Feier mit! 20 Jahre Pfenz!

Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
in der EngagementWerkStadt, Lammstraße — gerne anmelden, oder einfach vorbeikommen!


Zur Anmeldung als Teilnehmer bitte E-Mail mit Nennung des gewünschten Benutzernamens an: E-Mail: pfenzmail.de

Martin Eckstein: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Ernst Feuerle (Diskussion | Beiträge)
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Ernst Feuerle (Diskussion | Beiträge)
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 2: Zeile 2:


== Leben ==
== Leben ==

Martin Eckstein zog 1939 mit seinen Eltern Albert und Felicitas sowie seiner Schwester Lore von Weinheim nach [[Pforzheim]] um. Die Familie wohnte im [[Gemeindehaus]] hinter der zerstörten [[Synagoge]] an der [[Zerrennerstraße]], der Vater nahm nach der Auswanderung bzw. Flucht der langjährigen Kantoren Sommer und Marx die Aufgaben des Kultusbeamten der [[Jüdische Gemeinde Pforzheim|jüdischen Gemeinde]] wahr.
Martin Eckstein zog 1939 mit seinen Eltern Albert und Felicitas sowie seiner Schwester Lore von Weinheim nach [[Pforzheim]] um. Die Familie wohnte im [[Gemeindehaus]] hinter der zerstörten [[Synagoge]] an der [[Zerrennerstraße]], der Vater nahm nach der Auswanderung bzw. Flucht der langjährigen Kantoren Sommer und Marx die Aufgaben des Kultusbeamten der [[Jüdische Gemeinde Pforzheim|jüdischen Gemeinde]] wahr.


Zeile 21: Zeile 20:


Außer Martin Eckstein wurden auch Karl Leopold Landau (heute: Uri Landau) von den Frauen der Quäker aus dem Lager Gurs ins Waisenhaus nach Aspet gebracht, ebenso die Schwestern Hanna und Susanne Moses aus [[Karlsruhe]].
Außer Martin Eckstein wurden auch Karl Leopold Landau (heute: Uri Landau) von den Frauen der Quäker aus dem Lager Gurs ins Waisenhaus nach Aspet gebracht, ebenso die Schwestern Hanna und Susanne Moses aus [[Karlsruhe]].



== Erinnerung ==
== Erinnerung ==
Am [[13. März]] [[2008]] wurden am Platz der Synagoge an der Zerrennerstraße für die vier Mitglieder der Familie Eckstein sogenannte "[[Stolpersteine]]" gesetzt.
Am [[13. März]] [[2008]] wurden am Platz der Synagoge an der Zerrennerstraße für die vier Mitglieder der Familie Eckstein sogenannte "[[Stolpersteine]]" gesetzt.

== Literatur ==
== Literatur ==
* Gerhard Brändle, ''Die jüdische Mitbürger der Stadt Pforzheim'', Pforzheim, 1985
* Gerhard Brändle, ''Die jüdische Mitbürger der Stadt Pforzheim'', Pforzheim, 1985

Version vom 16. März 2008, 15:03 Uhr

Martin Eckstein (* 15. August 1929) wurde als Mitglied der jüdischen Gemeinde Pforzheim Opfer der Nationalsozialisten.

Leben

Martin Eckstein zog 1939 mit seinen Eltern Albert und Felicitas sowie seiner Schwester Lore von Weinheim nach Pforzheim um. Die Familie wohnte im Gemeindehaus hinter der zerstörten Synagoge an der Zerrennerstraße, der Vater nahm nach der Auswanderung bzw. Flucht der langjährigen Kantoren Sommer und Marx die Aufgaben des Kultusbeamten der jüdischen Gemeinde wahr.

