Feier mit! 20 Jahre Pfenz!

Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
in der EngagementWerkStadt, Lammstraße — gerne anmelden, oder einfach vorbeikommen!


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Museum auf dem Schafhof/Dachgeschoss: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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===Allgemeines===
===Allgemeines===


In direkter Nachbarschaft zueinander liegen Klosterapotheke und Buchbinderei, heute Buchhandlung Krüger.
In direkter Nachbarschaft zueinander liegen Klosterapotheke und Buchbinderei, heute Buchhandlung Krüger. Die Apotheke wurde [[1766]] von [[Dürrmenz]] ([[Mühlacker]]) in das [[Kloster Maulbronn]] verlegt,<ref> Ehlers/Felche (Hrsg.), Maulbronn Heimatbuch Bd.1, Maulbronn 2012, S.231 </ref> obgleich bereits seit dem Jahre [[1759]] im Nachbarort [[Knittlingen]] eine Apotheke bestand. Gründe für die Verlegung der Apotheke waren die Versorgung der Klosterschule und der Oberamtsstandort.
[[1766]] wird die Apotheke von [[Dürrmenz]] ([[Mühlacker]]) in das [[Kloster Maulbronn]] verlegt<ref> Ehlers/Felche (Hrsg.), Maulbronn Heimatbuch Bd.1, Maulbronn 2012, S.231 </ref>, obgleich bereits seit dem Jahre [[1759]] im Nachbarort [[Knittlingen]] eine Apotheke besteht. Gründe sind die Versorgung der Klosterschule und der Oberamtsstandort.
Neben Arzneien und Kräutern stellt der Handel mit Spezereien, Tabak, Kaffee und Giften eine wichtige Einnahmequelle dar. Vielen Maulbronnern ist die Ära Schweizer ([[1902]]-[[1967]]) noch in guter Erinnerung. Gisela und Werner Baier ([[1979]]-[[2007]]) haben infolge eines Besitzerwechsels einen Großteil der im Museum gezeigten Exponate als Schenkung überlassen. Sie gehören in eine Reihe von mittlerweile rund 15 Klosterapothekenbesitzern, die dieses älteste der Maulbronner Geschäfte geführt haben.


Neben Arzneien und Kräutern stellte der Handel mit Spezereien, Tabak, Kaffee und Giften eine wichtige Einnahmequelle dar. Vielen Maulbronnern ist die Ära Schweizer ([[1902]]-[[1967]]) noch in guter Erinnerung. Gisela und Werner Baier ([[1979]]-[[2007]]) haben infolge eines Besitzerwechsels einen Großteil der im Museum gezeigten Exponate als Schenkung überlassen. Sie gehören in eine Reihe von mittlerweile rund 15 Klosterapothekenbesitzern, die dieses älteste der Maulbronner Geschäfte geführt haben.


'''Geschichte der Kloster-Apotheke'''


====Geschichte der Kloster-Apotheke====
Die Bauzeit des späteren Apothekenhauses ist auf die Jahre um 1215 anzusetzen und wurde zunächst als Königsherberge und Vogteigebäude genutzt. Das Haus wurde 1360 bei kriegerischen Brandschatzungen zerstört und im ausgehenden 14. oder 15 Jahrhundert wieder aufgebaut. Ob die Funktion als Herberge wieder aufgenommen wurde und bis gegen 1766 bestand, kann derzeit nicht geklärt werden. <ref> Günther Mahal, 225 Jahre Kloster-Apotheke Maulbronn 1766-1991, Maulbronn 1991, S.4ff </ref>
Im Jahr 1765 verstarb der Dürrmenzer Apotheker C.H.Zeller. Sein Gehilfe Johann Daniel Hochstetter übernahm daraufhin die Apotheke, heiratete die Frau Christiane Sara seines Vorgängers und erhielt am 20.1. 1766 das renovierungsbedürftige Haus am Klostertor vom herzoglichen Kirchenrat zum Erblehen gegen Zahlung von 3100 Gulden. <ref> Günther Mahal, wie oben, S.37 </ref>
Der Grund des Umzugs nach Maulbronn ist unklar: hatte doch Dürrmenz um diese Zeit ca. 1400 Einwohner, während Maulbronn gerade mal 430 Seelen zählte.<ref> Karl Knöller, Unser Dürrmenz-Mühlacker, 1928 - Reprint von 1979, S.357 auch Ehlers/Felche w.o. S.170</ref> Als Argument für die Verlegung der Apotheke wird die Klosterschule und die Maulbronner Beamtenschaft ins Feld geführt, die sich eine bessere gesundheitliche Versorgung erhoffte.
Indes war es um die Wirtschaftlichkeit der Apotheke nicht gut bestellt, sie wurde bereits 4 Jahre später mit einem Verlust von 550 Gulden wieder veräußert und wechselte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts 7 mal den Besitzer. Erst mit der Entwicklung Maulbronns zur bürgerlichen Gemeinde ab 1838, der Stadterhebung 1886 (1200 Einwohner) kam auch die Apotheke in ein wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser.


Die Bauzeit des späteren Apothekenhauses ist auf die Jahre um 1215 anzusetzen und wurde zunächst als Königsherberge und Vogteigebäude genutzt. Das Haus wurde 1360 bei kriegerischen Brandschatzungen zerstört und im ausgehenden 14. oder 15 Jahrhundert wieder aufgebaut. Ob die Funktion als Herberge wieder aufgenommen wurde und bis gegen 1766 bestand, kann derzeit nicht geklärt werden.<ref> Günther Mahal, 225 Jahre Kloster-Apotheke Maulbronn 1766-1991, Maulbronn 1991, S.4ff </ref>
'''Waren in der Apotheke'''


