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Historismus: Unterschied zwischen den Versionen
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[[File:Old Houses Are Rare In Pforzheim - panoramio.jpg|thumb|[[Schwebelstraße 6]].]] |
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Der Ausdruck '''Historismus''' bezeichnet in der Stilgeschichte ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte. |
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[[Datei:Rathaus Pforzheim um 1900, Entwurf Hermann Thüme aus Dresden und Stadtbaumeister Alfons Kern aus Pforzheim, erbaut in den Jahren 1892 bis 1895 .png|thumb|[[Neorenaissance]]: [[Altes Pforzheimer Rathaus am Marktplatz]], Entwurf Hermann Thüme aus Dresden und Stadtbaumeister Alfons Kern aus Pforzheim, erbaut in den Jahren 1892 bis 1895 .]] |
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[[Datei:Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim, Entwurf Carl Müller, erbaut 1874 bis 1875.png|thumb|[[Neorenaissance]]:[[Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim]]. ]] |
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[[Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim.jpg|thumb|[[Neobarock]]:[[Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim]].]] |
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[[Datei:NeuschwansteinCastle-interior19.jpg|thumb|Neobyzantismus: Thronsaal im Schloss Neuschwanstein.]] |
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Der Ausdruck '''Historismus''' bezeichnet in der [[Stilgeschichte]] ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte. |
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Stilistische Unterarten sind u. a. die [[Neoromanik]], [[Neogotik]], [[Neorenaissance]] und der [[Neobarock]]. In seiner Spätphase entstand parallel der [[Jugendstil]], den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der [[Reformarchitektur]], die später in die [[Moderne (Architektur)|klassische Moderne]] mündete. |
Stilistische Unterarten sind u. a. die [[Neoromanik]], [[Neogotik]], [[Neorenaissance]] und der [[Neobarock]]. In seiner Spätphase entstand parallel der [[Jugendstil]], den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der [[Reformarchitektur]], die später in die [[Moderne (Architektur)|klassische Moderne]] mündete. |
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Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. Doch auch später wirkten historistische Motive nach ([[Neoklassizismus]], [[ |
Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. Doch auch später wirkten historistische Motive nach ([[Neoklassizismus]], [[Heimatschutzstil]]). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der [[Postmoderne Architektur|Postmoderne]] wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als ''neohistoristisch'' bezeichnet. |
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== Stile des Historismus == |
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=== [[Rundbogenstil]] === |
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Im Gegensatz zu vorhergehenden kunsthistorischen Epochen ist für den Historismus ein gleichzeitiger [[Stilpluralismus]] charakteristisch, der sich aber schon im Nebeneinander von [[Klassizismus]] und [[Romantik]] um die Wende zum 19. Jahrhundert ankündigt. |
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Der [[Rundbogenstil]] ist ein Baustil des Historismus, Ende des 18. bis zum späten 19. Jahrhunderts. Er nahm Elemente der byzantinischen, [[Romanik|romanischen]] und [[Architektur der Renaissance|Renaissancearchitektur]] auf und verband sie mit stilneutralen Motiven. Die Abgrenzung zur [[Neoromanik]] und [[Neorenaissance]] ist nicht eindeutig möglich.<ref>Eintrag ''Rundbogenstil'' in: Gerhard Strauss & Harald Olbrich: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie. Seemann, Leipzig 1994, Band 6, S. 293 ff.</ref> |
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Anders als im Klassizismus wurde nicht nur versucht, die Architektur der klassischen [[Antike]] (wie sie in [[Antikes Griechenland|Griechenland]] und [[Römisches Reich|Rom]] gefunden wurde) wiederzubeleben beziehungsweise zu kopieren, sondern es wurden Architekturformen auch anderer Epochen imitiert, die nunmehr als gleichwertig betrachtet wurden. Die [[Renaissance]] hatte zwar ebenfalls vorwiegend auf die Antike zurückgegriffen, jedoch kannte sie auch gelegentlich zielgerichtete Rückgriffe auf das [[Hochmittelalter]], so bei den architektonischen Zierformen der [[Festes Haus#Feste Häuser in der Frühen Neuzeit|Festen Häuser]] und [[Ansitz]]e. |
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Der Einfluss der Karlsruher Bauschule auf die Architektur Pforzheims im 18. und 19. Jahrhundert blieb stark: Timm beschreibt, welchen Stil [[Heinrich Hübsch]], der Nachfolger von [[Weinbrenner]] als großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe, bevorzugte:''„Sein Favorit war der [[Rundbogenstil]]“''<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.</ref> Der Einfluss des Karlsruher Baudirektor auf Pforzheim ist am Pforzheimer Hauptbahnhof von 1861 und der Pfarrkirche in Eutingen zu sehen. Adolf Willard, war einer der Schüler von Heinrich Hübsch, und entwarf die [[St. Franziskus (Pforzheim)|Franziskuskirche]] im [[Rundbogenstil]].<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.</ref> |
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Einen großen Einfluss übte dabei die [[Romantik]] aus, die einen Sinn für das historisch Bedingte entwickeln half. Gelegentlich wurden auch mehrere Stile in einem Gebäude gemischt; diese Kombinationen nennt man ''[[Eklektizismus]]''. Andere Bauwerke zitieren historische Motive, lassen sich aber keinem konkreten Stil zuordnen. |
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Christoph Timm schreibt dazu folgendes:''„Die Baukunst kehrte im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution (1789) am Ende des 18. Jahrhunderts mit strengern Stilformen zu den Wurzeln der Antike zurück, die man zugleich als Wiege von Demokratie und republikanischer Staatsform idaliserte. Der badische Kunsthistoriker [[Aloys Hirt]] veröffentlichte 1809 ein weit verbreitetes Lehrbuch mit dem bezeichnenden Titel "Die Baukunst nach den Grundsätzen des Alten".“''<ref>Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 79.</ref> |
