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Carl Dittler: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Carl Dittler.jpg|thumb|Carl Dittler]]
'''Carl Dittler''' (* [[18. September]] [[1802]] in [[Wilferdingen]]; † [[21. März]] [[1876]] in Orange (New Jersey) war Führer der Revolution in [[Baden|Nordbaden]] und musste ins Exil.
'''Carl Dittler''' (* [[Geburtstag::18. September]] [[Geburtsjahr::1802]] in {{Geboren in|Wilferdingen}}; † [[Todestag::21. März]] [[Todesjahr::1876]] in {{Gestorben in|Orange (New Jersey)}}) war [[Ist::Gastwirt]] in [[Tätig in::Remchingen|Wilferdingen]]. Als [[Ist::Revolutionär]] musste er nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 in [[Baden|Nordbaden]] ins Exil. Er wanderte in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo er auch starb und bestattet wurde.

== Leben ==
== Leben ==


[[1825]] übernimmt Dittler von seinem Vater die Rössle-Wirtschaft, in der es seit [[1680]] bereits vier Dittler-Generationen als Küfer und Gastwirte zu Ansehen und Wohlstand gebracht haben.
[[1834]] erbte Dittler von seinem Vater die [[Restaurant Rössle|Rössle-Wirtschaft]] in Wilferdingen, in der es bereits mehrere Generationen der Familie Dittler als Küfer und Gastwirte zu Ansehen und Wohlstand gebracht hatten.


Carl Dittler, der nach sozialer Gerechtigkeit strebt, gründet [[1848]] in Wilferdingen zusammen mit dem Steinhauer Philipp Jakob Krauß und dem Metzger Christian Maier sowie einer Reihe weiterer Bürger einen der über 400 demokratischen Volksvereine mit über 35.000 Mitgliedern in ganz Baden. Am [[3. Juni]] [[1849]] wird Dittler im Wahlbezirk 14 (Durlach, [[Bretten]], [[Pforzheim]]) mit fast 8.000 Stimmen in die Constituierende Versammlung, das erste frei gewählte Parlament in Baden gewählt. Frauen waren nicht wahlberechtigt.
Nach sozialer Gerechtigkeit strebend, gründete Dittler [[1848]] in Wilferdingen zusammen mit dem Steinhauer Philipp Jakob Krauß und dem Metzger Christian Maier sowie einer Reihe weiterer Bürger einen der über 400 demokratischen Volksvereine mit über 35.000 Mitgliedern in ganz [[Baden]]. Am [[3. Juni]] [[1849]] wurde Dittler im Wahlbezirk 14 ([[Durlach]], [[Bretten]], [[Pforzheim]]) mit fast 8.000 Stimmen in die Constituierende Versammlung, das erste frei gewählte Parlament in Baden, gewählt. Frauen waren nicht wahlberechtigt.


Noch am [[25. Juni]] 1849 kämpft Dittler an der Seite seiner Gesinnungsgenossen bei Durlach gegen die Übermacht der preußischen Armee. Der Verhaftung und dem damit drohenden Standgericht kann er sich nur entziehen, indem er im Obergeschoss seines Wirtshauses zum Fenster hinausklettert und sich solange am Wirtshausschild festhält, bis die Hausdurchsuchung vorbei ist. Am Morgen des [[26. Juni]] bringt ihn sein Schwiegersohn, der spätere Bürgermeister Friedrich Schlemm, in einem Jauchefass versteckt, über Feldwege ins nahe [[Württemberg]]. Dort soll er in der Hochmühle bei [[Ottenhausen]] und in [[Conweiler]], zeitweilig auch bei seiner mit dem [[Iptingen|Iptinger]] Müller Jacob Burger verheirateten Tochter Henriette Unterschlupf gefunden haben. Die Oberämter [[Vaihingen]] und [[Maulbronn]] wurden beauftragt, nach ihm zu fahnden, aber dies blieb ohne Erfolg. Aus dem Exil in Württemberg bittet der inzwischen Verurteilte am [[6. März]] [[1851]] in einem persönlichen Schreiben an den badischen Großherzog um Straferlass, zumindest aber um freien Abzug nach Amerika. Beides wird nicht gewährt, dafür die Fahndung umso intensiver fortgesetzt.
Noch am [[25. Juni]] 1849 kämpfte Dittler an der Seite seiner Gesinnungsgenossen bei Durlach gegen die Übermacht der preußischen Armee. Der Verhaftung und dem damit drohenden Standgericht konnte er sich nur entziehen, indem er im Obergeschoss seines Wirtshauses zum Fenster hinauskletterte und sich solange am Wirtshausschild festhielt, bis die Hausdurchsuchung vorbei war. Am Morgen des [[26. Juni]] brachte ihn sein Schwiegersohn, der spätere Bürgermeister [[Friedrich Schlemm]], in einem Jauchefass versteckt, über Feldwege ins nahe [[Württemberg]]. Dort soll er in der Hochmühle bei [[Ottenhausen]] und in [[Conweiler]], zeitweilig auch bei seiner mit dem [[Iptingen|Iptinger]] Müller Jacob Burger verheirateten Tochter Henriette Unterschlupf gefunden haben. Die Oberämter [[Vaihingen]] und [[Maulbronn]] wurden beauftragt, nach ihm zu fahnden, aber dies blieb ohne Erfolg. Aus dem Exil in Württemberg bat der inzwischen Verurteilte am [[6. März]] [[1851]] in einem persönlichen Schreiben an den badischen Großherzog um Straferlass, zumindest aber um freien Abzug nach Amerika. Beides wurde nicht gewährt, dafür die Fahndung umso intensiver fortgesetzt.