Deportation

Martin Eckstein berichtet selbst:

„Am 22. Oktober 1940 um 6 Uhr früh erschien ein Polizist vor unserer Wohnungstüre und informierte uns, in zwei Stunden reisefertig zu sein, nur tragbares Gepäck zu nehmen und 100 Reichsmark pro Person, der Grund wurde als ‚Umsiedlung angegeben. – Soviel ich mich erinnern kann, blieb der Polizist vor der Türe zu Bewachung stehen. Meine Eltern schickten mich zum Schuhmacher, um ein Paar Schuhe zu holen, was der Polizist erlaubte.
Gegen 9 Uhr wurden wir von einem grünen Polizei-Auto abgeholt und zum Bahnhof zu einem Personenzug gebracht, der Zug stand auf einem Nebengleis (Anm.: am Güterbahnhof). Die Wohnung wurde von der Gestapo ? versiegelt, es wurde uns versichert, dass die ganze Wohnungseinrichtung uns später folgen würde…
Gegen Abend fuhr der Zug ab, wir sahen viele Bekannte der jüdischen Gemeinde bei uns. Die Reise dauerte zwei bis drei Tage, in Mühlhausen ? wurden wir vom Roten Kreuz ? verpflegt. An der französischen Grenze wurden alle Gelder über 100 Reichmark eingesammelt, nachdem wir Warnung bekamen, dass jeder, der im Besitz von mehr Geld (Anm. erwischt würde), von der Todesstrafe bedroht wäre…
In Oloron waren Lastwagen bereit für uns, es regnete stark, die Männer und Frauen wurden getrennt, die Kinder hatten die Wahl, ich blieb bei meinem Vater; meine Schwester ging mit meiner Mutter, da sie erwachsen war (acht Jahre älter wie ich). Im Lager wurden wir in Baracken eingeteilt, es gab nur Strohsäcke am Boden, wir hatten keine Essgeschirre…
Es gab nur dünne Suppe und etwas Brot. Viele Leute starben an Cholera…“'

Rettung

Über den Beginn des Jahres 1941 schreibt Martin Eckstein:

„Secours Suisse gab den Kindern jeden Tag heiße Ovomaltine und Essen; es waren auch warme Kleider erhältlich, durch welche Organisation, weiß ich nicht mehr. OSE, eine jüdische Hilfsorganisation, und Quäker organisierten Kindertransporte aus dem Lager, ich war bei dem zweiten Transport. Insgesamt 40 Kinder kamen wir in ein französisches Waisenhaus in Aspet gebracht; wird wurden von den Quäkern betreut.
Im Februar 1943 ging ich in die Schweiz mithilfe von Alice Synnevstedt, die für die Quäker arbeitete. Ich hatte ein Schweizer Visum von meinen Verwandten in Zürich, die mich bei sich aufnahmen. Von April 1941 bis Juni 1942 habe ich mit meinen Eltern in Gurs korrespondiert“. [Anmerkung: die Fragezeichen im Text stammen von Martin Eckstein selbst]

Die im Bericht oben erwähnte Schwester, Lore, wird mit Beginn der Deportationen von Juden aus dem Frankreich des Marschall Pétain, also aus der unbesetzten Zone, im Juni 1942, nach dem Bericht ihres Bruders Martin „in den Osten“ deportiert, seitdem ist sie verschollen. Die Eltern Albert und Felicitas Eckstein sind in dem Deportationszug, der am 10. 8. 1942 vom Sammellager Drancy bei Paris ins Vernichtungslager Auschwitz fährt.

Außer Martin Eckstein wurden auch Karl Leopold Landau (heute: Uri Landau) von den Frauen der Quäker aus dem Lager Gurs ins Waisenhaus nach Aspet gebracht, ebenso die Schwestern Hanna und Susanne Moses aus Karlsruhe.

Erinnerung

Am 13. März 2008 wurden am Platz der Synagoge an der Zerrennerstraße für die vier Mitglieder der Familie Eckstein sogenannte "Stolpersteine" gesetzt.

Literatur

  • Gerhard Brändle, Die jüdische Mitbürger der Stadt Pforzheim, Pforzheim, 1985
  • Martin Eckstein, Bericht, veröffentlicht in der Pforzheimer Zeitung vom 22.9.1990
  • Edwin Landau, Samuel Schmitt (Hrsg.), Lager in Frankreich, Mannheim, 1991