Feier mit! 20 Jahre Pfenz!

Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
in der EngagementWerkStadt, Lammstraße — gerne anmelden, oder einfach vorbeikommen!


Zur Anmeldung als Teilnehmer bitte E-Mail mit Nennung des gewünschten Benutzernamens an: E-Mail: pfenzmail.de

Leonti Givant: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Schmelzle (Diskussion | Beiträge)
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
 
(11 dazwischenliegende Versionen von 7 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Bild:Leonti Givant.jpg|thumb|Leonti Givant, um 1922]]
[[Bild:Leonti Givant.jpg|thumb|Leonti Givant, um 1922]]
'''Leonti Givant''' (* [[Geburtstag::15. September]] [[Geburtsjahr::1896]] in {{geboren in|Berlin}}) war von 1933 bis 1935 [[Ist (unverlinkt)::Teilhaber eines Fotoateliers]] in [[Tätig in::Pforzheim]], im November 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten.
{{inArbeit}}


== Leben ==
Leonti Givant zog als Kind mit seinen Eltern über München 1905 nach [[Baden-Baden]], dort besuchte er die Volksschule und bis 1911 die Oberrealschule. In München absolviert er eine kaufmännische Lehre und arbeitet dann dort, in Triest (Österreich-Ungarn, jetzt Italien), in Baden-Baden, [[Mannheim]], Frankfurt und Mainz. Im August und September 1914 wurde er aufgrund seiner russischen Staatsangehörigkeit als ''"feindlicher Ausländer"'' interniert. 1921 beantragte er die [[Baden|badische]] Staatsangehörigkeit, also die Einbürgerung; sie war ihm 1919 bei der Einbürgerung seiner Eltern Isaak und Anna, geb. Wejucker, verwehrt worden, da ihn der russische Staat aufgrund der Militärdienstpflicht nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen hatte. Seine Einbürgerung erfolgte 1922 mit der Begründung, er habe sich ''„den deutschen Verhältnissen vollständig angepasst und ist eine brauchbare Arbeitskraft geworden“.''


=== Pforzheim 1933 KZ Dachau 1938 ===
'''Leonti Givant''' (geboren [[15. September]] [[1896]] in Berlin)
1933 wird er in Pforzheim Teilhaber des Fotoateliers [[Max Rödelsheimer]] am [[Schloßberg]] und muss am 1. April 1933 die erste offen antisemitische Aktion der NSDAP, den Boykott jüdischer Ladengeschäfte, auch den "seines" Geschäfts, miterleben. Er wohnte in der [[Zerrennerstraße]] 29 gegenüber der [[Synagoge]]. 1934/35 betrieb die Gestapo mittels einer Denunziation ''„vertraulich wurde in Erfahrung gebracht, [daß] Givant sich der [...] in sittlich und moralisch verwerflicher Weise näherte“'' die Aberkennung von Givants deutscher Staatsbürgerschaft. Leonti Givant verließ 1935 Pforzheim, zog 1936, von Horn bei Konstanz kommend, nach Baden-Baden und teilte am 4. November 1938 den Behörden seine Absicht mit, in die USA auszureisen.


Nach der Zerstörung der Synagoge in Baden-Baden am 10. November 1938 verschleppten ihn die Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Dachau. Nach der Entlassung am 26. November 1938 beantragte er am 15. Dezember 1938 einen Reisepass für eine Reise nach San Francisco, die er 1939 antrat. Seine verwitwete Mutter reiste bereits am 8. Dezember 1938 mit der "Hansa" aus Bremerhaven ab.
1933 bis 1935 kaufmännischer Angestellter in Pforzheim, im November 1938 im Konzentrationslager Dachau eingesperrt, emigriert 1939 in die USA; war Opfer des Antisemitismus


