Feier mit! 20 Jahre Pfenz!
Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
in der EngagementWerkStadt, Lammstraße — gerne anmelden, oder einfach vorbeikommen!
Zur Anmeldung als Teilnehmer bitte E-Mail mit Nennung des gewünschten Benutzernamens an: E-Mail: pfenz![]()
mail.de
Museum auf dem Schafhof/Dachgeschoss
Im Dachgeschoss finden sich Arrangements zu verschiedenen Themen: Eine Biedermeierstube, ein Klassenzimmer mit angeschlossenem Lehrerkammer, eine Nähstube, ein Wohnzimmer. Besonders hervorzuheben sind die Maulbronner Originale: die Buchbinderei Krüger aus dem Klosterhof und die Apotheke mit Einrichtungsgegenständen aus der alten Klosterapotheke.
Gute Stube
Apotheke
Hinweisschild auf die Apotheke im Museum und im Klosterhof:
Die Apotheke um 1900 und 2020
Allgemeines
In direkter Nachbarschaft zueinander liegen Klosterapotheke und Buchbinderei, heute Buchhandlung Krüger. 1766 wird die Apotheke von Dürrmenz (Mühlacker) in das Kloster Maulbronn verlegt[1], obgleich bereits seit dem Jahre 1759 im Nachbarort Knittlingen eine Apotheke besteht. Gründe sind die Versorgung der Klosterschule und der Oberamtsstandort. Neben Arzneien und Kräutern stellt der Handel mit Spezereien, Tabak, Kaffee und Giften eine wichtige Einnahmequelle dar. Vielen Maulbronnern ist die Ära Schweizer (1902-1967) noch in guter Erinnerung. Gisela und Werner Baier (1979-2007) haben infolge eines Besitzerwechsels einen Großteil der im Museum gezeigten Exponate als Schenkung überlassen. Sie gehören in eine Reihe von mittlerweile rund 15 Klosterapothekenbesitzern, die dieses älteste der Maulbronner Geschäfte geführt haben.
Geschichte der Kloster-Apotheke
Die Bauzeit des späteren Apothekenhauses ist auf die Jahre um 1215 anzusetzen und wurde zunächst als Königsherberge und Vogteigebäude genutzt. Das Haus wurde 1360 bei kriegerischen Brandschatzungen zerstört und im ausgehenden 14. oder 15 Jahrhundert wieder aufgebaut. Ob die Funktion als Herberge wieder aufgenommen wurde und bis gegen 1766 bestand, kann derzeit nicht geklärt werden. [2] Im Jahr 1765 verstarb der Dürrmenzer Apotheker C.H.Zeller. Sein Gehilfe Johann Daniel Hochstetter übernahm daraufhin die Apotheke, heiratete die Frau Christiane Sara seines Vorgängers und erhielt am 20.1. 1766 das renovierungsbedürftige Haus am Klostertor vom herzoglichen Kirchenrat zum Erblehen gegen Zahlung von 3100 Gulden. [3] Der Grund des Umzugs nach Maulbronn ist unklar: hatte doch Dürrmenz um diese Zeit ca. 1400 Einwohner, während Maulbronn gerade mal 430 Seelen zählte.[4] Als Argument für die Verlegung der Apotheke wird die Klosterschule und die Maulbronner Beamtenschaft ins Feld geführt, die sich eine bessere gesundheitliche Versorgung erhoffte. Indes war es um die Wirtschaftlichkeit der Apotheke nicht gut bestellt, sie wurde bereits 4 Jahre später mit einem Verlust von 550 Gulden wieder veräußert und wechselte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts 7 mal den Besitzer. Erst mit der Entwicklung Maulbronns zur bürgerlichen Gemeinde ab 1838, der Stadterhebung 1886 (1200 Einwohner) kam auch die Apotheke in ein wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser.