Seine elf Kinder, meist Töchter und noch minderjährig, stammen aus zwei Ehen. [[1824]] heiratet Dittler Karoline. Nach ihrem Tode heiratete er [[1835]] ihre Schwester Barbara. Erst Mitte des Jahres [[1853]] setzt er sich mit dem Wissen seiner zweiten Frau Barbara über die Schweiz und Frankreich nach Nordamerika ab. Sein umfangreiches Vermögen hat der Staat schon 1849 beschlagnahmt. In einem langwierigen Prozess muss Barbara Dittler um den von ihr eingebrachten Anteil kämpfen.
Seine elf Kinder, meist Töchter und noch minderjährig, stammten aus zwei Ehen. Am [[19. August]] [[Heirat::1824]] heiratete Dittler [[Verheiratet mit|Katharina Richter]]. Nach ihrem Tode heiratete er [[19. Februar]] [[Heirat (2)::1835]] ihre Schwester [[Verheiratet mit (2)::Barbara Richter]]. Erst Mitte des Jahres [[1853]] setzte er sich mit dem Wissen seiner zweiten Frau Barbara über die Schweiz und Frankreich nach Nordamerika ab. Sein umfangreiches Vermögen hat der Staat schon 1849 beschlagnahmt. In einem langwierigen Prozess musste Barbara Dittler um den von ihr eingebrachten Anteil kämpfen.


Im Sommer [[1859]] kehrt Dittler in seine Heimat zurück. Aufgrund einer zwei Jahre zuvor verkündeten Amnestie wird ihm seine Strafe erlassen. Doch erst im Dezember [[1863]] gibt ihm das badische Innenministerium die entzogene Staatsangehörigkeit und die Gemeinde Wilferdingen sein Bürgerrecht zurück.
Im Sommer [[1859]] kehrte Dittler in seine Heimat zurück. Aufgrund einer zwei Jahre zuvor verkündeten Amnestie wurde ihm seine Strafe erlassen. Doch erst im Dezember [[1863]] gaben ihm das badische Innenministerium die entzogene Staatsangehörigkeit und die Gemeinde Wilferdingen sein Bürgerrecht zurück.

Da sich Dittler zu sehr an die Freiheitsluft in den Vereinigten Staaten gewöhnt hatte, verließ er zum zweiten Mal Wilferdingen, erneut ohne seine Frau Barbara, die es ablehnte, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern.


Da sich Dittler zu sehr an die Freiheitsluft in den Vereinigten Staaten gewöhnt hat, verlässt er zum zweiten Mal Wilferdingen, erneut ohne seine Frau Barbara, die es ablehnt, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern.
Dennoch bleibt der Schmerz um die verlorene Heimat, wie eine Strophe eines seiner zahlreichen Gedichte bezeugt. Unter dem Titel: „Schmerzliche Erinnerungen eines Verbannten“ heißt es:
Dennoch bleibt der Schmerz um die verlorene Heimat, wie eine Strophe eines seiner zahlreichen Gedichte bezeugt. Unter dem Titel: „Schmerzliche Erinnerungen eines Verbannten“ heißt es:
Ach, so ist mir nichts geblieben
''"Ach, so ist mir nichts geblieben

als der Schmerz fürs Vaterland,
''als der Schmerz fürs Vaterland,
als die Trennung von den Lieben
- und zu allem noch misskannt.
''als die Trennung von den Lieben''

''- und zu allem noch misskannt."''


