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==Gründung==
==Gründung==
Für das Pforzheimer Stadtgebiet gibt es kaum keltische Funde, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass es eine keltische Vorsiedlung gegeben hat. Ebenso zeigt ist der Siedlungsplatz im Enztalkessel nicht besonders günstig. Die Ortsgründung von Portus fällt daher wohl in die Römerzeit und steht in Verbindung mit der Römerstraße Ettlingen-Cannstatt und die dazugehörige [[Furt]] über die [[Enz]].
Für das Pforzheimer Stadtgebiet gibt es kaum keltische Funde, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass es eine keltische Vorsiedlung gegeben hat. Ebenso zeigt ist der Siedlungsplatz im Enztalkessel nicht besonders günstig. Die Ortsgründung von Portus fällt daher wohl in die Römerzeit und steht in Verbindung mit der Römerstraße Ettlingen-Cannstatt und die dazugehörige [[Furt]] über die [[Enz]]. Entlang dieser Militärstraße liegen die vici Ettlingen, Portus, Rutesheim und Cannstatt jeweils 20-25 km auseinander. Daher könnten die vici gezielt angesiedelt worden sein, um als Etappenorte oder auch als Wechselstation für Reit- und Lasttiere zu fungieren.


==Aufbau und Struktur des Vicus==
==Aufbau und Struktur des Vicus==
===Verkehr===
Die Furt ist heute nur noch über die nachgewiesene Römerstraße zu lokalisieren. An der Stelle ist auch eine (noch nicht nachgewiesene) Brücke anzunehmen. Die Ansiedlung hat sich stark an die Römerstraße orientiert. Diese verlief nachgewiesen ungefähr entlang der [[Altstädter Straße]] und mittig quer durch die heutige [[Altstadtkirche]]. Wie die Straße zum [[Hagenschieß]] aufstieg ist nicht gesichert, wahrscheinlich aber entlang der heutigen [[Gesellstraße (Pforzheim)|Gesellstraße]]. Auf der Hochfläche ist die Straße heute noch auf längere Strecke als Damm erkennbar.
Die Furt ist heute nur noch über die nachgewiesene Römerstraße zu lokalisieren. An der Stelle ist auch eine (noch nicht nachgewiesene) Brücke anzunehmen. Die Ansiedlung hat sich stark an die Römerstraße orientiert. Diese verlief nachgewiesen ungefähr entlang der [[Altstädter Straße]] und mittig quer durch die heutige [[Altstadtkirche]]. Wie die Straße zum [[Hagenschieß]] aufstieg ist nicht gesichert, wahrscheinlich aber entlang der heutigen [[Gesellstraße (Pforzheim)|Gesellstraße]]. Auf der Hochfläche ist die Straße heute noch auf längere Strecke als Damm erkennbar.


Weitere Straßen nach Pforzheim sind nicht sicher nachgewiesen.
Weitere Straßen nach Pforzheim sind nicht sicher nachgewiesen. Allerdings sind weitere wahrscheinlich oder werden diskutiert:

*Verkehrsweg zum [[Vicus Mühlacker]]: Wahrscheinlich führte ein Weg Richtung Osten im Enztal zum Vicus Mühlacker und dann weiter zur Militärstraße Stettfeld-Cannstatt. Der Verlauf entspräche ungefähr dem der heutigen [[B10]].
*Römerstraße nach Baden-Baden: In der frühen Forschung nahm man meist eine ausgebaute Römerstraße von Portus nach Baden-Baden über Herrenalb an. Heute gilt sie mangels Beweisen als unsicher. R. Niehaus verneint diese Straße fast gänzlich, da die Strecke nicht schneller gewesen wäre als über Ettlingen und auf der Strecke kaum bewohntes Gebiet nachweisbar ist.<ref>R. Niehaus (1977): Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald, S.181ff</ref> Anzunehmen ist jedoch eine Verbindung enzaufwärts zu den Orten um [[Neuenbürg]].
*Straße nach Rottenburg: Eine Römerstraße ist zwischen Rottenburg und Herrenberg nachgewiesen. Einige Historiker vermuten jedoch, dass diese Straße über die Höhen zwischen [[Nagold (Fluss)|Nagold]] und [[Würm (Fluss)|Würm]] weiter bis nach Portus verlief. Möglicherweise verlief die Strecke aber auch östlich am [[Schwarzwald]] vorbei zur Militärstraße beim Hagenschieß.<ref>vgl. Nierhaus (1977): S.180f und F. Hertlein: Art, Naturgeschichte und Kennzeichen unserer Römerstraßen. in:Fundberichte Schwaben 1922/24, S.59f.</ref>
*Weitere Wege dürften nur lokale Bedeutung gehabt haben, wie z.B. eine Wegstrecke zum [[Vicus Senotensis]] oder zu einzelnen [[Villa rustica|Gutshöfen]]

