von diesem Berufsverbot waren folgende Ärzte in Pforzheim: Kurt Ehrenberg, Bernhard Kern, Abraham Kronstein, Hermann Netter, Nathan Roos, Wilhelm Rosenberg, Friedrich Schnurmann und auch Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim. Am [[1. April]] [[1933]] wurde er zum Rücktritt gezwungen und musste aus dem Dienst des Krankenhauses Siloah nach 40 Jahren Tätigkeit als Gynäkologe ausscheiden. Nach den Erinnerungen seines Sohnes Felix hat er rund 19 000 Kinder in Pforzheim dabei geholfen das Licht der Welt zu erblicken. Seine Privatpraxis durfte er noch weiterführen. Mit einem ''„Gesetz“'' vom [[5. Januar]] [[1938]] zwangen die Nationalsozialisten Juden bzw. solche Menschen, die sie als Juden abstempeln wollten, zur Annahme eines zweiten „jüdischen“ Vornamens, für Männer „Israel“. So wurde aus dem zur evangelischen Konfession übergetretenen Rudolf Kuppenheim ein „Geltungsjude“ nach dem Glauben seiner Vorfahren. Am [[1. Oktober]] [[1938]] wurde Dr. Rudolf Kuppenheim die Zulassung als Arzt entzogen. Die Eheleute Lily und Rudolf Kuppenheim bleiben in ihrer Heimatstadt. Am [[21. Oktober]] [[1940]] feierten die Eheleute den Tag, an dem sie sich vor 50 Jahren in Heidelberg kennengelernt hatten. Am Morgen des folgenden Tages klingelten SA-Männer an der Tür, sie forderten Lily und Rudolf Kuppenheim auf, in einer Stunde abmarschbereit zu sein mit 50 Kilogramm Gepäck, einer Wolldecke, Verpflegung, Ess- und Trinkgeschirr und maximal 100 Reichsmark pro Person. Ähnliches geschah an über 100 Wohnungstüren in Pforzheim. Statt zu packen, nahmen die Eheleute das Gift, das in der seit zwei Jahren geschlossenen Arztpraxis noch vorhanden war. Die zurückgekommenen SA-Männer fanden neben den beiden noch Lebenden auf dem Tisch auf einem Samtkissen die Auszeichnungen von Rudolf Kuppenheim aus dem Weltkrieg. Lily und Rudolf Kuppenheim starben am [[23. Oktober]] 1940 im Städtischen Krankenhaus. Die Trauerfeier fand am [[25. Oktober]] 1940 in der [[Schlosskirche]] statt. |
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Er besuchte ab [[1875]] das Großherzogliche Pädagogium und Realgymnasium in Pforzheim, studierte in [[Heidelberg]] Medizin und wurde [[1893]] Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des evangelischen Diakonissenkrankenhauses [[Siloah]]. Mit seiner Frau Lily Ehmann, wohnte er am [[Marktplatz]] 1, wo er auch seine Praxis als erster in Pforzheim niedergelassener [[Frauenarzt]] hatte. Mitte der zwanziger Jahre wurden Praxis und Wohnung in die [[Luisenstraße]] verlegt. |
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[[1914]] diente er als Oberstabsarzt und Chefarzt großer Seuchenlazarette an der [[Ostfront]]; [[1917]] verlieh ihm Großherzog Friedrich II. von Baden (1857–1928) den Titel Medizinalrat. |
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Vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] war Rudolf Kuppenheim Stadtverordneter für die Deutschnationale Volkspartei und auch – nach sein seinem Übertritt von der jüdischen Religionsgemeinschaft zur evangelischen Konfession – als Kirchengemeinderat engagiert. |
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Am [[30. März]] [[1933]] meldete das ''„Pforzheimer Morgenblatt“'': ''„Jüdische Ärzte und Zahnärzte sind von der Kassenpraxis ausgenommen“.'' Betroffen von diesem Berufsverbot waren folgende Ärzte in Pforzheim: Kurt Ehrenberg, Bernhard Kern, Abraham Kronstein, Hermann Netter, Nathan Roos, Wilhelm Rosenberg, Friedrich Schnurmann und auch Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim. |
