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Pierre Dayné war französischer Widerstandskämpfer in der Organisation „Réseau Alliance“ und wurde am 30. November 1944 von den Nationalsozialisten in Pforzheim im Waldgebiet Hagenschieß unweit des Wildparks ermordeet.
'''Pierre Dayné''' war französischer Widerstandskämpfer in der Organisation „Réseau Alliance“ und wurde am [[30. November]] [[1944]] von den Nationalsozialisten in [[Pforzheim]] im Waldgebiet [[Hagenschieß]] unweit des [[Wildpark]]s ermordet.


== Kindheit und Jugend ==
== Kindheit und Jugend ==
Pierre Dayné ist am [[17. November]] [[1902]] in Neuilly-sur-Seine geboren. Er war Sohn eines Polizisten im Ruhestand im Correze und wurde [[1917]] mit 15 Jahren Schiffsjunge, er war zwei Jahre im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]]. Sein älterer Bruder starb im September [[1918]] an der Front.

Pierre Dayné ist am 17. November 1902 in Neuilly-sur-Seine geboren. Er war Sohn eines Polizisten im Ruhestand im Correze und wurde 1917 mit 15 Jahren Schiffjunge, er war zwei Jahre im Ersten Weltkrieg. Sein älterer Bruder starb im September 1918 an der Front.


== Beruf und Familie ==
== Beruf und Familie ==
Nach dem Krieg verließ Pierre Dayné [[1922]] die Marine, weil er sich mit einer jungen Frau aus der Gegend um Brest in der Bretagne verheiraten wollte. Er wollte in die Polizei eintreten, weil schon sein Vater Polizist gewesen war. Sein handgeschriebener Lebenslauf befindet sich im Polizeimuseum in Paris, ebenso ein Diktat, das er bei der Aufnahmeprüfung schreiben musste. Nach weiteren Prüfungen arbeitete er bei der Sittenpolizei („brigade mondaine“) in Paris, [[1939]] legte er seine Diplom-Prüfung ab.


Er wohnte seit [[1926]] in Paris. Durch die Vermittlung seiner Frau, die von Beruf Stickerin war, machte er ungefähr [[1929]] die Bekanntschaft von Madame Madelaine Fourcade, da seine Frau für die großen französischen Familien Wäsche stickte.
Nach dem Krieg verließ Pierre Dayné 1922 die Marine, weil er sich mit einer jungen Frau aus der Gegend um Brest in der Bretagne verheiraten wollte. Er wollte in die Polizei eintreten, weil schon sein Vater Polizist gewesen war. Sein handgeschriebener Lebenslauf befindet sich im Polizeimuseum in Paris, ebenso ein Diktat, das er bei der Aufnahmeprüfung schreiben musste. Nach weiteren Prüfungen arbeitete er bei der Sittenpolizei („brigade mondaine“) in Paris, 1939 legte er seine Diplom-Prüfung ab.
Er wohnte seit 1926 in Paris. Durch die Vermittlung seiner Frau, die von Beruf Stickerin war, machte er ungefähr 1929 die Bekanntschaft von Madame Madelaine Fourcade, da seine Frau für die großen französischen Familien Wäsche stickte.


== Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht ==
== Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht ==
Der Vater von zwei Kindern trat am [[1. Februar]] [[1941]] der Résistance-Organaisation „Alliance“ bei und war zu diesem Zeitpunkt Verbindungsmann von Madame Madelaine Fourcade, die in der illegalen Arbeit gegen die deutsche Beatzung den Decknamen „Arche de Noe“ trug. Sie gab ihm den Tarnnamen „Fourni“, also „Ameise“.


