Feier mit! 20 Jahre Pfenz!
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Mäuerach


Mäuerach ist ein Stadtviertel in Pforzheim. Das Viertel war zunächst ein Gartengebiet. Nach dem Luftangriff auf Pforzheim 1945 fanden viele Pforzheimer in den Gartenhäusern eine erste Bleibe und das Gebiet entwickelte sich zur Wohnsiedlung.
In der kommunalen Statistik wird es zu Eutingen gezählt.
Geschichte
Mäuerach entwickelte sich aus dem Namen Mäurach, Meurach, Meyrach, Meyrich und Murach. Schon im Jahre 1277 ist hier ein Wohnplatz nachgewiesen. Aus den Archiven ist ersichtlich, daß ein Bewohner im Gebiet Mäuerach, namens „Albertus de Murach“, eine halbe Hube (Tagwerk) Zinsen an das Frauenkloster in Pforzheim gegeben hat (Spez.Bad.Durl.38,58). Es ist eine Annahme, daß der Name Mäuerach von der Sippe de Murach abstammt. Eine andere Vermutung ist, daß der Name von Eyrich stammt, der dort wo dieser Name auftaucht, ein untererdiges, den Pflug behinderndes Mauerwerk römischen Ursprungs bedeutet. Die Schreibweise Meyrich für dieses Gebiet ist von 1333 bis 1733 aktenkundig.
Ein Teil des Waldgebietes wurde 1793 abgeholzt und mit Kirschenbäumen bepflanzt. Die Kirschenblüte im Frühjahr war ein beliebtes Ausflugsziel für die Pforzheimer und die Enzkreisbevölkerung, deshalb entstand im Volksmund die Ortsbezeichnung "Kirschenmäurich". Im Jahre 1815 wurde erstmals die Schreibweise "Meyrach“ verwendet.
Bereits im Jahre 1914/1915 während des ersten Weltkrieges verkaufte das Dorf Eutingen Grundstücke im Gebiet Mäuerach an Pforzheimer Bürger, die dort Gärten anlegten. Die verkauften Grundstücke waren Wiesen und Felder. Frischwasserstellen waren nicht vorhanden, und die Elektrifizierung der Außenbezirke der Stadt Pforzheim ließ noch auf sich warten. Aber der Not gehorchend - es war ja Krieg - wurden die Wiesen umgegraben und in Gärten umgestaltet. Es wurde Gemüse, Beerenobst, Kern - und Steinobst gepflanzt. Beide Seiten des Weges, der jetzigen Mäuerachstraße und des Gartenweges, waren mit großen, alten Kirschenbäumen bepflanzt, und wenn im Frühjahr die Bäume blühten, war es eine Pracht diese anzusehen. Die Ernte dieser Bäume fiel oft mager aus, da sich die vielen Vögel an den Früchten erfreuten. Nach dem Krieg 1919 -1923 gab es eine schwere Zeit durch die Inflation, so daß man an den Erträgen der Gärten recht dankbar war. 1939 begann der zweite Weltkrieg, und die Gartenbesitzer waren froh an ihrem frischen Gemüse. Am Ende des zweiten Weltkrieges am 23. Februar 1945 erfolgte der unheilvolle Großangriff der britischen Kampfbomber auf Pforzheim, bei dem mehr als 17000 Menschen in einer Nacht den Tod fanden. Die Häuser wurden zertrümmert, viele Keller wurden verschüttet und die Menschen erstickten oder verbrannten.
Die Stadt Pforzheim wurde total vernichtet und die Gartenhäuschen im Mäueracher Gebiet wurden zu Notunterkünften von den ausgebombten Pforzheimer Besitzern umfunktioniert. Es waren Notquartiere ohne Wasser und Strom. Als Beleuchtung dienten Kerzen oder Hindenburglichter, als Wasser verwendete man das gesammelte Regenwasser oder man mußte in geeigneten Behältern vom Tal in der Nähe der Firma Saacke das Wasser holen und den Berg heraufziehen. Im Laufe des Jahres 1945 hatten die Mäueracher viele Probleme zu lösen. Eines davon war das Wäsche waschen. Dazu diente nur das aufgefangene Regenwasser und im Winter wurde der Schnee aufgetaut. Zum Nachspülen der Wäsche durfte man ins Wasserwerk an der Kanzlerstraße fahren. Die Wäsche wurde mit dem Handwagen, oder im Winter mit dem Schlitten transportiert. Eine große Anstrengung war es, den steilen Weg bergauf ins Mäuerach zu bewältigen.Gegen Ende des Jahres 1945 versprach der damalige Bürgermeister von Eutingen, Herr Seftz, daß die Mäueracher Gartenhäuser durch eine Eutinger Elektrofirma (Härlin - auch ohne offizielle Genehmigung -) Strom erhalten würden. Nach entsprechender Anweisung haben die Männer von Mäuerach die angezeichneten Bäume, die für Strommasten geeignet waren, im Wald geschlagen. Das Entasten und Entrinden der Bäume übernahmen die Frauen So entstanden die benötigten Stromleitungsmasten. Beim Graben der Löcher und Setzen der Masten haben alle damaligen Mäueracher mitgeholfen, Der damalige junge Herr Carl wurde durch seinen Kommandoruf zugleich bekannt Überglücklich waren die Menschen als das erste elektrische Licht im Gartenhaus brannte und die Elektrokocher angeschlossen werden konnten.