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<!-- Betroffene Ärzte in übergeordneten NS/Juden Artikel auslagern --> |
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Am [[1. April]] [[1933]] wurde er zum Rücktritt gezwungen und musste aus dem Dienst des Krankenhauses Siloah nach 40 Jahren Tätigkeit als Gynäkologe ausscheiden. Nach den Erinnerungen seines Sohnes Felix hat er rund 19 000 Kinder in Pforzheim dabei geholfen das Licht der Welt zu erblicken. Seine Privatpraxis durfte er noch weiterführen. |
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Mit einem ''„Gesetz“'' vom [[5. Januar]] [[1938]] zwangen die Nationalsozialisten Juden bzw. solche Menschen, die sie als Juden abstempeln wollten, zur Annahme eines zweiten „jüdischen“ Vornamens, für Männer „Israel“, für Frauen „Sara“. |
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<!-- 2. Vorname Erklärung in übergeordneten NS/Juden Artikel auslagern --> |
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So wurde aus der evangelischen Lily Kuppenheim, nach den Kriterien der sogenannten "Nürnberger Gesetze" von [[1935]] eine Arierin, eine Diskriminierte, aus dem zur evangelischen Konfession übergetretenen Rudolf Kuppenheim ein „Geltungsjude“ nach dem Glauben seiner Vorfahren. Diese selbst nach den „Gesetzen“ der NS-Diktatur widerrechtliche Maßnahme hatte zur Folge, dass die Ehe der Kuppenheims nicht mehr als „Mischehe“ galt und der relative Schutz vor der Deportation – immerhin bis Anfang Februar [[1945]] – entfiel. |
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Am [[1. Oktober]] [[1938]] wurde Dr. Rudolf Kuppenheim die Zulassung als Arzt entzogen. |
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Die Eheleute Lily und Rudolf Kuppenheim bleiben in ihrer Heimatstadt, obwohl im November und Dezember [[1938]] die antisemitischen Maßnahmen immer bedrückender wurden: Der Besuch von Theater, Kinos und Konzerten wurde für Juden verboten, das „Schwarze Korps“, die Zeitung der SS, schrieb am [[24. November]] 1938 zur ''„totalen Lösung der Judenfrage“: „Das Programm ist klar. Es lautet: völlige Ausscheidung, restlose Trennung !“'' Für die Zukunft beschrieb die SS die ''„Notwendigkeit, die jüdische Unterwelt genau so auszurotten, wie wir in unserem Ordnungsstaat Verbrecher eben auszurotten pflegen: mit Feuer und Schwert“.'' |
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Am [[21. Oktober]] [[1940]] feierten die Eheleute den Tag, an dem sie sich vor 50 Jahren in Heidelberg kennengelernt hatten. Am Morgen des folgenden Tages klingelten SA-Männer an der Tür, sie forderten Lily und Rudolf Kuppenheim auf, in einer Stunde abmarschbereit zu sein mit 50 Kilogramm Gepäck, einer Wolldecke, Verpflegung, Ess- und Trinkgeschirr und maximal 100 Reichsmark pro Person. Ähnliches geschah an über 100 Wohnungstüren in Pforzheim. |
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Statt zu packen, nahmen die Eheleute das Gift, das in der seit zwei Jahren geschlossenen Arztpraxis noch vorhanden war. Die zurückgekommenen SA-Männer fanden neben den beiden noch Lebenden auf dem Tisch auf einem Samtkissen die Auszeichnungen von Rudolf Kuppenheim aus dem Weltkrieg. |