== Leben ==
=== nach 1939===
Durch die Emigration entging Leonti Givant der Deportation am 22. Oktober 1940 in südfranzösische [[Internierungslager Gurs]] und damit dem Schicksal seines Geschäftspartners Max Rödelsheimer in Pforzheim, der im Sommer 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und nach 1945 "für tot erklärt" wurde; vermutlich wurde er ermordet.
Leonti Givant zieht als Kind mit seinen Eltern über München 1905 nach Baden-Baden, dort besucht die Volksschule und bis 1911 die Oberrealschule. In München absolviert er eine kaufmännische Lehre und arbeitet dann dort, in Triest in Italien, in Baden-Baden, Mannheim, Frankfurt und Mainz. Im August und September 1914 ist er aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft als ''"feindlicher Ausländer"'' interniert. 1921 beantragt er die badische Staatsangehörigkeit, also die Einbürgerung; sie war ihm 1919 bei der Einbürgerung seiner Eltern Isaak und Anna, geb. Wejucker, verwehrt worden, da ihn der russische Staat aufgrund der Militärdienstpflicht nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen hatte. Seine Einbürgerung erfolgt 1922 mit der Begründung, er habe sich ''"den deutschen Verhältnissen vollständig angepasst und ist eine brauchbare Arbeitskraft geworden".''
Der weitere Lebensweg von Leonti Givant ist noch nicht geklärt, ob und wann er wo in den USA angekommen ist, ist noch nicht bekannt; 1957 lief ein Wiedergutmachungsantrag.

== Pforzheim 1933 - KZ Dachau 1938 ==
1933 wird er in Pforzheim Teilhaber des Fotoateliers [[Max Rödelsheimer]] am [[Schloßberg]] und muss am 1. April 1933 die erste offen antisemitische Aktion der NSDAP, den Boykott jüdischer Ladengeschäfte, auch das "seines" Geschäfts, miterleben. Er wohnt in der [[Zerrennerstraße]] 29 gegenüber der [[Synagoge]]. 1934/35 betreibt die Gestapo mittels einer Denunziation - ''"vertraulich wurde in Erfahrung gebracht, Givant sich der ... in sittlich und moralisch verwerflicher Weise näherte"'' - die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Leonti Givant verlässt 1935 Pforzheim, zieht 1936 von Horn bei Konstanz kommend nach Baden-Baden und teilt am 4. November 1938 den Behörden seine Absicht mit, in die USA auszureisen
Nach der Zerstörung der Synagoge in Baden-Baden am 10. November 1938 verschleppen ihn die Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Dachau. Nach der Entlassung am 26. November 1938 beantragt er am 15. Dezember 1938 einen Reisepass für eine Reise nach San Francisco, die er 1939 antritt. Seine verwitwete Mutter reiste bereits am 8. Dezember 1938 mit der "Hansa" aus Bremerhaven ab.

== nach 1939==
Durch die Emigration entgeht Leonti Givant der Deportation am 22. Oktober 1940 in südfranzösische Internierungslager Gurs und dmit dem Schicksal seines Geschäftspartners Max Rödelsheimer in Pforzheim, der im Sommer 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt wurde und als "f.t.e." gilt - "für tot erklärt", ermordet.
Der weitere Lebensweg von Leonti Givant ist noch nicht geklärt, ob und wann er wo in den USA angekommen ist, ist noch nicht bekannt; 1957 lief ein Wiedergutmachungsantrag.


== Literatur ==
== Literatur ==
* Bericht der Gestapo Pforzheim 4. 7. 1934 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
* Bericht der Gestapo Pforzheim 4. 7. 1934 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
* Beschluss zum Einbürgerungsantrag 1. 12. 1921 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
* Beschluss zum Einbürgerungsantrag 1. 12. 1921 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
* {{Brändle 1985}}
* Brändle, Gerhard, Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim, Pforzheim, 1985
* Stadtarchiv Baden-Baden (AZ 044.84)
* Stadtarchiv Baden-Baden (AZ 044.84)

{{DEFAULTSORT:Givant, Leonti}}
[[Kategorie:Mann]]
[[Kategorie:Person (Pforzheim)]]
[[Kategorie:NS-Opfer]]

Aktuelle Version vom 29. Juni 2019, 13:55 Uhr

Leonti Givant, um 1922

Leonti Givant (* 15. September 1896 in Berlin) war von 1933 bis 1935 Teilhaber eines Fotoateliers in Pforzheim, im November 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten.