Im Jahr 1765 verstarb der Dürrmenzer Apotheker C.H.Zeller. Sein Gehilfe [[Johann Daniel Hochstetter]] übernahm daraufhin die Apotheke, heiratete die Frau Christiane Sara seines Vorgängers und erhielt am 20.1. 1766 das renovierungsbedürftige Haus am Klostertor vom herzoglichen Kirchenrat zum Erblehen gegen Zahlung von 3100 Gulden.<ref> Günther Mahal, wie oben, S.37 </ref>
Die Apotheken des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten nicht allein Arzneien und Kräuter in ihrem Angebot: "Zucker, Kaffee, Korinthen, Mandeln, Tee, Gewürze, Tabak, Schnupftabak, Tabakspfeifen, Baumöl, Essig, Wachs, Schaumgold, Siegellack, Puder, Leim, Schießpulver, Gänsefedern, Kreide, Stöpsel, Badeschwämme, Papier. Die damaligen Apotheker waren Hersteller von Riechstoffen, Süßigkeiten und Latwergen, ähnlich wie die Konditoren verfertigten sie Marzipan, Confect, Marmeladen, Kräuterweine." <ref> Angelika Bischoff-Luithlen, Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten.1979 zitiert in Günther Mahal, S.9 </ref>
Der Grund des Umzugs nach Maulbronn ist unklar: hatte doch Dürrmenz um diese Zeit ca. 1.400 Einwohner, während Maulbronn gerade mal 430 Seelen zählte.<ref> Karl Knöller, Unser Dürrmenz-Mühlacker, 1928 - Reprint von 1979, S.357 auch Ehlers/Felche w.o. S.170</ref> Als Argument für die Verlegung der Apotheke wird die Klosterschule und die Maulbronner Beamtenschaft ins Feld geführt, die sich eine bessere gesundheitliche Versorgung erhoffte.
Vornehmliche Aufgabe war jedoch die Bereitstellung von Medikamenten die im 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein von den Apothekern selbst hergestellt wurden.
Indes war es um die Wirtschaftlichkeit der Apotheke nicht gut bestellt, sie wurde bereits 4 Jahre später mit einem Verlust von 550 Gulden wieder veräußert und wechselte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts 7 mal den Besitzer. Erst mit der Entwicklung Maulbronns zur bürgerlichen Gemeinde ab 1838, der Stadterhebung 1886 (1.200 Einwohner) kam auch die Apotheke in ein wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser.

====Waren in der Apotheke====

Die Apotheken des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten nicht allein Arzneien und Kräuter in ihrem Angebot: "Zucker, Kaffee, Korinthen, Mandeln, Tee, Gewürze, Tabak, Schnupftabak, Tabakspfeifen, Baumöl, Essig, Wachs, Schaumgold, Siegellack, Puder, Leim, Schießpulver, Gänsefedern, Kreide, Stöpsel, Badeschwämme, Papier. Die damaligen Apotheker waren Hersteller von Riechstoffen, Süßigkeiten und Latwergen, ähnlich wie die Konditoren verfertigten sie Marzipan, Confect, Marmeladen, Kräuterweine."<ref>Angelika Bischoff-Luithlen, Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten. 1979 zitiert in Günther Mahal, S.9 </ref>
Vornehmliche Aufgabe war jedoch die Bereitstellung von Medikamenten, die im 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein von den Apothekern selbst hergestellt wurden.
Aus Kräutern, Ölen und anderen Ingredienzien wurden die Arzneien handwerklich produziert.
Aus Kräutern, Ölen und anderen Ingredienzien wurden die Arzneien handwerklich produziert.
Eine Maulbronner Spezialität war die "Spiethsche Nasen Salbe".
Eine Maulbronner Spezialität war die "Spiethsche Nasen Salbe".


===Die Ausstellung===
=== Ausstellung===


Die Ausstellungsstücke stammen weitestgehend aus Beständen der historischen Kloster-Apotheke. Die Gegenstände wurden von Herrn Werner Baier, Apotheker in Maulbronn von 1979 2006, zur Verfügung gestellt.
Die Ausstellungsstücke stammen weitestgehend aus Beständen der historischen Kloster-Apotheke. Die Gegenstände wurden von Herrn Werner Baier, Apotheker in Maulbronn von 1979 bis 2006, zur Verfügung gestellt.
Viele Stücke wurden auch von Klaus Krüger gerettet und dem Museum übergeben.
Viele Stücke wurden auch von Klaus Krüger gerettet und dem Museum übergeben.


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Als eine Offizin bezeichnete man seit dem späten Mittelalter eine Werkstatt, die hochwertige Waren produzierte, mit angeschlossenem Verkaufsraum. Der Begriff wird bis heute für Apotheken verwendet.
Als eine Offizin bezeichnete man seit dem späten Mittelalter eine Werkstatt, die hochwertige Waren produzierte, mit angeschlossenem Verkaufsraum. Der Begriff wird bis heute für Apotheken verwendet.
Die Räume waren oft aufwändig inszeniert. Wartete der Kunde hinter der Theke oder Schranke auf sein Arzneimittel so traf sein Blick auf schimmernde Behältnisse, Regale voller beeindruckender Standgefäße.
Die Räume waren oft aufwändig inszeniert. Wartete der Kunde hinter der Theke oder Schranke auf sein Arzneimittel so traf sein Blick auf schimmernde Behältnisse, Regale voller beeindruckender Standgefäße.


Das ausgestellte Bild ist eine Reproduktion eines Stiches von Wolfgang Kilian von 1652 und zeigt die Apotheke des Herzogspitals in München.
Das ausgestellte Bild ist eine Reproduktion eines Stiches von Wolfgang Kilian von 1652 und zeigt die Apotheke des Herzogspitals in München.
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Von der Decke hing oft ein exotische Blickfang wie zum Beispiel ein ausgestopftes Krokodil oder die „Sägezahn-Schnauze“ des Langnasen-Sägehais zur Illustration der von fernen Kontinenten stammenden Rohstoffe.
Von der Decke hing oft ein exotische Blickfang wie zum Beispiel ein ausgestopftes Krokodil oder die „Sägezahn-Schnauze“ des Langnasen-Sägehais zur Illustration der von fernen Kontinenten stammenden Rohstoffe. Mit exotischen Ausstellungsstücken wurde auf die weitgehandelten Rohstoffe hingewiesen. Es kann gemutmaßt werden, ob diese Werbestrategie auch in der historischen Kloster-Apotheke angewandt wurde.


Mit exotischen Ausstellungsstücken wurde auf die weitgehandelten Rohstoffe hingewiesen.
Es kann gemutmaßt werden ob diese Werbestrategie auch in der historischen Kloster-Apotheke angewandt wurde.
[[Datei:GHV Apotheke Saegezahn-Hai-Schnauze2.JPG|370px]]
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[[Datei:GHV Apotheke Krokodil.JPG|350px]]
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Die Offizin Schranke trennte den Verkaufsraum von Labor und Werkstatt.
Die Schranke in der Offizin trennte den Verkaufsraum von Labor und Werkstatt.