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Lily und Rudolf Kuppenheim starben am [[23. Oktober]] 1940 im Städtischen Krankenhaus. Die Trauerfeier fand am [[25. Oktober]] 1940 in der [[Schlosskirche]] statt. |
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Laut dem „Merkblatt für eingesetzte Beamte“ hätten die Eheleute Kuppenheim gar nicht auf der Deportationsliste stehen dürfen, denn ausdrücklich ausgenommen von der für den 20. Oktober 1940 geplanten Deportation der Juden aus [[Baden]], der Pfalz und dem Saarland waren „Angehörige von Mischehen“. |
Laut dem „Merkblatt für eingesetzte Beamte“ hätten die Eheleute Kuppenheim gar nicht auf der Deportationsliste stehen dürfen, denn ausdrücklich ausgenommen von der für den 20. Oktober 1940 geplanten Deportation der Juden aus [[Baden]], der Pfalz und dem Saarland waren „Angehörige von Mischehen“. |
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* [[1970]] beschloss der [[Gemeinderat Pforzheim|Gemeinderat]], eine Straße am [[Wallberg]] gegenüber des [[Krankenhaus Siloah]] „[[Kuppenheimstraße]]“ zu benennen. |
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* [[1981]] wurde in Anwesenheit von Louis Kuppenheim, eines Neffen von Lily und Rudolf Kuppenheim, ein Gedenkstein an der Ecke [[Kurze Steige]]/Kuppenheimstraße eingeweiht. |
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* [[2005]] wurde der Gedenkstein auf Initiative von Pfarrer i.R. Heinemann-Grüder in den Eingangsbereich des Krankenhaus Siloah umgesetzt. |
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== Weblinks == |
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* [https://www.pforzheim.de/stadt/stadtgeschichte/gedenken/juedische-buerger/glossar-ansicht.html?tx_glossary2_glossary%5Bglossary%5D=512&tx_glossary2_glossary%5Baction%5D=show&cHash=2cf7580141d8f4f14695b1317fc24969 Eintrag Dr. med. Rudolf Kuppenheim in der Datenbank der zwischen 1919 und 1945 in Pforzheim geborenen bzw. ansässigen jüdischen Bürgerinnen und Bürger und deren Schicksale auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Pforzheim] |
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Aktuelle Version vom 28. August 2019, 14:15 Uhr



Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim (hebräisch: רודולף קוּפֵּנהַיים) (* 7. November 1865 in Pforzheim; † 23. Oktober 1940 in Pforzheim) war ein Arzt jüdischer Herkunft in Pforzheim und arbeitete als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Pforzheimer Krankenhaus Siloah. Er war ein Pforzheimer NS-Opfer. Er und seine Frau Lily Kuppenheim begingen Selbstmord, „um der drohenden Deportation ins Konzentrationslager zu entgehen“.[1]
Familie
Rudolf Kuppenheim wurde als Sohn von Louis Kuppenheim geboren. Er war verheiratet mit Lily Kuppenheim geb. Ehmann. Sie hatten folgende Kinder:
Leben und Wirken
Er besuchte ab 1875 das Großherzogliche Pädagogium und Realgymnasium in Pforzheim, studierte in Heidelberg Medizin und wurde 1893 Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des evangelischen Diakonissenkrankenhauses Siloah. Mit seiner Frau Lily Ehmann, wohnte er am Marktplatz 1, wo er auch seine Praxis als erster in Pforzheim niedergelassener Frauenarzt hatte. Mitte der zwanziger Jahre wurden Praxis und Wohnung in die Luisenstraße verlegt. 