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Max Bodenheimer: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Ernst Feuerle (Diskussion | Beiträge)
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(kein Unterschied)

Version vom 7. Februar 2008, 20:55 Uhr

Max Bodenheimer

Max Bodenheimer (geb. 12.5.1882 in Rheinbischofsheim, gest. 31.8.1940) war Lehrer am Reuchlingymnasium Pforzheim und Opfer des NS-Regimes

Leben:

Max Bodenheimer wurde als Moses Bodenheimer 1872 bzw. 1882 in Rheinbischofsheim geboren. Bis1895 studierte er an der Universität Straßburg Latein und Griechisch, erhielt in diesem Jahr auch die Beamteneigenschaft und eine erste Stelle an einem Gymnasium in Karlsruhe. Über Stellen in Lörrach, Überlingen, Karlsruhe, Freiburg, nocheinmal Karlsruhe und Rastatt kam Moses Bodenheimer 1904 an das Reuchlin-Gymnasium Pforzheim. Im selben Jahr änderte er seinen Vornamen Moses in Max um und verheiratete sich mit Maria Rothschild. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. Ab 1931 lebte Max Bodenheimer von seiner Frau getrennt.

1933 wurde nicht er wie vorgesehen Rektor des Reuchlingymnasiums Pforzheim, sondern der SS-Mann Prof. Georg Mildenberger. Zwar fehlt in der Personalakte beim Generallandesarchiv ein entsprechender Eintrag, doch muss Max Bodenheimer wie auch die Lehrkräfte Fritzmartin Ascher, Simon Bloch, Hedwig David, Hermann Kahn, Simon Kassewitz und Meyer Moch aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 1933 Berufsverbot erhalten haben, denn ab 20.7.1933 ist er in Baden-Baden angemeldet, also konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr seinen Beruf in Pforzheim ausüben. Am 18.1.1934 versetzten ihn die inzwischen nationalsozialistischen Kultusbeamten in Karlsruhe in den endgültigen Ruhestand.

10. November 1938:

Max Bodenheimers Sohn Erich, der seit 1934 in Mailand lebte, beabsichtigte, 1939 nach Ecuador auszuwandern. Max Bodenheimer beantragte 1938 einen Reisepass, um zur Hochzeit seines Sohnes nach Mailand fahren zu können. Allerdings wurde er am Tag der geplanten und genehmigten Abreise am 10. November 1938 wie ca. 80 andere jüdische Männer in Baden-Baden von einem gemischten Kommando aus SS-Männern und Polizei aus der Wohnung geholt und zur Polizeidirektion gebracht. Die jüdischen Männer wurden in einer Kolonne zur Synagoge geführt, SS-Männer zwangen dort die jüdischen Männer, das „Horst-Wessel-Lied“ einzuüben, Oberstudienrat Dr. Arthur Flehinger musste aus Hitlers „Mein Kampf“ vorlesen. Am frühen Nachmittag legten SS-Männer Feuer in der Synagoge, am Abend wurden 52 „Haftfähige“ zum Bahnhof und von dort aus ins Konzentrationslager Dachau transportiert. Es ist noch offen, ob Max Bodenheimer nach Dachau deportiert oder in Baden-Baden inhaftiert wurde.

Im Februar 1939 beantragte er, aus der Haft entlassen zu werden. Nach Genesung einer durch die Haft bedingten Krankheit beantragte er erneut einen Reisepass und die Ausreise, was ihm auch bewilligt wurde. Zur rettenden Ausreise kam es nicht, denn er starb am 31. 8. 1940 in Baden-Baden. Es gibt den entsprechenden Eintrag im Bestattungsbuch für den jüdischen Friedhof, ob je ein Grabstein existierte, bleibt offen.

Er starb knapp zwei Monate vor dem 22. Oktober 1940, dem Tag, an dem er wie seine Frau Maria und die meisten Juden Badens ins Internierungslager Gurs in Südfrankreich und ab 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden wäre; Maria Bodenheimer überlebte in einem Hospital in Mâcon in Frankreich.


Literatur:

Brändle, Gerhard, Die jüdischen Mitbürger der Stadt Pforzheim, Pforzheim, 1985

Generallandesarchiv Karlsruhe, Personalakten Reuchlingymnasium Pforzheim (ungedruckt)

Katz, Friedrich u.a. (HRSG), Briefe ehemaliger jüdischer Schüler des Reuchlin-Gymnasiums, Pforzheim, 1991

Schindler, Angelika, Der verbrannte Raum, Jüdische Bürger und Gäste in Baden-Baden, Bühl-Moos, 1992

Stadt Baden-Baden, Gartenamt, Stadtarchiv, 29.5.2007 (unveröffentlicht)

Werner, Josef, Hakenkreuz und Judenstern, Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, 2. Aufl., Karlsruhe, 1990