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* 1790 [[Haus Christian Friedrich Benckiser]] (Rundbogenstil) |
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=== Erste Impulse aus Großbritannien === |
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* 1790 [[Vierordtsches Haus|Haus Wilhelm Vierordt]] |
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Erste Bauwerke in einem nicht-klassizistischen Stil wurden schon Ende des [[18. Jahrhundert]]s in [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]] errichtet. Ein frühes Beispiel ist die Villa ''[[Strawberry Hill (Bauwerk)|Strawberry Hill]]'', die [[Horace Walpole]] um 1775 im neugotischen Stil errichten ließ. Als frühes Meisterwerk der [[Neugotik]] gilt das [[Palace of Westminster|Parlamentsgebäude]] in [[London]] aus dem Jahr 1835. Sehr bald wurden auch schon nicht-europäische Baustile kopiert: der [[Royal Pavilion]] (1815–1822) in Brighton ist ein frühes Beispiel von Architektur nach indischen und chinesischen Vorbildern. |
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* 1789/90 [[Neues Schulhaus am Schulplatz]] |
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* 1816 [[Haus Johann Adam Benckiser junior, Östliche Karl-Friedrich-Straße 44|Haus Johann Adam Benckiser jun.]] (Rundbogenstil) |
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* 1820/21 [[Haus Samuel Finkenstein]] |
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* 1824 Kirchensaal der [[Altstadtkirche]] |
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* 1826 [[Bohnenberger Schlösschen]] |
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* 1835 [[Haus Casanova]] |
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* 1833 [[Dennigsches Schlößchen|Haus Georg Jakob Dennig]] (Rundbogenstil) |
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* 1861 [[Hauptbahnhof Pforzheim]] ([[Rundbogenstil]]) |
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* 1866 [[Villa Hermann Gesell, St.-Georgen-Straße 26/28 in Pforzheim|Villa Gesell]] ([[Rundbogenstil]]) |
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Datei:Pforzheim, Hauptbahnhof ca. 1920.jpg|Hauptbahnhof ca. 1920. |
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File:11mrz2017 Franziskuskirche Pforzheim 16.jpg|Franziskuskirche |
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== Zeitraum == |
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File:St Franziskus Pforzheim Chor.jpg|Franziskuskirche |
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Da der Historismus in Mitteleuropa ab den 1850er Jahren größere Verbreitung erfuhr und es eine seiner ursprünglichen Funktionen war, die Repräsentationsbedürfnisse des in der [[Gründerzeit]] reich gewordenen [[Bürgertum]]s zu befriedigen, wird er umgangssprachlich manchmal auch als ''Gründerzeitstil'' beziehungsweise ''Gründerzeitarchitektur'' bezeichnet. |
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File:11mrz2017 Franziskuskirche Pforzheim 33.jpg|Franziskuskirche |
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Das Ende des Historismus beginnt mit dem [[Jugendstil]] um 1895, der zwar noch Ornamente verwendet, allerdings ohne jeglichen historischen Bezug. Gleiches gilt für den [[Expressionismus (Architektur)|Expressionismus]], der in der Architektur knapp nach dem Ersten Weltkrieg einsetzt. Beginnend mit der [[Reformarchitektur]] nach 1900 und verstärkt ab 1910 verbreiten sich dann zusehends weniger aufwändige, schließlich ornamentlose bzw. „[[Funktionalismus (Design)|funktionalistische]]“ oder „[[Konstruktivismus (Architektur)|konstruktivistische]]“ Baustile, die in den 1920er Jahren dann hegemonial werden (s. [[Neues Bauen]] oder [[Neue Sachlichkeit (Architektur)|Neue Sachlichkeit]]). Dies entspricht einer wachsenden Neigung stilbildender Schichten, sich nun weniger aus Bezügen auf die eigene Geschichte zu legitimieren, sondern immer mehr durch Identifikation mit moderner Technik. Zu dieser Zeit kommt der Historismus in den Verliererstaaten zu einem abrupten Ende. In den Siegerstaaten, vor allem in den USA, oder in den am Krieg nicht beteiligten Ländern, etwa Spanien, lässt sich neben dem ''Neuen Bauen'' noch eine Nachblüte des Historismus bis in die 1950er Jahre feststellen. |
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== Bauten == |
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Die [[Industrielle Revolution]] des 19. Jahrhunderts erforderte den Bau von Bahnhöfen, Fabriken und Wassertürmen. Zur Linderung der Wohnungsnot mussten mehrstöckige [[Zinshaus|Zinshäuser]] errichtet werden; das aufstrebende und zusehends wohlhabende Bürgertum verlangte nach [[Villa|Villen]] und großen Stadtwohnungen in repräsentativen Gebäuden. |
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Bedeutend war auch die Integration neuer Technologien in Architektur und Design. Entscheidend war die Weiterentwicklung der [[Stahl]]erzeugung ([[Bessemer-Verfahren]]). Der nur aus Gusseisen und Glas bestehende [[Crystal Palace (Gebäude)|Crystal Palace]] auf dem Gelände der [[Great Exhibition|Londoner Weltausstellung]] von 1851 galt als revolutionär und wegweisend für spätere Jahrzehnte. |
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Teilweise wurden verschiedenen Baustilen unterschiedliche Funktionen zugeschrieben: Kirchen wurden im Stil der [[Gotik]] oder der [[Romanik]] gebaut, Banken und Bürgerhäuser im Stil der [[Renaissance]] (der großen Zeit der Stadtkultur vor allem in Italien), Adelspalais und vor allem Theater im [[Barock]]stil, Fabrikhallen dagegen meist im „englischen [[Tudorstil]]“ (mit unverputzten Backsteinfassaden). |
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Viel Wert wurde auf Repräsentation gelegt, wobei funktionale Aspekte gelegentlich untergeordnet wurden (siehe [[Universität Wien]]). Dies ist einer der Gründe, warum der Historismus vor allem Mitte des [[20. Jahrhundert]]s häufig kritisiert wurde. Vor allem wurde bemängelt, dass architektonische Zutaten wie Säulen, Medusenköpfe und Akanthusblätter rein dekorativ zur Erzeugung einer „historischen Atmosphäre“ benutzt worden seien. |
