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Historismus: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Ausdruck '''Historismus''' bezeichnet in der [[Stilgeschichte]] ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte. |
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[[File:Old Houses Are Rare In Pforzheim - panoramio.jpg|thumb|[[Schwebelstraße 6]].]] |
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Der Ausdruck '''Historismus''' bezeichnet in der Stilgeschichte ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte. |
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Stilistische Unterarten sind u. a. die [[Neuromanik|Neoromanik]], [[Neugotik|Neogotik]], [[Neorenaissance]] und der [[Neobarock]]. In seiner Spätphase entstand parallel der [[Jugendstil]], den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der [[Reformarchitektur]], die später in die [[Moderne (Architektur)|klassische Moderne]] mündete. |
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Stilistische Unterarten sind u. a. die [[Neoromanik]], [[Neogotik]], [[Neorenaissance]] und der [[Neobarock]]. In seiner Spätphase entstand parallel der [[Jugendstil]], den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der [[Reformarchitektur]], die später in die [[Moderne (Architektur)|klassische Moderne]] mündete. |
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Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. Doch auch später wirkten historistische Motive nach ([[Neoklassizismus (Bildende Kunst)|Neoklassizismus]], [[sozialistischer Klassizismus]], [[Heimatschutzarchitektur]]). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der [[Postmoderne Architektur|Postmoderne]] wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als ''neohistoristisch'' bezeichnet. |
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Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. Doch auch später wirkten historistische Motive nach ([[Neoklassizismus]], [[Heimatschutzstil]]). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der [[Postmoderne Architektur|Postmoderne]] wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als ''neohistoristisch'' bezeichnet. |
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== Stilpluralismus == |
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Im Gegensatz zu vorhergehenden kunsthistorischen Epochen ist für den Historismus ein gleichzeitiger [[Stilpluralismus]] charakteristisch, der sich aber schon im Nebeneinander von [[Klassizismus]] und [[Romantik]] um die Wende zum 19. Jahrhundert ankündigt. |
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== Stile des Historismus == |
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Anders als im Klassizismus wurde nicht nur versucht, die Architektur der klassischen [[Antike]] (wie sie in [[Antikes Griechenland|Griechenland]] und [[Römisches Reich|Rom]] gefunden wurde) wiederzubeleben beziehungsweise zu kopieren, sondern es wurden Architekturformen auch anderer Epochen imitiert, die nunmehr als gleichwertig betrachtet wurden. Die [[Renaissance]] hatte zwar ebenfalls vorwiegend auf die Antike zurückgegriffen, jedoch kannte sie auch gelegentlich zielgerichtete Rückgriffe auf das [[Hochmittelalter]], so bei den architektonischen Zierformen der [[Festes Haus#Feste Häuser in der Frühen Neuzeit|Festen Häuser]] und [[Ansitz]]e. |
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=== [[Rundbogenstil]] === |
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Der [[Rundbogenstil]] ist ein Baustil des Historismus, Ende des 18. bis zum späten 19. Jahrhunderts. Er nahm Elemente der byzantinischen, [[Romanik|romanischen]] und [[Architektur der Renaissance|Renaissancearchitektur]] auf und verband sie mit stilneutralen Motiven. Die Abgrenzung zur [[Neoromanik]] und [[Neorenaissance]] ist nicht eindeutig möglich.<ref>Eintrag ''Rundbogenstil'' in: Gerhard Strauss & Harald Olbrich: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie. Seemann, Leipzig 1994, Band 6, S. 293 ff.</ref> |
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Einen großen Einfluss übte dabei die [[Romantik]] aus, die einen Sinn für das historisch Bedingte entwickeln half. Gelegentlich wurden auch mehrere Stile in einem Gebäude gemischt; diese Kombinationen nennt man ''[[Eklektizismus]]''. Andere Bauwerke zitieren historische Motive, lassen sich aber keinem konkreten Stil zuordnen. |
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Der Einfluss der Karlsruher Bauschule auf die Architektur Pforzheims im 18. und 19. Jahrhundert blieb stark: Timm beschreibt, welchen Stil [[Heinrich Hübsch]], der Nachfolger von [[Weinbrenner]] als großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe, bevorzugte:''„Sein Favorit war der [[Rundbogenstil]]“''<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.</ref> Der Einfluss des Karlsruher Baudirektor auf Pforzheim ist am Pforzheimer Hauptbahnhof von 1861 und der Pfarrkirche in Eutingen zu sehen. Adolf Willard, war einer der Schüler von Heinrich Hübsch, und entwarf die [[St. Franziskus (Pforzheim)|Franziskuskirche]] im [[Rundbogenstil]].<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.</ref> |
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=== Erste Impulse aus Großbritannien === |
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Christoph Timm schreibt dazu folgendes:''„Die Baukunst kehrte im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution (1789) am Ende des 18. Jahrhunderts mit strengern Stilformen zu den Wurzeln der Antike zurück, die man zugleich als Wiege von Demokratie und republikanischer Staatsform idaliserte. Der badische Kunsthistoriker [[Aloys Hirt]] veröffentlichte 1809 ein weit verbreitetes Lehrbuch mit dem bezeichnenden Titel "Die Baukunst nach den Grundsätzen des Alten".“''<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 79.</ref> |
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Erste Bauwerke in einem nicht-klassizistischen Stil wurden schon Ende des [[18. Jahrhundert]]s in [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]] errichtet. Ein frühes Beispiel ist die Villa ''[[Strawberry Hill (Bauwerk)|Strawberry Hill]]'', die [[Horace Walpole]] um 1775 im neugotischen Stil errichten ließ. Als frühes Meisterwerk der [[Neugotik]] gilt das [[Palace of Westminster|Parlamentsgebäude]] in [[London]] aus dem Jahr 1835. Sehr bald wurden auch schon nicht-europäische Baustile kopiert: der [[Royal Pavilion]] (1815–1822) in Brighton ist ein frühes Beispiel von Architektur nach indischen und chinesischen Vorbildern. |
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* 1790 [[Haus Christian Friedrich Benckiser]] (Rundbogenstil) |
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== Zeitraum == |
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* 1790 [[Vierordtsches Haus|Haus Wilhelm Vierordt]] |
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Da der Historismus in Mitteleuropa ab den 1850er Jahren größere Verbreitung erfuhr und es eine seiner ursprünglichen Funktionen war, die Repräsentationsbedürfnisse des in der [[Gründerzeit]] reich gewordenen [[Bürgertum]]s zu befriedigen, wird er umgangssprachlich manchmal auch als ''Gründerzeitstil'' beziehungsweise ''Gründerzeitarchitektur'' bezeichnet. |
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* 1789/90 [[Neues Schulhaus am Schulplatz]] |
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* 1816 [[Haus Johann Adam Benckiser junior, Östliche Karl-Friedrich-Straße 44|Haus Johann Adam Benckiser jun.]] (Rundbogenstil) |
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* 1820/21 [[Haus Samuel Finkenstein]] |
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* 1824 Kirchensaal der [[Altstadtkirche]] |
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* 1826 [[Bohnenberger Schlösschen]] |
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* 1835 [[Haus Casanova]] |
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* 1833 [[Dennigsches Schlößchen|Haus Georg Jakob Dennig]] (Rundbogenstil) |
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* 1861 [[Hauptbahnhof Pforzheim]] ([[Rundbogenstil]]) |
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* 1866 [[Villa Hermann Gesell, St.-Georgen-Straße 26/28 in Pforzheim|Villa Gesell]] ([[Rundbogenstil]]) |
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Datei:Pforzheim, Hauptbahnhof ca. 1920.jpg|Hauptbahnhof ca. 1920. |
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File:11mrz2017 Franziskuskirche Pforzheim 16.jpg|Franziskuskirche |