Im Jahre 1949 wurde die Wasserver- und Entsorgung in Angriff genommen. Die Gräben zum Verlegen der Wasserrohre wurden von den damaligen Anwohnern In Eigenleistung mit Spaten, Pickel und Schaufel ausgehoben. Oftmals wurde eine Grabentiefe von vier Metern benötigt. Es gab keine Hilfe durch Bagger oder Maschinen, Nachdem endlich Wasser vorhanden war, wurde dies mit einem Wasserfest an Pfingsten im Jahre 1949 gefeiert. Im Jahre 1950/1951 wurde die Mäueracher Siedlergemeinschaft gegründet. Als Versammlungsort diente der Platz unter der Mäueracher Eiche, dem Wahrzeichen des Bürgervereins Mäuerach e.V. Dte Gründer waren die Herren Lust, Heinrich Hugf Waizenegger, Willy Maulbetsch und im Ausschuß waren die Herren Karl Bätzner, Römer, Fuchs und Eugen Maulbetsch. Inzwischen bemühte sich jeder Mäueracher seine Wohnverhältnisse in den Gartenhäusern zu verbessern. Man ging nach Pforzheim und suchte nach Material und Gegenständen, die noch brauchbar waren, Wenn man noch etwas fand, war man glücklich. Was an Verwendbarem gefunden wurde, wurde mit dem Handwagen, oder wenn man Glück hatte, mit dem Auto nach Mäuerach gefahren. Ab dem Jahre 1949 wurde der Gottesdienst in der Gaststätte Mäurach abgehalten und erst im Jahre 1951 wurde mit Hilfe der Mäueracher Bewohner und Pfarrer Schlesinger eine provisorische Kirche und 1958 der Glockenturm aufgebaut, die für die wenigen Anwohner des Mäueracher Ortsteiles ausreichte. Im Jahre 1953 wurde auf Initiative der damaligen Siedlergesellschaft von Herrn Fritz Libau, einem aus den deutschen Ostgebieten vertriebenen Maurermeister, ein Erinnerungsstein gefertigt .Dieser erinnert an den Großangriff am 23. Februar 1945 auf Pforzheim. Als Denkmal wurde dieser Stein inmitten der Kreuzung vor der Eiche in einem Rosenbeet aufgestellt.
Durch den späteren Straßenbau wurde der Stein unter die Eiche gesetzt. Er wurde nun (60 Jahre nach der Zerstörung Pforzheims) ausgegraben, durch den Steinmetz Müller (Eutingen) überarbeitet und findet nunmehr 2005 einen neuen Platz in den Anlagen der Schwalbenstraße, zum Gedenken für die zukünftigen Generationen.
Im Jahre 1957 wurde in der Einmündung Mäuerachstraße und Gartenweg der Eiche ein Pumphäusle für Frischwasser in Betrieb genommen.
In den Nachkriegsjahren hat die Siedlergemeinschaft Mäurach mit dem privaten Omnibusunternehmen Flitsch den ersten Pendelverkehr für die berufstätigen Mäuracher nach Pforzheim ermöglicht. Der Fahrplan sah vor: Mäurach –Eiche ab 6.15 Uhr und Pforzheim-Marktplatz ab 18.15 Uhr.Erst im Jahre 1964 verkehrte der erste städtische Omnibus zwischen Mäuerach und Pforzheim im 1 bis 2 Stundenrhythmus über die Kanzlerstraße.
Nach langem Tauziehen erfolgte im Jahre 1963 die Flurumlegung und Erschließung des Mäuerach Jeder Besitzer eines Baugrundstückes mußte einen Anteil davon für gemeinnützige Zwecke abtreten. Da Mäuerach im Wasserschutzgebiet II liegt, wurden einschränkende Bauvorschriften (1 1/2 stöckige Bauweise, Firsthöhe max.9,5 m ) festgelegt.
Nach 1 1/2 jähriger Bauzeit wurde im Jahre 1967 der Wasserhochbehälter in Betrieb genommen. Dieser befindet sich unterhalb der Friedenskirche. Durch die rasch wachsende Einwohnerzahl war die Holzkirche bald zu klein. So wurde Ende 1972 der Bau der Friedenskirche und des Gemeindezentrums durch den Kirchengemeinderat unter Pfarrer Hoffmann begonnen. Das Richtfest wurde am 11. Juli 1973 bei strahlendem Sonnenschein gefeiert. Bereits im Oktober 1973 konnte der Kindergarten ins Gemeindezentrum einziehen.
