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'''Grube Käfersteige''' ist ein ehemaliges und im Prozess der Wiedererschließung befindliches Fluss- und Schwerspat-Bergwerk im [[Würmtal]] auf der Gemarkung des [[Pforzheim]]er Ortsteils [[Würm (Pforzheim)|Würm]] in Richtung [[Tiefenbronn]]. Die Lagerstätte gilt unter Fachleuten als das größte und bedeutendste Flussspatvorkommen Europas<ref name="UVP-Info">[https://www.deutsche-flussspat.de/wp-content/uploads/230508_DFG_Projekt_Kaefersteige_Fruehe_Oeffentlichkeitsbeteiligung_mit_Anlage.pdf Deutsche Flussspat GmbH: Grube Käfersteige – Exploration und Probebetrieb. Informationen für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung], Mai 2023</ref>. |
'''Grube Käfersteige''' ist ein ehemaliges und im Prozess der Wiedererschließung befindliches Fluss- und Schwerspat-Bergwerk im [[Würmtal]] auf der Gemarkung des [[Pforzheim]]er Ortsteils [[Würm (Pforzheim)|Würm]] in Richtung [[Tiefenbronn]]. Die Lagerstätte gilt unter Fachleuten als das größte und bedeutendste Flussspatvorkommen Europas<ref name="UVP-Info">[https://www.deutsche-flussspat.de/wp-content/uploads/230508_DFG_Projekt_Kaefersteige_Fruehe_Oeffentlichkeitsbeteiligung_mit_Anlage.pdf Deutsche Flussspat GmbH: Grube Käfersteige – Exploration und Probebetrieb. Informationen für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung], Mai 2023</ref>. |
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* [[Philipp Döppenschmitt]] – Pforzheimer Fabrikant und Gründer des ersten Spatwerks. |
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* [[Ph. Döppenschmitt]] – Die historische Schmuck- und Goldwarenfabrik. |
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* [[Lotos Goldbrillen Gmbh]] – Moderne Fortführung der Döppenschmitt'schen Firmentradition. |
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* [https://vnv-urbex.de/altbergbau/deutschland/fluss-schwerspatbergbau/flussspatgrube-krabbelkaefer-kaefersteige/ Dokumentationsseite] |
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== Einzelnachweise == |
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Aktuelle Version vom 23. September 2026, 07:20 Uhr
Grube Käfersteige ist ein ehemaliges und im Prozess der Wiedererschließung befindliches Fluss- und Schwerspat-Bergwerk im Würmtal auf der Gemarkung des Pforzheimer Ortsteils Würm in Richtung Tiefenbronn. Die Lagerstätte gilt unter Fachleuten als das größte und bedeutendste Flussspatvorkommen Europas[1].
Die Stollen und die modernere, mit straßentauglichen Lastkraftwagen befahrbare Rampe liegt in Würm in Richtung Tiefenbronn.
In der Gegend gibt es weitere Fluss- und Schwerspatlagerstätten bei der Burgruine Liebeneck, Dillweißenstein und Huchenfeld, die zum Teil auch kurzzeitig abgebaut wurden.
Geschichte
Im Rahmen der Erkundung von Schwerspatvorkommen im Pforzheimer Raum wurde man 1920 auf diesen Gang aufmerksam. Der erste Pachtvertrag wurde am 10. Mai 1932 zwischen dem Land Baden und Alois Hartmann abgeschlossen. Hartmann überließ seine Rechte am 1. Dezember 1933 der von dem Goldwarenfabrikanten Philipp Döppenschmitt gegründeten und finanzierten Firma Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim, Döppenschmitt & Co. in Pforzheim.
Der Betrieb wurde Anfang des Jahres 1934 aufgenommen. 1940 gingen die Werke an die I.G. Farben, 1951 an Bayer Leverkusen. 1997 gab der Konzern den Abbau der Mineralien in der Grube Käfersteige auf.
Die Stollen, Schächte und die Rampe im Würmtal sind mit Plomben und Toren versehen, die jedoch Wetteröffnungen besitzen. Die Grube ist bis zum Grundwasserstand abgesoffen. Insbesondere die Lkw-Rampe steht fast vollständig unter Wasser. Der Stollen an der Straße nach Tiefenbronn wurde seit 1997 wiederholt aufgebrochen. Die Befahrung dieses Stollens durch Unbefugte ist rechtlich bedenklich und gefährlich.