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Die Fassaden der Gebäude sollten nicht nur in ihrer Größe und ihrem jeweiligen Reichtum, sondern bei Mehrfamilienhäusern auch in ihrem geschossigen Aufbau die soziale Stellung ihrer Bewohner spiegeln. So etwa wurde die erste Etage oder das Hochparterre meist [[Beletage|„Bel Etage“]] genannt und war mit ihren besonders hohen Decken und ihren reichen [[Stuck]]verzierungen dem wohlhabenderen Bürgertum vorbehalten. Nach oben wurde die [[Sozialstruktur|soziale Stellung]] der Bewohner mit abnehmender [[Geschosshöhe]] meist immer geringer. Dabei wurde die oberste Etage mit ihren oft nur noch lukenartig kleinen Fenstern in der Regel von den Dienstboten und anderen Angehörigen der unteren sozialen Schichten bewohnt. |
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Auch im Innenbereich spielte der Historismus eine große Rolle, besonders bei den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung, des [[Adel]]s oder den regierenden [[Fürst]]enhäusern. So wurden ganze Schlösser oder Teilbereiche umgebaut, um dem Zeitgeist zu entsprechen. Die Ideale des [[Mittelalter]]s mit [[Ritterlichkeit]] und [[Ehrenkodex]] wurden hochgehalten und fanden ihren Ausdruck in neu geschaffenen [[Rittersaal|Rittersälen]] und ritterlichen Zimmerfluchten. |
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In vielen neu entstandenen Wohnvierteln wurden innerhalb der Blockrandbebauung auf früheren Gartenflächen Hinterhöfe angelegt und in Hinterhäusern oftmals zahlreiche weitere Quartiere für die [[Arbeiterklasse|Arbeiter]] errichtet, häufig auch in räumlicher Nähe zu den Arbeits- und Werkstätten. Die überbelegten Einraumwohnungen der Arbeiterklasse mit ihren oft miserablen und gesundheitsschädigenden unhygienischen Wohnbedingungen wurden von etlichen Reformern seit Ende des 19. Jahrhunderts sehr beklagt. Sie haben unter anderem die Ideen der [[Gartenstadt]]bewegung (siehe dazu [[Ebenezer Howard]]) und so manches Reformprojekt in Deutschland beflügelt. |
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Eine Besonderheit der Architektur dieser Epoche sind nach einem Gesamtkonzept angelegte repräsentative Villenkolonien wie etwa die Kolonie [[Hamburg-Marienthal|Marienthal]] in [[Hamburg]] und die bis heute gut erhaltene und als exemplarisch geltende Villenkolonie [[Lichterfelde-West]] im Südwesten Berlins (ab 1860). Die Villenkolonien waren wegen des hohen Personalbedarfs zur Führung der großen Häuser in der Praxis gemischte Wohngebiete. So war das Verhältnis der sogenannten „einfachen Stände“ zu den „Herrschaften“ etwa in Lichterfelde-West in Berlin zwei zu eins. Die Villenkolonien nahmen mit ihrer aufgelockerten Bebauung, den großen Gärten und Alleen die Idee der „Gartenstadt“ vorweg. |
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== Stilphasen == |
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Stilgeschichtlich unterscheidet man zwischen romantischem Historismus (Übergangsstile ab den 1770ern, voll einsetzend 1840er bis 1870), strengem Historismus (1870–1890) und Späthistorismus (nach 1890). Diese Unterscheidung stammt von [[Renate Wagner-Rieger]]. |
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Der ''romantische Historismus'' zeichnet sich durch eine langsame Ablösung vom Klassizismus aus. Bevorzugter Stil ist Neugotik und Neorenaissance, allerdings werden immer wieder „stilfremde“ Elemente kombiniert, so dass es sich um keine einfache Nachahmung der historischen Stile, sondern um subjektive Interpretationen handelt. Auch Elemente aus nicht-westeuropäischen Stilen (etwa [[Orientalisierende Architektur|maurisch]] oder [[Byzantinische Architektur|byzantinisch]]) werden kombiniert. Dies drückte sich auch in einem zeitgenössischen Spottgedicht gegen zwei prominente Wiener Architekten dieses Stils aus, deren [[Wiener Staatsoper|Hofoper]] die Zeitgenossen enttäuscht hatte: „[[August Sicard von Sicardsburg|Sicardsburg]] und [[Eduard van der Nüll|van der Nüll]] / Haben beide keinen Stüll / Gotisch, Griechisch, Renaissance / Das ist ihnen alles aans.“ |
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Der ''strenge Historismus'' dagegen versucht „reine Elemente“ des vergangenen Formvokabulars kunsthistorisch korrekt zu kombinieren. Der Subjektivismus des romantischen Historismus wird abgelehnt; es wird dagegen versucht, einen lehrbaren und objektiv richtigen Stil zu finden, der sich aus den Formendetails ableitet. Bevorzugter Bezugspunkt ist die [[Architektur der Renaissance]] (Neorenaissance). |
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Im ''Späthistorismus'' wird die Orientierung an der Renaissance durch eine Orientierung am [[Barock#Baukunst|Barockstil]] (Neobarock) abgelöst. Die strenge Orthographie der vorhergehenden Phase löst sich auf zugunsten einer freieren Interpretation der Dekorelemente, die auch nicht mehr streng linear angeordnet werden. Ausbuchtende [[Erker]], [[Risalit]]e, [[Kuppel]]n und ausladende [[Balkon]]e werden beliebt. Allgemein ist ein Zug zu übersteigerter Monumentalität zu beobachten. Einzelne Elemente (etwa die Blumendekors) weisen gelegentlich schon auf den [[Jugendstil]]. |
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== Stile des Historismus == |
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=== [[Neoromanik]] === |
=== [[Neoromanik]] === |
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ie '''' bzw. ''Neuromanik'' entstand, als nach 1870 in Deutschland der „französisch inspirierte“ Stil der Neogotik in Verruf kam und statt diesem die „deutschere“ Romanik propagiert wurde. Neoromanik galt vor allem im protestantischen Deutschland als „Nationaler Baustil“, und war nach dem [[Wiesbadener Programm]] jahrzehntelang für evangelische Kirchenbauten verbindlich. Neben romanischen greift der Stil auch auf byzantinische Formensprache zurück. |
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Beispiele für die [[Neoromanik]] in Pforzheim ist die [[Liebfrauenkirche]] an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein. |
Beispiele für die [[Neoromanik]] in Pforzheim ist die [[Liebfrauenkirche]] an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein. |
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Datei:Stadtkirche Pforzheim (1899-1962).jpg| [[Alte Pforzheimer Stadtkirche am Lindenplatz (1899-1962)|Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962)]] |
Datei:Stadtkirche Pforzheim (1899-1962).jpg| [[Alte Pforzheimer Stadtkirche am Lindenplatz (1899-1962)|Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962)]] |