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Das Ende des Historismus beginnt mit dem [[Jugendstil]] um 1895, der zwar noch Ornamente verwendet, allerdings ohne jeglichen historischen Bezug. Gleiches gilt für den [[Expressionismus (Architektur)|Expressionismus]], der in der Architektur knapp nach dem Ersten Weltkrieg einsetzt. Beginnend mit der [[Reformarchitektur]] nach 1900 und verstärkt ab 1910 verbreiten sich dann zusehends weniger aufwändige, schließlich ornamentlose bzw. „[[Funktionalismus (Design)|funktionalistische]]“ oder „[[Konstruktivismus (Architektur)|konstruktivistische]]“ Baustile, die in den 1920er Jahren dann hegemonial werden (s. [[Neues Bauen]] oder [[Neue Sachlichkeit (Architektur)|Neue Sachlichkeit]]). Dies entspricht einer wachsenden Neigung stilbildender Schichten, sich nun weniger aus Bezügen auf die eigene Geschichte zu legitimieren, sondern immer mehr durch Identifikation mit moderner Technik. Zu dieser Zeit kommt der Historismus in den Verliererstaaten zu einem abrupten Ende. In den Siegerstaaten, vor allem in den USA, oder in den am Krieg nicht beteiligten Ländern, etwa Spanien, lässt sich neben dem ''Neuen Bauen'' noch eine Nachblüte des Historismus bis in die 1950er Jahre feststellen. |
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File:St Franziskus Pforzheim Chor.jpg|Franziskuskirche |
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File:11mrz2017 Franziskuskirche Pforzheim 33.jpg|Franziskuskirche |
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== Bauten == |
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=== [[Neoromanik]] === |
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Beispiele für die [[Neoromanik]] in Pforzheim ist die [[Liebfrauenkirche]] an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein. |
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Die [[Industrielle Revolution]] des 19. Jahrhunderts erforderte den Bau von Bahnhöfen, Fabriken und Wassertürmen. Zur Linderung der Wohnungsnot mussten mehrstöckige [[Zinshaus|Zinshäuser]] errichtet werden; das aufstrebende und zusehends wohlhabende Bürgertum verlangte nach [[Villa|Villen]] und großen Stadtwohnungen in repräsentativen Gebäuden. |
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Bedeutend war auch die Integration neuer Technologien in Architektur und Design. Entscheidend war die Weiterentwicklung der [[Stahl]]erzeugung ([[Bessemer-Verfahren]]). Der nur aus Gusseisen und Glas bestehende [[Crystal Palace (Gebäude)|Crystal Palace]] auf dem Gelände der [[Great Exhibition|Londoner Weltausstellung]] von 1851 galt als revolutionär und wegweisend für spätere Jahrzehnte. |
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File:High Noon - panoramio.jpg| |
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Bild:Liebfrauen innen.jpg| |
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Bild:Liebfrauen, Kapitelle.jpg| |
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Teilweise wurden verschiedenen Baustilen unterschiedliche Funktionen zugeschrieben: Kirchen wurden im Stil der [[Gotik]] oder der [[Romanik]] gebaut, Banken und Bürgerhäuser im Stil der [[Renaissance]] (der großen Zeit der Stadtkultur vor allem in Italien), Adelspalais und vor allem Theater im [[Barock]]stil, Fabrikhallen dagegen meist im „englischen [[Tudorstil]]“ (mit unverputzten Backsteinfassaden). |
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=== [[Neogotik]] === |
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Viel Wert wurde auf Repräsentation gelegt, wobei funktionale Aspekte gelegentlich untergeordnet wurden (siehe [[Universität Wien]]). Dies ist einer der Gründe, warum der Historismus vor allem Mitte des [[20. Jahrhundert]]s häufig kritisiert wurde. Vor allem wurde bemängelt, dass architektonische Zutaten wie Säulen, Medusenköpfe und Akanthusblätter rein dekorativ zur Erzeugung einer „historischen Atmosphäre“ benutzt worden seien. |
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Beispiele für die Neogotik in Pforzheim waren die [[Alte Pforzheimer Stadtkirche am Lindenplatz (1899-1962)|Evangelische Stadtkirche (1899-1962)]] sowie der neogotische Altar in der [[Franziskanerkirche]] von 1854 mit Kreuzigungszene von dem Bildhauer [[Ferdinand Rieß]] aus Schwäbisch Gmünd. |
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Die Fassaden der Gebäude sollten nicht nur in ihrer Größe und ihrem jeweiligen Reichtum, sondern bei Mehrfamilienhäusern auch in ihrem geschossigen Aufbau die soziale Stellung ihrer Bewohner spiegeln. So etwa wurde die erste Etage oder das Hochparterre meist [[Beletage|„Bel Etage“]] genannt und war mit ihren besonders hohen Decken und ihren reichen [[Stuck]]verzierungen dem wohlhabenderen Bürgertum vorbehalten. Nach oben wurde die [[Sozialstruktur|soziale Stellung]] der Bewohner mit abnehmender [[Geschosshöhe]] meist immer geringer. Dabei wurde die oberste Etage mit ihren oft nur noch lukenartig kleinen Fenstern in der Regel von den Dienstboten und anderen Angehörigen der unteren sozialen Schichten bewohnt. |
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Datei:Stadtkirche Pforzheim (1899-1962).jpg| [[Alte Pforzheimer Stadtkirche am Lindenplatz (1899-1962)|Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962)]] |
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Datei:Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962), Längsschnitt, Entwurf Carl Voß (1850 -1937).png| |
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=== [[Neorenaissance]] === |
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Beispiele für die [[Neorenaissance]] in Pforzheim sind das [[Altes Pforzheimer Rathaus am Marktplatz|Alte Rathaus]] sowie die [[Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim|Alte Kunstgewerbeschule]]. |
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Auch im Innenbereich spielte der Historismus eine große Rolle, besonders bei den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung, des [[Adel]]s oder den regierenden [[Fürst]]enhäusern. So wurden ganze Schlösser oder Teilbereiche umgebaut, um dem Zeitgeist zu entsprechen. Die Ideale des [[Mittelalter]]s mit [[Ritterlichkeit]] und [[Ehrenkodex]] wurden hochgehalten und fanden ihren Ausdruck in neu geschaffenen [[Rittersaal|Rittersälen]] und ritterlichen Zimmerfluchten. |
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Datei:Rathaus Pforzheim um 1900, Entwurf Hermann Thüme aus Dresden und Stadtbaumeister Alfons Kern aus Pforzheim, erbaut in den Jahren 1892 bis 1895 .png|[[Altes Pforzheimer Rathaus am Marktplatz]] |
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Datei:Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim, Entwurf Carl Müller, erbaut 1874 bis 1875.png|[[Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim]] |
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=== [[Neomanierismus]] === |
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In vielen neu entstandenen Wohnvierteln wurden innerhalb der Blockrandbebauung auf früheren Gartenflächen Hinterhöfe angelegt und in Hinterhäusern oftmals zahlreiche weitere Quartiere für die [[Arbeiterklasse|Arbeiter]] errichtet, häufig auch in räumlicher Nähe zu den Arbeits- und Werkstätten. Die überbelegten Einraumwohnungen der Arbeiterklasse mit ihren oft miserablen und gesundheitsschädigenden unhygienischen Wohnbedingungen wurden von etlichen Reformern seit Ende des 19. Jahrhunderts sehr beklagt. Sie haben unter anderem die Ideen der [[Gartenstadt]]bewegung (siehe dazu [[Ebenezer Howard]]) und so manches Reformprojekt in Deutschland beflügelt. |
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Der [[Neomanierismus]] war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt [[Christoph Timm]]: "[[Ketterers Schlosskeller]] bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt." |
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Eine Besonderheit der Architektur dieser Epoche sind nach einem Gesamtkonzept angelegte repräsentative Villenkolonien wie etwa die Kolonie [[Hamburg-Marienthal|Marienthal]] in [[Hamburg]] und die bis heute gut erhaltene und als exemplarisch geltende Villenkolonie [[Lichterfelde-West]] im Südwesten Berlins (ab 1860). Die Villenkolonien waren wegen des hohen Personalbedarfs zur Führung der großen Häuser in der Praxis gemischte Wohngebiete. So war das Verhältnis der sogenannten „einfachen Stände“ zu den „Herrschaften“ etwa in Lichterfelde-West in Berlin zwei zu eins. Die Villenkolonien nahmen mit ihrer aufgelockerten Bebauung, den großen Gärten und Alleen die Idee der „Gartenstadt“ vorweg. |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Giebeldreieck, Detail.jpg |
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File:Pforzheim 2016 048.jpg |
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== Stilphasen == |
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Stilgeschichtlich unterscheidet man zwischen romantischem Historismus (Übergangsstile ab den 1770ern, voll einsetzend 1840er bis 1870), strengem Historismus (1870–1890) und Späthistorismus (nach 1890). Diese Unterscheidung stammt von [[Renate Wagner-Rieger]]. |
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Der ''romantische Historismus'' zeichnet sich durch eine langsame Ablösung vom Klassizismus aus. Bevorzugter Stil ist Neugotik und Neorenaissance, allerdings werden immer wieder „stilfremde“ Elemente kombiniert, so dass es sich um keine einfache Nachahmung der historischen Stile, sondern um subjektive Interpretationen handelt. Auch Elemente aus nicht-westeuropäischen Stilen (etwa [[Orientalisierende Architektur|maurisch]] oder [[Byzantinische Architektur|byzantinisch]]) werden kombiniert. Dies drückte sich auch in einem zeitgenössischen Spottgedicht gegen zwei prominente Wiener Architekten dieses Stils aus, deren [[Wiener Staatsoper|Hofoper]] die Zeitgenossen enttäuscht hatte: „[[August Sicard von Sicardsburg|Sicardsburg]] und [[Eduard van der Nüll|van der Nüll]] / Haben beide keinen Stüll / Gotisch, Griechisch, Renaissance / Das ist ihnen alles aans.“ |