1914 diente er als Oberstabsarzt und Chefarzt großer Seuchenlazarette an der Ostfront; 1917 verlieh ihm Großherzog Friedrich II. von Baden (1857–1928) den Titel Medizinalrat. Vor dem Ersten Weltkrieg war Rudolf Kuppenheim Stadtverordneter für die Deutschnationale Volkspartei und auch – nach sein seinem Übertritt von der jüdischen Religionsgemeinschaft zur evangelischen Konfession – als Kirchengemeinderat engagiert. Am 30. März 1933 meldete das „Pforzheimer Morgenblatt“: „Jüdische Ärzte und Zahnärzte sind von der Kassenpraxis ausgenommen“. Betroffen von diesem Berufsverbot waren folgende Ärzte in Pforzheim: Kurt Ehrenberg, Bernhard Kern, Abraham Kronstein, Hermann Netter, Nathan Roos, Wilhelm Rosenberg, Friedrich Schnurmann und auch Medizinalrat Dr. Rudolf Kuppenheim. Am 1. April 1933 wurde er zum Rücktritt gezwungen und musste aus dem Dienst des Krankenhauses Siloah nach 40 Jahren Tätigkeit als Gynäkologe ausscheiden. Nach den Erinnerungen seines Sohnes Felix hat er rund 19 000 Kinder in Pforzheim dabei geholfen das Licht der Welt zu erblicken. Seine Privatpraxis durfte er noch weiterführen. Mit einem „Gesetz“ vom 5. Januar 1938 zwangen die Nationalsozialisten Juden bzw. solche Menschen, die sie als Juden abstempeln wollten, zur Annahme eines zweiten „jüdischen“ Vornamens, für Männer „Israel“. So wurde aus dem zur evangelischen Konfession übergetretenen Rudolf Kuppenheim ein „Geltungsjude“ nach dem Glauben seiner Vorfahren. Am 1. Oktober 1938 wurde Dr. Rudolf Kuppenheim die Zulassung als Arzt entzogen. Die Eheleute Lily und Rudolf Kuppenheim bleiben in ihrer Heimatstadt. Am 21. Oktober 1940 feierten die Eheleute den Tag, an dem sie sich vor 50 Jahren in Heidelberg kennengelernt hatten. Am Morgen des folgenden Tages klingelten SA-Männer an der Tür, sie forderten Lily und Rudolf Kuppenheim auf, in einer Stunde abmarschbereit zu sein mit 50 Kilogramm Gepäck, einer Wolldecke, Verpflegung, Ess- und Trinkgeschirr und maximal 100 Reichsmark pro Person. Ähnliches geschah an über 100 Wohnungstüren in Pforzheim. Statt zu packen, nahmen die Eheleute das Gift, das in der seit zwei Jahren geschlossenen Arztpraxis noch vorhanden war. Die zurückgekommenen SA-Männer fanden neben den beiden noch Lebenden auf dem Tisch auf einem Samtkissen die Auszeichnungen von Rudolf Kuppenheim aus dem Weltkrieg. Lily und Rudolf Kuppenheim starben am 23. Oktober 1940 im Städtischen Krankenhaus. Die Trauerfeier fand am 25. Oktober 1940 in der Schlosskirche statt.
Laut dem „Merkblatt für eingesetzte Beamte“ hätten die Eheleute Kuppenheim gar nicht auf der Deportationsliste stehen dürfen, denn ausdrücklich ausgenommen von der für den 20. Oktober 1940 geplanten Deportation der Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland waren „Angehörige von Mischehen“.
Gedenken
- 1970 beschloss der Gemeinderat, eine Straße am Wallberg gegenüber des Krankenhaus Siloah „Kuppenheimstraße“ zu benennen.
- 1981 wurde in Anwesenheit von Louis Kuppenheim, eines Neffen von Lily und Rudolf Kuppenheim, ein Gedenkstein an der Ecke Kurze Steige/Kuppenheimstraße eingeweiht.
- 2005 wurde der Gedenkstein auf Initiative von Pfarrer i.R. Heinemann-Grüder in den Eingangsbereich des Krankenhaus Siloah umgesetzt.
Literatur
- Gerhard Brändle: „Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim“, herausgegeben von der Stadt Pforzheim, Pforzheim 1985 (1. Auflage) ISBN 3-9800843-1-0
- Hans Georg Zier, Geschichte der Stadt Pforzheim, Stuttgart, 1982
Einzelnachweise
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 503.