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Datei:Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962), Längsschnitt, Entwurf Carl Voß (1850 -1937).png| |
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=== [[Neorenaissance]] === |
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Beispiele für die [[Neorenaissance]] in Pforzheim sind das [[Altes Pforzheimer Rathaus am Marktplatz|Alte Rathaus]] sowie die [[Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim|Alte Kunstgewerbeschule]]. |
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Datei:Evangelische Stadtkirche Pforzheim (1899-1962), Längsschnitt, Entwurf Carl Voß (1850 -1937).png| |
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Datei:Rathaus Pforzheim um 1900, Entwurf Hermann Thüme aus Dresden und Stadtbaumeister Alfons Kern aus Pforzheim, erbaut in den Jahren 1892 bis 1895 .png|[[Altes Pforzheimer Rathaus am Marktplatz]] |
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Datei:Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim, Entwurf Carl Müller, erbaut 1874 bis 1875.png|[[Altes Gebäude der Kunstgewerbeschule an der Jahnstraße 35 in Pforzheim]] |
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=== [[Neomanierismus]] === |
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Der [[Neomanierismus]] war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt [[Christoph Timm]]: "[[Ketterers Schlosskeller]] bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt." |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Giebeldreieck, Detail.jpg |
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=== Neorenaissance === |
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Ein wichtiger historistischer Baustil ist die ''[[Neorenaissance]]'' bzw. ''Neurenaissance''. Da man die [[Renaissance]] vor allem als eine Blütezeit der Künste ansah, war die Neorenaissance der bevorzugte Stil für Theater, Opernhäuser und Museen. |
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Der Stil wurde Ende des 19. Jahrhunderts prägend in England und Frankreich. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche repräsentative Beispiele, etwa das von vier Architekten entworfene [[Schweriner Schloss]], [[Leo von Klenze]]s [[Palais Leuchtenberg]], der Berliner [[Reichstagsgebäude|Reichstag]] (mit neobarocken Elementen), sowie Bauten der Dresdner [[Semper-Nicolai-Schule]]. In Österreich ist die [[Wiener Staatsoper]] zu nennen. |
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=== [[Neomanierismus]] === |
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Der [[Neomanierismus]] war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt [[Christoph Timm]]: " [[Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim|Ketterers Schlosskeller]] bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt." |
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=== Neobarock === |
=== Neobarock === |
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Der |
Der Neobarock kam vor allem im Späthistorismus ab 1890 verstärkt auf. |
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Die [[Villa Beckh]] wird wie folgt von Christoph Timm bewertet: ''„Ihre Formgebung im französisch anmutenden Palaststil eines barocken Historismus gehört zu den regional herausragenden Beispielen der Villenbaukunst der wilhelminischen Epoche..“''<ref>''' Lameystraße 67, Ehem. Villa Beckh '''. In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 369-370, hier S. 370.</ref> Andere Beispiele waren das [[Hogg'sches Eck|Hogg'sche Eck]] sowie das Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße. |
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Der Neobarock findet in der [[Pariser Oper]], dem [[Justizpalast (Brüssel)|Brüsseler Justizpalast]] sowie der [[Neue Hofburg|Neuen Hofburg]] in Wien und im [[Neues Schloss Herrenchiemsee|Schloss Herrenchiemsee]] in [[Bayern]] seine Höhepunkte. |
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Datei:„Hogg´sches Eck“, Bahnhofstraße 2-8 am Leopoldplatz in Pforzheim, erbaut 1894-1896 nach Entwurf von Ernst Maler.png|[[Hogg'sches Eck]] |
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Datei:Pforzheim, Luisenstraße (vor 1945).jpg|Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße |
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Datei:Pforzheim, Luisenstraße.png|Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße |
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=== [[Neorokoko]] === |
=== [[Neorokoko]] === |
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In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der [[Villa Beckh]] und des [[Ketterers Schlosskeller |
In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der [[Villa Beckh]] und des [[Ketterers Schlosskeller|Schlosskellers]] die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko, verwendet. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt. |
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Datei:Villa Christian Karl Beckh, Lameystraße 67 in Pforzheim, Fassade, Detail.jpg| |
Datei:Villa Christian Karl Beckh, Lameystraße 67 in Pforzheim, Fassade, Detail.jpg| [[Villa Beckh]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 1.jpg|[[Ketterers Schlosskeller|Schlosskeller]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 2.jpg|[[Ketterers Schlosskeller|Schlosskeller]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 1.jpg|thumb|[[Neorokoko]]:[[Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim]]. An dem Gebäude verwendete Hermann Walder bei der Fassadengestaltung auch die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt.]] |
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Datei:Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim, Neorokoko-Detail mit der ROCAILLE (muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko), Detail 2.jpg|thumb|[[Neorokoko]]:[[Ketterers Schlosskeller am Bahnhofplatz 3 in Pforzheim]]. An dem Gebäude verwendete Hermann Walder bei der Fassadengestaltung auch die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt.]] |
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=== Neobyzantismus === |