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Der ''strenge Historismus'' dagegen versucht „reine Elemente“ des vergangenen Formvokabulars kunsthistorisch korrekt zu kombinieren. Der Subjektivismus des romantischen Historismus wird abgelehnt; es wird dagegen versucht, einen lehrbaren und objektiv richtigen Stil zu finden, der sich aus den Formendetails ableitet. Bevorzugter Bezugspunkt ist die [[Architektur der Renaissance]] (Neorenaissance). |
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Im ''Späthistorismus'' wird die Orientierung an der Renaissance durch eine Orientierung am [[Barock#Baukunst|Barockstil]] (Neobarock) abgelöst. Die strenge Orthographie der vorhergehenden Phase löst sich auf zugunsten einer freieren Interpretation der Dekorelemente, die auch nicht mehr streng linear angeordnet werden. Ausbuchtende [[Erker]], [[Risalit]]e, [[Kuppel]]n und ausladende [[Balkon]]e werden beliebt. Allgemein ist ein Zug zu übersteigerter Monumentalität zu beobachten. Einzelne Elemente (etwa die Blumendekors) weisen gelegentlich schon auf den [[Jugendstil]]. |
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== Stile des Historismus == |
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=== {{Anker|Neuromanik}} Neoromanik === |
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Die ''[[Neoromanik]]'' bzw. ''Neuromanik'' entstand, als nach 1870 in Deutschland der „französisch inspirierte“ Stil der Neogotik in Verruf kam und statt diesem die „deutschere“ Romanik propagiert wurde. Neoromanik galt vor allem im protestantischen Deutschland als „Nationaler Baustil“, und war nach dem [[Wiesbadener Programm]] jahrzehntelang für evangelische Kirchenbauten verbindlich. Neben romanischen greift der Stil auch auf byzantinische Formensprache zurück. |
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Prägend war der Stil auch im Wiederaufbau und dem romantisierenden Neubau von Burgen bzw. burgähnlichen Gebäuden, z. B. bei der [[Burg Dankwarderode]] in [[Braunschweig]], [[Schloss Neuschwanstein]] und bei [[Schloss Drachenburg]]. Auch öffentliche Bauten wurden häufig im neoromanischen Stil erbaut, ein repräsentatives Beispiel ist das [[Preußisches Regierungsgebäude (Koblenz)|Preußische Regierungsgebäude]] in [[Koblenz]]. |
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=== {{Anker|Neugotik}} Neogotik === |
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Der früheste und prägendste historistische Stil ist die ''[[Neugotik|Neogotik]]'' bzw. ''Neugotik''. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden gotische Formen wiederentdeckt, so beispielsweise beim [[Nauener Tor]] in [[Potsdam]] von 1755. Etwas später folgte unter anderem die „Regotisierung“ [[Wien]]er Kirchen durch [[Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg]] um 1805, die allerdings noch einem klassizistischen Zeitgeschmack geschuldet war, so dass viel authentische [[Gotik]] verloren ging. Vor allem in [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]] wurde die Neogotik früh zum prägenden Stil des [[Industrialisierung|industriellen Zeitalters]]. |
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In den 1840er Jahren wurde die Gotik immer mehr als Sinnbild einer Architektur der Bürgerfreiheit empfunden. Bedeutendster Vertreter in Österreich war [[Friedrich von Schmidt]], in der Schweiz [[Ferdinand Stadler]]. Ein erst kürzlich behutsam restauriertes Zeugnis der Neugotik findet sich im Zentrum von [[Chemnitz]]: die Villa Zimmermann. Der Neugotik verdanken wir die Fertigstellung einiger im Mittelalter unvollendeter [[Gotik|gotischer]] Kathedralen, und sie wurde gerne auch für repräsentative bürgerliche Bauten (Rathäuser u. a.) verwendet, da man die Epoche der Gotik (Spätmittelalter) mit der Blütezeit der Stadtrepubliken assoziierte. |
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=== Neorenaissance === |
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Ein wichtiger historistischer Baustil ist die ''[[Neorenaissance]]'' bzw. ''Neurenaissance''. Da man die [[Renaissance]] vor allem als eine Blütezeit der Künste ansah, war die Neorenaissance der bevorzugte Stil für Theater, Opernhäuser und Museen. |
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Der Stil wurde Ende des 19. Jahrhunderts prägend in England und Frankreich. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche repräsentative Beispiele, etwa das von vier Architekten entworfene [[Schweriner Schloss]], [[Leo von Klenze]]s [[Palais Leuchtenberg]], der Berliner [[Reichstagsgebäude|Reichstag]] (mit neobarocken Elementen), sowie Bauten der Dresdner [[Semper-Nicolai-Schule]]. In Österreich ist die [[Wiener Staatsoper]] zu nennen. |
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=== Neumanierismus === |
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'''Neumanierismus''', auch stilisierter [[Manierismus]], wurde 1998 als Stilbegriff von [[Albrecht Mann (Bauhistoriker)|Albrecht Mann]] eingeführt und definiert. Die von [[Napoléon III.]] in Auftrag gegebenen Eckpavillons im [[Louvre]]-Hof waren die ersten Baumaßnahmen dieser Art, es folgten die [[Opéra Garnier]] und die Wohnbauten der neuen [[Boulevard]]s. Die Stilkennzeichen lauten: allseitige klare Abgrenzung der Fassade, „antik-klassische Zierformen, stark plastische Oberfläche, Überladung mit Formelementen (horror vacui=Angst vor der leeren Fläche).“<ref>Albrecht Mann: ''Unser Aachen heute. Aachens Architektur im Stilwandel des 20. Jahrhunderts.'' Helios, Aachen/Belgien 1998, S. 11. ''stilisierter Manierismus'' Bez. v. RMS.</ref> Dieser Rückgriff auf die Architektur-Merkmale des Manierismus und die „prunkhafte Grundhaltung“ begründeten den ''Neomanierismus''. Da die Ausführung stilisiert erfolgt, ist dieser Kunststil als ''stilisierter Manierismus'' zu bezeichnen. Im Zuge der europäischen Ausbreitung wurde der Neumanierismus die Ausdrucksform der [[Deutsches Kaiserreich|wilhelminischen Ära]] und der Baustil des Berliner [[Reichstagsgebäude]]s. Ein bedeutendes Beispiel ist die [[Aachen]]er [[Villa Cassalette]] und die [[Opéra de Monaco]]. |
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=== Neobarock === |
=== Neobarock === |
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Der |
Der Neobarock kam vor allem im Späthistorismus ab 1890 verstärkt auf. |
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Die [[Villa Beckh]] wird wie folgt von Christoph Timm bewertet: ''„Ihre Formgebung im französisch anmutenden Palaststil eines barocken Historismus gehört zu den regional herausragenden Beispielen der Villenbaukunst der wilhelminischen Epoche..“''<ref>''' Lameystraße 67, Ehem. Villa Beckh '''. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 369-370, hier S. 370.</ref> Andere Beispiele waren das [[Hogg'sches Eck|Hogg'sche Eck]] sowie das Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße. |
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Der Neobarock findet in der [[Pariser Oper]], dem [[Justizpalast (Brüssel)|Brüsseler Justizpalast]] sowie der [[Neue Hofburg|Neuen Hofburg]] in Wien und im [[Neues Schloss Herrenchiemsee|Schloss Herrenchiemsee]] in [[Bayern]] seine Höhepunkte. |
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Datei:„Hogg´sches Eck“, Bahnhofstraße 2-8 am Leopoldplatz in Pforzheim, erbaut 1894-1896 nach Entwurf von Ernst Maler.png|[[Hogg'sches Eck]] |
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Datei:Pforzheim, Luisenstraße (vor 1945).jpg|Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße |
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Datei:Pforzheim, Luisenstraße.png|Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße |
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=== Neorokoko === |
=== [[Neorokoko]] === |
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In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der [[Villa Beckh]] und des [[Ketterers Schlosskeller|Schlosskellers]] die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko, verwendet. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt. |
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Datei:Villa Christian Karl Beckh, Lameystraße 67 in Pforzheim, Fassade, Detail.jpg| [[Villa Beckh]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 1.jpg|[[Ketterers Schlosskeller|Schlosskeller]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 2.jpg|[[Ketterers Schlosskeller|Schlosskeller]] |
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=== [[Neomaurischer Stil]] oder [[Orientalisierender Historismus]] === |
