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Kriegerdenkmal Pforzheim: Unterschied zwischen den Versionen
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'' Das Kriegerdenkmal heißt Kriegerdenkmal, weil ein Krieger auf einem Sockel steht.Da brauchst Du gar nicht so bommelig zu lachen! Auf dem Sockel stand ganz schlicht " Unseren Helden von 1870/71 " Auf der Sockelrückseite war eine Widmung vom Heimatdichter Ludwig Auerbach und die Ortsnamen der Schlachten, in denen sich die badischen Truppen erfolgreich hervorgetan haben. Also Straßburg, Nuits, Dijon und Belfort.Der germanische Krieger blickt mit grimmigen Gesicht Richtung Westen nach Frankreich.Ursprünglich hätte ich für den Krieger Modell stehen sollen, aber Professor Moeß aus Karlsruhe behauptete, eine Kriegerfigur mit einer Schneckennudel in der Hand würde den künstlerischen Eindruck stören.Nun ja, schlussendlich wurde die Figur in Nürnberg gegossen und nach Pforzheim gebracht.Leider wurde ein Vorschlag verworfen. Der verwegene Germane sollte nämlich auf dem Marktplatz einen plätschernden Brunnen krönen. Aber man hatte ja kurz zuvor den Markgrafen-Brunnen schon an den Leo verbannt.Also entschied man sich für einen Sockel. Schade. Jetzt muss man rückblickend sagen, dass so ein Kriegerdenkmal mitten auf dem Marktplatz ein wenig befremdlich wirkt. Es sollte ja für die Ewigkeit dort stehen. Dazu muss man verstehen, dass der gewonnene Krieg gegen Erzfeind Frankreich und das neugegründete Deutsche Reich mit Kaiser Wilhelm eine unglaubliche Euphorie auslöste. Endlich waren die vielen Kleinstaaten vereint und man wollte aus Deutschland eine |
'' Das Kriegerdenkmal heißt Kriegerdenkmal, weil ein Krieger auf einem Sockel steht.Da brauchst Du gar nicht so bommelig zu lachen! Auf dem Sockel stand ganz schlicht " Unseren Helden von 1870/71 " Auf der Sockelrückseite war eine Widmung vom Heimatdichter Ludwig Auerbach und die Ortsnamen der Schlachten, in denen sich die badischen Truppen erfolgreich hervorgetan haben. Also Straßburg, Nuits, Dijon und Belfort.Der germanische Krieger blickt mit grimmigen Gesicht Richtung Westen nach Frankreich.Ursprünglich hätte ich für den Krieger Modell stehen sollen, aber Professor Moeß aus Karlsruhe behauptete, eine Kriegerfigur mit einer Schneckennudel in der Hand würde den künstlerischen Eindruck stören.Nun ja, schlussendlich wurde die Figur in Nürnberg gegossen und nach Pforzheim gebracht.Leider wurde ein Vorschlag verworfen. Der verwegene Germane sollte nämlich auf dem Marktplatz einen plätschernden Brunnen krönen. Aber man hatte ja kurz zuvor den Markgrafen-Brunnen schon an den Leo verbannt.Also entschied man sich für einen Sockel. Schade. Jetzt muss man rückblickend sagen, dass so ein Kriegerdenkmal mitten auf dem Marktplatz ein wenig befremdlich wirkt. Es sollte ja für die Ewigkeit dort stehen. Dazu muss man verstehen, dass der gewonnene Krieg gegen Erzfeind Frankreich und das neugegründete Deutsche Reich mit Kaiser Wilhelm eine unglaubliche Euphorie auslöste. Endlich waren die vielen Kleinstaaten vereint und man wollte aus Deutschland eine Wirtschaftskraft machen. Und das Kriegerdenkmal verkörperte diese Hoffnungen, Darum wurde es an zentraler Stelle und exponiert aufgestellt. Im Jahr 1873 wurde ein Komitee gebildet und eine Sammlung veranstaltet, um das Denkmal zu finanzieren. Wohl gemerkt. Das waren private Spenden! Die Stadt hatte mal wieder kein Geld für solche Vorhaben! Aber erst am 18.Mai 1879 konnte der Germanen-Krieger mit einem Festzug und allerhand