Geografie und Geologie
Die Grube liegt etwa 7,5 Kilometer südöstlich der Pforzheimer Innenstadt im Würmtal. Das Bergwerk erschließt eine hydrothermale Ganglagerstätte im Buntsandstein[2]. Der Haupterzgang (Käfersteige-Gang) verläuft in ost-nordöstlicher Richtung, besitzt eine Mächtigkeit von 5 bis 30 Metern und reicht nachweislich bis in eine Tiefe von mindestens 500 Metern unter der Oberfläche. Neben dem dominierenden industrierelevanten Flussspat (Fluorit) und Schwerspat (Baryt) ist die Lagerstätte in Mineralkreisen für Funde von Buntmetallerzen wie Emplektit und Chalkopyrit bekannt.
In unmittelbarer geografischer Nähe befinden sich weitere, teils historisch kurzzeitig abgebaute Spatvorkommen nahe der Burg Liebeneck, in Dillweißenstein und Huchenfeld. Über Tage befindet sich im angrenzenden Waldgebiet Hagenschieß der Wanderparkplatz Käfersteige, der als Ausgangspunkt für Routen zur Burgruine Liebeneck genutzt wird.
Geschichte
Entdeckung und Betriebsphase (1920–1996)
- 1920: Erste Entdeckung der Spat-Lagerstätte im Würmtal[2].
- 1932: Vergabe eines ersten Pachtvertrages durch das Land Baden an den Erfinder Alois Hartmann zur Erkundungg[2].
- 1933–1934: Da Hartmann die finanziellen Mittel fehlten, übernahm der Pforzheimer Goldwarenfabrikant Philipp Döppenschmitt (Gründer der traditionsreichen Schmuckmanufaktur Ph. Döppenschmitt, heute bekannt als LOTOS Gold-Brillenmanufaktur) die Rechte. Um die Bergbauaktivitäten strikt vom Schmuckgeschäft zu trennen, gründete und finanzierte er im Dezember 1933 die eigenständige Bergbaugesellschaft Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim, Döppenschmitt & Co. Der reguläre industrielle Abbaubetrieb im Würmtal begann 1934.
- 1940: Im Zuge der Kriegswirtschaft und Autarkiebestrebungen des NS-Regimes ging die Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH (HRA 49) vollständig an den Chemiekonzern I.G. Farben über.
- 1951/1952: Nach Kriegsende und der Zerschlagung der I.G. Farben übernahm die Bayer AG (Leverkusen) die Grube zur langfristigen Rohstoffsicherung für ihre Fluorchemie-Produktion. Das geförderte Haufwerk wurde zeitweise zur Aufbereitung zur Stolberger Zink AG nach Wiesloch transportiert.
- Modernisierung: Neben den ursprünglichen tiefen Stollen wurde in der späten Betriebsphase eine moderne, untertägige Rampe (Würmtalrampe) vorgetrieben, die direkt mit straßentauglichen Lastkraftwagen befahrbar ist.
- Schließung (1996): Bis zur Einstellung des Betriebs wurden rund 2 Millionen Tonnen Rohstoff gefördert. Aufgrund des drastischen Preisverfalls durch Billigimporte aus China (Säurespat) und des weltweiten FCKW-Verbots wurde die Förderung Ende 1996 ohne offizielle Festlichkeiten gestoppt. Die Betreiber verwahrten die Tageszugänge jedoch so, dass eine spätere Wiedereröffnung technisch möglich blieb. In den Folgejahren wurde die Grube kontrolliert geflutet.
- Verschmelzung (2004): Die Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH verschmilzt mit/zur DV Dämmstoffe GmbH (Leverkusen)
Geplante Wiedereröffnung (ab 2022)
Angesichts der Einstufung von Flussspat als kritischer und strategischer Rohstoff für moderne Zukunftstechnologien (u. a. für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien für die Elektromobilität) rückte die Grube erneut in den Fokus.
- 2022: Die Deutsche Flussspat GmbH (DFG) mit Sitz in Pforzheim erwirbt die Bergbaurechte und leitet das Verfahren zur Reaktivierung ein[2]. Das Bergbau-Unternehmen wurde als Tochtergesellschaft der Aumontis Holding AG gegründet; als treibende Kraft und Geschäftsführer fungiert der Bergbauingenieur Simon Bodensteiner.
- Zukunftsaussichten: Das Vorhaben hat eine beantragte Laufzeit von 15 Jahren. Geplant ist, den Zustand der Grube wiederherzustellen, um perspektivisch bis zu 40 Prozent des deutschen Bedarfs an Flussspat direkt vor Ort im Würmtal nachhaltig zu decken. Gegen das Projekt regt sich in angrenzenden Gemeinden wie Tiefenbronn regionaler Widerstand, vor allem aufgrund von Befürchtungen bezüglich des stark zunehmenden Schwerlastverkehrs.