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''Neorokoko'' trat seltener im Bauwesen als in der Innenausstattung vor allem von Schlössern und Bürgerhäusern hervor. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden etwa [[Schloss Schönbrunn|Schönbrunn]] und die [[Albertina (Wien)|Albertina]] mit einer dem [[Rokoko]] nachempfundenen Inneneinrichtung ausgestattet, wofür teilweise sogar authentisches Rokoko geopfert wurde. Beispiele für Neorokoko ist das [[Schloss Linderhof]] sowie der [[Seepavillon Herner]]. Auch in der Malerei des 19. Jahrhunderts entfaltete sich das Neorokoko. Nach eher vereinzelten Rokoko-Rezeptionen um 1840 kam es um 1860 zu einer anhaltenden Rokoko-Mode, die von Malern wie [[James Moulton Burfield]], [[Otto Erdmann (Maler)|Otto Erdmann]], [[Ludwig von Hagn|Louis von Hagn]], [[August Hermann Knoop]], [[Heinrich Lossow]], [[Karl Hoff (Maler, 1838)|Karl Hoff]], [[Benjamin Vautier]], [[Ludwig Knaus]] und [[Joseph Scheurenberg]] bedient wurde.<ref>Babette Marie Warncke: [http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/681/pdf/BWarncke.pdf ''Rokoko-Mode. Rokoko-Rezeption in der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts''] (PDF; 54,4 MB). Dissertation an der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg im Breisgau, 1995.</ref> |
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Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind: |
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* [[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
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* Der Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
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* Die Maurische Halle im [[Palais Thermal]] |
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* Die Alte Synagoge Pforzheim |
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Datei:Pforzheim Fatih-Moschee Innen 1.JPG|[[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
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Datei:Pavillon Kurpark Wildbad.jpg|Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
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Bild:Palais Thermal, Halle.jpg|Die Maurische Halle im [[Palais Thermal]] |
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File:Synagogue Pforzheim - Postcard2.jpg|Alte Synagoge Pforzheim |
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=== [[Neoklassizismus]] === |
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Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[Neoklassizismus]] ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff [[traditionelle Architektur]] Anwendung finden. |
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In Russland, Jugoslawien, Serbien, Griechenland, Bulgarien jedoch auch in Frankreich, England, Österreich-Ungarn, Großbritannien, den USA und Deutschland entstanden im 19. und teilweise im 20. Jahrhundert neben sakralen Bauwerken auch repräsentative öffentliche Gebäude die Stil- und Raumeleemente der Byzantinischen Architektur und -Kunst zitieren. Über Teophil Hansen und seine Anhänger hatte der [[Neobyzantinische Architektur|Neobyzantinische Stil]] auch in Mitteleuropa zahlreiche öffentliche Gebäude und Kirchen geprägt. Als eines der frühesten Gebäude gilt die von Leo von Klenze für Ludwig I. erbaute [[Hofkirche]] in der Münchner Residenz sowie [[Abtei St. Bonifaz (München)|St. Bonifaz]]. Auch Ludwig II. ließ noch den großen Residenzsaal im Schloss Neuschwanstein als neo-byzantinischen Thronsaal erbauen. In der Innenausstattung betonten Mosaik- und Marmorausschmückung die repräsentative Charakteristik der Bauwerke. Einflussreich war der Stil insbesondere jedoch in Russland und Jugoslawien (hier insbesondere in Serbien), für die bei der Errichtung großer Kirchen ein Bauwerk im Nationalen Stil gefordert wurde. David Grimms und Vasily Kosyakovs Kirchen-Bauten mit einem an die [[Hagia Sophia]] angelegten Zentralraum mit vier Pendentif-Apsiden sowie bei Kosyakov einen über dem [[Narthex]] errichteten Glockenturm wurden weithin nachgeahmt und Standardprogramm für Kirchenbauten im Russischen Imperium. Grimm errichtete unter anderen die [[Alexander-Newski-Kathedrale (Tiflis)|Tiflis Militär-Kirche]] in [[Tiflis]], Kosyakov die Marienkathedrale in Sankt Petersburg (1888–1898), die Wladimir-Kathedrale in Astrachan, die [[Nikolaus-Marine-Kathedrale]] in [[Kronstadt]]. Ein frühes Beispiel ist noch die [[Christ-Erlöser-Kathedrale]] in Moskau. Russischen Vorbildern und durch russische Architekten errichtet ist auch die [[Alexander-Newski-Kathedrale (Sofia)|Alexander-Newski-Kathedrale]] in Sofia verpflichtet. |
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Eine Nachblüte hatte der Stil in der Zwischenkriegszeit im Königreich Jugoslawien wo Alexander I. Karađorđević deren größter Förder wurde. Neben dem nationalen Projekt im [[Dom des Heiligen Sava]] sind hier insbesondere [[Aleksandar Deroko]], [[Momir Korunović]] und [[Grigorije Samojlov]] dem Anliegen einer distinkt nationalen Architektur und eigenständigen künstlerischen Vision am nächsten gekommen.<ref>Aleksandar Kadijević: ''Between Artistic Nostalgia and Civilisational Utopia: Byzantine Reminiscences in Serbian Architecture of the 20th Century.'' In: Lidija Merenik, Vladimir Simić, Igor Borozan (Hrsg.): ''Imagining the past : the reception of the Middle Ages in Serbian art from the 18th to the 21st century.'' (= ''Byzantine heritage and Serbian art. III''). The Serbian National Committee of Byzantine Studies, P.E. Službeni glasnik, Institute for Byzantine Studies, Serbian Academy of Sciences and Arts, Belgrad 2016, S. 177. [https://www.academia.edu/28269003/Between_artistic_nostalgia_and_civilizational_utopia_Byzantine_reminiscences_in_Serbian_architecture_of_the_20th_century_in_BYZANTINE_HERITAGE_AND_SERBIAN_ART_III_IMAGINING_THE_PAST_THE_RECEPTION_OF_THE_MIDDLE_AGES_IN_SERBIAN_ART_FROM_THE_18_TH_TO_THE_21_ST_CENTURY (Academia:PDF)]</ref> |
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File:Hauptfriedhof in Pforzheim - panoramio.jpg|[[Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs]] außen, Südseite mit der Inschrift: „Friede sei mit euch“. |
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Bild:Aussegnungshalle.jpg|[[Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs]] innen |
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In Großbritannien sind die [[Westminster Cathedral]], in Frankreich die [[Sacré-Cœur de Montmartre]] und in den USA die [[Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception]] sowie die [[Cathedral Basilica in St. Louis]] bemerkenswert. |
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Datei:Altes Lutherhaus in Pforzheim, Innen.png|[[Altes Lutherhaus (Pforzheim)]], [[Gymnasiumstraße]] 23]]. |
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File:Pforzheim 2016 090.jpg |
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=== Orientalisierender Historismus === |
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Eine eher selten gebrauchte Variante des Historismus war die Errichtung von Bauwerken im orientalisierenden Stil. Sie fand vornehmlich bei Bauten Anwendung, die nach dem Verständnis der Zeit eine Nahebeziehung zum [[Orient]] aufwiesen. Bauwerken von Unternehmen, die im Orienthandel tätig waren oder mit dem Orient assoziierte Waren produzierten wie die die [[Yenidze]]-Tabakfabrik in Dresden, und bei bestimmten Varianten der [[Freimaurerei (Architektur)|Architektur der Freimaurer]], wie sie sich vor allem in den USA entwickelten. |
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Häufig verwendet wurde der [[Orientalismus (Kunst)|„maurische“ Stil]] für [[Synagoge]]n, markante Beispiele sind die [[Große Synagoge (Budapest)|Große Synagoge]] in [[Budapest]] und die [[Neue Synagoge (Berlin)|Neue Synagoge]] in Berlin. Beispiele für die Verwendung dieses Stils im außerreligiösen Bereich sind unter anderem: das [[Arsenal (Wien)|Arsenal]] in Wien, die so genannte [[Zacherlfabrik]] in Wien [[Döbling]], die Parkanlage [[Wilhelma]] in [[Stuttgart]] und die [[Villa Crespi]] in [[Orta San Giulio]]. Doch auch schon im [[Barock]] kam es zu Bauten wie der „Moschee“ im Park von [[Schloss Schwetzingen]] und in anderen Schlossgärten. |
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Ein orientalisierender Palastbau ist der [[Royal Pavilion]] [[Brighton]] in England, der bis 1822 als exotische Mischung aus nahöstlichen, indischen und chinesischen Stilmotiven entstand. Bei öffentlichen Bauvorhaben in [[Britisch-Indien]] wurde häufig auf Elemente des [[Mogulreich|Mogul]]-Stils zurückgegriffen, etwa beim [[Lahore Museum|Museum]] in [[Lahore]] oder dem [[Gateway of India]] in [[Mumbai]]. |
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=== Neohistorismus === |
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Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[Neoklassizismus (Kunst)|Neoklassizismus]] ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff [[traditionelle Architektur]] Anwendung finden. Unter dem Begriff ''Neue Klassische Architektur'' bzw. ''Neuklassische Architektur'' ({{enS}} ''New Classical architecture'') werden hingegen beide Strömungen beschrieben. Bauliche [[Rekonstruktion (Architektur)|Rekonstruktionen]] werden in diesem Feld nicht erfasst, wirken aber mitunter auf die Entwicklung historisierender Architektur ein und die Übergänge können fließend sein.<ref> Katharina Brichetti: ''Das heilende Versprechen des Postmodernen Historismus. Historismus und Postmoderner Historismus im Vergleich''. In: [[INSITU (Zeitschrift)|INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte]] 1 (2/2009), S. 135–142. </ref> |
