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Josef Kirchgessner: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Josef Kirchgessner''' (* [[1906]], † [[1986]]) war katholischer Priester und [[Nationalsozialismus|Nazi]]-Gegner in [[Ersingen]].
'''Josef Kirchgessner''' (* [[Geburtstag::9. Mai]] [[Geburtsjahr::1906]] in {{Geboren in|Buchen}}, † [[Todestag::29. Mai]] [[Todesjahr::1986]] in {{Gestorben in|Buchen}}) war katholischer [[Ist::Theologe|Priester]] und [[ist::NS-Gegner]] in [[Tätig in::Ersingen]].


== Leben ==
Josef Kirchgessner wird nach Schulbesuch in Buchen und Tauberbischofsheim und Theologie-Studium in Freiburg [[1930]] zum Priester geweiht. Über Oberwolfach kommt er [[1931]] nach Ersingen. Schon 1931 hält er dort eine Predigt "gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus". Er folgt damit einem Hirtenwort der Bischöfe von Freiburg, Mainz und [[Rottenburg]], die vor der NSDAP warnen, vor allem vor deren Moralvorstellungen und Rassenideologie.
Josef Kirchgessner wird nach Schulbesuch in Buchen und Tauberbischofsheim und Theologie-Studium in Freiburg [[1930]] zum Priester geweiht. Über Oberwolfach kommt er [[1931]] nach Ersingen. Schon 1931 hält er dort eine Predigt „gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus“. Er folgt damit einem Hirtenwort der Bischöfe von Freiburg, Mainz und Rottenburg, die vor der [[NSDAP]] warnen, vor allem vor deren Moralvorstellungen und Rassenideologie.


In Ersingen hat vor 1933 die katholische [[Zentrum]]spartei eine starke Festung, noch bei der Wahl am [[5. März]] [[1933]] erreicht sie 53,5 Prozent der Stimmen, während die NSDAP trotz Parteiverboten, Pressezensur, willkürlichen Verhaftungen und Folter gerade 13 Prozent erreicht. Den in ganz Deutschland, also auch in Baden zur Macht gekommenen Nazis ist der junge Vikar Josef Kirchgessner ein Dorn im Auge, seine Predigten werden von der Gestapo überwacht, Gemeindemitglieder werden morgens um fünf Uhr gegen ihn verhört, er wird schriftlich und mündlich anonym bedroht, ein Lehrer zeigt ihn an, er wird dreimal in [[Pforzheim]] in der Gestapo-Außenstelle (die spätere [[Polizei]]direktion in der [[Bahnhofstraße]]) verhört, er erhält Rede- und Predigtverbot und wird im September 1933 aus Ersingen und dem gesamten [[Landkreis Pforzheim#Geschichte|Oberamtsbezirk Pforzheim]] ausgewiesen.
In Ersingen hat vor 1933 die katholische Zentrumspartei eine starke Festung: noch bei der [[Wahl]] am [[5. März]] [[1933]] erreicht sie 53,5 Prozent der Stimmen, während die NSDAP trotz Parteiverboten, Pressezensur, willkürlichen Verhaftungen und Folter gerade 13 Prozent erreicht. Den in ganz Deutschland, also auch in [[Baden]] zur Macht gekommenen Nazis ist der junge Vikar Josef Kirchgessner ein Dorn im Auge, seine Predigten werden von der Gestapo überwacht, Gemeindemitglieder werden morgens um fünf Uhr gegen ihn verhört, er wird schriftlich und mündlich anonym bedroht, ein Lehrer zeigt ihn an, er wird dreimal in [[Pforzheim]] in der Gestapo-Außenstelle (die spätere [[Polizei]]direktion in der [[Bahnhofstraße]]) verhört, er erhält Rede- und Predigtverbot und wird im September 1933 aus Ersingen und dem gesamten [[Landkreis Pforzheim#Geschichte|Oberamtsbezirk Pforzheim]] ausgewiesen.


Josef Kirchgessner gehört zu den katholischen Geistlichen an der Basis, die früh vor dem Nationalsozialismus warnen im Gegensatz zu Kirchenführern, die wie z.B. Erzbischof Gröber und mehrere Domherren in Freiburg 1933 ohne Not oder kirchliche Notwendigkeit als fördernde Mitglieder der SS-Ortsgruppe beitreten. Zurecht schreibt ein Pfarrer an die Kirchenleitung über das Unverständnis des katholischen Volkes, dass die "Bischöfe immer wieder ein so freudiges, rückhaltloses Bekenntnis zum neuen Staat ablegen".
Josef Kirchgessner gehört zu den katholischen Geistlichen an der Basis, die früh vor dem [[Nationalsozialismus]] warnen im Gegensatz zu Kirchenführern, die wie z.B. Erzbischof Gröber und mehrere Domherren in Freiburg 1933 ohne Not oder kirchliche Notwendigkeit als fördernde Mitglieder der SS-Ortsgruppe beitreten. Zurecht schreibt ein Pfarrer an die Kirchenleitung über das Unverständnis des katholischen Volkes, dass die „Bischöfe immer wieder ein so freudiges, rückhaltloses Bekenntnis zum neuen Staat ablegen“.
1933 wird Josef Kirchgessner Vikar in Bühl und [[1936]] in Offenburg, wo er [[1937]] über 700 Exemplare der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verteilt, einer scharfen Kritik der katholischen Kirche an den Angriffen der Nationalsozialisten auf ihre Religionsfreiheit - nicht jedoch die der anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften.
1933 wird Josef Kirchgessner Vikar in Bühl und 1936 in Offenburg, wo er 1937 über 700 Exemplare der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verteilt, einer scharfen Kritik der katholischen Kirche an den Angriffen der Nationalsozialisten auf ihre Religionsfreiheit - nicht jedoch die der anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften.
In dem Buch „Priester unter Hitlers Terror“ heißt es über Josef Kirchgessner: ''“Es ist geradezu ein Wunder, dass dieser Nazigegner im Priesterrock nicht in das KZ Dachau eingeliefert wurde.“
In dem Buch „Priester unter Hitlers Terror“ heißt es über Josef Kirchgessner: ''„Es ist geradezu ein Wunder, dass dieser Nazigegner im Priesterrock nicht in das KZ Dachau eingeliefert wurde.“''

