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Bundeswehrdepot: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Seit 1972 besteht am Rand des Erzkopfes beim Jettenbrunnen nördlich der Verbindungsstraße zwischen Huchfeld und Würm ein Depot der Bundeswehr, das der Bevölkerung bei einem "Bürgerfrühschoppen" als "reines Gerätedepot", also Hallen für Ausrüstungsgegenstände, Kraftfahrzeuge, Ersatzteile und Pioniergerät, vorgestellt wurde. Eine Verwendung als Treibstoff- oder Munitionsdepot wurde negiert.
Seit [[1972]] besteht am Rand des [[Erzkopf]]es beim [[Jettenbrunnen]] nördlich der Verbindungsstraße zwischen [[Huchfeld]] und [[Würm]] ein '''Depot der Bundeswehr''', das der Bevölkerung bei einem "Bürgerfrühschoppen" als "reines Gerätedepot", also Hallen für Ausrüstungsgegenstände, Kraftfahrzeuge, Ersatzteile und Pioniergerät, vorgestellt wurde. Eine Verwendung als Treibstoff- oder Munitionsdepot wurde negiert.


Im April 1991 kommt an die Öffentlichkeit, dass zwischenzeitlich die Bundeswehr zwei der Hallen hat umrüsten lassen, dort schon 700 Tonnen Perchloräthylen gebunkert sind und die Einlagerung von weiteren 1400 Tonnen Calciumhypochlorit droht, die Chemikalien seien Dekontaminierungs-, also Reinigungsmittel, um nach einem Angriff mit Chemiewaffen Panzer und militärisches Gerät zu säubern.
Im April [[1991]] kommt an die Öffentlichkeit, dass zwischenzeitlich die [[Bundeswehr]] zwei der Hallen hat umrüsten lassen, dort schon 700 Tonnen Perchloräthylen gebunkert sind und die Einlagerung von weiteren 1.400 Tonnen Calciumhypochlorit droht, die Chemikalien seien Dekontaminierungs-, also Reinigungsmittel, um nach einem Angriff mit Chemiewaffen Panzer und militärisches Gerät zu säubern.
Die sofort gegründete "Bürger-Initiative gegen Chemie-Einlagerung im Militär-Depot Pforzheim e.V." organisierte die breite Protestwelle mit Bügerversammlung in der Stadthalle, Unterschriftslisten und der Mitwirkung der Ortschaftsräte von Hohenwart, Huchenfeld und Würm sowie des einstimmigen Beschlusses Gemeinderats der Stadt Pforzheim gelang es, die Bundeswehr zum Verzicht auf die geplante Einlagerung der 1400 Tonnen Calciumhypochlorit zu bringen - ein in der Geschichte der sozialen Bewegungen ziemlich einmaliger Vorgang, dass Bürger-Initiative und Stadt an einem Strang ziehen, bis zum obersten Gericht in Berlin.
Die sofort gegründete "Bürger-Initiative gegen Chemie-Einlagerung im Militär-Depot Pforzheim e.V." organisierte die breite Protestwelle mit Bügerversammlung in der [[Stadthalle]], Unterschriftslisten und der Mitwirkung der Ortschaftsräte von [[Hohenwart]], Huchenfeld und Würm sowie des einstimmigen Beschlusses [[Gemeinderat Pforzheim|Gemeinderats]] der Stadt Pforzheim gelang es, die Bundeswehr zum Verzicht auf die geplante Einlagerung der 1.400 Tonnen Calciumhypochlorit zu bringen - ein in der Geschichte der sozialen Bewegungen ziemlich einmaliger Vorgang, dass Bürgerinitiative und Stadt an einem Strang ziehen, bis zum obersten Gericht in Berlin.


In mehreren, sich über sieben Jahre hinziehende Auseinandersetzungen des Rechtsamtes der Stadt Pforzheim vor Gerichten bis zum Bundesverwaltungsgericht in Berlin gelang es leider nicht, die schon eingelagerten 700 Tonnen Perchloräthylen umweltgerecht beseitigen zu lassen.
In mehreren, sich über sieben Jahre hinziehende Auseinandersetzungen des [[Rechtsamt]]es der [[Stadt Pforzheim]] vor Gerichten bis zum Bundesverwaltungsgericht in Berlin gelang es leider nicht, die schon eingelagerten 700 Tonnen Perchloräthylen umweltgerecht beseitigen zu lassen.
Zwar haben alle im Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis gewählten Mitglieder des Bundestags, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, das Anliegen der Bürger-Initiative unterstützt, sie blieben, ganz gleich, welche Koalition in Bonn bzw. Berlin regierte, jedoch gegen den militärisch-industriellen Komplex und das Beharrungsvermögen der Bundeswehr ohne Einflussmöglicheit.
Zwar haben alle im [[Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis]] gewählten [[Mitglied des Deutschen Bundestages|Mitglieder des Bundestags]], unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, das Anliegen der Bürger-Initiative unterstützt, sie blieben, ganz gleich, welche Koalition in Bonn bzw. Berlin regierte, jedoch gegen den militärisch-industriellen Komplex und das Beharrungsvermögen der Bundeswehr ohne Einflussmöglicheit.
Das letztendliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Berlin mutet der Bevölkerung zu, mit einem "Restrisiko" zu leben, das sich aus den Eigenschaften der Chemikalien Perchloräthylen laut Fachliteratur und Feuerwehrhandbüchern ergibt:
Das letztendliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Berlin mutet der Bevölkerung zu, mit einem "Restrisiko" zu leben, das sich aus den Eigenschaften der Chemikalien Perchloräthylen laut Fachliteratur und Feuerwehrhandbüchern ergibt:
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* die Bundeswehr spricht im worst-case-Denken von einer Vorwarnzeit von einem Jahr, also ist die gefährliche Vorratshaltung unnötig und teuer.
* die Bundeswehr spricht im worst-case-Denken von einer Vorwarnzeit von einem Jahr, also ist die gefährliche Vorratshaltung unnötig und teuer.