Ein weiterer Transportweg könnte die Enz dargestellt haben. Eine [[Flößerei]] ist wahrscheinlich, da diese in Pforzheim bis in die Neuzeit ausgeübt wurde. Inwiefern die Enz schiffbar war ist dagegen umstritten. Kritiker bezweifeln, ob die Tiefe ausgereicht hätte. Befürworter sehen dagegen die Flusstiefe nach der Nagoldeinmündung als ausreichend an und gehen von einem Hafen aus, der der Siedlung seinen Namen gab.


==Siedlungskontinuität==
==Siedlungskontinuität==
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[[Kategorie:Wüstung]]
[[Kategorie:Pforzheim]]

Version vom 13. Februar 2016, 09:57 Uhr

Portus war ein römischer vicus (Siedlung, Dorf) an der Stelle der heutigen Pforzheimer Altstadt. Aus der Siedlung ist das heutige Pforzheim entstanden.

Name

siehe Artikel Pforzheim

Gründung

Für das Pforzheimer Stadtgebiet gibt es kaum keltische Funde, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass es eine keltische Vorsiedlung gegeben hat. Ebenso zeigt ist der Siedlungsplatz im Enztalkessel nicht besonders günstig. Die Ortsgründung von Portus fällt daher wohl in die Römerzeit und steht in Verbindung mit der Römerstraße Ettlingen-Cannstatt und die dazugehörige Furt über die Enz. Entlang dieser Militärstraße liegen die vici Ettlingen, Portus, Rutesheim und Cannstatt jeweils 20-25 km auseinander. Daher könnten die vici gezielt angesiedelt worden sein, um als Etappenorte oder auch als Wechselstation für Reit- und Lasttiere zu fungieren.

Aufbau und Struktur des Vicus

Verkehr

Die Furt ist heute nur noch über die nachgewiesene Römerstraße zu lokalisieren. An der Stelle ist auch eine (noch nicht nachgewiesene) Brücke anzunehmen. Die Ansiedlung hat sich stark an die Römerstraße orientiert. Diese verlief nachgewiesen ungefähr entlang der Altstädter Straße und mittig quer durch die heutige Altstadtkirche. Wie die Straße zum Hagenschieß aufstieg ist nicht gesichert, wahrscheinlich aber entlang der heutigen Gesellstraße. Auf der Hochfläche ist die Straße heute noch auf längere Strecke als Damm erkennbar.

Weitere Straßen nach Pforzheim sind nicht sicher nachgewiesen. Allerdings sind weitere wahrscheinlich oder werden diskutiert:

  • Verkehrsweg zum Vicus Mühlacker: Wahrscheinlich führte ein Weg Richtung Osten im Enztal zum Vicus Mühlacker und dann weiter zur Militärstraße Stettfeld-Cannstatt. Der Verlauf entspräche ungefähr dem der heutigen B10.
  • Römerstraße nach Baden-Baden: In der frühen Forschung nahm man meist eine ausgebaute Römerstraße von Portus nach Baden-Baden über Herrenalb an. Heute gilt sie mangels Beweisen als unsicher. R. Niehaus verneint diese Straße fast gänzlich, da die Strecke nicht schneller gewesen wäre als über Ettlingen und auf der Strecke kaum bewohntes Gebiet nachweisbar ist.[1] Anzunehmen ist jedoch eine Verbindung enzaufwärts zu den Orten um Neuenbürg.
  • Straße nach Rottenburg: Eine Römerstraße ist zwischen Rottenburg und Herrenberg nachgewiesen. Einige Historiker vermuten jedoch, dass diese Straße über die Höhen zwischen Nagold und Würm weiter bis nach Portus verlief. Möglicherweise verlief die Strecke aber auch östlich am Schwarzwald vorbei zur Militärstraße beim Hagenschieß.[2]
  • Weitere Wege dürften nur lokale Bedeutung gehabt haben, wie z.B. eine Wegstrecke zum Vicus Senotensis oder zu einzelnen Gutshöfen