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Beeinflusst durch die [[Postmoderne (Architektur)|Postmoderne]] und den [[New Urbanism|Neuen Urbanismus]] entstehen vor allem seit den 1980er Jahren wieder Bauten und ganze Stadtviertel, die dem Ideal der ''Europäischen Stadt''<ref>[http://www.zlonicky.de/Dokumente%20Web/Europaeische%20Stadt.pdf Europäische Stadt]</ref> folgen und historische Bauformen aufleben lassen und diese teils weiterentwickeln. |
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Auch in verschiedenen regionalen Ausprägungen lebt die historistische Formensprache fort, so werden z. B. [[Bäderarchitektur|Bädervillen]] häufig stilistisch angelehnt an Vorbilder aus der [[Gründerzeit]] gebaut, mit verzierten [[Balkon]]en, [[Erker]]n, [[Veranda|Veranden]] und teils auch [[Ornament]]en. |
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An der [[University of Notre Dame]] in den USA gibt es mit der ''School of Architecture'' eine Architekturfakultät, die sich der Lehre der traditionellen bzw. [[Moderne (Architektur)|vormodernen]] Architektur und [[Stadtplanung]] verschrieben hat (u. a. im Sinne des Neuen Urbanismus) und den Neohistorismus mitentwickelt.<ref>[http://architecture.nd.edu/academics/ School of Architecture der University of Notre Dame] „Twenty years ago the curriculum was reformed to focus on traditional and classical architecture and urbanism.“</ref> Sie vergibt einmal jährlich den hochdotierten [[Driehaus-Architektur-Preis]].<ref>[http://architecture.nd.edu/about/driehaus-prize/ Driehaus-Architektur-Preis] (englisch)</ref> Die Londoner ''Foundation for Building Community'' von [[Charles, Prince of Wales|Prinz Charles]] treibt den weltweiten akademischen Diskurs in diesem Bereich ebenfalls voran.<ref>[http://www.princes-foundation.org/ Prince’s Foundation for Building Community] in London, eine Stiftung für neue historisierende Architektur</ref> Auch verschiedene Architekten und Architekturbüros lehren ihre Mitarbeiter die Formensprache des Historismus und früherer Stilepochen und lassen sie entsprechend inspirierte Entwürfe umsetzen, so z. B. [[Hans Kollhoff]], ''Patzschke Architekten Berlin'', [[Léon Krier]], [[Demetri Porphyrios]], [[Andrés Duany]], [[Michael Graves]], [[Pier Carlo Bontempi]] und [[Quinlan Terry]]. |
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Beispiele für neohistoristische Architektur:<!--- alphabetisch nach Ort sortiert! ---> |
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* [[Kathedrale von Brentwood]] in [[Brentwood (Essex)|Brentwood]], England, 1991 |
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* [[St. Nikolai auf dem Wasser]] in [[Kiew]], Ukraine, 2004 |
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* ''Schermerhorn Symphony Center'' in [[Nashville]], USA, 2006 |
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* Kapelle des ''Thomas Aquinas College'' in [[Santa Paula]], USA, 2009 |
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* [[Josefskapelle (Unterammergau)|Josefskapelle]] in [[Unterammergau]], Deutschland, 1991 |
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== Historistische Architektur in Mitteleuropa == |
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=== Deutschland === |
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Als erstes historistisches Bauwerk auf dem europäischen Kontinent gilt das [[Nauener Tor]] in [[Potsdam]] von 1755, das der [[Neogotik]] zuzurechnen ist. |
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In Deutschland bildete sich vor allem in [[Preußen]] mit [[Karl Friedrich Schinkel]] zunächst ein ausgeprägter [[Klassizismus]] aus. Mit den 1830er Jahren begannen stilistische Mischformen. |
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Als Initialbau des deutschen, „wilhelminischen“ Neobarock gilt eine Wohn- und Geschäftshaus-Bebauung am Beginn der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Straße in Berlin-Mitte (1887 von [[Cremer & Wolffenstein]]). |
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Vom Krieg (und Zerstörungen der Nachkriegszeit) weitestgehend verschonte, ungewöhnlich geschlossen erhaltene Ensembles finden sich zum Beispiel in Berlin, wo die erhaltenen „Gründerzeitbauten“ am zahlreichsten sind – dort vor allem die „Arbeiterviertel“ [[Prenzlauer Berg]], [[Berlin-Friedrichshain|Friedrichshain]], [[Berlin-Neukölln|Neukölln]] und große Teile [[Berlin-Kreuzberg|Kreuzbergs]], aber auch repräsentative Straßenzüge rund um den [[Kurfürstendamm]], [[Hamburg]], der [[Südstadt (Bonn)|Bonner Südstadt]], welche mit der [[Weststadt (Bonn)|Weststadt]] und [[Nordstadt (Bonn)|Nordstadt]] als eines der größten zusammenhängenden „Gründerzeitviertel“ Deutschlands gilt, die [[Nordstadt (Wuppertaler Quartier)|Nordstadt]] und das [[Brill (Wuppertal)|Briller Viertel]] in Wuppertal, [[Chemnitz]] (z. B. [[Kaßberg]] und [[Schloßchemnitz]]), [[Görlitz]], [[Fürth]], die [[Erfurter Vorstädte]], [[Leipzig]] (in den meisten Stadtteilen existiert noch geschlossene historistische Bebauung von hoher Qualität, z. B. das [[Waldstraßenviertel]] und das [[Musikviertel (Leipzig)|Musikviertel]]), Dresden, das mit der „[[Äußere Neustadt|Äußeren Neustadt]]“ ein großes „Gründerzeitviertel“ aufzuweisen hat, München, wo man vor allem in den Stadtteilen [[Altstadt-Lehel]] und [[Neuhausen-Nymphenburg]] viele „Gründerzeitbauten“ findet, [[Hannover-List]], [[Östliches Ringgebiet]] in Braunschweig und auch in [[Straßburg]], das über eine umfangreiche geplante Neustadt aus der Kaiserzeit verfügt. Die Innenstadt von [[Halle (Saale)|Halle]] gilt als das größte zusammenhängende Wohngebiet dieser Epoche. Erheblichen gründerzeitlichen Häuserbestand, teil in flächenhaften Ensembles ([[Gärten hinter der Veste]] und [[St. Johannis (Nürnberg)]]) weisen auch noch [[Nürnberg]] und [[Fürth]] trotz erheblicher Kriegsverluste auf. In Nürnberg existierte als Besonderheit mit dem [[Nürnberger Stil]] auch eine ortstypische Sonderausprägung des Historismus. |
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[[Wiesbaden]] ist neben [[Braunschweig]] und [[Berlin]] die einzige Stadt, die einen nahezu komplett erhaltenen Stadtring vorweisen kann. Der Kaiser-Friedrich-Ring auf der [[Ringstraße (Wiesbaden)|Wiesbadener Ringstraße]] gleicht zu 100 Prozent der Situation von 1907. Ebenfalls eine reiche Bausubstanz weisen die [[Wiehre]] in [[Freiburg im Breisgau]] sowie der [[Bielefeld]]er Westen und das Musikerviertel auf. |
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Auch in Ostdeutschland findet sich in zahlreichen Städten trotz des [[Flächenbombardement]]s im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] noch Bausubstanz aus der Gründerzeit. So haben Städte wie [[Rostock]] (Villenviertel südlich der Innenstadt und Mietskasernen westlich der Innenstadt), [[Magdeburg]] (Gegend um den [[Hasselbachplatz]]), [[Chemnitz]], [[Dresden]] ([[Äußere Neustadt]]) und [[Dessau]] (rund um die Heinrich-Heine-Straße), die von allen ostdeutschen Städten am schlimmsten von Bombenangriffen getroffen wurden, immer noch erhaltene „Gründerzeitviertel“ oder „-straßen“. Sie sind zum größten Teil saniert. In den letzten Jahren sind in zahlreichen ostdeutschen Städten im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms gegen Widerstände von Denkmalpflegern und aus der Bevölkerung zahlreiche Baudenkmale dieser Epoche abgerissen worden, so in Leipzig 446 eigentlich denkmalgeschützte Bauten in den Jahren 1990 bis 2006.<ref>''Sächsische Zeitung.'' 8. Juli 2006.</ref> Gegenwärtig erfährt Chemnitz massive Eingriffe in sein gründerzeitliches Bauerbe.<ref>''Freie Presse.'' 8. Januar 2009.</ref> Erhebliche Verluste „gründerzeitlicher“ Bausubstanz sind in zahlreichen westdeutschen Städten wie [[Köln]], [[Kassel]], [[Mannheim]], [[Ulm]], [[Nürnberg]], [[Würzburg]], [[Braunschweig]], [[Koblenz]] sowie im gesamten [[Ruhrgebiet]] zu beklagen. |
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Weitere historistische Bauwerke in Deutschland: |
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* [[Alte Oper]] in [[Frankfurt (Main)|Frankfurt]] |
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* [[Berliner Dom]] |
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* [[Feldherrnhalle]] in [[München]] |
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* [[Gemäldegalerie Alte Meister|Gemäldegalerie Dresden]] |
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* [[Musikhalle Hamburg]] |
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* [[Mutterturm]] [[Landsberg am Lech]] |
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* [[Neues Rathaus (Hannover)|Neues Rathaus Hannover]] |
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* [[Neues Rathaus (Leipzig)|Neues Rathaus Leipzig]] |
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* [[Hamburger Rathaus|Rathaus Hamburg]] |
