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| ⚫ | '''Julius Freiherr von Gemmingen-Hagenschieß-Steinegg''' (* 20. Oktober [[1774]] in [[Steinegg]]; † 25. August [[1842]] in [[Stuttgart]]) war der letzte Angehörige seines Geschlechtes, der bis [[1806]] im [[Biet|Gemmingischen Gebiet (kurz: Biet)]] landesherrliche Rechte ausübte. Zu seinen Lebzeiten erlebte er die Wiedervereinigung des Gemmingischen Gebiets nach langer Zersplitterung, aber auch den Verlust von Landes- und schließlich auch Grundherrschaft seiner Familie an den badischen Staat. |
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Julius von Gemmingen übernahm [[1801]] nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft über den [[Tiefenbronn]]er Teil des Biets. Durch die Heirat mit seiner Verwandten Marianne von Gemmingen-Steinegg [[1802]] wurde er auch Besitzer der Burg und Herrschaft [[Steinegg]], und [[1805]] erbte er nach dem Tod seines Bruders die Herrschaft Gemmingen-[[Mühlhausen (Würm)|Mühlhausen]], so dass erstmals seit Jahrhunderten das gesamte Gemmingische Gebiet wieder unter einheitlicher Herrschaft stand. |
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Bereits im folgenden Jahr 1806 wurden durch die [[Mediatisierung]] jedoch die landesherrlichen Rechte der Gemminger aufgehoben und das Biet vollständig in das vergrößerte [[Großherzogtum Baden]] integriert. Der Familie von Gemmingen-Hagenschieß verblieb allerdings das umfangreiche Grundeigentum und die verschiedenen Schlösser im Biet, darunter ihr Wohnsitz [[Schloss Steinegg]]. |
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1805 fiel das ganze Gebiet an Julius von Gemmingen, der 1823 mit seinem Freund, dem Pfarrer Henhöfer, und einem Drittel der Einwohner zur evangelischen Kirche übertrat (Kirchenbau 1829/30), 1835 aber nach Stuttgart übersiedelte und den ganzen Besitz 1839 an das Großherzogtum Baden verkaufte. |
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Der junge katholische Geistliche [[Karlsruhe:Aloys Henhöfer|Aloys Henhöfer]] fand dort [[1815]] seine erste Stelle als Kaplan und Hauslehrer der Kinder von Julius von Gemmingen, dessen Vertrauen er rasch gewann. In Julius von Gemmingens Herrschaftsgebiet wurde Henhöfer auf dessen Betreiben [[1818]] auch Pfarrer in [[Mühlhausen an der Würm]]. Henhöfer fand als Prediger rasch großen Zulauf, entfernte sich jedoch zunehmend von der katholischen Kirche und trat in einem aufsehenerregenden Vorgang [[1823]] gemeinsam mit Julius von Gemmingen, dem größten Teil von dessen Familie und mehreren hundert Dorfbewohern, vor allem aus Mühlhausen und Tiefenbronn, zur evangelischen Kirche über. |
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Der junge katholische Geistliche [[Karlsruhe:Aloys Henhöfer|Aloys Henhöfer]] fand seine erste Stelle als Hauslehrer der Kinder Julius' von Gemmingen. In dessen Einflussgebiet wurde Henhöfer [[1818]] auch Pfarrer in [[Mühlhausen an der Würm]]. |
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In der Folge wurde für die neue evangelische Gemeinde in Mühlhausen, als deren Pfarrer Henhöfer entgegen deren Wunsch allerdings nicht eingesetzt wurde, eine neue Kirche gebaut, zu der Julius von Gemmingen das bisherige [[Schloss Mühlhausen]] als Pfarrhaus zur Verfügung stellte. Julius von Gemmingen hatte es von da an in der trotz allem mehrheitlich katholisch gebliebenen Gegend nicht leicht und zog [[1835]] nach Stuttgart um, wo er bis zu seinem Tode 1842 lebte. Schloss Steinegg und seinen Grundbesitz im Biet überließ er seinen Söhnen, die ihn [[1839]] allerdings an den badischen Staat verkaufen mussten. |
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== Quellen == |
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Version vom 4. September 2006, 17:03 Uhr
Julius Freiherr von Gemmingen-Hagenschieß-Steinegg (* 20. Oktober 1774 in Steinegg; † 25. August 1842 in Stuttgart) war der letzte Angehörige seines Geschlechtes, der bis 1806 im Gemmingischen Gebiet (kurz: Biet) landesherrliche Rechte ausübte. Zu seinen Lebzeiten erlebte er die Wiedervereinigung des Gemmingischen Gebiets nach langer Zersplitterung, aber auch den Verlust von Landes- und schließlich auch Grundherrschaft seiner Familie an den badischen Staat.