Ein weiterer Transportweg könnte die Enz dargestellt haben. Eine Flößerei ist wahrscheinlich, da diese in Pforzheim bis in die Neuzeit ausgeübt wurde. Inwiefern die Enz schiffbar war ist dagegen umstritten. Kritiker bezweifeln, ob die Tiefe ausgereicht hätte. Befürworter sehen dagegen die Flusstiefe nach der Nagoldeinmündung als ausreichend an und gehen von einem Hafen aus, der der Siedlung seinen Namen gab.

Siedlungskontinuität

Der Name Pforzheim leitet sich zweifelsohne von "Portus" und der germanischen Endung -heim ab. Eine nachträgliche germanische Endung haben z.B. auch die Römerstädte "Lopodunum" (--> Ladenburg) und "Augusta Vindelicorum" (--> Augsburg). Ob die Siedlung auch nach dem Limesfall um 260 n. Chr. fortbestand oder die Stadt im Mittelalter wiedergegründet ist nicht gesichert.

Pforzheim selbst wird erst 1067 urkundlich erwähnt. Trotzdem muss der Ort schon im Frühmittelalter existiert haben. Die lautgesetzliche Verschiebung von P- zu Pf- wurde im 7. bis 8. Jahrhundert vollzogen, weshalb Pforzheim schon vorher bestanden haben müsste oder zumindest muss der Name der Bevölkerung bekannt gewesen sein. Ebenso werden die meisten Orte mit einer Martinskirche ins Frühmittelalter datiert. Ob die Merowingergräber beim Gaswerk aus dem späten 6./7. Jahrhundert zu Pforzheim gehörten ist fraglich, da diese etwa 400m vom vicus entfernt liegen. Klaus Kortüm vermutet, dass die Nachfolgesiedlung sich dorthin verlagerte und erst wieder zur Karolingerzeit wieder zurück an den alten Standort an der Furt verlegt wurde, da Fundmaterial in der Altstadt erst wieder aus dieser Zeit auftauchen.[3] Er hält es aber auch für möglich, dass sie zu einer abgegangene frühmittelalterlichen Siedlung gehört haben könnte, die etwa 100m entfernt an der Enz lag und vielleicht in Verbindung mit der nahe gelegenen villa rustica gehörte.

Aus dem Jahr 1614 stammt eine Legende wie Pforzheim entstanden sein soll.[4] Demnach wurde Pforzheim von den Hunnen zerstört und der Ort im Jahre 510 n. Chr. vom frankischen Statthalter Emmerich neugegründet. Wieviel Wahrheit an dieser Sage dran ist, lässt sich nicht sagen. Eine fränkische Neugründung würde jedoch die Endung -heim verständlich machen.

Quelle

  • Klaus Kortüm (1995): Portus - Pforzheim: Untersuchungen zur Archäologie und Gescichte in römischer Zeit. Sigmaringen.

Einzelnachweise

<references>

  1. R. Niehaus (1977): Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald, S.181ff
  2. vgl. Nierhaus (1977): S.180f und F. Hertlein: Art, Naturgeschichte und Kennzeichen unserer Römerstraßen. in:Fundberichte Schwaben 1922/24, S.59f.
  3. Kortüm (1995): S.20 f
  4. J. Frischlin (1614): Historische Beschreibung des Landes Württemberg II, 43 (zitiert nach Pflüger: Pforzheim, S. 29)