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[[Datei:GHV Apotheke Officinschranke.jpg|350px]]


====Der Mörser====
==== Mörser====


Der Mörser war lange Zeit eines der wichtigsten Arbeitsgeräte des Apothekers. Für Substanzen, die sichtbar mit dem Metall regierten setzte man Mörser aus Marmor, Glas, Holz oder Elfenbein ein. In der Apotheke waren am häufigsten Stücke aus Metall anzutreffen, die zunächst meist aus Bronze, und im 18 Jahrhundert vermehrt aus Messing hergestellt wurden. Die Verarbeitung bestimmter Stoffe in Bronzemörser war bereits im 16.Jh. als gesundheitsschädlich erkannt worden. Eisenmörser, seit dem Mittelalter bekannt, nahmen die Stellung zum Teil ein. Dabei handelte es sich meist um wenig verzierte Gebrauchsgeräte von of stattlicher Größe die zum Zerkleinern gröberer Materialien Verwendung fanden. <ref> Elisabeth Huwer, Das Deutsche Apotheken-Museum, 3.Auflage, Regensburg 2015,S.194ff </ref>
Der Mörser war lange Zeit eines der wichtigsten Arbeitsgeräte des Apothekers. Für Substanzen, die sichtbar mit dem Metall reagierten, setzte man Mörser aus Marmor, Glas, Holz oder Elfenbein ein. In der Apotheke waren am häufigsten Mörser aus Metall anzutreffen, die zunächst meist aus Bronze, und im 18 Jahrhundert vermehrt aus Messing hergestellt wurden. Die Verarbeitung bestimmter Stoffe in Bronzemörser war bereits im 16. Jh. als gesundheitsschädlich erkannt worden. An ihre Stelle traten teilweise Eisenmörser, die seit dem Mittelalter bekannt waren. Dabei handelte es sich meist um wenig verzierte Gebrauchsgeräte von of stattlicher Größe, die zum Zerkleinern gröberer Materialien Verwendung fanden. <ref>Elisabeth Huwer, Das Deutsche Apotheken-Museum, 3. Auflage, Regensburg 2015, S. 194ff.</ref>


Der ausgestellte gusseiserne Mörser mit Pistill (Stößel) diente dazu um zum Beispiel Anis oder Kümmel „anzustoßen“ um daraus Tee zu gewinnen. Der Mörser stammt wahrscheinlich aus dem 19 Jahrhundert und fällt durch seine Größe (40cm hoch, Durchmesser der Öffnung 40cm, über 50 KG schwer) auf.
Der ausgestellte gusseiserne Mörser mit Pistill (Stößel) diente dazu, um zum Beispiel Anis oder Kümmel „anzustoßen“ und daraus Tee zu gewinnen. Der Mörser stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert und fällt durch seine Größe auf (40 cm hoch, Durchmesser der Öffnung 40 cm, über 50 kg schwer).


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Die in der Apotheke verwendeten Gewichte müssen ebenso wie die Waage geeicht sein. So wurde das ausgestellte 500g Gewicht erstmalig 1916 geprüft und mit einem Eichstempel versehen. Der letzte Stempel zeigt, dass das Gewicht bis 1968 (1970) verwendet wurde.
Die in der Apotheke verwendeten Gewichte müssen ebenso wie die Waage geeicht sein. So wurde das ausgestellte 500g-Gewicht erstmalig 1916 geprüft und mit einem Eichstempel versehen. Der letzte Stempel zeigt, dass das Gewicht bis 1968 (1970) verwendet wurde.


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[[Datei: GHV_Apotheke-Waagebalken-Eichstempel.jpg|300px]]
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Mit der Fortentwicklung der Naturwissenschaften im18./19. Jahrhundert mussten auch die Messinstrumente damit Schritt halten.
Mit der Fortentwicklung der Naturwissenschaften im 18./19. Jahrhundert mussten auch die Messinstrumente Schritt halten.
In der Apotheke setzte sich in diesem Zusammenhang ein aus der Standwaage weiterentwickelter Waagentyp durch: die hochempfindliche Analysewaage wurde unentbehrlich.
In der Apotheke setzte sich in diesem Zusammenhang ein aus der Standwaage weiterentwickelter Waagentyp durch: die hochempfindliche Analysewaage wurde unentbehrlich. Je kleiner die zu wiegende Menge, desto geringer muss das Eigengewicht der Waagbalken sein. Dafür wurden neue Materialen und Konstruktionen eingesetzt.
Die ausgestellte Analysewaage ist mit einem Waagebalken aus Leichtmetall versehen und in einem Kasten mit Glaswänden untergebracht, um das Instrument vor Staub, Korrosion, Wärmeeinwirkung und Luftzug beim langen Wägevorgang zu schützen.
Je kleiner die zu wiegende Menge, desto geringer muss das Eigengewicht der Waagbalken sein. Dafür wurden neue Materialen und Konstruktionen eingesetzt.
Die ausgestellte Analysewaage ist mit einem Waagebalken aus Leichtmetall versehen und in einem Kasten mit Glaswänden untergebracht um das Instrument vor Staub, Korrosion, Wärmeeinwirkung und Luftzug beim langen Wägevorgang zu schützen.
Die ausgestellte Waage kann auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datiert werden.
Die ausgestellte Waage kann auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datiert werden.
<ref> Elisabeth Huwer, w.o. S.236f</ref>
<ref>Elisabeth Huwer, w.o. S. 236f.</ref>


[[Datei: GHV_Apotheke_Analysewaage.jpg|400px]]
[[Datei: GHV_Apotheke_Analysewaage.jpg|400px]]


Mit der Einführung des metrischen Systems im Jahre 1872 hieß es nun in Kilo, Gramm und Milligramm zu wiegen. Alle Apotheken stellten gemäß den gesetzlichen Richtlinien auf die neuen Gewichtssätze um. Gewichtsstücke von 1 Gramm aufwärts zeigten nun die uns heute noch geläufige runde Form, mit einem Knopf zur besseren Handhabung versehen.
Die Einführung des metrischen Systems im Jahre 1872 bedeutete, künftig in Kilo, Gramm und Milligramm zu wiegen. Alle Apotheken stellten gemäß den gesetzlichen Richtlinien auf die neuen Gewichtssätze um. Gewichtsstücke von 1 Gramm aufwärts zeigten nun die uns heute noch geläufige runde Form, versehen mit einem Knopf zur besseren Handhabung.