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In Russland, Jugoslawien, Serbien, Griechenland, Bulgarien jedoch auch in Frankreich, England, Österreich-Ungarn, Großbritannien, den USA und Deutschland entstanden im 19. und teilweise im 20. Jahrhundert neben sakralen Bauwerken auch repräsentative öffentliche Gebäude die Stil- und Raumeleemente der Byzantinischen Architektur und -Kunst zitieren. Über Teophil Hansen und seine Anhänger hatte der [[Neobyzantinische Architektur|Neobyzantinische Stil]] auch in Mitteleuropa zahlreiche öffentliche Gebäude und Kirchen geprägt. Als eines der frühesten Gebäude gilt die von Leo von Klenze für Ludwig I. erbaute [[Hofkirche]] in der Münchner Residenz sowie [[Abtei St. Bonifaz (München)|St. Bonifaz]]. Auch Ludwig II. ließ noch den großen Residenzsaal im Schloss Neuschwanstein als neo-byzantinischen Thronsaal erbauen. In der Innenausstattung betonten Mosaik- und Marmorausschmückung die repräsentative Charakteristik der Bauwerke. Einflussreich war der Stil insbesondere jedoch in Russland und Jugoslawien (hier insbesondere in Serbien), für die bei der Errichtung großer Kirchen ein Bauwerk im Nationalen Stil gefordert wurde. David Grimms und Vasily Kosyakovs Kirchen-Bauten mit einem an die [[Hagia Sophia]] angelegten Zentralraum mit vier Pendentif-Apsiden sowie bei Kosyakov einen über dem [[Narthex]] errichteten Glockenturm wurden weithin nachgeahmt und Standardprogramm für Kirchenbauten im Russischen Imperium. Grimm errichtete unter anderen die [[Alexander-Newski-Kathedrale (Tiflis)|Tiflis Militär-Kirche]] in [[Tiflis]], Kosyakov die Marienkathedrale in Sankt Petersburg (1888–1898), die Wladimir-Kathedrale in Astrachan, die [[Nikolaus-Marine-Kathedrale]] in [[Kronstadt]]. Ein frühes Beispiel ist noch die [[Christ-Erlöser-Kathedrale]] in Moskau. Russischen Vorbildern und durch russische Architekten errichtet ist auch die [[Alexander-Newski-Kathedrale (Sofia)|Alexander-Newski-Kathedrale]] in Sofia verpflichtet. |
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Eine Nachblüte hatte der Stil in der Zwischenkriegszeit im Königreich Jugoslawien wo Alexander I. Karađorđević deren größter Förder wurde. Neben dem nationalen Projekt im [[Dom des Heiligen Sava]] sind hier insbesondere [[Aleksandar Deroko]], [[Momir Korunović]] und [[Grigorije Samojlov]] dem Anliegen einer distinkt nationalen Architektur und eigenständigen künstlerischen Vision am nächsten gekommen.<ref>Aleksandar Kadijević: ''Between Artistic Nostalgia and Civilisational Utopia: Byzantine Reminiscences in Serbian Architecture of the 20th Century.'' In: Lidija Merenik, Vladimir Simić, Igor Borozan (Hrsg.): ''Imagining the past : the reception of the Middle Ages in Serbian art from the 18th to the 21st century.'' (= ''Byzantine heritage and Serbian art. III''). The Serbian National Committee of Byzantine Studies, P.E. Službeni glasnik, Institute for Byzantine Studies, Serbian Academy of Sciences and Arts, Belgrad 2016, S. 177. [https://www.academia.edu/28269003/Between_artistic_nostalgia_and_civilizational_utopia_Byzantine_reminiscences_in_Serbian_architecture_of_the_20th_century_in_BYZANTINE_HERITAGE_AND_SERBIAN_ART_III_IMAGINING_THE_PAST_THE_RECEPTION_OF_THE_MIDDLE_AGES_IN_SERBIAN_ART_FROM_THE_18_TH_TO_THE_21_ST_CENTURY (Academia:PDF)]</ref> |
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In Großbritannien sind die [[Westminster Cathedral]], in Frankreich die [[Sacré-Cœur de Montmartre]] und in den USA die [[Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception]] sowie die [[Cathedral Basilica in St. Louis]] bemerkenswert. |
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=== [[Neomaurischer Stil]] oder [[Orientalisierender Historismus]] === |
=== [[Neomaurischer Stil]] oder [[Orientalisierender Historismus]] === |
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Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind: |
Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind: |
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* [[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
* [[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
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* Der Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
* Der Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
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* Die Maurische Halle im [[Palais Thermal |
* Die Maurische Halle im [[Palais Thermal]] |
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* Die Alte Synagoge Pforzheim |
* Die Alte Synagoge Pforzheim |
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Datei:Pforzheim Fatih-Moschee Innen 1.JPG|[[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
Datei:Pforzheim Fatih-Moschee Innen 1.JPG|[[Fatih-Moschee]] in Pforzheim |
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Datei:Pavillon Kurpark Wildbad.jpg|Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
Datei:Pavillon Kurpark Wildbad.jpg|Pavillon im Kurpark [[Bad Wildbad]]. |
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Bild:Palais Thermal, Halle.jpg|Die Maurische Halle im [[Palais Thermal]] |
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=== [[Neoklassizismus]] === |
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Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[ |
Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu ''neohistoristischen'' Strömungen, die sich unter anderem im [[Neoklassizismus]] ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff [[traditionelle Architektur]] Anwendung finden. |
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File:Hauptfriedhof in Pforzheim - panoramio.jpg|[[Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs]] außen, Südseite mit der Inschrift: „Friede sei mit euch“. |
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Beeinflusst durch die [[Postmoderne (Architektur)|Postmoderne]] und den [[New Urbanism|Neuen Urbanismus]] entstehen vor allem seit den 1980er Jahren wieder Bauten und ganze Stadtviertel, die dem Ideal der ''Europäischen Stadt''<ref>[http://www.zlonicky.de/Dokumente%20Web/Europaeische%20Stadt.pdf Europäische Stadt]</ref> folgen und historische Bauformen aufleben lassen und diese teils weiterentwickeln. |
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Bild:Aussegnungshalle.jpg|[[Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs]] innen |