Leben

Leonti Givant zog als Kind mit seinen Eltern über München 1905 nach Baden-Baden, dort besuchte er die Volksschule und bis 1911 die Oberrealschule. In München absolviert er eine kaufmännische Lehre und arbeitet dann dort, in Triest (Österreich-Ungarn, jetzt Italien), in Baden-Baden, Mannheim, Frankfurt und Mainz. Im August und September 1914 wurde er aufgrund seiner russischen Staatsangehörigkeit als "feindlicher Ausländer" interniert. 1921 beantragte er die badische Staatsangehörigkeit, also die Einbürgerung; sie war ihm 1919 bei der Einbürgerung seiner Eltern Isaak und Anna, geb. Wejucker, verwehrt worden, da ihn der russische Staat aufgrund der Militärdienstpflicht nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen hatte. Seine Einbürgerung erfolgte 1922 mit der Begründung, er habe sich „den deutschen Verhältnissen vollständig angepasst und ist eine brauchbare Arbeitskraft geworden“.

Pforzheim 1933 – KZ Dachau 1938

1933 wird er in Pforzheim Teilhaber des Fotoateliers Max Rödelsheimer am Schloßberg und muss am 1. April 1933 die erste offen antisemitische Aktion der NSDAP, den Boykott jüdischer Ladengeschäfte, auch den "seines" Geschäfts, miterleben. Er wohnte in der Zerrennerstraße 29 gegenüber der Synagoge. 1934/35 betrieb die Gestapo mittels einer Denunziation – „vertraulich wurde in Erfahrung gebracht, [daß] Givant sich der [...] in sittlich und moralisch verwerflicher Weise näherte“ – die Aberkennung von Givants deutscher Staatsbürgerschaft. Leonti Givant verließ 1935 Pforzheim, zog 1936, von Horn bei Konstanz kommend, nach Baden-Baden und teilte am 4. November 1938 den Behörden seine Absicht mit, in die USA auszureisen.

Nach der Zerstörung der Synagoge in Baden-Baden am 10. November 1938 verschleppten ihn die Nationalsozialisten ins Konzentrationslager Dachau. Nach der Entlassung am 26. November 1938 beantragte er am 15. Dezember 1938 einen Reisepass für eine Reise nach San Francisco, die er 1939 antrat. Seine verwitwete Mutter reiste bereits am 8. Dezember 1938 mit der "Hansa" aus Bremerhaven ab.

nach 1939

Durch die Emigration entging Leonti Givant der Deportation am 22. Oktober 1940 in südfranzösische Internierungslager Gurs und damit dem Schicksal seines Geschäftspartners Max Rödelsheimer in Pforzheim, der im Sommer 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und nach 1945 "für tot erklärt" wurde; vermutlich wurde er ermordet. Der weitere Lebensweg von Leonti Givant ist noch nicht geklärt, ob und wann er wo in den USA angekommen ist, ist noch nicht bekannt; 1957 lief ein Wiedergutmachungsantrag.

Literatur

  • Bericht der Gestapo Pforzheim 4. 7. 1934 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
  • Beschluss zum Einbürgerungsantrag 1. 12. 1921 (Stadtarchiv Baden-Baden, ungedruckt)
  • Gerhard Brändle: „Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim“, herausgegeben von der Stadt Pforzheim, Pforzheim 1985 (1. Auflage) ISBN 3-9800843-1-0
  • Stadtarchiv Baden-Baden (AZ 044.84)