Zum Einsatz der Milligramm Gewichte für die Analysewaagen lag beim Gewichtssatz eine Pinzette bereit, um die Gewichtsplättchen vor Schweiß und Rückständen an der menschlichen Hand zu schützen. Um Verwechslungen der Gewichtsstücke beim Abwiegen der hochwirksamen Substanzen vorzubeugen, wählte man ein simples System: 1,10 und 100 Milligramm waren dreieckig, 2, 20 sowie 200 Milligramm Stücke und die 5,50 wie 500 Milligramm Gewichte sechseckig gestaltet.
<ref> Elisabeth Huwer, w.o. S.229</ref>


Zum Einsatz der Milligramm-Gewichte für die Analysewaagen lag beim Gewichtssatz eine Pinzette bereit, um die Gewichtsplättchen vor Schweiß und Rückständen an der menschlichen Hand zu schützen. Um Verwechslungen der Gewichtsstücke beim Abwiegen der hochwirksamen Substanzen vorzubeugen, wählte man ein simples System: 1,10 und 100 Milligramm waren dreieckig, 2, 20 sowie 200 Milligramm-Stücke und die 5,50 wie 500 Milligramm-Gewichte sechseckig gestaltet.<ref> Elisabeth Huwer, w.o. S. 229.</ref>


[[Datei: GHV_Apotheke-Gewichte-klein.jpg|400px]]
[[Datei: GHV_Apotheke-Gewichte-klein.jpg|400px]]


====Apothekenschrank====
====Apothekenschränke====

Schränke bieten Schutz vor Licht und mildern Temperaturschwankungen.


'''Schubladenschrank'''
'''Schubladenschrank'''
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*Cort.Chin.Reg = Cortex Chinae = Chinarinde
*Cort.Chin.Reg = Cortex Chinae = Chinarinde
*Cort.Cinnam.Pulv = Cortex Cinnamomi Pulvis = Gemahlene Zimtrinde
*Cort.Cinnam.Pulv = Cortex Cinnamomi Pulvis = Gemahlene Zimtrinde
*Calc. Phosphor. = Calcium Phosphoricum = Schüssler Salz Nr.2
*Calc. Phosphor. = Calcium Phosphoricum = Schüssler-Salz Nr. 2

[[Datei:GHV Apotheke Schubladenschrank.JPG|500px]]
[[Datei:GHV Apotheke Schubladenschrank.JPG|500px]]


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Der Arzneimittel- oder Giftschrank dürfte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stammen.
Der Arzneimittel- oder Giftschrank dürfte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stammen.
Darin wurden insbesondere empfindliche Substanzen oder hochwirksame Drogen (= Arzneimittel) aufbewahrt.


[[Datei: GHV_Apotheke_Arzneimittelschrank.jpg|260px]]
[[Datei: GHV_Apotheke_Arzneimittelschrank.jpg|260px]]
[[Datei:GHV Apotheke Schubladenschrank offen.JPG|250px]]
[[Datei:GHV Apotheke Schubladenschrank offen.JPG|250px]]


Hier wurden insbesondere empfindliche Substanzen oder hochwirksame Drogen (=Arzneimittel) aufbewahrt.
Schränke bieten Schutz vor Licht und mildern Temperaturschwankungen.
Der geöffnete Schrank zeigt im oberen Teil ein separates geschlossenes Fach für giftige Substanzen.
Der geöffnete Schrank zeigt im oberen Teil ein separates geschlossenes Fach für giftige Substanzen.
Im oberen, durch die Glastüre geschützten Bereich befanden sich Grundpräparate zur Herstellung von Medikamenten, während im unteren Bereich die Schubladen für fertige, industriell hergestellte
Im oberen, durch die Glastüre geschützten Bereich befanden sich Grundpräparate zur Herstellung von Medikamenten, während im unteren Bereich die Schubladen für fertige, industriell hergestellte Mittel vorgesehen waren:<ref>ungenau, muss verifiziert werden</ref>
*Coffein-Natriumsalicylat - ein Salz des Koffeins, wurde als Kreislauf- und Atemstimulans (Frühgeborenenapnoe) und Diuretikum (Entwässerung) verwendet
Mittel vorgesehen waren:<ref> ungenau-muss verifiziert werden </ref>
*Pantopon - Opiumderivat von Hoffmann LaRoche, Anästhetikum
*Coffein-Natriumsalicylat - ein Salz des Koffeins, wurde als Kreislauf- und Atemstimulans (Frühgeborenenapnoe) und Diuretikum (Entwässerung)verwendet.
*Pantopon - Opiumderivat von Hoffmann LaRoche -Anästhetikum
*capsula extractum filio (?)
*capsula extractum filio (?)
*Digalen - Herzpräparat von Hoffmann LaRoche von 1907 bis 1964 am Markt
*Digalen - Herzpräparat von Hoffmann LaRoche, von 1907 bis 1964 am Markt
*Pituglandol - Geburtshilfe (Roche)
*Pituglandol - Mittel zur Geburtshilfe (Roche)
*capsula olchenop (?)
*capsula olchenop (?)
*Morphinum Hydrocloricum – Schmerzmittel in Phiolen zur Injektion
*Morphinum Hydrocloricum – Schmerzmittel in Phiolen zur Injektion
*Secacornin - Wehenmittel von Hoffmann LaRoche
*Secacornin - Wehenmittel von Hoffmann LaRoche
*Novocain - Lokalanästhetikum seit 1905 im Handel (Hoechst).
*Novocain - Lokalanästhetikum, seit 1905 im Handel (Hoechst)
*Varia - Verschiedenes
*Varia - Verschiedenes
*Digipan - Magenbeschwerden (wird unter diesem Namen bis heute in Indien produziert und vertrieben)
*Digipan - Mittel gegen Magenbeschwerden (wird unter diesem Namen bis heute in Indien produziert und vertrieben)


====Standgefäße - Flaschen – Formen - Farben====
====Standgefäße und Flaschenn====

Für Medikamente die in Flaschen abgegeben wurden gab es die Vorschrift <ref> Werner Baier, Interview im Museum 26.03.2019</ref>


Für Medikamente, die in Flaschen abgegeben wurden, gab es eine Vorschrift:<ref> Werner Baier, Interview im Museum 26.03.2019</ref>


'''Rund für innerliche - Eckig für äußerliche Anwendung'''
'''Rund für innerliche - Eckig für äußerliche Anwendung'''
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[[Datei:GHV_Apotheke-Glasflasche-Eckig.JPG|150px]]
[[Datei:GHV_Apotheke-Glasflasche-Eckig.JPG|150px]]