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Datei:Altes Lutherhaus in Pforzheim, Innen.png|[[Altes Lutherhaus (Pforzheim)]], [[Gymnasiumstraße]] 23]]. |
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Auch in verschiedenen regionalen Ausprägungen lebt die historistische Formensprache fort, so werden z. B. [[Bäderarchitektur|Bädervillen]] häufig stilistisch angelehnt an Vorbilder aus der [[Gründerzeit]] gebaut, mit verzierten [[Balkon]]en, [[Erker]]n, [[Veranda|Veranden]] und teils auch [[Ornament]]en. |
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File:Pforzheim 2016 090.jpg |
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An der [[University of Notre Dame]] in den USA gibt es mit der ''School of Architecture'' eine Architekturfakultät, die sich der Lehre der traditionellen bzw. [[Moderne (Architektur)|vormodernen]] Architektur und [[Stadtplanung]] verschrieben hat (u. a. im Sinne des Neuen Urbanismus) und den Neohistorismus mitentwickelt.<ref>[http://architecture.nd.edu/academics/ School of Architecture der University of Notre Dame] „Twenty years ago the curriculum was reformed to focus on traditional and classical architecture and urbanism.“</ref> Sie vergibt einmal jährlich den hochdotierten [[Driehaus-Architektur-Preis]].<ref>[http://architecture.nd.edu/about/driehaus-prize/ Driehaus-Architektur-Preis] (englisch)</ref> Die Londoner ''Foundation for Building Community'' von [[Charles, Prince of Wales|Prinz Charles]] treibt den weltweiten akademischen Diskurs in diesem Bereich ebenfalls voran.<ref>[http://www.princes-foundation.org/ Prince’s Foundation for Building Community] in London, eine Stiftung für neue historisierende Architektur</ref> Auch verschiedene Architekten und Architekturbüros lehren ihre Mitarbeiter die Formensprache des Historismus und früherer Stilepochen und lassen sie entsprechend inspirierte Entwürfe umsetzen, so z. B. [[Hans Kollhoff]], ''Patzschke Architekten Berlin'', [[Léon Krier]], [[Demetri Porphyrios]], [[Andrés Duany]], [[Michael Graves]], [[Pier Carlo Bontempi]] und [[Quinlan Terry]]. |
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Beispiele für neohistoristische Architektur:<!--- alphabetisch nach Ort sortiert! ---> |
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* [[Kathedrale von Brentwood]] in [[Brentwood (Essex)|Brentwood]], England, 1991 |
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* [[St. Nikolai auf dem Wasser]] in [[Kiew]], Ukraine, 2004 |
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* ''Schermerhorn Symphony Center'' in [[Nashville]], USA, 2006 |
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* Kapelle des ''Thomas Aquinas College'' in [[Santa Paula]], USA, 2009 |
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* [[Josefskapelle (Unterammergau)|Josefskapelle]] in [[Unterammergau]], Deutschland, 1991 |
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== Historistische Architekten (Auswahl) == |
== Historistische Architekten (Auswahl) == |
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* [[Heinrich Henz]] |
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* [[Carl Walter]] |
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* [[Joseph Cades]] |
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* [[Carl Wilhelm von Doderer]] |
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* [[Georg von Dollmann]] |
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* [[Heinrich von Ferstel]] |
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* [[Friedrich von Gärtner]] |
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* [[Felix Genzmer (Architekt)|Felix Genzmer]] |
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* [[Ernst Giese (Architekt)|Ernst Giese]] |
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* [[Oswald Haenel]] |
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* [[Theophil Freiherr von Hansen]] |
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* [[Max Hasak]] |
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* [[Conrad Wilhelm Hase]] |
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* [[Carl von Hasenauer]] |
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* [[Georg von Hauberrisser]] |
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* [[Alajos Hauszmann]] |
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* [[Christoph Hehl]] |
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* [[Ludwig Hofmann (Architekt)|Ludwig Hofmann]] |
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* [[Heinrich Hübsch]] |
* [[Heinrich Hübsch]] |
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* [[Carl Käfer]] |
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* [[Hugo Licht]] |
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* [[Josef Mocker]] |
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* [[Heinrich Moldenschardt]] |
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* [[Hermann Nicolai (Architekt)|Hermann Nicolai]] |
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* [[Eduard van der Nüll]] |
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* [[Edwin Oppler]] |
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* [[Hermann Otto Pflaume]] |
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* [[Max Pommer (Architekt)|Max Pommer]] |
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* [[Julius Carl Raschdorff]] |
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* [[Wilhelm Rincklake]] |
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* [[Arwed Roßbach]] |
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* [[Adolf Schill]] |
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* [[Friedrich von Schmidt]] |
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* [[Franz Heinrich Schwechten]] |
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* [[George Gilbert Scott]] |
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* [[Gabriel von Seidl]] |
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* [[Gottfried Semper]] |
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* [[August Sicard von Sicardsburg]] |
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* [[Max Spitta]] |
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* [[Ferdinand Stadler]] |
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* [[Vincenz Statz]] |
