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Maihälden
Die Maihälden sind ein Wohngebiet in Pforzheim, gelegen zwischen der Wilferdinger/Karlsruher Straße, Kelterstraße und der Ersinger Straße. Historisch zu Brötzingen gehörend, ist ihr Teil östlich der Kurzen Steig heute in der offiziellen Stadtgliederung der Stadt Pforzheim der Nordstadt zugeordnet.
Ca. 3000 Einwohner beherbergt das am Fuße des Wallberg bestehende Neubaugebiet.
Die Maihälden waren bis in die 1980er Jahre nur punktuell bebaut. Gärten, stärker verwilderte Flächen sowie eine vereinzelte landwirtschaftliche Nutzung beherrschten das Aussehen dieses Gebietes. In den folgenden Jahrzehnten avancierte das Maihäldengebiet zu einem beliebten Wohngebiet mit gewachsenen Strukturen.
Die Namensgebung
Die Namensgebung ist auf die Flurnamen "In den Maihälden" sowie "Maihäldenäcker" zurückzuführen und steht im Zusammenhang mit den steileren Hängen südlich der Kurzen Steig[1]. Aus historischen Stadtkarten geht hervor, dass in diesem Bereich einst Wein angebaut wurde.
Vor der Bebauung
Das Maihäldengebiet blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Im Mittelalter wurde das Gebiet landwirtschaftlich bewirtschaftet. Es war Heimat zweier größerer Hofgüter: dem Liebeners Hof und dem Reyßen Hub. Historische Dokumente legen nahe, dass an den Südhängen des Wallberg und südlich der Kurze Steige bis in das 19. Jahrhundert Weinbau betrieben wurde[2]. Infolge niedriger Erträge wurden die meisten Weinberge später in Obstgärten umgewandelt.
Bereits 1906 existierten städteplanerische Absichten, das Maihäldengebiet breitflächig zu erschließen. Infolge des Ersten Weltkriegs und herausfordernder wirtschaftlichen Bedingungen wurden diese Pläne jedoch nicht weiter verfolgt[2]. Es setze eine sukzessive, punktuelle Bebauung ein, insbesondere entlang der Kelterstraße. Die landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung dominierte jedoch weiterhin und prägte das Bild von der Brötzinger Riviera - wie das Gebiet umgangssprachlich genannt wurde[3]. Noch heute findet sich älterer Gebäudebestand aus dem Anfang des 20. Jahrhundert und erinnert an die Anfänge der Wohnbebauung. In kleinen Teilen wurde das Gebiet auch gewerblich-industriell genutzt, etwa seit 1895 durch den chermieverarbeitenden Betrieb "Fettwaren Schmied".
Der Zweite Weltkrieg ließ das Maihäldengebiet nicht unberührt. In der Nacht vom 18. auf den 19. August 1940 erfolgte ein Luftangriff gegen die Bahnanlagen und Brücken in Pforzheim. Sieben Bomben sollten die Baumannbrücke treffen, doch sie verfehlten ihr Ziel und fielen stattdessen ohne Zündung in die nordöstlich gelegenen Flurstücke [4]. Im Zuge des Luftangriffs vom 23. Februar 1945 wurden sieben Gebäude nördlich der Bahngleise zwischen Durlacher- und Kelterstraße durch die Anrgriffe vollstädig zerstört. Mindeestens zwei weitere Bomben trafen die Bahngleise und verursachten erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Die verbleibenden ca. 40 Gebäude im Maihäldengebiet wurden nicht beschädigt. Es ist davon auszugehen, dass unmittelbar nach dem Luftangriff die Gartenlauben auf dem Gelände für einige Personen notdürftige Unterkünfte boten.
In der Nachrkriegszeit setzte sich die punktuelle Bebauung fort und der Betrieb "Fettwaren Schmied" wurde zwischenzeitlich durch die Firma Fahrländer übernommen. Der chermieverarbeitende Betrieb entsorgte einen Teil des anfallenden Chlorwasserstoffs bis in die 1960er Jahre in eine einfache Erdgrube[5] und anschließend in eine mit Beton versiegelte Grube[6]. Das Unternehmen stellte die eigenen Produktionsaktivitäten im Jahr 1986 ein und der Gebäudebestand wurde abgerissen. Erste orientierende Messungen im Frühsommer 1985 zeigten eine erhöhte Konzentration von Trichlorethylen und Perchlorethyloren in Boden und Bodenluft, und 88 weitere Bohrungen bestätigten eine massive Kontamination mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW), Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und polychlorierten Biphenylen (PCB)[7]. Dabei wurde die höchste Kontamination im Erdreich bis 7m Tiefe nachgewiesen, geringere Konzentrationen fanden sich jedoch auch in tieferen Bodenschichten und auch im Grundwasser. Es folgten ab 1994 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen inklusive einer komplexen Bodensanierung im Jahr 2000.