Dittler stirbt am 21. März 1876 in Orange (New Jersey) und wird an der Seite seiner dritten Frau Wilhelmina auf dem Rosedale-Friedhof in Orange beigesetzt. Einem Nachruf im Newark Daily Advertizer vom 21. März 1876 mit der Überschrift „Death of a German Revolutionist“ ist zu entnehmen, dass sich Carl Dittler nach einem Aufenthalt in Newark als Farmer in Green Village (Morris County) angesiedelt hatte und dort auch als Postmeister tätig war. Außerdem ist vermerkt, dass er Besitzer eines Hotels in Madison gewesen sei.
Dittler starb am 21. März 1876 in Orange (New Jersey) und wurde an der Seite seiner dritten Frau Wilhelmina auf dem Rosedale-Friedhof in Orange beigesetzt. Einem Nachruf im Newark Daily Advertizer vom 21. März 1876 mit der Überschrift „Death of a German Revolutionist“ ist zu entnehmen, dass sich Carl Dittler nach einem Aufenthalt in Newark als Farmer in Green Village (Morris County) angesiedelt hatte und dort auch als Postmeister tätig war. Außerdem ist vermerkt, dass er Besitzer eines Hotels in Madison gewesen sei.


== Würdigung ==
[[1997]] wurde die [[Carl-Dittler-Realschule]] in [[Remchingen]] nach ihm benannt.
[[1997]] wurde die [[Carl-Dittler-Realschule]] in [[Remchingen]] nach ihm benannt.


== Quellen ==
== Literatur ==
*[[Otto Bickel]]: Remchingen. Geschichte seiner Ortsteile und der Adelsfamilie dieses Namens. Remchingen 1993, S. 753-754.
* Griguscheit, Kurt, „Ein Demokrat und Revoluzzer“, in: [[Pforzheimer Zeitung]], 17. März 1998
*[[Kurt Griguscheit]]: „Ein Demokrat und Revoluzzer“, in: [[Pforzheimer Zeitung]] vom 17. März 1998
*[[Konstantin Huber]]: ''Revolution 1848/49 - auch im Enzkreis?'', in: ''Der Enzkreis. Jahrbuch 8.'' Pforzheim 1999, S. 57-73, hier S. 65-67. ([https://www.enzkreis.de/media/custom/179_2223_1.PDF PDF])


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== Weblinks ==
[[Kategorie:Mann]]
* [http://www.enzkreis.de/media/custom/179_2223_1.PDF?loadDocument&ObjSvrID=179&ObjID=2223&ObjLa=1&Ext=PDF Revolution 1848/49 – auch im Enzkreis?]
[[Kategorie:Revolutionär]]
[[Kategorie:Person (Remchingen)]]

Aktuelle Version vom 2. September 2020, 16:32 Uhr

Carl Dittler

Carl Dittler (* 18. September 1802 in Wilferdingen; † 21. März 1876 in Orange (New Jersey)) war Gastwirt in Wilferdingen. Als Revolutionär musste er nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 in Nordbaden ins Exil. Er wanderte in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo er auch starb und bestattet wurde.

Leben

1834 erbte Dittler von seinem Vater die Rössle-Wirtschaft in Wilferdingen, in der es bereits mehrere Generationen der Familie Dittler als Küfer und Gastwirte zu Ansehen und Wohlstand gebracht hatten.

Nach sozialer Gerechtigkeit strebend, gründete Dittler 1848 in Wilferdingen zusammen mit dem Steinhauer Philipp Jakob Krauß und dem Metzger Christian Maier sowie einer Reihe weiterer Bürger einen der über 400 demokratischen Volksvereine mit über 35.000 Mitgliedern in ganz Baden. Am 3. Juni 1849 wurde Dittler im Wahlbezirk 14 (Durlach, Bretten, Pforzheim) mit fast 8.000 Stimmen in die Constituierende Versammlung, das erste frei gewählte Parlament in Baden, gewählt. Frauen waren nicht wahlberechtigt.