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* [[Friedrich von Thiersch]] |
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* [[Eugène Viollet-le-Duc]] |
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* [[Paul Wallot]] |
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* [[Gustav Albert Wegmann]] |
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* [[Wilhelm Wickop]] |
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* [[Ernst Ziller]] |
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* [[Gebrüder Ziller]] |
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* [[Ernst Friedrich Zwirner]] |
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* Dieter Dolgner: ''Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900.'' (= ''Deutsche Baukunst''). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0. |
* Dieter Dolgner: ''Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900.'' (= ''Deutsche Baukunst''). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0. |
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* Hans Gerhard Evers: ''Vom Historismus zum Funktionalismus.'' (= ''Kunst der Welt. Die Kulturen des Abendlandes''). Holle Verlag, Baden-Baden 1967. (1976, ISBN 3-87355-121-7). |
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* Hans Gerhard Evers: ''Versuch einer Ehrenrettung des Historismus.'' In: ''Das Kunstwerk.'' 16, 1963, S. 2–4. |
* Hans Gerhard Evers: ''Versuch einer Ehrenrettung des Historismus.'' In: ''Das Kunstwerk.'' 16, 1963, S. 2–4. |
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* Hans Gerhard Evers: ''Historismus und bildende Kunst.'' In: ''Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif.'' (= ''Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts.'' 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: ''Schriften.'' Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers). |
* Hans Gerhard Evers: ''Historismus und bildende Kunst.'' In: ''Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif.'' (= ''Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts.'' 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: ''Schriften.'' Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers). |
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* Nikolas Werner Jacobs: ''Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden.'' In: Tobias Möllmer (Hrsg.): ''Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts.'' Festschrift zum 75. Geburtstag von |
* Nikolas Werner Jacobs: ''Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden.'' In: Tobias Möllmer (Hrsg.): ''Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts.'' Festschrift zum 75. Geburtstag von Wolfgang Brönner. Basel 2015, S. 372–385. |
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* Eva-Maria Landwehr: ''Kunst des Historismus.'' |
* Eva-Maria Landwehr: ''Kunst des Historismus.'' Böhlau Verlag (UTB), Köln/ Weimar/ Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3645-8. |
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* Klaus F. Müller: ''Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil.'' Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8. |
* Klaus F. Müller: ''Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil.'' Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8. |
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Aktuelle Version vom 6. Mai 2026, 12:15 Uhr

Der Ausdruck Historismus bezeichnet in der Stilgeschichte ein im 19. Jahrhundert verbreitetes und teilweise noch ins 20. Jahrhundert nachwirkendes Phänomen, bei dem man – vor allem in der Architektur – auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese teilweise kombinierte.
Stilistische Unterarten sind u. a. die Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance und der Neobarock. In seiner Spätphase entstand parallel der Jugendstil, den der Historismus teilweise beeinflusste. Eine Gegenbewegung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Reformarchitektur, die später in die klassische Moderne mündete.
Die prägendste Zeit für den Historismus erstreckte sich von circa 1850 bis vor dem Ersten Weltkrieg. Doch auch später wirkten historistische Motive nach (Neoklassizismus, Heimatschutzstil). Teilweise wird bis heute historistisch gebaut, besonders seit in der Postmoderne wieder historische Bauformen aufgegriffen wurden. Moderne historistische Bauten werden auch als neohistoristisch bezeichnet.
Stile des Historismus
Rundbogenstil
Der Rundbogenstil ist ein Baustil des Historismus, Ende des 18. bis zum späten 19. Jahrhunderts. Er nahm Elemente der byzantinischen, romanischen und Renaissancearchitektur auf und verband sie mit stilneutralen Motiven. Die Abgrenzung zur Neoromanik und Neorenaissance ist nicht eindeutig möglich.[1]
Der Einfluss der Karlsruher Bauschule auf die Architektur Pforzheims im 18. und 19. Jahrhundert blieb stark: Timm beschreibt, welchen Stil Heinrich Hübsch, der Nachfolger von Weinbrenner als großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe, bevorzugte:„Sein Favorit war der Rundbogenstil“[2] Der Einfluss des Karlsruher Baudirektor auf Pforzheim ist am Pforzheimer Hauptbahnhof von 1861 und der Pfarrkirche in Eutingen zu sehen. Adolf Willard, war einer der Schüler von Heinrich Hübsch, und entwarf die Franziskuskirche im Rundbogenstil.[3] Christoph Timm schreibt dazu folgendes:„Die Baukunst kehrte im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution (1789) am Ende des 18. Jahrhunderts mit strengern Stilformen zu den Wurzeln der Antike zurück, die man zugleich als Wiege von Demokratie und republikanischer Staatsform idaliserte. Der badische Kunsthistoriker Aloys Hirt veröffentlichte 1809 ein weit verbreitetes Lehrbuch mit dem bezeichnenden Titel "Die Baukunst nach den Grundsätzen des Alten".“[4]
- 1790 Haus Christian Friedrich Benckiser (Rundbogenstil)
- 1790 Haus Wilhelm Vierordt
- 1789/90 Neues Schulhaus am Schulplatz
- 1816 Haus Johann Adam Benckiser jun. (Rundbogenstil)
- 1820/21 Haus Samuel Finkenstein
- 1824 Kirchensaal der Altstadtkirche
- 1826 Bohnenberger Schlösschen
- 1835 Haus Casanova
- 1833 Haus Georg Jakob Dennig (Rundbogenstil)
- 1861 Hauptbahnhof Pforzheim (Rundbogenstil)
- 1866 Villa Gesell (Rundbogenstil)
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Hauptbahnhof ca. 1920.