Reden eingeweiht werden. Der offizielle Festakt wurde danach im Schwarzen Adler ausgiebig begossen. Das niedere Volk zog singend und jubelnd zum Turnplatz in die improvisierte Turnhalle und ließ es ordentlich krachen. Und was geschah nun mit unserem grimmigen Germanen-Krieger? Nun 1926 war die anfängliche Euphorie verflogen und der 1. Weltkrieg verloren. Weil der Schrumpelgermane der Straßenbahn im Weg stand, verfrachtete man den armen Kerl kurzerhand in den Benckiser Park. Dort stand er zwischen den Blumenrabatten etwas deplatziert herum. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Im 2.Weltkrieg wurde er geopfert und man stellte Granaten aus ihm her. Nun ja, wenn man überlegt, dass man in dieser traurigen Zeit auch Kirchenglocken eingeschmolzen hat, muss man anmerken, dass unser stolzer Germane zumindest seine kriegerische Existenz im Krieg beendet hat.Die ersten beiden Fotos zeigen unseren Germanen auf dem Marktplatz. Foto 3 und 4 wurden |
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[[Datei:Pforzheimer Kriegerdenkmal im Benckiser Park, von 1918 bis 1945 (a).jpg|thumb| ]] |
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[[Datei:Pforzheimer Kriegerdenkmal im Benckiser Park, von 1918 bis 1945 (b).jpg|thumb| ]] |
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gemacht.'' aus [[PfiB e.V.]] (Hrsg.):'' Schleimi und das Kriegerdenkmal'' [http://pfib.de/what-s-on/kobold-schleimi-erzaehlt-geschichte-und-geschichten-aus-pforze/ online] |
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Version vom 25. Juni 2020, 05:50 Uhr

Das Kriegerdenkmal von Pforzheim stand mitten auf dem Pforzheimer Marktplatz zur Erinnerung an den Deutsch-französischen Krieg (1870/'71).
Es stellte einen germanischen Krieger dar, der mir grimmigen Blick nach Westen blickte. Vorne auf dem Sockel stand die Inschrift: UNSEREN HELDEN 1870/71, die Rückseite trug eine von dem Pforzheimer Dichter Ludwig Auerbach verfasste Widmung, außerdem waren die Namen –Straßburg, Nuits[1], Dijon und Belfort angebracht, also die Namen der Schlachten, bei denen hauptsächlich badische Truppen an der Front waren.
Das Denkmal war umgeben von einem Zaun aus Metall mit steinernen Pfeilern an den vier Ecken. Die Eckpfeiler waren durch vorgelagerte oben abgerundete Poller vor Beschädigung durch den dem Verkehr geschützt. Auf den Eckpfeilern befanden sich Kandelaber mit Laternen.
Geschichte
1873 wurde ein Komitee gebildet und eine Sammlung veranstaltet, damit das Denkmal errichtet werden konnte. Die schwere Geschäftskrise im selben Jahr verzögerte jedoch die Ausführung. Erst 1876 wurde die Sache erneut in Angriff genommen und eine Reihe angesehener Bürger der Stadt bildeten ein neues Komitee, darunter der Pforzheimer Schmuckwarenfabrikant Eduard Bichler (1819–1899), Ludwig Auerbach, Louis Franzmann (1825–1896)[2] und der Kunstgewerbeschuldirektor Waag (1845–1912)[3] als künstlerischer Beirat. Die Figur wurde von Prof. Friedrich Moest (1838–1923) in Karlsruhe entworfen und modelliert und in Nürnberg gegossen.
Der Entwurf des Sockels stammte von Professor Dollinger in Stuttgart, die Ausführung erfolgte durch den Maurermeister Schweickhardt und den Bildhauer Oskar Ostermayer.
Am 18. Mai 1879 fand in Anwesenheit des Erbgroßherzogs [4] als Vertreter seines erkrankten Vaters[5] die Einweihung statt. Im Jahre 1926 musste der alte Germane der Straßenbahn weichen, die über den Marktplatz geführt wurde. Man versetzte ihn in den Benckiserpark. Im Zweiten Weltkrieg wurde er in Granaten umgewandelt.