Die Aufschriften der Standgefäße wird ab 1896 im Deutschen Reich einheitlich geregelt: Die Beschriftung muss in deutlich lesbaren Druck-oder Blockbuchstaben und weiterhin in lateinischer Sprache geschehen. Die Behälter für sämtliche im Deutschen Arzneibuch aufgeführten, „sehr vorsichtig“ zu lagernden Gifte müssen nun mit weißer Schrift auf schwarzem Grund gekennzeichnet werden. Ebenso ist für alle im Arzneibuch aufgeführten „vorsichtig“ aufzubewahrenden Mittel (Separanda), z.B. stark wirksame Mittel wie Alkaloide ein roter Schriftzug auf weißem Grund verbindlich. Die Standgefäße für die anderen in der Apotheke benötigten Substanzen sollen mit schwarzer Schrift auf weißem Grund versehen werden.
Die Aufschriften der Standgefäße wurde ab 1896 im Deutschen Reich einheitlich geregelt: Die Beschriftung musste in deutlich lesbaren Druck- oder Blockbuchstaben und weiterhin in lateinischer Sprache geschehen. Die Behälter für sämtliche im Deutschen Arzneibuch aufgeführten, „sehr vorsichtig“ zu lagernden Gifte mussten nun mit weißer Schrift auf schwarzem Grund gekennzeichnet werden. Ebenso war für alle im Arzneibuch aufgeführten „vorsichtig“ aufzubewahrenden Mittel (Separanda), z.B. stark wirksame Mittel wie Alkaloide, ein roter Schriftzug auf weißem Grund verbindlich. Die Standgefäße für die anderen in der Apotheke benötigten Substanzen sollten mit schwarzer Schrift auf weißem Grund versehen werden.<ref> Elisabeth Huwer, w.o. S. 81.</ref>

<ref> Elisabeth Huwer, w.o. S.81</ref>
Die folgenden Beispiel-Gefäße sind im Arzneimittel oder Giftschrank (siehe oben) aufbewahrt.
Die folgenden Beispiel-Gefäße sind im Arzneimittel oder Giftschrank (siehe oben) aufbewahrt.


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[[Datei: GHV_Apotheke-Glasflasche-Physostigminsalicylat.JPG|150px]]


Physostigminsalicylat ist giftig beim Einatmen und Verschlucken (Pschyrembel Online) Es wird in der Medizin bei bestimmten postoperativ auftretenden Störungen und als Gegenmittel bei Vergiftungen z.B. mit Atropin angewendet.
Physostigminsalicylat ist giftig beim Einatmen und Verschlucken.<ref>Pschyrembel Online</ref> Es wird in der Medizin bei bestimmten postoperativ auftretenden Störungen und als Gegenmittel bei Vergiftungen z.B. mit Atropin angewendet.


'''Extra aufzubewahrende Drogen: Separanda – rot auf weiß'''
'''Extra aufzubewahrende Drogen: Separanda – rot auf weiß'''
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[[Datei: GHV_Apotheke-Glasflasche-Paraldehyd.JPG|150px]]
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Paraldehyd wurde als Sedativum, Schlafmittel sowie als Antiepileptikum eingesetzt (Pschyrembel Online).
Paraldehyd wurde als Sedativum, Schlafmittel sowie als Antiepileptikum eingesetzt.<ref>Pschyrembel Online</ref>


'''Sonstige Substanzen – schwarz auf weiß'''
'''Sonstige Substanzen – schwarz auf weiß'''
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[[Datei: GHV_Apotheke-Glasflasche-Lösungsmittel.JPG|150px]]
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Pyridin Verwendung Lösungsmittel und Mittel zur Schädlingsbekämpfung.
Pyridin: Lösungsmittel und Mittel zur Schädlingsbekämpfung
Xylol: Lösungsmittel. In der Mikrokopie Verwendung als Aufhellungsmittel.
Xylol: Lösungsmittel, in der Mikrokopie auch Verwendung als Aufhellungsmittel
Toluol: Lösungsmittel (Pschyrembel Online).
Toluol: Lösungsmittel<ref>Pschyrembel Online</ref>


'''Holz Standgefäße'''
'''Holz-Standgefäße'''


Holzstandgefäße gehörten vom Beginn des Apothekenwesens bis ins 20.Jahrhundert zur Apotheken-Grundausstattung.
Holz-Standgefäße gehörten vom Beginn des Apothekenwesens bis ins 20.Jahrhundert zur Apotheken-Grundausstattung.
Waren die Gefäße bis ins 18.Jahrhundert noch prächtig bemalt und verziert, so geht die schlichte Eleganz des Klassizismus auch an diesen alltäglichen Gegenständen wie den Holzdosen nicht spurlos vorüber. Die typischen, schlanken Gefäße bilden nun ein Bild ruhiger und dezenter Reihen in den Apothekenregalen.
Waren die Gefäße bis ins 18.Jahrhundert noch prächtig bemalt und verziert, so ging die schlichte Eleganz des Klassizismus auch an alltäglichen Gegenständen wie diesen Holzdosen nicht spurlos vorüber. Die typischen, schlanken Gefäße bildeten nun ein Bild ruhiger und dezenter Reihen in den Apothekenregalen.
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[[Datei:GHV_Apotheke-Standgefaesse-Regal.JPG|900px]]
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*Lycopodium, Kolbenbärlapp, auch Wolfsklaue - In der volkstümlichen Medizin werden Kraut und Sporen (Samen) z. B. bei Nieren- und Harnblasenleiden eingesetzt. (Pschyrembel Online)
*Lycopodium, Kolbenbärlapp, auch Wolfsklaue - In der volkstümlichen Medizin werden Kraut und Sporen (Samen) z. B. bei Nieren- und Harnblasenleiden eingesetzt.<ref>Pschyrembel Online</ref>
*Myrrha –Das Harz des Myrrhenbaums wirkt u.a. entzündungshemmend und desinfizierend. Es wird z.B. zur Mundpflege und als Adstringenz bei Entzündungen oder Wunden eingesetzt. (Pschyrembel Online)
*Myrrha – Das Harz des Myrrhenbaums wirkt u.a. entzündungshemmend und desinfizierend. Es wird z.B. zur Mundpflege und als Adstringenz bei Entzündungen oder Wunden eingesetzt<ref>Pschyrembel Online</ref>
*Psyllii Semen - Flohsamen werden als mildes Laxans bei Durchfall verabreicht, da sie in Gegenwart von Wasser auf das Mehrfache ihres Volumens quellen und den Dehnungsreiz im Darmtrakt auslösen. (Pschyrembel Online)
*Psyllii Semen - Flohsamen werden als mildes Laxans bei Durchfall verabreicht, da sie in Gegenwart von Wasser auf das Mehrfache ihres Volumens quellen und den Dehnungsreiz im Darmtrakt auslösen.<ref>Pschyrembel Online</ref>


'''Keramische Gefäße'''
In den '''keramischen Gefäßen''' wurden feuchte / pastöse Substanzen aufbewahrt

In den keramischen Gefäßen wurden feuchte oder pastöse Substanzen aufbewahrt.


