Feier mit! 20 Jahre Pfenz!
Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
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Aktion Gitter
Die "Aktion Gitter" war eine Terrormaßnahme der Nationalsozialisten und richtete sich gegen den Widerstand sowie andere dem NS-Regime mißliebige Gruppen.
Nach dem 20. Juli 1944: „Aktion Gitter“
1944 lief nach dem mißglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli in ganz Deutschland die „Aktion Gitter“, auch „Gewitter“ genannt, an, eine schon länger geplante Verhaftungsaktion. Betroffen waren nicht nur die mittelbar oder unmittelbar Beteiligten am Attentat, ihre Familien oder Mitwisser, sondern alle potentiellen Regime-Gegner aus der Reihen der 1933 verbotenen Parteien, in erster Linie deren frühere Funktionsträger, selbst wenn sie sich aus der politischen Arbeit zurückgezogen hatten. Über 5.000 "Antifaschisten" wurden verhaftet, über 700 Mordurteile gefällt und vollstreckt.
August 1944 in Pforzheim
In Pforzheim holten im August 1944 Männer der Gestapo-Außenstelle Pforzheim an der Bahnhofstraße – früher stand dort der Hexenturm in der Stadtmauer; nach 1945 war wieder die Polizei in dem Gebäude untergebracht – insgesamt 14 frühere sozialdemokratische und kommunistische Stadtverordnete aus ihren Wohnungen, brachten sie ins Gefängnis an der Rohrstraße und deportieren sie über das Gefängnis in Karlsruhe ins Konzentrationslager Dachau.
Opfer aus Pforzheim
Namentlich bekannt sind aus Pforzheim
- Wilhelm Doll (KPD), Josef Hils (SPD), Joseph Hoffmann (SPD), Heinrich Jäger (KPD), Gottlieb Mössinger (SPD), Rudolf Pöhler (SPD), Richard Raisch (SPD) sowie Ernst Stoll (SPD) und August Weik (SPD).
Die Genannten haben das Konzentrationslager Dachau alle überlebt.
Der in Pforzheim geborene Julius Helmstädter, der ebenfalls nach dem 20. Juli 1944 festgenommen worden war, starb unter unbekannten Umständen am 11. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau.
Auch im Zuge der „Aktion Gitter“ wurde Nikolaus Bernhard, der 1911/12 in Pforzheim Stadtverordneter für die SPD war, im Konzentrationslager Sachsenhausen eingesperrt.
Karl Bauer aus Arnbach, der in Pforzheim die Goldschmiede- und dann die Kunstgewerbeschule besuchte, als SPD-Mitglied und Gewerkschaftssekretär schon ab 1935 für 22 Monate in den Fängen der Gestapo, wurde im August 1944 erneut verhaftet und im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.
Als die aus Pforzheim stammenden Nazi-Gegner im KZ Dachau eintrafen, saßen dort schon seit Jahren Menschen, weil sie versuchten, dem Regime zu widerstehen, so die Kaplane Kurt Habich und Emil Kiesel von der St. Franziskus-Pfarrei in Pforzheim sowie der SPD-Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher. Er war Redner bei der letzten Kundgebung gegen die NSDAP auf dem Turnplatz in Pforzheim am 4. Februar 1933 mit der prophetischen Warnung: „Hitler heißt Krieg, Not, Hunger, Elend für das ganze deutsche Volk“.
Literatur
- Ausstellung: Mut zum Widerstehen – Pforzheim 1933 – 1945, Dokumentation der Ausstellungstafeln, Hrsg.: Stadtjugendring Pforzheim und Volkshochschule, Redaktion: Gerhard Brändle, Pforzheim, 1995
- Gerhard Brändle: Nach dem 20. Juli: ‚Gegen den inneren Feind’, in: Pforzheimer Kurier vom 27.4.1995
- Hermann Rapp, Aus schwerer und bewegter Zeit, Pforzheim, 1975
- Karl Schroth: "Und immer wieder für die Freiheit: Pforzheimer sozialdemokratische Arbeiterbewegung 1924-1939", Pforzheim (SPD-Kreisverband Pforzheim) 1977
- Studienkreis Deutscher Widerstand (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933–1945, Bd. 5, Baden-Württemberg I, Frankfurt/M., 1991
- August Weik: Meine Lebensgeschichte, Pforzheim, 1957 (ungedruckt)