Waren in der Apotheke
Die Apotheken des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten nicht allein Arzneien und Kräuter in ihrem Angebot: "Zucker, Kaffee, Korinthen, Mandeln, Tee, Gewürze, Tabak, Schnupftabak, Tabakspfeifen, Baumöl, Essig, Wachs, Schaumgold, Siegellack, Puder, Leim, Schießpulver, Gänsefedern, Kreide, Stöpsel, Badeschwämme, Papier. Die damaligen Apotheker waren Hersteller von Riechstoffen, Süßigkeiten und Latwergen, ähnlich wie die Konditoren verfertigten sie Marzipan, Confect, Marmeladen, Kräuterweine." [5] Vornehmliche Aufgabe war jedoch die Bereitstellung von Medikamenten die im 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein von den Apothekern selbst hergestellt wurden. Aus Kräutern, Ölen und anderen Ingredienzien wurden die Arzneien handwerklich produziert. Eine Maulbronner Spezialität war die "Spiethsche Nasen Salbe".
Die Ausstellung
Die Ausstellungsstücke stammen weitestgehend aus Beständen der historischen Kloster-Apotheke. Die Gegenstände wurden von Herrn Werner Baier, Apotheker in Maulbronn von 1979 – 2006, zur Verfügung gestellt. Viele Stücke wurden auch von Klaus Krüger gerettet und dem Museum übergeben.
Offizin
Als eine Offizin bezeichnete man seit dem späten Mittelalter eine Werkstatt, die hochwertige Waren produzierte, mit angeschlossenem Verkaufsraum. Der Begriff wird bis heute für Apotheken verwendet. Die Räume waren oft aufwändig inszeniert. Wartete der Kunde hinter der Theke oder Schranke auf sein Arzneimittel so traf sein Blick auf schimmernde Behältnisse, Regale voller beeindruckender Standgefäße.
Das ausgestellte Bild ist eine Reproduktion eines Stiches von Wolfgang Kilian von 1652 und zeigt die Apotheke des Herzogspitals in München. [6]
Von der Decke hing oft ein exotische Blickfang wie zum Beispiel ein ausgestopftes Krokodil oder die „Sägezahn-Schnauze“ des Langnasen-Sägehais zur Illustration der von fernen Kontinenten stammenden Rohstoffe.
Mit exotischen Ausstellungsstücken wurde auf die weitgehandelten Rohstoffe hingewiesen.
Es kann gemutmaßt werden ob diese Werbestrategie auch in der historischen Kloster-Apotheke angewandt wurde.
Die Offizin Schranke trennte den Verkaufsraum von Labor und Werkstatt.
Der Mörser
Der Mörser war lange Zeit eines der wichtigsten Arbeitsgeräte des Apothekers. Für Substanzen, die sichtbar mit dem Metall regierten setzte man Mörser aus Marmor, Glas, Holz oder Elfenbein ein. In der Apotheke waren am häufigsten Stücke aus Metall anzutreffen, die zunächst meist aus Bronze, und im 18 Jahrhundert vermehrt aus Messing hergestellt wurden. Die Verarbeitung bestimmter Stoffe in Bronzemörser war bereits im 16.Jh. als gesundheitsschädlich erkannt worden. Eisenmörser, seit dem Mittelalter bekannt, nahmen die Stellung zum Teil ein. Dabei handelte es sich meist um wenig verzierte Gebrauchsgeräte von of stattlicher Größe die zum Zerkleinern gröberer Materialien Verwendung fanden. [7]
Der ausgestellte gusseiserne Mörser mit Pistill (Stößel) diente dazu um zum Beispiel Anis oder Kümmel „anzustoßen“ um daraus Tee zu gewinnen. Der Mörser stammt wahrscheinlich aus dem 19 Jahrhundert und fällt durch seine Größe (40cm hoch, Durchmesser der Öffnung 40cm, über 50 KG schwer) auf.
Waagen und Gewichte
Kaum ein anderes Arbeitsgerät charakterisiert die Arbeit in der Apotheke treffender als die Waage. Hohe Maßgenauigkeit und große Empfindlichkeit ist bei den teils hochwirksamen Substanzen notwendig.
Die in der Apotheke verwendeten Gewichte müssen ebenso wie die Waage geeicht sein. So wurde das ausgestellte 500g Gewicht erstmalig 1916 geprüft und mit einem Eichstempel versehen. Der letzte Stempel zeigt, dass das Gewicht bis 1968 (1970) verwendet wurde.