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* [[Prinz-Max-Palais (Karlsruhe)|Prinz-Max-Palais]] in [[Karlsruhe]] |
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* [[Ravensberger Spinnerei]] in [[Bielefeld]] |
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* [[Reichsgerichtsgebäude]] [[Leipzig]] |
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* [[Reichstagsgebäude]] in [[Berlin]] |
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* [[Schloss Drachenburg]] bei [[Königswinter]] |
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* [[Schloss Neuschwanstein]] bei [[Füssen]] |
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* [[Schloss Stolzenfels]] bei [[Koblenz]] |
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* [[Schweriner Schloss]] |
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* [[Semperoper]] in [[Dresden]] |
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* [[Stadthalle Wuppertal|Historische Stadthalle Wuppertal]] |
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* [[St. Lukas (München)|St.-Lukas-Kirche]] in [[München]] |
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* [[Universitätsbibliothek Leipzig]] |
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* [[St. Paul (München)|St. Paul]] in [[München]] |
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Der Historismus hatte nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] keine besondere Wertschätzung mehr. Der Rückgriff auf ältere Stile wurde als mangelnde Eigenständigkeit interpretiert. Diese geringe Wertschätzung führte zu einem großen Verlust an Substanz in Deutschland während und nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Zahlreiche Bauwerke gingen durch den Bombenkrieg verloren, aber durch die recht neue Bausubstanz und gute Ausführung waren auch viele beschädigte Gebäude reparabel. Dennoch wurden sie oft nicht wiederhergestellt, sondern bewusst abgebrochen und durch Neubauten ersetzt oder modernisiert, sprich ihrer Dekoration beraubt ([[Entstuckung]]). Später hat sich dies jedoch wieder geändert, wie z. B. die mit größtem Aufwand betriebene Restaurierung des [[Reichsgerichtsgebäude|Reichsgerichtes]] in Leipzig beweist. |
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Die aufwändige Innenausstattung vieler katholischer Kirchen der Neugotik wurde im Zuge der Umgestaltung gemäß dem [[Zweites Vatikanisches Konzil|zweiten Vatikanischen Konzil]] vielfach beseitigt und zerstört, weil man deren Stil als ''Schreinergotik'' abtat. |
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Eine Besonderheit stellen die „gründerzeitlichen“ [[Villenkolonie]]n dar, die ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts angelegt wurden. Während die Bauareale nach klassischen stadtplanerischen Gesichtspunkten durchgeplant und erschlossen wurden, wurden den einzelnen Bauherren lediglich wenige städtebauliche Vorgaben gemacht. Dementsprechend entstanden Gebiete mit vielfältigsten Spielformen der Architektur des Historismus, die auf die Repräsentationsansprüche des gründerzeitlichen [[Bürgertum]]s abgestimmt waren. Herausragende Beispiele und Vorbild für viele spätere Anlagen waren die Villenkolonien in [[Villenkolonie Lichterfelde-West|Lichterfelde]] bei Berlin, die ab etwa 1850 entstanden. [[Lichterfelde-West]] ist bis heute weitgehend erhalten und steht nach Jahren des Mietwohnungsbaus auf Grundstücken zerstörter Villen inzwischen großflächig unter [[Denkmalschutz]]. Auch in [[Bad Godesberg|Bonn-Bad-Godesberg]], Hamburg-Marienthal,[[Wiesbaden]], [[Elberfeld|Wuppertal-Elberfeld]], Weimar, Eisenach oder Potsdam finden sich noch ausgedehnte alte Villenkolonien, in fast allen Großstädten gibt es bis heute noch kleinere Quartiere oder wenigstens Reste derselben. Beispielhaft sind auch die [[Dresdner Villen]] oder die im Westen Dresdens liegenden Radebeuler Villenstadtteile [[Oberlößnitz]] und [[Niederlößnitz (Radebeul)|Niederlößnitz]]. |
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Auf dem Wohnungsmarkt sind heute die Wohnhäuser des späten Historismus wieder sehr begehrt und werden von der Immobilienbranche gerne pauschal als ''[[Jugendstil]]-Haus'' vermarktet, auch wenn das angebotene Objekt meist keine oder kaum Merkmale des [[Jugendstil]]s aufweist. In einigen deutschen Städten gibt es noch große geschlossene Gebiete dieser Art, zum Beispiel große und repräsentative Etagenhäuser in [[Hamburg-Eppendorf]] und Villen rund um die [[Alster|Außenalster]]. |
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{{Siehe auch|:Kategorie:Bauwerk des Historismus in Deutschland}} |
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=== Länder der Donaumonarchie === |
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==== Österreich ==== |
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Der Historismus ist nach wie vor als ''Wiener Historismus'' der dominierende Stil in [[Wien]], nach dessen Muster ganze Stadtviertel errichtet wurden. Es gab zwei Höhepunkte der Bautätigkeit: beim Bau der [[Wiener Ringstraße|Ringstraße]], der in den [[1860er]] Jahren begonnen wurde und den ''[[Ringstraßenstil]]'' prägt, und bei der Regulierung des [[Wienfluss]]es um 1900, bei der allerdings teilweise auch schon im ''[[Jugendstil]]'' gebaut wurde. Außerhalb von Wien gibt es nur in [[Graz]] und [[Linz]] größere vom Historismus geprägte Stadtviertel. |
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Eine bedeutende Richtung des Späthistorismus in Österreich, die vorrangig im Villen-, Hotel- und Sanatoriumsbau eingesetzt wurde, ist der auch in der Schweiz vertretene [[Heimatstil]]. Dieses Stilphänomen wurde auch als Tirolerhaus-, Laubsäge-, Schweizerhaus-, oder Fachwerkstil bezeichnet, bzw. nach einzelnen Charakteristika in diese Gruppen unterteilt. Sehenswerte Bauten finden sich vorwiegend in den Kurorten der k.u.k. Monarchie, wie etwa [[Bad Ischl]] oder [[Reichenau an der Rax]] und entlang der Südbahnstrecke. Zu erwähnen ist hier der [[Semmering-Pass|Semmering]] mit seiner Villenkolonie und dem [[Südbahnhotel]]. Analog zu den großen und luxuriösen Hotelbauten wurden um 1900 in Österreich auch die Kuranstalten gerne im Heimatstil ausgeführt. So waren die berühmten österreichischen Lungensanatorien des östlichen Alpenvorlandes, wie etwa das Henriette Weiss-Sanatorium, das Sanatorium am Hochegg oder das [[Sanatorium Wienerwald]] durchgehend im Heimatstil errichtet. |
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Der Wiener Historismus lebte in der [[Donaumonarchie]], wo er sozusagen zum „Reichsstil“ wurde, bis [[Erster Weltkrieg|1914]] weiter ([[Prag]], [[Ljubljana|Laibach]], [[Zagreb|Agram]], etc.). Um 1900 war Neobarock der häufigste Baustil, der auch „patriotisch“ konnotiert war: mit ihm knüpfte man (unter dem Etikett ''[[Maria Theresia|Maria-Theresien]]-Stil'') vermeintlich an das 18. Jahrhundert und dessen Kulturblüte in Österreich an. |
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Romantische Vorstellungen ließen hier, wie auch in anderen Ländern zahlreiche Burgen, so [[Burg Liechtenstein]] und [[Burg Kreuzenstein]] wiederentstehen. |
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{{Siehe auch|Liste historistischer Bauwerke in Österreich}} |
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==== Ungarn ==== |
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Auch in Ungarn und vor allem im damals rasant wachsenden [[Budapest]] wurden zahlreiche Gebäude im historistischen Stil entwickelt. Eines der repräsentativsten und größten Bauten der Neugotik ist das [[Ungarisches Parlamentsgebäude|ungarische Parlamentsgebäude]]. Die neugotische Gestaltung setzt sich auch im Inneren mit historistischen Gemälden, Skulpturen und Fenstern fort, die die ungarische Geschichte nachzeichnen. |
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Im Gebäudekomplex der [[Stadtwäldchen|Burg Vajdahunyad]] findet man fast jeden Baustil des Historismus auf engerem Raum, vom romanischen Stil über die Gotik und Renaissance bis zum Barock. |
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Ein historistisches Ensemble, hauptsächlich im Neorenaissance-Stil, stellt auch die [[Andrássy út]] (Andrássy-Straße) dar. |
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=== Schweiz === |
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Auch in der Schweiz hat sich für einige Jahrzehnte der Historismus durchgesetzt, wofür insbesondere das Schweizerische Landesmuseum in Zürich steht. Im jungen Bundesstaat des ausgehenden 19. Jahrhunderts war die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte von großer Bedeutung. Die Rückbesinnung auf die Geschichte führte in der Architektur zur Verwendung historischer Stilelemente und ihre Verschmelzung zu einem neuen Ganzen. |
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* [[Bundeshaus (Bern)|Bundeshaus]] in Bern, 1852–1902 |
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* [[Elisabethenkirche (Basel)|Elisabethenkirche]] in Basel, 1857–1864 |
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* [[Stadthaus (Winterthur)|Stadthaus]] in Winterthur, 1865–1869 |