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Franziskuskirche
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Franziskuskirche
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Franziskuskirche
Neoromanik
Beispiele für die Neoromanik in Pforzheim ist die Liebfrauenkirche an der Liebfrauenstraße 32 im Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein.
Neogotik
Beispiele für die Neogotik in Pforzheim waren die Evangelische Stadtkirche (1899-1962) sowie der neogotische Altar in der Franziskanerkirche von 1854 mit Kreuzigungszene von dem Bildhauer Ferdinand Rieß aus Schwäbisch Gmünd.
Neorenaissance
Beispiele für die Neorenaissance in Pforzheim sind das Alte Rathaus sowie die Alte Kunstgewerbeschule.
Neomanierismus
Der Neomanierismus war die Ausdrucksform der späteren wilhelminischen Kaiserzeit. Ein Beispiel dafür ist der Baustil des Berliner Reichstagsgebäudes. Für Pforzheim erklärt Christoph Timm: "Ketterers Schlosskeller bildet mit seiner repräsentativen Baugestalt, die zentrale Dominante der südseitigen Bahnhofplatz-Bebauung, die als Baugruppe ... den Ausbau Pforzheims in der späteren wilhelminischen Kaiserzeit und den damaligen Baustil bezeugt."
Neobarock
Der Neobarock kam vor allem im Späthistorismus ab 1890 verstärkt auf. Die Villa Beckh wird wie folgt von Christoph Timm bewertet: „Ihre Formgebung im französisch anmutenden Palaststil eines barocken Historismus gehört zu den regional herausragenden Beispielen der Villenbaukunst der wilhelminischen Epoche..“[5] Andere Beispiele waren das Hogg'sche Eck sowie das Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße.
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Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße
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Eckgebäude an der Luisenstraße, Ecke Durlacher Straße
Neorokoko
In Pforzheim wurden in den Schaugiebeln der Villa Beckh und des Schlosskellers die Rocaille, ein muschelförmiges Ornament aus dem Rokoko, verwendet. Das Wort rocaille kommt aus dem Französischen und bedeutet „Muschelwerk“. Das Rokoko wird im Französischen auch style rocaille genannt.
Neomaurischer Stil oder Orientalisierender Historismus
Beispiele für diesen Stil in Pforzheim sind:
- Fatih-Moschee in Pforzheim
- Der Pavillon im Kurpark Bad Wildbad.
- Die Maurische Halle im Palais Thermal
- Die Alte Synagoge Pforzheim
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Fatih-Moschee in Pforzheim
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Pavillon im Kurpark Bad Wildbad.
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Die Maurische Halle im Palais Thermal
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Alte Synagoge Pforzheim
Neoklassizismus
Über das Ende des eigentlichen Historismus hinaus kommt es im 20. Jahrhundert zu neohistoristischen Strömungen, die sich unter anderem im Neoklassizismus ihren Ausdruck suchen. Dieser neue Historismus wird in der Regel unterschieden von örtlichen traditionsgeprägten Bauweisen, die unter dem Begriff traditionelle Architektur Anwendung finden.
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Aussegnungshalle des Pforzheimer Hauptfriedhofs außen, Südseite mit der Inschrift: „Friede sei mit euch“.
Historistische Architekten (Auswahl)
Literatur
- Dieter Dolgner: Historismus – Deutsche Baukunst 1815–1900. (= Deutsche Baukunst). Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00583-0.
- Hans Gerhard Evers: Vom Historismus zum Funktionalismus. (= Kunst der Welt. Die Kulturen des Abendlandes). Holle Verlag, Baden-Baden 1967. (1976, ISBN 3-87355-121-7).
- Hans Gerhard Evers: Versuch einer Ehrenrettung des Historismus. In: Das Kunstwerk. 16, 1963, S. 2–4.
- Hans Gerhard Evers: Historismus und bildende Kunst. In: Historismus und bildende Kunst. Vorträge und Diskussion im Oktober 1963 in München und Schloß Anif. (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts. 1). München 1965, S. 25–42. (Nachdruck In: Schriften. Technische Hochschule Darmstadt, 1975. Sammlung und Nachdruck wichtiger Aufsätze von Hans Gerhard Evers).
- Nikolas Werner Jacobs: Die „Stadt des Historismus“ – ein Sonderfall. Zur Rezeptionsgeschichte des Historismus in Deutschland am Beispiel Wiesbaden. In: Tobias Möllmer (Hrsg.): Stil und Charakter. Beiträge zu Architekturgeschichte und Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts. Festschrift zum 75. Geburtstag von Wolfgang Brönner. Basel 2015, S. 372–385.
- Eva-Maria Landwehr: Kunst des Historismus. Böhlau Verlag (UTB), Köln/ Weimar/ Wien 2012, ISBN 978-3-8252-3645-8.
- Klaus F. Müller: Park und Villa Haas – Historismus, Kunst und Lebensstil. Verlag Edition Winterwork, 2012, ISBN 978-3-86468-160-8.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag Rundbogenstil in: Gerhard Strauss & Harald Olbrich: Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, Industrieformgestaltung, Kunsttheorie. Seemann, Leipzig 1994, Band 6, S. 293 ff.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 81.
- ↑ Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 79.
- ↑ Lameystraße 67, Ehem. Villa Beckh . In: Christoph Timm: Pforzheim, Kulturdenkmale im Stadtgebiet. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004, S. 369-370, hier S. 370.
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