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* Sapo kalinus venalis – Kaliseife - Zu den Anwendungsgebieten gehören die Reinigung und Erweichung der Haut, zum Beispiel bei Abszessen und Hauterkrankungen. (Pschyrembel Online/pharmawiki.ch)
* Sapo kalinus venalis – Zu den Anwendungsgebieten der Kaliseife gehören die Reinigung und Erweichung der Haut, z. B. bei Abszessen und Hauterkrankungen.<ref>Pschyrembel Online/pharmawiki.ch</ref>
*Manna - Der aus der Rinde gewonnene Saft (Manna) wird medizinisch verwendet z.B. bei Obstipationen (Verstopfung/Darmverschluss) und zur Erleichterung der Darmentleerung. (Pschyrembel Online)
*Manna - Der aus Rinde gewonnene Saft wird u.a. bei Obstipationen (Verstopfung/Darmverschluss) und zur Erleichterung der Darmentleerung verwqendet.<ref>Pschyrembel Online</ref>
*Unguentum Naftalan Compositum –Erdöl-/Teersalbe bei Hauterkrankungen.
*Unguentum Naftalan Compositum - Erdöl-/Teersalbe bei Hauterkrankungen.



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Version vom 23. August 2020, 08:02 Uhr

Im Dachgeschoss finden sich Arrangements zu verschiedenen Themen: Eine Biedermeierstube, ein Klassenzimmer mit angeschlossenem Lehrerkammer, eine Nähstube, ein Wohnzimmer. Besonders hervorzuheben sind die Maulbronner Originale: die Buchbinderei Krüger aus dem Klosterhof und die Apotheke mit Einrichtungsgegenständen aus der alten Klosterapotheke.

Gute Stube

Apotheke

Hinweisschild auf die Apotheke im Museum und im Klosterhof:

Die Apotheke um 1900 und 2020

Allgemeines

In direkter Nachbarschaft zueinander liegen Klosterapotheke und Buchbinderei, heute Buchhandlung Krüger. Die Apotheke wurde 1766 von Dürrmenz (Mühlacker) in das Kloster Maulbronn verlegt,[1] obgleich bereits seit dem Jahre 1759 im Nachbarort Knittlingen eine Apotheke bestand. Gründe für die Verlegung der Apotheke waren die Versorgung der Klosterschule und der Oberamtsstandort.

Neben Arzneien und Kräutern stellte der Handel mit Spezereien, Tabak, Kaffee und Giften eine wichtige Einnahmequelle dar. Vielen Maulbronnern ist die Ära Schweizer (1902-1967) noch in guter Erinnerung. Gisela und Werner Baier (1979-2007) haben infolge eines Besitzerwechsels einen Großteil der im Museum gezeigten Exponate als Schenkung überlassen. Sie gehören in eine Reihe von mittlerweile rund 15 Klosterapothekenbesitzern, die dieses älteste der Maulbronner Geschäfte geführt haben.


Geschichte der Kloster-Apotheke

Die Bauzeit des späteren Apothekenhauses ist auf die Jahre um 1215 anzusetzen und wurde zunächst als Königsherberge und Vogteigebäude genutzt. Das Haus wurde 1360 bei kriegerischen Brandschatzungen zerstört und im ausgehenden 14. oder 15 Jahrhundert wieder aufgebaut. Ob die Funktion als Herberge wieder aufgenommen wurde und bis gegen 1766 bestand, kann derzeit nicht geklärt werden.[2]

Im Jahr 1765 verstarb der Dürrmenzer Apotheker C.H.Zeller. Sein Gehilfe Johann Daniel Hochstetter übernahm daraufhin die Apotheke, heiratete die Frau Christiane Sara seines Vorgängers und erhielt am 20.1. 1766 das renovierungsbedürftige Haus am Klostertor vom herzoglichen Kirchenrat zum Erblehen gegen Zahlung von 3100 Gulden.[3] Der Grund des Umzugs nach Maulbronn ist unklar: hatte doch Dürrmenz um diese Zeit ca. 1.400 Einwohner, während Maulbronn gerade mal 430 Seelen zählte.[4] Als Argument für die Verlegung der Apotheke wird die Klosterschule und die Maulbronner Beamtenschaft ins Feld geführt, die sich eine bessere gesundheitliche Versorgung erhoffte. Indes war es um die Wirtschaftlichkeit der Apotheke nicht gut bestellt, sie wurde bereits 4 Jahre später mit einem Verlust von 550 Gulden wieder veräußert und wechselte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts 7 mal den Besitzer. Erst mit der Entwicklung Maulbronns zur bürgerlichen Gemeinde ab 1838, der Stadterhebung 1886 (1.200 Einwohner) kam auch die Apotheke in ein wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser.

Waren in der Apotheke

Die Apotheken des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten nicht allein Arzneien und Kräuter in ihrem Angebot: "Zucker, Kaffee, Korinthen, Mandeln, Tee, Gewürze, Tabak, Schnupftabak, Tabakspfeifen, Baumöl, Essig, Wachs, Schaumgold, Siegellack, Puder, Leim, Schießpulver, Gänsefedern, Kreide, Stöpsel, Badeschwämme, Papier. Die damaligen Apotheker waren Hersteller von Riechstoffen, Süßigkeiten und Latwergen, ähnlich wie die Konditoren verfertigten sie Marzipan, Confect, Marmeladen, Kräuterweine."[5] Vornehmliche Aufgabe war jedoch die Bereitstellung von Medikamenten, die im 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein von den Apothekern selbst hergestellt wurden. Aus Kräutern, Ölen und anderen Ingredienzien wurden die Arzneien handwerklich produziert. Eine Maulbronner Spezialität war die "Spiethsche Nasen Salbe".

Ausstellung

Die Ausstellungsstücke stammen weitestgehend aus Beständen der historischen Kloster-Apotheke. Die Gegenstände wurden von Herrn Werner Baier, Apotheker in Maulbronn von 1979 bis 2006, zur Verfügung gestellt. Viele Stücke wurden auch von Klaus Krüger gerettet und dem Museum übergeben.