Bebauung
Am 28. Februar 1984 beschloss der pforzheimer Gemeinderat, einen Bebauungsplan für den Bereich "Wildergrund" aufzustellen. Weitere Bebauungspläne folgten und Mitte der 1980er Jahre begonnen umfangreiche Erschließungsarbeiten[8]. Hierbei wurden bestehende Flure zusammengegelegt, um eine Bebauung zu ermöglichen. Die Erschließung war nicht ohne Kontroversen, da u.a. viele Bäume gefällt wurden und Gehwege nach Ansicht kritischer Stimmen zu groß dimensioniert waren. Zwischen den 1980er und 1990er Jahren wuchs die pforzheimer Bevölkerung stark und der Bedarf nach Wohnraum verschärfte sich: 1984 zählte die Stadt rund 1000 Wohnungssuchende, gegen Ende 1989 waren es bereits rund 3000 Personen.
Historische Relikte
Diese Gartengebiete kamen meistens noch aus der Vorkriegszeit, welche nach dessem neu vergeben wurden oder einsam verwilderten. An ganz wenigen Stellen kann man heute noch 'Relikte' dieser Zeit entdecken. Am großen Waldspielplatz zwischen dem Norma-Markt und dem Haus Maihälden: Von Süd nach Nord kann man in einem kleinen buschigen Waldstück noch Überreste der Waldwege erkennen. Bis vor kurzem war dort ebenfalls noch eine komplett erhaltene Treppe sowie eine ausgediente Laterne aufzufinden, die aber wohl dem Bau neuer Häuser an der Siegfriedstraße zum Opfer fielen. Auch in diesem Bereich der Siegfriedstraße stand bis vor 10 Jahren quer zur Straße ein alter Kindergarten sowie einige alte Wohnhäuser. Weiterhin besteht bis Heute noch ein Rest der ursprünglichen Maihäldenstraße, welche damals von der Westlichen Karl- Friedrich- Straße über die (im September 2009 abgerissene) Maihäldenbrücke, geradewegs hin bis zur noch heute bestehenden Siegfriedstraße führte. Dieser noch erhaltene Strasßenabschnitt ist linksgelegen auf der Bonhoefferstraße im Bereich zwischen den Kreuzungen Bodelschwinghstraße sowie Jochen- Klepper- Straße in Form einer längeren Gartenanlagenauffahrt zu erkennen. Dies wurde durch den Vergleich mit einem Stadtplan aus der Vorkriegszeit bestätigt. Eine weitere Bestätigung dafür findet sich ebenfalls in der Siegfriedstraße; Dort steht noch heute ein Herrenloses Straßenschild in den Gebüschen.
Maihälden als Wohngebiet
Heutzutage ist das ehemalige Gartenareal sehr dicht bebaut und man sieht ihm die wäldliche Vergangenheit nicht mehr an. Pro Jahr werden durchschnittlich Fünf neue Häuser gebaut, und die Besiedelungsrate steigt ebenfalls immer weiter an.
Der Stadtteil Maihälden ist ein junges, kinderfreundliches Gebiet mit meist jungen Familien, doch nicht mehr allzu verkehrsberuhigt wie noch vor rund Fünf Jahren. Der Hauptfaktor ist die damals schon sehr umstrittene neue Auffahrt der Kurzen Steig, welche am Neubaugebiet dicht vorbei führt.
Verkehrslage Gestern - Heute
Während vor circa vier Jahren noch rund 30 Fahrzeuge (Linienbusse ausgenommen) pro Stunde die Einfahrt zum Gebiet passierten (vom Standpunkt Victoriabrücke aus gesehen), sind es heutzutage rund 200 - 400 Fahrzeuge pro Stunde, die alleine die neue Auffahrt der Kurzen Steig nutzen, aber dem Lärm und dessen Ausbreitung einen hörbaren Beitrag beisteuern. Ebenfalls nutzen viele KFZ-Fahrer die Hauptverkehrsader im Gebiet (Bodelschwinghstraße/Bonhoefferstraße) um bei Rotphasen der Ampeln auf der Kelterstraße (Richtung Stadtauswärts) dem lästigen warten zu entkommen. Dies ermöglichen die grünen Pfeile welche ein Abbiegen trotz roter Ampel erlauben.