[[1943]] war er Sicherheitsbeauftragter für die Radiosender der Widerstandsorganisation in Paris und nahm teil an der Organisation „Lysander“, also der Aufnahme der Flugzeuge beziehungsweise deren Besatzung und Fracht per Fallschirm, die aus London kommend, die Résistance in Frankreich unterstützten. Gleichzeitig arbeitete er als Verbindungsmann für Madame M. Fourcade, wenn sie in Paris war. In seiner legalen Existenz als Polizist hatte er ja das Recht, eine Waffe zu tragen.
Der Vater von zwei Kindern trat am 1. Februar 1941 der Résistance-Organaisation „Alliance“ bei und war zu diesem Zeitpunkt Verbindungsmann von Madame Madelaine Fourcade, die in der illegalen Arbeit gegen die deutsche Beatzung den Decknamen „Arche de Noe“ trug. Sie gab ihm den Tarnnamen „Fourni“, also „Ameise“.
1943 war er Sicherheitsbeauftragter für die Radiosender der Widerstandsorganisation in Paris und nahm teil an der Organisation „Lysander“, also der Aufnahme der Flugzeuge bzw. deren Besatzung und Fracht per Fallschirm, die aus London kommend, die Résistance in Frankreich unterstützten. Gleichzeitig arbeitete er als Verbindungsmann für Madame M. Fourcade, wenn sie in Paris war. In seiner legalen Existenz als Polizist hatte er ja das Recht, eine Waffe zu tragen.


== Réseau Alliance ==
== Réseau Alliance ==

Haupttätigkeiten von Réseau Alliance waren das Auskundschaften von geheimen Rüstungsfabriken in Hitler-Deutschland und von Abschussrampen für V 1- und V 2- Raketen sowie die Übermittlung von Nachrichten über Truppenbewegungen der Nazi-Wehrmacht an die Alliierten. Réseau Alliance – Mitglieder stellten falsche Papiere für politisch Verfolgte oder gesuchte Juden zur Fluchthilfe oder zum Untertauchen in der Illegalität her, halfen Gefährdeten über die Grenzen und unterstützten Familien von Verfolgten oder Inhaftierten. Die Widerstandsgruppe hatte auch Beziehungen zu der Offiziers-Verschwörung mit Stauffenberg gegen Hitler und konnte so Nachrichten über den Kriegsverlauf im Osten an die Westalliierten übermitteln.
Haupttätigkeiten von Réseau Alliance waren das Auskundschaften von geheimen Rüstungsfabriken in Hitler-Deutschland und von Abschussrampen für V 1- und V 2- Raketen sowie die Übermittlung von Nachrichten über Truppenbewegungen der Nazi-Wehrmacht an die Alliierten. Réseau Alliance – Mitglieder stellten falsche Papiere für politisch Verfolgte oder gesuchte Juden zur Fluchthilfe oder zum Untertauchen in der Illegalität her, halfen Gefährdeten über die Grenzen und unterstützten Familien von Verfolgten oder Inhaftierten. Die Widerstandsgruppe hatte auch Beziehungen zu der Offiziers-Verschwörung mit Stauffenberg gegen Hitler und konnte so Nachrichten über den Kriegsverlauf im Osten an die Westalliierten übermitteln.


== Haft ==
== Haft ==
Pierre Dayné wurde am [[17. August]] 1943 in Paris festgenommen, er war inhaftiert im Gefängnis Fresnes in Paris und der Festung Montluc in Lyon. Wie er wann von dort ins Gefängnis Pforzheim kam, ist unbekannt.

Pierre Dayné wurde am 17. August 1943 in Paris festgenommen, er war inhaftiert im Gefängnis Fresnes in Paris und der Festung Montluc in Lyon. Wie er wann von dort ins Gefängnis Pforzheim kam, ist unbekannt.
== Ermordung in Pforzheim ==
== Ermordung in Pforzheim ==
Am 30. November 1944 holten [[Julius Gehrum]], Gestapo-Chef und Leiter der

Wehrmacht-Abwehrstelle in Straßburg, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer der französischen Widerstandsgruppe "Réseau Alliance" aus dem Pforzheimer [[Gefängnis]] heraus, ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt durch Genickschuss und Gewehrkolbenhiebe und verscharrten sie in einem Bombentrichter östlich der [[Tiefenbronner Straße]] in der Nähe des heutigen Wildparks.
Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef und Leiter der
Wehrmacht-Abwehrstelle in Straßburg, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer der französischen Widerstandsgruppe "Réseau Alliance" aus dem Pforzheimer
Gefängnis heraus, ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt durch Genickschuss und Gewehrkolbenhiebe und verscharrten sie in einem
Bombentrichter östlich der Tiefenbronnerstraße in der Nähe des heutigen Wildparks.