Offizin

Als eine Offizin bezeichnete man seit dem späten Mittelalter eine Werkstatt, die hochwertige Waren produzierte, mit angeschlossenem Verkaufsraum. Der Begriff wird bis heute für Apotheken verwendet. Die Räume waren oft aufwändig inszeniert. Wartete der Kunde hinter der Theke oder Schranke auf sein Arzneimittel so traf sein Blick auf schimmernde Behältnisse, Regale voller beeindruckender Standgefäße.

Das ausgestellte Bild ist eine Reproduktion eines Stiches von Wolfgang Kilian von 1652 und zeigt die Apotheke des Herzogspitals in München. [6]

Von der Decke hing oft ein exotische Blickfang wie zum Beispiel ein ausgestopftes Krokodil oder die „Sägezahn-Schnauze“ des Langnasen-Sägehais zur Illustration der von fernen Kontinenten stammenden Rohstoffe. Mit exotischen Ausstellungsstücken wurde auf die weitgehandelten Rohstoffe hingewiesen. Es kann gemutmaßt werden, ob diese Werbestrategie auch in der historischen Kloster-Apotheke angewandt wurde.

Die Schranke in der Offizin trennte den Verkaufsraum von Labor und Werkstatt.

Mörser

Der Mörser war lange Zeit eines der wichtigsten Arbeitsgeräte des Apothekers. Für Substanzen, die sichtbar mit dem Metall reagierten, setzte man Mörser aus Marmor, Glas, Holz oder Elfenbein ein. In der Apotheke waren am häufigsten Mörser aus Metall anzutreffen, die zunächst meist aus Bronze, und im 18 Jahrhundert vermehrt aus Messing hergestellt wurden. Die Verarbeitung bestimmter Stoffe in Bronzemörser war bereits im 16. Jh. als gesundheitsschädlich erkannt worden. An ihre Stelle traten teilweise Eisenmörser, die seit dem Mittelalter bekannt waren. Dabei handelte es sich meist um wenig verzierte Gebrauchsgeräte von of stattlicher Größe, die zum Zerkleinern gröberer Materialien Verwendung fanden. [7]

Der ausgestellte gusseiserne Mörser mit Pistill (Stößel) diente dazu, um zum Beispiel Anis oder Kümmel „anzustoßen“ und daraus Tee zu gewinnen. Der Mörser stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert und fällt durch seine Größe auf (40 cm hoch, Durchmesser der Öffnung 40 cm, über 50 kg schwer).

Waagen und Gewichte

Kaum ein anderes Arbeitsgerät charakterisiert die Arbeit in der Apotheke treffender als die Waage. Hohe Maßgenauigkeit und große Empfindlichkeit ist bei den teils hochwirksamen Substanzen notwendig.

Die in der Apotheke verwendeten Gewichte müssen ebenso wie die Waage geeicht sein. So wurde das ausgestellte 500g-Gewicht erstmalig 1916 geprüft und mit einem Eichstempel versehen. Der letzte Stempel zeigt, dass das Gewicht bis 1968 (1970) verwendet wurde.

Mit der Fortentwicklung der Naturwissenschaften im 18./19. Jahrhundert mussten auch die Messinstrumente Schritt halten. In der Apotheke setzte sich in diesem Zusammenhang ein aus der Standwaage weiterentwickelter Waagentyp durch: die hochempfindliche Analysewaage wurde unentbehrlich. Je kleiner die zu wiegende Menge, desto geringer muss das Eigengewicht der Waagbalken sein. Dafür wurden neue Materialen und Konstruktionen eingesetzt. Die ausgestellte Analysewaage ist mit einem Waagebalken aus Leichtmetall versehen und in einem Kasten mit Glaswänden untergebracht, um das Instrument vor Staub, Korrosion, Wärmeeinwirkung und Luftzug beim langen Wägevorgang zu schützen. Die ausgestellte Waage kann auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datiert werden. [8]

Die Einführung des metrischen Systems im Jahre 1872 bedeutete, künftig in Kilo, Gramm und Milligramm zu wiegen. Alle Apotheken stellten gemäß den gesetzlichen Richtlinien auf die neuen Gewichtssätze um. Gewichtsstücke von 1 Gramm aufwärts zeigten nun die uns heute noch geläufige runde Form, versehen mit einem Knopf zur besseren Handhabung.

Zum Einsatz der Milligramm-Gewichte für die Analysewaagen lag beim Gewichtssatz eine Pinzette bereit, um die Gewichtsplättchen vor Schweiß und Rückständen an der menschlichen Hand zu schützen. Um Verwechslungen der Gewichtsstücke beim Abwiegen der hochwirksamen Substanzen vorzubeugen, wählte man ein simples System: 1,10 und 100 Milligramm waren dreieckig, 2, 20 sowie 200 Milligramm-Stücke und die 5,50 wie 500 Milligramm-Gewichte sechseckig gestaltet.[9]

Apothekenschränke

Schränke bieten Schutz vor Licht und mildern Temperaturschwankungen.

Schubladenschrank

Der Schubladenschrank ist von seiner Bauart her dem 18./beginnenden 19. Jahrhundert zuzuordnen. Er diente hauptsächlich der Aufbewahrung trockener Substanzen. Beispiele:

  • Cort.Chin.Reg = Cortex Chinae = Chinarinde
  • Cort.Cinnam.Pulv = Cortex Cinnamomi Pulvis = Gemahlene Zimtrinde
  • Calc. Phosphor. = Calcium Phosphoricum = Schüssler-Salz Nr. 2

Arzneimittelschrank

Der Arzneimittel- oder Giftschrank dürfte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert stammen. Darin wurden insbesondere empfindliche Substanzen oder hochwirksame Drogen (= Arzneimittel) aufbewahrt.