Schleimi
Das Kriegerdenkmal heißt Kriegerdenkmal, weil ein Krieger auf einem Sockel steht.Da brauchst Du gar nicht so bommelig zu lachen! Auf dem Sockel stand ganz schlicht " Unseren Helden von 1870/71 " Auf der Sockelrückseite war eine Widmung vom Heimatdichter Ludwig Auerbach und die Ortsnamen der Schlachten, in denen sich die badischen Truppen erfolgreich hervorgetan haben. Also Straßburg, Nuits, Dijon und Belfort.Der germanische Krieger blickt mit grimmigen Gesicht Richtung Westen nach Frankreich.Ursprünglich hätte ich für den Krieger Modell stehen sollen, aber Professor Moeß aus Karlsruhe behauptete, eine Kriegerfigur mit einer Schneckennudel in der Hand würde den künstlerischen Eindruck stören.Nun ja, schlussendlich wurde die Figur in Nürnberg gegossen und nach Pforzheim gebracht.Leider wurde ein Vorschlag verworfen. Der verwegene Germane sollte nämlich auf dem Marktplatz einen plätschernden Brunnen krönen. Aber man hatte ja kurz zuvor den Markgrafen-Brunnen schon an den Leo verbannt.Also entschied man sich für einen Sockel. Schade. Jetzt muss man rückblickend sagen, dass so ein Kriegerdenkmal mitten auf dem Marktplatz ein wenig befremdlich wirkt. Es sollte ja für die Ewigkeit dort stehen. Dazu muss man verstehen, dass der gewonnene Krieg gegen Erzfeind Frankreich und das neugegründete Deutsche Reich mit Kaiser Wilhelm eine unglaubliche Euphorie auslöste. Endlich waren die vielen Kleinstaaten vereint und man wollte aus Deutschland eine Wirtschaftskraft machen. Und das Kriegerdenkmal verkörperte diese Hoffnungen, Darum wurde es an zentraler Stelle und exponiert aufgestellt. Im Jahr 1873 wurde ein Komitee gebildet und eine Sammlung veranstaltet, um das Denkmal zu finanzieren. Wohl gemerkt. Das waren private Spenden! Die Stadt hatte mal wieder kein Geld für solche Vorhaben! Aber erst am 18.Mai 1879 konnte der Germanen-Krieger mit einem Festzug und allerhand Reden eingeweiht werden. Der offizielle Festakt wurde danach im Schwarzen Adler ausgiebig begossen. Das niedere Volk zog singend und jubelnd zum Turnplatz in die improvisierte Turnhalle und ließ es ordentlich krachen. Und was geschah nun mit unserem grimmigen Germanen-Krieger? Nun 1926 war die anfängliche Euphorie verflogen und der 1. Weltkrieg verloren. Weil der Schrumpelgermane der Straßenbahn im Weg stand, verfrachtete man den armen Kerl kurzerhand in den Benckiser Park. Dort stand er zwischen den Blumenrabatten etwas deplatziert herum. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Im 2.Weltkrieg wurde er geopfert und man stellte Granaten aus ihm her. Nun ja, wenn man überlegt, dass man in dieser traurigen Zeit auch Kirchenglocken eingeschmolzen hat, muss man anmerken, dass unser stolzer Germane zumindest seine kriegerische Existenz im Krieg beendet hat.Die ersten beiden Fotos zeigen unseren Germanen auf dem Marktplatz. Foto 3 und 4 wurden


gemacht. aus PfiB e.V. (Hrsg.): Schleimi und das Kriegerdenkmal online
Quelle
Lebendige Vergangenheit von Oskar Trost, 1963
Weblinks
Fußnoten
Anmerkungen und Einzelnachweise
- ↑ Siehe dazu Schlacht bei Nuits (18. Dezember 1870) im Stadtwiki Karlsruhe
- ↑ Eintrag Franzmann, Louis (Identifikations-Nr. 315490) in der Personendatenbank der Landesbibliographie Baden-Württemberg online
- ↑ Eintrag Waag, Alfred (Identifikations-Nr. 160854) in der Personendatenbank der Landesbibliographie Baden-Württemberg online
- ↑ = der spätere Großherzog Friedrich II. von Baden (1857–1928)
- ↑ = Großherzog Friedrich (I.) von Baden († 1907)