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Version vom 17. November 2018, 11:19 Uhr
Gottlieb Mössinger (* 15. Februar 1886, † 18. Oktober 1963) war SPD-Stadtverordneter in Pforzheim, Gegner der Nationalsozialisten und 1944 Opfer der „Aktion Gitter“.
Leben
Gottlieb Mössinger ist Schlossermeister, ab 1929 SPD-Stadtverordneter und Gründungsmitglied der Freien Turnerschaft Pforzheim, bis zum Verbot 1933 ist er dort als Turnwart aktiv. Unter der Herrschaft der NSDAP wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am 5. März 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der KPD unter den Tisch fallen. Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am 10. Mai 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.
Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:
„Wir tun das, dem Zwang folgend, obwohl wir glauben, durch vierjährigen ununterbrochenen Frontdienst im Weltkrieg durch Verteidigung unserer Heimat unsere nationale Gesinnung bewiesen und das Recht erworben zu haben, als gleichberechtigte Bürger Pforzheims auch ein gemeinderätliches Ehrenamt bekleiden zu dürfen.
Gottlieb Mössinger, Schlossermeister, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, und 30 % Kriegsversehrter
Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“ [1]
Gottlieb Mössinger ist vom 12. bis zum 20. September 1939 im Gefängnis Pforzheim inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er wie 14 weitere frühere SPD- bzw. KPD-Stadtverordnete aus Pforzheim im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.
Nach 1945
Im August 1945 beruft die US-Militärregierung Gottlieb Mössinger in den Stadtrat, 1947 bei den ersten freien Wahlen nach der Nazi-Diktatur wird er für die SPD in den Stadtrat gewählt. Gottlieb Mössinger ist ab 1945 im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Arlinger und ab 1948 Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.
Literatur
- ↑ Karl Schroth: "Und immer wieder für die Freiheit: Pforzheimer sozialdemokratische Arbeiterbewegung 1924-1939", Pforzheim (SPD-Kreisverband Pforzheim) 1977, S. 367 f.