Amtliches Genehmigungsverfahren und Bekanntmachungen
Die bergrechtliche Zulassung und Überwachung der Wiederinbetriebnahme fällt in die Zuständigkeit des Regierungspräsidium Freiburg|Regierungspräsidiums Freiburg (Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau).
- Einreichung des Rahmenbetriebsplans (September 2025): Am 9. September 2025 reichte die DFG offiziell den Antrag auf Planfeststellung für den bergrechtlichen Rahmenbetriebsplan ein. Am 12. September 2025 folgten die Anträge für die notwendigen wasserrechtlichen Zulassungen. Das Vorhaben umfasst primär die Sümpfung und Sicherung des Grubengebäudes, untertägige Erkundungen sowie einen zeitlich begrenzten Probebetrieb.
- Öffentliche Bekanntmachung und UVP (Oktober 2025): Das Regierungspräsidium leitete das offizielle Planfeststellungsverfahren nach § 52 Abs. 2a Bundesberggesetz (BBergG) ein. Da im Zuge der Sümpfung erhebliche Mengen Grundwasser abgepumpt, aufbereitet und in die Würm eingeleitet werden müssen, umfasst das Verfahren eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die offizielle Bekanntmachung und Offenlage der Pläne in Pforzheim und den Anrainerkommunen (wie Neuhausen und Tiefenbronn) erfolgte im Oktober 2025.
- Erörterungstermin (Februar 2026): Nach dem Ende der Einwendungsfrist beraumte das Regierungspräsidium einen offiziellen Erörterungstermin für den 5. Februar 2026 an. Bei diesem Termin wurden die fristgerecht erhobenen Einwendungen von Bürgern, Umweltverbänden und Kommunen mit der Vorhabenträgerin DFG debattiert.
- Erweiterung „Käfersteige II“ (Mai 2026): Im Mai 2026 leitete das Regierungspräsidium zudem das Anhörungsverfahren für die gewerbliche Aufsuchung bergfreier Bodenschätze auf dem erweiterten Feld „Käfersteige II“ ein, was zu weiteren regionalen Stellungnahmen und Bedenken der umliegenden Gemeinderäte führte.
- Öffentliche Bekanntmachung (September 2026): am 17.September 2026 veröffentlichen sowohl die Stadt Pforzheim als auch das Regierungspräsidium Freiburg die Planfeststellung[3].
Kulturelle Bedeutung und Verbleib
Aus der Grube Käfersteige stammende Mineralienstufen (insbesondere farbintensive Fluorit-Kristalle sowie Schwerspat-Formationen) sind wichtige Zeugnisse der regionalen Bergbaugeschichte. Nach der Schließung des ursprünglichen Mineralienmuseums Pforzheim wurden ausgewählte historische Exponate und Funde der Grube dauerhaft in die öffentlich zugängliche Mineralien-Ausstellung im Atrium des TurmQuartiers der Sparkasse Pforzheim Calw überführt. Diese Präsentation wird weiterhin vom Arbeitskreis Mineralienmuseum Pforzheim-Dillweißenstein e.V. betreut und dokumentiert die über 60-jährige Abbaugeschichte des Würmtals. Das historische Lkw-Einfahrtsportal im Würmtal verbleibt indes als bekanntes Industriedenkmal vor Ort und wird in die erneute Nutzung einbezogen. Seit 2025 hängen dort auch Infoplakate über die geplante Wieder-Inbetriebnahme[4].
Siehe auch
- Würm (Pforzheim) – Der Pforzheimer Stadtteil, auf dessen Gemarkung die Grube liegt.
- Würmtal – Das Schwarzwald-Randtal, in dem sich das Abbaugebiet befindet.
- Hagenschieß – Das angrenzende große Waldgebiet mit dem gleichnamigen Wanderparkplatz.
- Burg Liebeneck – Historische Ruine nahe den östlichen Ausläufern des Käfersteige-Gangs.
- Philipp Döppenschmitt – Pforzheimer Fabrikant und Gründer des ersten Spatwerks.
- Ph. Döppenschmitt – Die historische Schmuck- und Goldwarenfabrik.
- Lotos Goldbrillen Gmbh – Moderne Fortführung der Döppenschmitt'schen Firmentradition.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Deutsche Flussspat GmbH: Grube Käfersteige – Exploration und Probebetrieb. Informationen für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung, Mai 2023
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Wikipedia-Artikel „Käfersteige“
- ↑ Öffentliche Bekanntmachung, Artikel der Pforzheimer Zeitung vom 17.09.2026, S. 24
- ↑ Arbeitskreis Mineralienmuseum