Julius von Gemmingen übernahm 1801 nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft über den Tiefenbronner Teil des Biets. Durch die Heirat mit seiner Verwandten Marianne von Gemmingen-Steinegg 1802 wurde er auch Besitzer der Burg und Herrschaft Steinegg, und 1805 erbte er nach dem Tod seines Bruders die Herrschaft Gemmingen-Mühlhausen, so dass erstmals seit Jahrhunderten das gesamte Gemmingische Gebiet wieder unter einheitlicher Herrschaft stand.
Bereits im folgenden Jahr 1806 wurden durch die Mediatisierung jedoch die landesherrlichen Rechte der Gemminger aufgehoben und das Biet vollständig in das vergrößerte Großherzogtum Baden integriert. Der Familie von Gemmingen-Hagenschieß verblieb allerdings das umfangreiche Grundeigentum und die verschiedenen Schlösser im Biet, darunter ihr Wohnsitz Schloss Steinegg.
Der junge katholische Geistliche Aloys Henhöfer fand dort 1815 seine erste Stelle als Kaplan und Hauslehrer der Kinder von Julius von Gemmingen, dessen Vertrauen er rasch gewann. In Julius von Gemmingens Herrschaftsgebiet wurde Henhöfer auf dessen Betreiben 1818 auch Pfarrer in Mühlhausen an der Würm. Henhöfer fand als Prediger rasch großen Zulauf, entfernte sich jedoch zunehmend von der katholischen Kirche und trat in einem aufsehenerregenden Vorgang 1823 gemeinsam mit Julius von Gemmingen, dem größten Teil von dessen Familie und mehreren hundert Dorfbewohern, vor allem aus Mühlhausen und Tiefenbronn, zur evangelischen Kirche über.
In der Folge wurde für die neue evangelische Gemeinde in Mühlhausen, als deren Pfarrer Henhöfer entgegen deren Wunsch allerdings nicht eingesetzt wurde, eine neue Kirche gebaut, zu der Julius von Gemmingen das bisherige Schloss Mühlhausen als Pfarrhaus zur Verfügung stellte. Julius von Gemmingen hatte es von da an in der trotz allem mehrheitlich katholisch gebliebenen Gegend nicht leicht und zog 1835 nach Stuttgart um, wo er bis zu seinem Tode 1842 lebte. Schloss Steinegg und seinen Grundbesitz im Biet überließ er seinen Söhnen, die ihn 1839 allerdings an den badischen Staat verkaufen mussten.
Quellen
- Pforzheim und der Enzkreis. Stuttgart und Aalen: Theiss, 1976, ISBN 3-8062-0144-7, S.64, 168, 262-263, 272-273
- http://www.enzkreis.de/output/La1/141.99/179.259/tx/tx%7C179.1457/_/_.html - Geschichte von Neuhausen
- http://www.tiefenbronn.de/rathaus/BM/geschichte.htm - Geschichte von Tiefenbronn
- Trost, Oskar: Schlösser und Burgen im Stadt- und Landkreis Pforzheim, in: Adressbuch Pforzheim und Umgebung, Stadt- und Landkreis, Ausgabe 1966, S. 12-16.
Weblink
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