Noch am 25. Juni 1849 kämpfte Dittler an der Seite seiner Gesinnungsgenossen bei Durlach gegen die Übermacht der preußischen Armee. Der Verhaftung und dem damit drohenden Standgericht konnte er sich nur entziehen, indem er im Obergeschoss seines Wirtshauses zum Fenster hinauskletterte und sich solange am Wirtshausschild festhielt, bis die Hausdurchsuchung vorbei war. Am Morgen des 26. Juni brachte ihn sein Schwiegersohn, der spätere Bürgermeister Friedrich Schlemm, in einem Jauchefass versteckt, über Feldwege ins nahe Württemberg. Dort soll er in der Hochmühle bei Ottenhausen und in Conweiler, zeitweilig auch bei seiner mit dem Iptinger Müller Jacob Burger verheirateten Tochter Henriette Unterschlupf gefunden haben. Die Oberämter Vaihingen und Maulbronn wurden beauftragt, nach ihm zu fahnden, aber dies blieb ohne Erfolg. Aus dem Exil in Württemberg bat der inzwischen Verurteilte am 6. März 1851 in einem persönlichen Schreiben an den badischen Großherzog um Straferlass, zumindest aber um freien Abzug nach Amerika. Beides wurde nicht gewährt, dafür die Fahndung umso intensiver fortgesetzt.

Seine elf Kinder, meist Töchter und noch minderjährig, stammten aus zwei Ehen. Am 19. August 1824 heiratete Dittler Katharina Richter. Nach ihrem Tode heiratete er 19. Februar 1835 ihre Schwester Barbara Richter. Erst Mitte des Jahres 1853 setzte er sich mit dem Wissen seiner zweiten Frau Barbara über die Schweiz und Frankreich nach Nordamerika ab. Sein umfangreiches Vermögen hat der Staat schon 1849 beschlagnahmt. In einem langwierigen Prozess musste Barbara Dittler um den von ihr eingebrachten Anteil kämpfen.

Im Sommer 1859 kehrte Dittler in seine Heimat zurück. Aufgrund einer zwei Jahre zuvor verkündeten Amnestie wurde ihm seine Strafe erlassen. Doch erst im Dezember 1863 gaben ihm das badische Innenministerium die entzogene Staatsangehörigkeit und die Gemeinde Wilferdingen sein Bürgerrecht zurück.

Da sich Dittler zu sehr an die Freiheitsluft in den Vereinigten Staaten gewöhnt hatte, verließ er zum zweiten Mal Wilferdingen, erneut ohne seine Frau Barbara, die es ablehnte, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern.

Dennoch bleibt der Schmerz um die verlorene Heimat, wie eine Strophe eines seiner zahlreichen Gedichte bezeugt. Unter dem Titel: „Schmerzliche Erinnerungen eines Verbannten“ heißt es:

"Ach, so ist mir nichts geblieben

als der Schmerz fürs Vaterland,

als die Trennung von den Lieben

- und zu allem noch misskannt."

Dittler starb am 21. März 1876 in Orange (New Jersey) und wurde an der Seite seiner dritten Frau Wilhelmina auf dem Rosedale-Friedhof in Orange beigesetzt. Einem Nachruf im Newark Daily Advertizer vom 21. März 1876 mit der Überschrift „Death of a German Revolutionist“ ist zu entnehmen, dass sich Carl Dittler nach einem Aufenthalt in Newark als Farmer in Green Village (Morris County) angesiedelt hatte und dort auch als Postmeister tätig war. Außerdem ist vermerkt, dass er Besitzer eines Hotels in Madison gewesen sei.

Würdigung

1997 wurde die Carl-Dittler-Realschule in Remchingen nach ihm benannt.

Literatur

  • Otto Bickel: Remchingen. Geschichte seiner Ortsteile und der Adelsfamilie dieses Namens. Remchingen 1993, S. 753-754.
  • Kurt Griguscheit: „Ein Demokrat und Revoluzzer“, in: Pforzheimer Zeitung vom 17. März 1998
  • Konstantin Huber: Revolution 1848/49 - auch im Enzkreis?, in: Der Enzkreis. Jahrbuch 8. Pforzheim 1999, S. 57-73, hier S. 65-67. (PDF)