== nach 1945 ==
== nach 1945 ==
Nach der Befreiung Pforzheims am [[18. April]] [[1945]] wurden die Leichen durch die französische Besatzungsmacht exhumiert und auf dem [[Hauptfriedhof Pforzheim]] feierlich beigesetzt. [[1947]] wurden die Leichen in die Heimatgemeinden der Ermordeten überführt. Bei wenigen Opfern konnten keine Angehörigen gefunden werden, sie wurden – so auch Pierre Dayné - auf dem Militärfriedhof in Strasbourg-Cronenbourg beerdigt.

Nach der Befreiung Pforzheims am 18. 4. 1945 wurden die Leichen durch die französische Besatzungsmacht exhumiert und auf dem Hauptfriedhof Pforzheim feierlich beigesetzt. 1947 wurden die Leichen in die Heimatgemeinden der Ermordeten überführt. Bei wenigen Opfern konnten keine Angehörigen gefunden werden, sie wurden – so auch Pierre Dayné - auf dem Militärfriedhof in Strasbourg-Cronenbourg beerdigt.


== Erinnerungstafel ==
== Erinnerungstafel ==
Seit [[Januar]] [[2008]] erinnert ein Gedenkstein an das Nazi-Verbrechen in Pforzheim am 30. November 1944.

Seit Januar 2008 erinnert ein Gedenkstein an das Nazi-Verbrechen in Pforzheim am 30. November 1944.
Auf diesem sind die Erschossenen jeweils mit Bild und Namen aufgeführt.
Auf diesem sind die Erschossenen jeweils mit Bild und Namen aufgeführt.


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- Verwaltungsbericht der Stadt Pforzheim 1939 – 1945
- Verwaltungsbericht der Stadt Pforzheim 1939 – 1945

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Version vom 26. Februar 2012, 10:50 Uhr

Pierre Dayné war französischer Widerstandskämpfer in der Organisation „Réseau Alliance“ und wurde am 30. November 1944 von den Nationalsozialisten in Pforzheim im Waldgebiet Hagenschieß unweit des Wildparks ermordet.

Kindheit und Jugend

Pierre Dayné ist am 17. November 1902 in Neuilly-sur-Seine geboren. Er war Sohn eines Polizisten im Ruhestand im Correze und wurde 1917 mit 15 Jahren Schiffsjunge, er war zwei Jahre im Ersten Weltkrieg. Sein älterer Bruder starb im September 1918 an der Front.

Beruf und Familie

Nach dem Krieg verließ Pierre Dayné 1922 die Marine, weil er sich mit einer jungen Frau aus der Gegend um Brest in der Bretagne verheiraten wollte. Er wollte in die Polizei eintreten, weil schon sein Vater Polizist gewesen war. Sein handgeschriebener Lebenslauf befindet sich im Polizeimuseum in Paris, ebenso ein Diktat, das er bei der Aufnahmeprüfung schreiben musste. Nach weiteren Prüfungen arbeitete er bei der Sittenpolizei („brigade mondaine“) in Paris, 1939 legte er seine Diplom-Prüfung ab.

Er wohnte seit 1926 in Paris. Durch die Vermittlung seiner Frau, die von Beruf Stickerin war, machte er ungefähr 1929 die Bekanntschaft von Madame Madelaine Fourcade, da seine Frau für die großen französischen Familien Wäsche stickte.

Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht

Der Vater von zwei Kindern trat am 1. Februar 1941 der Résistance-Organaisation „Alliance“ bei und war zu diesem Zeitpunkt Verbindungsmann von Madame Madelaine Fourcade, die in der illegalen Arbeit gegen die deutsche Beatzung den Decknamen „Arche de Noe“ trug. Sie gab ihm den Tarnnamen „Fourni“, also „Ameise“.