Weststadtpark
Der Weststadtpark liegt unmittelbar an der Bonhoefferstraße / Kreuzung Bonhoefferstraße - Hofäckerweg. Auch der Weststadtpark hat seine Vergangenheit: bis vor ca. 100 Jahren war er ein Friedhof, der nach Angabe eines alten Stadtplanes zu Brötzingen gehört hat. Dies Friedhofsähnliche Baustruktur erkennt man auch noch an den Wegen und der kleinen Kapelle, die Heute in Privater Hand liegt, und als Wohngebäude genutzt wird. Zwischen den Jahren 2005 bis 2008 wurde diese umfangreich und aufwändig restauriert / renoviert.
Kinder- Jugend- Soziales Miteinander
Die Kinder als auch die Jugend in Maihälden sind generell sehr lebensfreudig; das liegt wohl auch zum Teil an den vielen Spielmöglichkeiten, öffentlichen Plätzen, sowie Bolzbereichen uvm.
Das Soziale Miteinander der ansässigen Anwohner ist gut bis sehr gut ausgeprägt; Außergewöhnlich ist das oftmals geltende Prinzip "jeder kennt jeden", d.h. der Kontakt zu Nachbarn wird sehr gepflegt, die Freundlichkeit wird groß geschrieben.
Sehenswürdigkeiten
- Weststadtpark mit dazugehöriger Kapelle
- Waldspielplatz
- Haus Maihälden
- Wallberg
Bis zum September 2009 existierte der in den 1920er Jahren erbaute Maihäldensteg, welcher die Maihäldenstrasse als Fußgängerbrücke über die Bahngleise hinweg mit der Kelter- /Regine-Jolberg-Straße verbunden hat. Dieser Steg wurde letztendlich abgetragen, da die Sicherheit sowie Standhaftigkeit der seltenen, genieteten Stahlkonstruktion nicht mehr gegeben werden konnte. Ein Neubau soll zum Jahreswechsel 2013 erfolgen , welcher dann Teile des alten Steges enthalten, und bis über die Kelterstraße führen soll.
Öffentliche Verkehrsmittel
- (Birkenfeld-Arlinger-Brötzingen-Maihälden-Innenstadt-Oststadt-Mäuerach) >
- (Mäuerach-Oststadt-Innenstadt-Maihälden-Brötzingen-Arlinger-Birkenfeld)<
- (Bahnhof Brötzingen-Maihälden-Wilferdinger Höhe) >
- (Wilferdinger Höhe-Maihälden-Bahnhof Brötzingen)<
Haltestellen:
- Bonhoefferstraße - Linie 11
- Weststadtpark - Linie 9
- Haus Maihälden - Linie 9
- Henhöferstraße - Linie 9
Taktfrequenz Linie 9: Der Bus verkehrt im 30-minütigen Takt, ab 20 Uhr sowie Samstags ab 14 Uhr und Sonntags/Feiertags ganztags einstündig
Taktfrequenz Linie 11: Der Bus verkehrt im 30-minütigen Takt, ab ca. 20 Uhr ist Betriebsschluss, Sonntags wird die Linie nicht befahren
- (Pforzheim - Bad Wildbad)>
- (Bad Wildbad - Pforzheim - Karlsruhe / - Bietigheim-Bissingen)<
- (Zug verkehrt Werktags im 30-minütigen Takt, abends sowie am Wochenende jeweils nach Angabe des aktuellen Fahrplans)
Haltestelle:
- Pforzheim-Maihälden (an der Baumannbrücke, Kreuzung Kelter-/ Bodelschwinghstraße)
Einzelnachweise
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/flurnamen/maihaelden-flurname/
- ↑ 2,0 2,1 https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/vorkriegszeit-in-maihaelden/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/zweiter-weltkrieg-in-maihaelden/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/nachkriegszeit-in-maihaelden/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/fahrlaender-betrieb/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/fahrlaender-betrieb/
- ↑ https://pforzheim-geschichte.de/pforzheim/stadtteile/maihaelden/nachkriegszeit-in-maihaelden/