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Seit 1947 wirkte Joseph Kirchgeßner als Pfarrer in Baiertal bei Heidelberg. Nach seiner krankheitsbedingten Zurruhesetzung lebte er ab 1971 wieder in seiner Geburtsstadt Buchen.

== Literatur ==
== Literatur ==
* {{Brändle 1995}}
* [[Gerhard Brändle]]: ''Gegen das Vergessen, Mut zum Widerstand – auch im [[Enzkreis]]'', in: Der Enzkreis, Jahrbuch 6, Hrsg: [[Landratsamt Enzkreis]], Pforzheim, 1995
* Freiburger Diözesan-Archiv, Freiburg, 1991
* Freiburger Diözesan-Archiv, Freiburg, 1991
* Ulrich v. Hehl: ''Priester unter Hitlers Terror'', Paderborn, 1998
* Ulrich v. Hehl: ''Priester unter Hitlers Terror'', Paderborn, 1998
* Konradsblatt, Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, Freiburg, 29.6.1986
* Konradsblatt, Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, Freiburg, 29.6.1986

== Weblinks ==
*[https://bawue.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=5561 Foto] bei ba-wue.museum-digital.de


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Aktuelle Version vom 20. September 2019, 16:16 Uhr

Josef Kirchgessner (* 9. Mai 1906 in Buchen, † 29. Mai 1986 in Buchen) war katholischer Priester und NS-Gegner in Ersingen.

Leben

Josef Kirchgessner wird nach Schulbesuch in Buchen und Tauberbischofsheim und Theologie-Studium in Freiburg 1930 zum Priester geweiht. Über Oberwolfach kommt er 1931 nach Ersingen. Schon 1931 hält er dort eine Predigt „gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus“. Er folgt damit einem Hirtenwort der Bischöfe von Freiburg, Mainz und Rottenburg, die vor der NSDAP warnen, vor allem vor deren Moralvorstellungen und Rassenideologie.

In Ersingen hat vor 1933 die katholische Zentrumspartei eine starke Festung: noch bei der Wahl am 5. März 1933 erreicht sie 53,5 Prozent der Stimmen, während die NSDAP trotz Parteiverboten, Pressezensur, willkürlichen Verhaftungen und Folter gerade 13 Prozent erreicht. Den in ganz Deutschland, also auch in Baden zur Macht gekommenen Nazis ist der junge Vikar Josef Kirchgessner ein Dorn im Auge, seine Predigten werden von der Gestapo überwacht, Gemeindemitglieder werden morgens um fünf Uhr gegen ihn verhört, er wird schriftlich und mündlich anonym bedroht, ein Lehrer zeigt ihn an, er wird dreimal in Pforzheim in der Gestapo-Außenstelle (die spätere Polizeidirektion in der Bahnhofstraße) verhört, er erhält Rede- und Predigtverbot und wird im September 1933 aus Ersingen und dem gesamten Oberamtsbezirk Pforzheim ausgewiesen.

Josef Kirchgessner gehört zu den katholischen Geistlichen an der Basis, die früh vor dem Nationalsozialismus warnen im Gegensatz zu Kirchenführern, die wie z.B. Erzbischof Gröber und mehrere Domherren in Freiburg 1933 ohne Not oder kirchliche Notwendigkeit als fördernde Mitglieder der SS-Ortsgruppe beitreten. Zurecht schreibt ein Pfarrer an die Kirchenleitung über das Unverständnis des katholischen Volkes, dass die „Bischöfe immer wieder ein so freudiges, rückhaltloses Bekenntnis zum neuen Staat ablegen“.

1933 wird Josef Kirchgessner Vikar in Bühl und 1936 in Offenburg, wo er 1937 über 700 Exemplare der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verteilt, einer scharfen Kritik der katholischen Kirche an den Angriffen der Nationalsozialisten auf ihre Religionsfreiheit - nicht jedoch die der anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften.

In dem Buch „Priester unter Hitlers Terror“ heißt es über Josef Kirchgessner: „Es ist geradezu ein Wunder, dass dieser Nazigegner im Priesterrock nicht in das KZ Dachau eingeliefert wurde.“

Seit 1947 wirkte Joseph Kirchgeßner als Pfarrer in Baiertal bei Heidelberg. Nach seiner krankheitsbedingten Zurruhesetzung lebte er ab 1971 wieder in seiner Geburtsstadt Buchen.

Literatur

  • Gerhard Brändle: „Gegen das Vergessen, Mut zum Widerstand – auch im Enzkreis, in: „Der Enzkreis“ (ISSN 0935-9125), Jahrbuch 6, herausgegeben vom Landratsamt Enzkreis, Pforzheim 1995 ISBN 3980357031 (ISBN-10) und ISBN 9783980357036 (ISBN-13)
  • Freiburger Diözesan-Archiv, Freiburg, 1991
  • Ulrich v. Hehl: Priester unter Hitlers Terror, Paderborn, 1998
  • Konradsblatt, Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, Freiburg, 29.6.1986

Weblinks

  • Foto bei ba-wue.museum-digital.de