Mit der Fortentwicklung der Naturwissenschaften im18./19. Jahrhundert mussten auch die Messinstrumente damit Schritt halten. In der Apotheke setzte sich in diesem Zusammenhang ein aus der Standwaage weiterentwickelter Waagentyp durch: die hochempfindliche Analysewaage wurde unentbehrlich. Je kleiner die zu wiegende Menge, desto geringer muss das Eigengewicht der Waagbalken sein. Dafür wurden neue Materialen und Konstruktionen eingesetzt. Die ausgestellte Analysewaage ist mit einem Waagebalken aus Leichtmetall versehen und in einem Kasten mit Glaswänden untergebracht um das Instrument vor Staub, Korrosion, Wärmeeinwirkung und Luftzug beim langen Wägevorgang zu schützen. Die ausgestellte Waage kann auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datiert werden. [8]
Mit der Einführung des metrischen Systems im Jahre 1872 hieß es nun in Kilo, Gramm und Milligramm zu wiegen. Alle Apotheken stellten gemäß den gesetzlichen Richtlinien auf die neuen Gewichtssätze um. Gewichtsstücke von 1 Gramm aufwärts zeigten nun die uns heute noch geläufige runde Form, mit einem Knopf zur besseren Handhabung versehen.
Zum Einsatz der Milligramm Gewichte für die Analysewaagen lag beim Gewichtssatz eine Pinzette bereit, um die Gewichtsplättchen vor Schweiß und Rückständen an der menschlichen Hand zu schützen. Um Verwechslungen der Gewichtsstücke beim Abwiegen der hochwirksamen Substanzen vorzubeugen, wählte man ein simples System: 1,10 und 100 Milligramm waren dreieckig, 2, 20 sowie 200 Milligramm Stücke und die 5,50 wie 500 Milligramm Gewichte sechseckig gestaltet. [9]
Apothekenschrank
Schubladenschrank
Der Schubladenschrank ist von seiner Bauart her dem 18./beginnenden 19. Jahrhundert zuzuordnen. Er diente hauptsächlich der Aufbewahrung trockener Substanzen. Beispiele:
- Cort.Chin.Reg = Cortex Chinae = Chinarinde
- Cort.Cinnam.Pulv = Cortex Cinnamomi Pulvis = Gemahlene Zimtrinde
- Calc. Phosphor. = Calcium Phosphoricum = Schüssler Salz Nr.2
Arzneimittelschrank
Der Arzneimittel- oder Giftschrank dürfte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stammen.
Hier wurden insbesondere empfindliche Substanzen oder hochwirksame Drogen (=Arzneimittel) aufbewahrt. Schränke bieten Schutz vor Licht und mildern Temperaturschwankungen. Der geöffnete Schrank zeigt im oberen Teil ein separates geschlossenes Fach für giftige Substanzen. Im oberen, durch die Glastüre geschützten Bereich befanden sich Grundpräparate zur Herstellung von Medikamenten, während im unteren Bereich die Schubladen für fertige, industriell hergestellte Mittel vorgesehen waren:[10]
- Coffein-Natriumsalicylat - ein Salz des Koffeins, wurde als Kreislauf- und Atemstimulans (Frühgeborenenapnoe) und Diuretikum (Entwässerung)verwendet.
- Pantopon - Opiumderivat von Hoffmann LaRoche -Anästhetikum
- capsula extractum filio (?)
- Digalen - Herzpräparat von Hoffmann LaRoche von 1907 bis 1964 am Markt
- Pituglandol - Geburtshilfe (Roche)
- capsula olchenop (?)
- Morphinum Hydrocloricum – Schmerzmittel in Phiolen zur Injektion
- Secacornin - Wehenmittel von Hoffmann LaRoche
- Novocain - Lokalanästhetikum seit 1905 im Handel (Hoechst).