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* [[Hauptbahnhof Zürich]], 1870–1871 |
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* [[Historisches Museum Bern]], 1892–1894 |
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* [[Kirche Enge]] in Zürich, 1892–1894 |
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* [[Kongresshaus Zürich|Tonhalle]] in Zürich, 1893–1895 (teilweise abgebrochen 1938) |
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* [[Schweizerisches Landesmuseum]] in Zürich, 1897 |
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* [[Pauluskirche (Basel)|Pauluskirche]] in Basel, 1898–1901 |
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* [[Hotel Waldhaus (Sils)|Hotel Waldhaus]] 1908, Sils-Maria |
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* [[Suvretta House]] 1912, St. Moritz |
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== Historistische Architekten (Auswahl) == |
== Historistische Architekten (Auswahl) == |
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* [[ |
* [[Heinrich Henz]] |
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* [[ |
* [[Carl Walter]] |
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* [[Joseph Cades]] |
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* [[Carl Wilhelm von Doderer]] |
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* [[Georg von Dollmann]] |
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* [[Heinrich von Ferstel]] |
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* [[Friedrich von Gärtner]] |
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* [[Felix Genzmer (Architekt)|Felix Genzmer]] |
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* [[Ernst Giese (Architekt)|Ernst Giese]] |
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* [[Oswald Haenel]] |
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* [[Theophil Freiherr von Hansen]] |
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* [[Max Hasak]] |
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* [[Conrad Wilhelm Hase]] |
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* [[Carl von Hasenauer]] |
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* [[Georg von Hauberrisser]] |
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* [[Alajos Hauszmann]] |
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* [[Christoph Hehl]] |
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* [[Ludwig Hofmann (Architekt)|Ludwig Hofmann]] |
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* [[Heinrich Hübsch]] |
* [[Heinrich Hübsch]] |
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* [[Carl Käfer]] |
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* [[Hugo Licht]] |
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* [[Josef Mocker]] |
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* [[Heinrich Moldenschardt]] |
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* [[Hermann Nicolai (Architekt)|Hermann Nicolai]] |
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* [[Eduard van der Nüll]] |
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* [[Edwin Oppler]] |
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* [[Hermann Otto Pflaume]] |
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* [[Max Pommer (Architekt)|Max Pommer]] |
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* [[Julius Carl Raschdorff]] |
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* [[Wilhelm Rincklake]] |
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* [[Arwed Roßbach]] |
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* [[Adolf Schill]] |
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* [[Friedrich von Schmidt]] |
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* [[Franz Heinrich Schwechten]] |
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* [[George Gilbert Scott]] |
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* [[Gabriel von Seidl]] |
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* [[Gottfried Semper]] |
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* [[August Sicard von Sicardsburg]] |
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* [[Max Spitta]] |
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* [[Ferdinand Stadler]] |
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* [[Vincenz Statz]] |
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* [[Friedrich von Thiersch]] |
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* [[Eugène Viollet-le-Duc]] |
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* [[Paul Wallot]] |
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* [[Gustav Albert Wegmann]] |
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* [[Wilhelm Wickop]] |
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* [[Ernst Ziller]] |
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* [[Gebrüder Ziller]] |
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* [[Ernst Friedrich Zwirner]] |
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== Literatur == |
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* Dieter Dolgner: ''Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900.'' (= ''Deutsche Baukunst''). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0. |
* Dieter Dolgner: ''Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900.'' (= ''Deutsche Baukunst''). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0. |
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* Hans Gerhard Evers: ''Vom Historismus zum Funktionalismus.'' (= ''Kunst der Welt. Die Kulturen des Abendlandes''). Holle Verlag, Baden-Baden 1967. (1976, ISBN 3-87355-121-7). |
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* Hans Gerhard Evers: ''Versuch einer Ehrenrettung des Historismus.'' In: ''Das Kunstwerk.'' 16, 1963, S. 2–4. |
* Hans Gerhard Evers: ''Versuch einer Ehrenrettung des Historismus.'' In: ''Das Kunstwerk.'' 16, 1963, S. 2–4. |
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* Hans Gerhard Evers: ''Historismus und bildende Kunst.'' In: ''Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif.'' (= ''Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts.'' 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: ''Schriften.'' Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers). |
* Hans Gerhard Evers: ''Historismus und bildende Kunst.'' In: ''Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif.'' (= ''Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts.'' 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: ''Schriften.'' Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers). |
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* Nikolas Werner Jacobs: ''Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden.'' In: Tobias Möllmer (Hrsg.): ''Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts.'' Festschrift zum 75. Geburtstag von |
* Nikolas Werner Jacobs: ''Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden.'' In: Tobias Möllmer (Hrsg.): ''Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts.'' Festschrift zum 75. Geburtstag von Wolfgang Brönner. Basel 2015, S. 372–385. |
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* Eva-Maria Landwehr: ''Kunst des Historismus.'' |
* Eva-Maria Landwehr: ''Kunst des Historismus.'' Böhlau Verlag (UTB), Köln/ Weimar/ Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3645-8. |
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* Klaus F. Müller: ''Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil.'' Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8. |
* Klaus F. Müller: ''Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil.'' Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8. |
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{{Commonscat|Historicist architecture|Historistische Architektur}} |
{{Commonscat|Historicist architecture|Historistische Architektur}} |
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{{Wiktionary}} |
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* Klaus Graf: {{Webarchiv | url= http://www.uni-freiburg.de/histsem/mertens/graf/retro.htm | archive-is= 20030820 | text=''Retrospektive Tendenzen in der bildenden Kunst. Auswahlbibliographie.''}} |
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* [http://www.historismus.net/ Historismus.Net – Internetportal mit Datenbank zu Werken und Künstlern des Historismus] |
* [http://www.historismus.net/ Historismus.Net – Internetportal mit Datenbank zu Werken und Künstlern des Historismus] |
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* {{HLS|11185|Historismus (Kunst)|Autor= André Meyer}} |
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== Einzelnachweise == |
== Einzelnachweise == |
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[[Kategorie:Baustil]] |
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[[Kategorie:Baustil des Historismus]] |
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Aktuelle Version vom 6. Mai 2026, 12:15 Uhr
Der Ausdruck Historismus bezeichnet in der Stilgeschichte ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte.