Am 17. November 1973 wurde die Einweihung nach Übernahme der Glocke von der Holzkirche in die Friedenskirche gefeiert. Der Glockenturm aus Holz wurde von der Firma Knab aufgebaut. Seitdem dient die Friedenskirche mit Gemeindezentrum als Hort des Kindergartens, für sonntägliche Gottesdienste, als Treffpunkt für jung und alt bei verschiedenen Veranstaltungen und als Versammlungsort für die Bürger von Mäuerach. Im Rahmen der landesweiten Ortszusammenlegungen wurde das Dorf Eutingen im Jahre 1975, entgegen dem Wunsche der Bevölkerung und des Gemeinderates, in die Stadt Pforzheim eingegliedert. Das Urteil beschloß das Verwaltungsgericht Karlsruhe. Der Ausbau des Mäuerach als reines Wohngebiet entlang der Längsstraßen Gartenweg, Mäuerachstraße und Meisenstraße und der Querstraßen, wurde in den 60 er Jahren zügig durchgeführt, jedoch die für das Zusammenleben der Bürger notwendige Infrastruktur vernachlässigt. Es wurden seither keine, für das Gemeinwohl bestimmte Bauvorhaben auf den gemeinnützigen Grundstücken geplant oder ausgeführt, obwohl im Jahre 1978 schon über 1200 Einwohner ansässig waren. Die Stadtwerke begannen im Jahre 1982 mit der Verlegung der Erdgasleitungen. Der kleine EDEKA-Laden der Familie Schock, zum Einkauf von Lebensmitteln, wurde im Jahre 1985 nach dem Tode von Herrn Schock endgültig geschlossen. Die Wasserentsorgung des Industriegebietes Altgefäll erfolgte in den 80 er Jahren an die unterdimensionierte Kanalisation des Mäuerach. In Missachtung des Umweltschutzes wurde das Regenwasser über den Klingenbach und das Schmutzwasser (Kloake) an die Mäueracher Kanalisation angeschlossen. Weitere Bauplanungen der Pforzheimer Stadtverwaltung hätten wesentlich die zukünftige Lebensqualität der Mäueracher Bewohner beeinträchtigt. Durch eine Unterschriftensammlung gegen die Straßendurchführung der Mäuerachstraße bis zum Kirschenpfad wurde mit Unterstützung des Ortschaftsrates dieses Bauprojekt verhindert. Trotzdem tauchten noch im Jahre 1999 Straßenkarten auf, die eine Durchgangsstraße zum Altgefäll enthielten und viele Lastkraftwagen zu einer Irrfahrt im Mäuerachgebiet veranlaßten. Nachdem 1989 auf Druck der Stadtverwaltung, gegen die seitherigen Bauvorschriften, der Ortschaftsrat Eutingen zustimmte, die letzten Gemeinbedarfsflächen im Mäuerach in massive Wohnbebauungsflächen zu ändern und das erste Projekt Gartenweg 44 mit 36 Wohneinheiten begonnen wurde, erfolgte die Gründung des Bürgervereins Mäuerach e.V. am 3. April 1990 (Vorsitzender Rainer Daub, Stellv. Vorsitzende Anne Wuessing, Schatzmeister Gerhard Maulbetsch, Beisitzer Wolfgang Klittich und Heinz R. Müller) Zielsetzung des Bürgervereins Mäuerach e.V war: Lebensqualität erhalten (Natur, Kinderspielplätze, Bebauungsform, Massivbauten verhindern) Kommunikation fördern (neue Anwohner informieren, gesellschaftliche Veranstaltungen) Verkehrsanbindung verbessern ( kürzere Taktzeiten, Abstimmung auf Anschlüsse) Der erste Erfolg stellte sich ein. Der Bau eines Kinderspiel und Bolzplatzes neben der Kirche wurde 1990 vom Bürgerverein beantragt, genehmigt und 1992 gebaut. Nachdem durch das Gartenbauamt eine vollständige Bepflanzung erfolgt war,wurde der Spiel-und Boltplatz mit einem 2 Tage dauernden Fest übergeben. Ein Seifen-kistenrennen ergänzte das Spielplatzangebot. Der Platz wurde von dem Ortsvorsteher Gerhard Reister und dem Vorsitzenden des Bürgervereins Mäuerach den Kindern übergeben.
Im Mai 1990 wurde im Pforzheimer Gemeinderat von der Grünen Liste der Antrag gestellt, die Kanzlerstraße zwischen Wasserwerk und Schinderklamm endgültig zu sperren und in einen Fußgängerweg umzuwandeln. Das sollte vorsorglich für die 1992 stattfindende Landes-gartenschau erfolgen. Wir haben gemeinsam mit dem Bürgerverein Oststadt und Dillweißenstein auf der Kanzlerstraße mit Plakaten und Sprechchören demonstriert und die Presse eingeladen. Der Bürgerverein forderte als Minimum, die Kanzlerstraße von der Fa. Lindemann bis zum Turnierplatz für Anlieger offen zu lassen, auch wenn eine Wasserschutzvorschrift eine bauliche Maßnahme erfordern würde. Mäuerach hätte ansonsten bei einem Unfall in der Mäuerachsteige keine Öffnung zur Außenwelt gehabt. Heute wird die Verkehrstangente für den flüssigen Verkehr sehr begehrt und wir sind heute froh über die offene Kanzlerstraße.