- Varia - Verschiedenes
- Digipan - Magenbeschwerden (wird unter diesem Namen bis heute in Indien produziert und vertrieben)
Standgefäße - Flaschen – Formen - Farben
Für Medikamente die in Flaschen abgegeben wurden gab es die Vorschrift [11]
Eckig für äußerliche Anwendung
Die Aufschriften der Standgefäße wird ab 1896 im Deutschen Reich einheitlich geregelt: Die Beschriftung muss in deutlich lesbaren Druck-oder Blockbuchstaben und weiterhin in lateinischer Sprache geschehen. Die Behälter für sämtliche im Deutschen Arzneibuch aufgeführten, „sehr vorsichtig“ zu lagernden Gifte müssen nun mit weißer Schrift auf schwarzem Grund gekennzeichnet werden. Ebenso ist für alle im Arzneibuch aufgeführten „vorsichtig“ aufzubewahrenden Mittel (Separanda), z.B. stark wirksame Mittel wie Alkaloide ein roter Schriftzug auf weißem Grund verbindlich. Die Standgefäße für die anderen in der Apotheke benötigten Substanzen sollen mit schwarzer Schrift auf weißem Grund versehen werden. [12] Die folgenden Beispiel-Gefäße sind im Arzneimittel oder Giftschrank (siehe oben) aufbewahrt.
Giftige Drogen – weiß auf schwarz
Physostigminsalicylat ist giftig beim Einatmen und Verschlucken (Pschyrembel Online) Es wird in der Medizin bei bestimmten postoperativ auftretenden Störungen und als Gegenmittel bei Vergiftungen z.B. mit Atropin angewendet.
Extra aufzubewahrende Drogen: Separanda – rot auf weiß
Paraldehyd wurde als Sedativum, Schlafmittel sowie als Antiepileptikum eingesetzt (Pschyrembel Online).
Sonstige Substanzen – schwarz auf weiß
Pyridin Verwendung Lösungsmittel und Mittel zur Schädlingsbekämpfung. Xylol: Lösungsmittel. In der Mikrokopie Verwendung als Aufhellungsmittel. Toluol: Lösungsmittel (Pschyrembel Online).
Holz Standgefäße
Holzstandgefäße gehörten vom Beginn des Apothekenwesens bis ins 20.Jahrhundert zur Apotheken-Grundausstattung. Waren die Gefäße bis ins 18.Jahrhundert noch prächtig bemalt und verziert, so geht die schlichte Eleganz des Klassizismus auch an diesen alltäglichen Gegenständen wie den Holzdosen nicht spurlos vorüber. Die typischen, schlanken Gefäße bilden nun ein Bild ruhiger und dezenter Reihen in den Apothekenregalen.
Buchbinderei
ehemalige Buchbinderei - heute Buchhandlung Krüger (gegenüber der Klosterapotheke am Klostertor)
Nähzimmer
Klassenzimmer
Lehrerstube
Einzelnachweise
- ↑ Ehlers/Felche (Hrsg.), Maulbronn Heimatbuch Bd.1, Maulbronn 2012, S.231
- ↑ Günther Mahal, 225 Jahre Kloster-Apotheke Maulbronn 1766-1991, Maulbronn 1991, S.4ff
- ↑ Günther Mahal, wie oben, S.37
- ↑ Karl Knöller, Unser Dürrmenz-Mühlacker, 1928 - Reprint von 1979, S.357 auch Ehlers/Felche w.o. S.170
- ↑ Angelika Bischoff-Luithlen, Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten.1979 zitiert in Günther Mahal, S.9
- ↑ Titelbild zu Artikel von Dr.Fritz Ferchl, Zur Geschichte der Pharmazie, in Süddeutsche Apotheker-Zeitung, 15.9.1950, S.725
- ↑ Elisabeth Huwer, Das Deutsche Apotheken-Museum, 3.Auflage, Regensburg 2015,S.194ff
- ↑ Elisabeth Huwer, w.o. S.236f
- ↑ Elisabeth Huwer, w.o. S.229
- ↑ ungenau-muss verifiziert werden
- ↑ Werner Baier, Interview im Museum 26.03.2019
- ↑ Elisabeth Huwer, w.o. S.81