Der geöffnete Schrank zeigt im oberen Teil ein separates geschlossenes Fach für giftige Substanzen. Im oberen, durch die Glastüre geschützten Bereich befanden sich Grundpräparate zur Herstellung von Medikamenten, während im unteren Bereich die Schubladen für fertige, industriell hergestellte Mittel vorgesehen waren:[10]

  • Coffein-Natriumsalicylat - ein Salz des Koffeins, wurde als Kreislauf- und Atemstimulans (Frühgeborenenapnoe) und Diuretikum (Entwässerung) verwendet
  • Pantopon - Opiumderivat von Hoffmann LaRoche, Anästhetikum
  • capsula extractum filio (?)
  • Digalen - Herzpräparat von Hoffmann LaRoche, von 1907 bis 1964 am Markt
  • Pituglandol - Mittel zur Geburtshilfe (Roche)
  • capsula olchenop (?)
  • Morphinum Hydrocloricum – Schmerzmittel in Phiolen zur Injektion
  • Secacornin - Wehenmittel von Hoffmann LaRoche
  • Novocain - Lokalanästhetikum, seit 1905 im Handel (Hoechst)
  • Varia - Verschiedenes
  • Digipan - Mittel gegen Magenbeschwerden (wird unter diesem Namen bis heute in Indien produziert und vertrieben)

Standgefäße und Flaschenn

Für Medikamente, die in Flaschen abgegeben wurden, gab es eine Vorschrift:[11]

Rund für innerliche - Eckig für äußerliche Anwendung

Die Aufschriften der Standgefäße wurde ab 1896 im Deutschen Reich einheitlich geregelt: Die Beschriftung musste in deutlich lesbaren Druck- oder Blockbuchstaben und weiterhin in lateinischer Sprache geschehen. Die Behälter für sämtliche im Deutschen Arzneibuch aufgeführten, „sehr vorsichtig“ zu lagernden Gifte mussten nun mit weißer Schrift auf schwarzem Grund gekennzeichnet werden. Ebenso war für alle im Arzneibuch aufgeführten „vorsichtig“ aufzubewahrenden Mittel (Separanda), z.B. stark wirksame Mittel wie Alkaloide, ein roter Schriftzug auf weißem Grund verbindlich. Die Standgefäße für die anderen in der Apotheke benötigten Substanzen sollten mit schwarzer Schrift auf weißem Grund versehen werden.[12]

Die folgenden Beispiel-Gefäße sind im Arzneimittel oder Giftschrank (siehe oben) aufbewahrt.

Giftige Drogen – weiß auf schwarz

Physostigminsalicylat ist giftig beim Einatmen und Verschlucken.[13] Es wird in der Medizin bei bestimmten postoperativ auftretenden Störungen und als Gegenmittel bei Vergiftungen z.B. mit Atropin angewendet.

Extra aufzubewahrende Drogen: Separanda – rot auf weiß

Paraldehyd wurde als Sedativum, Schlafmittel sowie als Antiepileptikum eingesetzt.[14]

Sonstige Substanzen – schwarz auf weiß

Pyridin: Lösungsmittel und Mittel zur Schädlingsbekämpfung Xylol: Lösungsmittel, in der Mikrokopie auch Verwendung als Aufhellungsmittel Toluol: Lösungsmittel[15]

Holz-Standgefäße

Holz-Standgefäße gehörten vom Beginn des Apothekenwesens bis ins 20.Jahrhundert zur Apotheken-Grundausstattung. Waren die Gefäße bis ins 18.Jahrhundert noch prächtig bemalt und verziert, so ging die schlichte Eleganz des Klassizismus auch an alltäglichen Gegenständen wie diesen Holzdosen nicht spurlos vorüber. Die typischen, schlanken Gefäße bildeten nun ein Bild ruhiger und dezenter Reihen in den Apothekenregalen.

Die gedrechselten Gefäße dienten zur Aufbewahrung trockener Substanzen.

  • Lycopodium, Kolbenbärlapp, auch Wolfsklaue - In der volkstümlichen Medizin werden Kraut und Sporen (Samen) z. B. bei Nieren- und Harnblasenleiden eingesetzt.[16]
  • Myrrha – Das Harz des Myrrhenbaums wirkt u.a. entzündungshemmend und desinfizierend. Es wird z.B. zur Mundpflege und als Adstringenz bei Entzündungen oder Wunden eingesetzt[17]
  • Psyllii Semen - Flohsamen werden als mildes Laxans bei Durchfall verabreicht, da sie in Gegenwart von Wasser auf das Mehrfache ihres Volumens quellen und den Dehnungsreiz im Darmtrakt auslösen.[18]

Keramische Gefäße

In den keramischen Gefäßen wurden feuchte oder pastöse Substanzen aufbewahrt.

  • Sapo kalinus venalis – Zu den Anwendungsgebieten der Kaliseife gehören die Reinigung und Erweichung der Haut, z. B. bei Abszessen und Hauterkrankungen.[19]
  • Manna - Der aus Rinde gewonnene Saft wird u.a. bei Obstipationen (Verstopfung/Darmverschluss) und zur Erleichterung der Darmentleerung verwqendet.[20]
  • Unguentum Naftalan Compositum - Erdöl-/Teersalbe bei Hauterkrankungen.


Buchbinderei

ehemalige Buchbinderei - heute Buchhandlung Krüger (gegenüber der Klosterapotheke am Klostertor)


Nähzimmer

Klassenzimmer

Lehrerstube

Einzelnachweise

  1. Ehlers/Felche (Hrsg.), Maulbronn Heimatbuch Bd.1, Maulbronn 2012, S.231
  2. Günther Mahal, 225 Jahre Kloster-Apotheke Maulbronn 1766-1991, Maulbronn 1991, S.4ff
  3. Günther Mahal, wie oben, S.37
  4. Karl Knöller, Unser Dürrmenz-Mühlacker, 1928 - Reprint von 1979, S.357 auch Ehlers/Felche w.o. S.170
  5. Angelika Bischoff-Luithlen, Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten. 1979 zitiert in Günther Mahal, S.9
  6. Vergleiche Titelbild zu Artikel von Dr.Fritz Ferchl, Zur Geschichte der Pharmazie, in Süddeutsche Apotheker-Zeitung, 15.9.1950, S.725: https://publikationsserver.tu-braunschweig.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbbs_derivate_00043982/1950_GdP_05.pdf
  7. Elisabeth Huwer, Das Deutsche Apotheken-Museum, 3. Auflage, Regensburg 2015, S. 194ff.
  8. Elisabeth Huwer, w.o. S. 236f.
  9. Elisabeth Huwer, w.o. S. 229.
  10. ungenau, muss verifiziert werden
  11. Werner Baier, Interview im Museum 26.03.2019
  12. Elisabeth Huwer, w.o. S. 81.
  13. Pschyrembel Online
  14. Pschyrembel Online
  15. Pschyrembel Online
  16. Pschyrembel Online
  17. Pschyrembel Online
  18. Pschyrembel Online
  19. Pschyrembel Online/pharmawiki.ch
  20. Pschyrembel Online