Die Bürger-Initiative hat sich 2007 wegen Erfolglosigkeit aufgelöst, an der Gefahrenlage und der Bedrohunghat sich jedoch nichts geändert.
Die Bürger-Initiative hat sich [[2007]] wegen Erfolglosigkeit aufgelöst, an der Gefahrenlage und der Bedrohunghat sich jedoch nichts geändert.

[[Kategorie:Militär]]

Version vom 13. April 2008, 21:50 Uhr

Seit 1972 besteht am Rand des Erzkopfes beim Jettenbrunnen nördlich der Verbindungsstraße zwischen Huchfeld und Würm ein Depot der Bundeswehr, das der Bevölkerung bei einem "Bürgerfrühschoppen" als "reines Gerätedepot", also Hallen für Ausrüstungsgegenstände, Kraftfahrzeuge, Ersatzteile und Pioniergerät, vorgestellt wurde. Eine Verwendung als Treibstoff- oder Munitionsdepot wurde negiert.

Im April 1991 kommt an die Öffentlichkeit, dass zwischenzeitlich die Bundeswehr zwei der Hallen hat umrüsten lassen, dort schon 700 Tonnen Perchloräthylen gebunkert sind und die Einlagerung von weiteren 1.400 Tonnen Calciumhypochlorit droht, die Chemikalien seien Dekontaminierungs-, also Reinigungsmittel, um nach einem Angriff mit Chemiewaffen Panzer und militärisches Gerät zu säubern.

Die sofort gegründete "Bürger-Initiative gegen Chemie-Einlagerung im Militär-Depot Pforzheim e.V." organisierte die breite Protestwelle mit Bügerversammlung in der Stadthalle, Unterschriftslisten und der Mitwirkung der Ortschaftsräte von Hohenwart, Huchenfeld und Würm sowie des einstimmigen Beschlusses Gemeinderats der Stadt Pforzheim gelang es, die Bundeswehr zum Verzicht auf die geplante Einlagerung der 1.400 Tonnen Calciumhypochlorit zu bringen - ein in der Geschichte der sozialen Bewegungen ziemlich einmaliger Vorgang, dass Bürgerinitiative und Stadt an einem Strang ziehen, bis zum obersten Gericht in Berlin.

In mehreren, sich über sieben Jahre hinziehende Auseinandersetzungen des Rechtsamtes der Stadt Pforzheim vor Gerichten bis zum Bundesverwaltungsgericht in Berlin gelang es leider nicht, die schon eingelagerten 700 Tonnen Perchloräthylen umweltgerecht beseitigen zu lassen. Zwar haben alle im Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis gewählten Mitglieder des Bundestags, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit, das Anliegen der Bürger-Initiative unterstützt, sie blieben, ganz gleich, welche Koalition in Bonn bzw. Berlin regierte, jedoch gegen den militärisch-industriellen Komplex und das Beharrungsvermögen der Bundeswehr ohne Einflussmöglicheit.

Das letztendliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Berlin mutet der Bevölkerung zu, mit einem "Restrisiko" zu leben, das sich aus den Eigenschaften der Chemikalien Perchloräthylen laut Fachliteratur und Feuerwehrhandbüchern ergibt:

  • sie verseucht das Grundwasser (Wassergefährdungsklasse 3), d.h. der naheliegende Jettenbrunnen und der im Tal östlich gelegene Glasbrunnen sind gefährdet;
  • bei Erhitzung können die Dämpfe Hornhautschäden bis zur Erblindung hervorrufen;
  • es besteht die Gefahr von Leber- und Nierenschäden;
  • bei Erwärmung über 150 ° entsteht Phosgengas, ein Giftgas, das im 1. Weltkieg als Kampfstoff eingesetzt wurde: 3,2 Gramm Phosgengas pro Kubikmeter Luft töten 50 % der Menschen, die es eine Minute einatmen.

Die Argumente der Bürger-Initiative sind weiterhin stichhaltig:

  • es gibt ungefährliche Ersatzstoffe, sie werden jedoch nicht erforscht und angewandt;
  • es gibt ungefährliche Lagerorte abseits von Großstädten, doch Standortalternativen wurden nicht erwogen geschweige denn öffentlich diskutiert;
  • die chemische Industrie ist in der Lage, das Zeug - wenn es denn benötigt würde - in Wochenfrist herzustellen;
  • die Bundeswehr spricht im worst-case-Denken von einer Vorwarnzeit von einem Jahr, also ist die gefährliche Vorratshaltung unnötig und teuer.

Die Bürger-Initiative hat sich 2007 wegen Erfolglosigkeit aufgelöst, an der Gefahrenlage und der Bedrohunghat sich jedoch nichts geändert.