Stilistische Unterarten sind u. a. die Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance und der Neobarock. In seiner Spätphase entstand parallel der Jugendstil, den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Reformarchitektur, die später in die klassische Moderne mündete.
Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem Ersten Weltkrieg. Doch auch später wirkten historistische Motive nach (Neoklassizismus, Heimatschutzstil). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der Postmoderne wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als neohistoristisch bezeichnet.
Stile des Historismus
Rundbogenstil
Der Rundbogenstil ist ein Baustil des Historismus, Ende des 18. bis zum späten 19. Jahrhunderts. Er nahm Elemente der byzantinischen, romanischen und Renaissancearchitektur auf und verband sie mit stilneutralen Motiven. Die Abgrenzung zur Neoromanik und Neorenaissance ist nicht eindeutig möglich.[1]
Der Einfluss der Karlsruher Bauschule auf die Architektur Pforzheims im 18. und 19. Jahrhundert blieb stark: Timm beschreibt, welchen Stil Heinrich Hübsch, der Nachfolger von Weinbrenner als großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe, bevorzugte:„Sein Favorit war der Rundbogenstil“[2] Der Einfluss des Karlsruher Baudirektor auf Pforzheim ist am Pforzheimer Hauptbahnhof von 1861 und der Pfarrkirche in Eutingen zu sehen. Adolf Willard, war einer der Schüler von Heinrich Hübsch, und entwarf die Franziskuskirche im Rundbogenstil.[3] Christoph Timm schreibt dazu folgendes:„Die Baukunst kehrte im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution (1789) am Ende des 18. Jahrhunderts mit strengern Stilformen zu den Wurzeln der Antike zurück, die man zugleich als Wiege von Demokratie und republikanischer Staatsform idaliserte. Der badische Kunsthistoriker Aloys Hirt veröffentlichte 1809 ein weit verbreitetes Lehrbuch mit dem bezeichnenden Titel "Die Baukunst nach den Grundsätzen des Alten".“[4]
- 1790 Haus Christian Friedrich Benckiser (Rundbogenstil)
- 1790 Haus Wilhelm Vierordt
- 1789/90 Neues Schulhaus am Schulplatz
- 1816 Haus Johann Adam Benckiser jun. (Rundbogenstil)
- 1820/21 Haus Samuel Finkenstein
- 1824 Kirchensaal der Altstadtkirche
- 1826 Bohnenberger Schlösschen
- 1835 Haus Casanova
- 1833 Haus Georg Jakob Dennig (Rundbogenstil)
- 1861 Hauptbahnhof Pforzheim (Rundbogenstil)
- 1866 Villa Gesell (Rundbogenstil)
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Hauptbahnhof ca. 1920.
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Franziskuskirche
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Franziskuskirche
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Franziskuskirche
Neoromanik
Beispiele für die Neoromanik in Pforzheim ist die Liebfrauenkirche an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein.
Neogotik
Beispiele für die Neogotik in Pforzheim waren die Evangelische Stadtkirche (1899-1962) sowie der neogotische Altar in der Franziskanerkirche von 1854 mit Kreuzigungszene von dem Bildhauer Ferdinand Rieß aus Schwäbisch Gmünd.
Neorenaissance
Beispiele für die Neorenaissance in Pforzheim sind das Alte Rathaus sowie die Alte Kunstgewerbeschule.
Neomanierismus
Der Neomanierismus war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt Christoph Timm: "Ketterers Schlosskeller bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt."
Neobarock
Der Neobarock kam vor allem im Späthistorismus ab 1890 verstärkt auf. Die Villa Beckh wird wie folgt von Christoph Timm bewertet: „Ihre Formgebung im französisch anmutenden Palaststil eines barocken Historismus gehört zu den regional herausragenden Beispielen der Villenbaukunst der wilhelminischen Epoche..“[5] Andere Beispiele waren das Hogg'sche Eck sowie das Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße.
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Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße
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Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße
Neorokoko
In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der Villa Beckh und des Schlosskellers die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko, verwendet. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt.
Neomaurischer Stil oder Orientalisierender Historismus
Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind:
- Fatih-Moschee in Pforzheim
- Der Pavillon im Kurpark Bad Wildbad.
- Die Maurische Halle im Palais Thermal
- Die Alte Synagoge Pforzheim
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Fatih-Moschee in Pforzheim
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Pavillon im Kurpark Bad Wildbad.
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Die Maurische Halle im Palais Thermal
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Alte Synagoge Pforzheim
Neoklassizismus
Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu neohistoristischen Strömungen, die sich unter anderem im Neoklassizismus ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff traditionelle Architektur Anwendung finden.
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Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs außen, Südseite mit der Inschrift: „Friede sei mit euch“.
Historistische Architekten (Auswahl)
Literatur
- Dieter Dolgner: Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900. (= Deutsche Baukunst). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0.
- Hans Gerhard Evers: Vom Historismus zum Funktionalismus. (= Kunst der Welt. Die Kulturen des Abendlandes). Holle Verlag, Baden-Baden 1967. (1976, ISBN 3-87355-121-7).
- Hans Gerhard Evers: Versuch einer Ehrenrettung des Historismus. In: Das Kunstwerk. 16, 1963, S. 2–4.
- Hans Gerhard Evers: Historismus und bildende Kunst. In: Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif. (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts. 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: Schriften. Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers).
- Nikolas Werner Jacobs: Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden. In: Tobias Möllmer (Hrsg.): Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts. Festschrift zum 75. Geburtstag von Wolfgang Brönner. Basel 2015, S. 372–385.
- Eva-Maria Landwehr: Kunst des Historismus. Böhlau Verlag (UTB), Köln/ Weimar/ Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3645-8.
- Klaus F. Müller: Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil. Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag Rundbogenstil in: Gerhard Strauss & Harald Olbrich: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie. Seemann, Leipzig 1994, Band 6, S. 293 ff.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 79.
- ↑ Lameystraße 67, Ehem. Villa Beckh . In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 369-370, hier S. 370.
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