1943 war er Sicherheitsbeauftragter für die Radiosender der Widerstandsorganisation in Paris und nahm teil an der Organisation „Lysander“, also der Aufnahme der Flugzeuge beziehungsweise deren Besatzung und Fracht per Fallschirm, die aus London kommend, die Résistance in Frankreich unterstützten. Gleichzeitig arbeitete er als Verbindungsmann für Madame M. Fourcade, wenn sie in Paris war. In seiner legalen Existenz als Polizist hatte er ja das Recht, eine Waffe zu tragen.

Réseau Alliance

Haupttätigkeiten von Réseau Alliance waren das Auskundschaften von geheimen Rüstungsfabriken in Hitler-Deutschland und von Abschussrampen für V 1- und V 2- Raketen sowie die Übermittlung von Nachrichten über Truppenbewegungen der Nazi-Wehrmacht an die Alliierten. Réseau Alliance – Mitglieder stellten falsche Papiere für politisch Verfolgte oder gesuchte Juden zur Fluchthilfe oder zum Untertauchen in der Illegalität her, halfen Gefährdeten über die Grenzen und unterstützten Familien von Verfolgten oder Inhaftierten. Die Widerstandsgruppe hatte auch Beziehungen zu der Offiziers-Verschwörung mit Stauffenberg gegen Hitler und konnte so Nachrichten über den Kriegsverlauf im Osten an die Westalliierten übermitteln.

Haft

Pierre Dayné wurde am 17. August 1943 in Paris festgenommen, er war inhaftiert im Gefängnis Fresnes in Paris und der Festung Montluc in Lyon. Wie er wann von dort ins Gefängnis Pforzheim kam, ist unbekannt.

Ermordung in Pforzheim

Am 30. November 1944 holten Julius Gehrum, Gestapo-Chef und Leiter der Wehrmacht-Abwehrstelle in Straßburg, und vier SS-Männer acht Frauen und 17 Männer der französischen Widerstandsgruppe "Réseau Alliance" aus dem Pforzheimer Gefängnis heraus, ermordeten sie im Waldgebiet Hagenschieß im Süden der Stadt durch Genickschuss und Gewehrkolbenhiebe und verscharrten sie in einem Bombentrichter östlich der Tiefenbronner Straße in der Nähe des heutigen Wildparks.

nach 1945

Nach der Befreiung Pforzheims am 18. April 1945 wurden die Leichen durch die französische Besatzungsmacht exhumiert und auf dem Hauptfriedhof Pforzheim feierlich beigesetzt. 1947 wurden die Leichen in die Heimatgemeinden der Ermordeten überführt. Bei wenigen Opfern konnten keine Angehörigen gefunden werden, sie wurden – so auch Pierre Dayné - auf dem Militärfriedhof in Strasbourg-Cronenbourg beerdigt.

Erinnerungstafel

Seit Januar 2008 erinnert ein Gedenkstein an das Nazi-Verbrechen in Pforzheim am 30. November 1944. Auf diesem sind die Erschossenen jeweils mit Bild und Namen aufgeführt.

Am 30. November 2009 konnte das Foto des Widerstandskämpfers Pierre Dayné als vorletztes Bild in die Erinnerungstafel eingefügt werden.

Quellen

- Association Amicale « Alliance », Mémorial de l’Alliance, Paris, o.J. (1948), S. 56 f.

- Fourcade, M.-M., L’Arche de Noé, Réseau Aliance, 1940 – 1945, Paris, 1968

- Leforestier, Florence (Enkelin), Erinnerungen auf der Grundlage der Unterlagen des Museums der Polizei in Paris, 30. November 2009 (Manuskript)

- Les Dernières Nouvelles du Haut-Rhin 25. Juli 1945

- Verwaltungsbericht der Stadt Pforzheim 1939 – 1945