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Gottlieb Mössinger: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Gottlieb Mössinger''' (* [[15. Februar]] [[1886]], † [[18. Oktober]] [[1963]]) war [[SPD]]-[[Stadtverordneter]] in [[Pforzheim]], Gegner der [[Nationalsozialist]]en und [[1944]] Opfer der „[[Aktion Gitter]]“.
'''Gottlieb Mössinger''' (* [[Geburtstag::15. Februar]] [[Geburtsjahr::1886]] in {{Geboren in|Bad Wildbad}}-[[Sprollenhaus]]; † [[Todestag::18. Oktober]] [[Todesjahr::1963]] in {{Gestorben in|Pforzheim}}) war [[Ist::Schlosser]]meister und [[SPD]]-[[Stadtverordneter]] in [[Tätig in::Pforzheim]]. Als Gegner der [[Nationalsozialismus|Nationalsozialist]]en wurde er [[1944]] Opfer der „[[Aktion Gitter]]“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er [[Ist::Gemeinderat]] und Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.


== Leben ==
== Leben ==
Er machte eine Schlosserlehre in Wildbad und legte 1903 seine Gesellenprüfung ab. Von 1903 bis 1905 war er als Schlossergeselle tätig, 1905 bis 1906 war er auf Wanderschaft, 1906 bis 1908 leistete er Militärdienst. Von 1909 bis 1914 war er erneut als Schlossergeselle tätig. Von 1914 bis 1918 war er zum Kriegsdienst eingezogen. Von 1919 bis 1924 arbeitete er als Vorarbeiter, 1924 absolvierte er die Meisterprüfung als Schlosser und eröffnete seinen eigenen Handwerkbetriebe in Pforzheim. 1930 erwarb er eine weitere Schlosserei.
Gottlieb Mössinger ist Schlossermeister, ab [[1929]] SPD-Stadtverordneter und Gründungsmitglied der [[Freie Turnerschaft Pforzheim|Freien Turnerschaft Pforzheim]], bis zum Verbot [[1933]] ist er dort als Turnwart aktiv.

Unter der Herrschaft der [[NSDAP]] wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am [[5. März]] 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der [[KPD]] unter den Tisch fallen.
Er war Gründungsmitglied der [[Freie Turnerschaft Pforzheim|Freien Turnerschaft Pforzheim]], bis zum Verbot [[1933]] war er dort als Turnwart aktiv.
Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am [[10. Mai]] 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.

Ab [[1929]] war er SPD-Stadtverordneter. Unter der Herrschaft der [[NSDAP]] wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am [[5. März]] 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der [[KPD]] unter den Tisch fallen. Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am [[10. Mai]] 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.


Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:
Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:
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''Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“'' <ref>{{Schroth 1977}}, S. 367 f.</ref>
''Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“'' <ref>{{Schroth 1977}}, S. 367 f.</ref>


Gottlieb Mössinger ist vom 12. bis zum 20. September 1939 im [[Gefängnis Pforzheim]] inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er wie 14 weitere frühere SPD- bzw. KPD-Stadtverordnete aus Pforzheim im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.
Gottlieb Mössinger war vom 12. bis zum 20. September 1939 im [[Gefängnis Pforzheim]] inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er wie 14 weitere frühere SPD- bzw. KPD-Stadtverordnete aus Pforzheim im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.


Im August [[1945]] beruft die [[US-Militärregierung]] Gottlieb Mössinger in den [[Gemeinderat (Pforzheim)|Stadtrat]], wo er bei der nachfolgenden Wahl bestätigt wurde.
== Nach 1945 ==

Im August [[1945]] beruft die [[US-Militärregierung]] Gottlieb Mössinger in den [[Gemeinderat Pforzheim|Stadtrat]], [[1947]] bei den ersten freien Wahlen nach der Nazi-Diktatur wird er für die SPD in den Stadtrat gewählt.
Gottlieb Mössinger ist ab 1945 im Aufsichtsrat der [[Baugenossenschaft Arlinger]] und ab [[1948]] Präsident der [[Handwerkskammer Pforzheim]].
Gottlieb Mössinger war ab 1945 im Aufsichtsrat der [[Baugenossenschaft Arlinger]] und ab [[1948]] Präsident der [[Handwerkskammer Pforzheim]].

Ihm wird 1956 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

== Quellen ==
*Stadtarchiv Pforzheim, Archivsignatur S1-29-M-057


== Literatur ==
== Literatur ==
*[[Hans-Peter Becht]]: ''„Laßt uns wenigstens im Unglück haushalten…“. Die ersten Kommunalwahlen in Pforzheim nach dem Zweiten Weltkrieg am 26. Mai 1946 und der Wiederaufbau der Demokratie in Deutschland'', Pforzheim 1996, S. 56/57.

== Einzelnachweise ==
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Aktuelle Version vom 3. Dezember 2020, 11:12 Uhr

Gottlieb Mössinger (* 15. Februar 1886 in Bad Wildbad-Sprollenhaus; † 18. Oktober 1963 in Pforzheim) war Schlossermeister und SPD-Stadtverordneter in Pforzheim. Als Gegner der Nationalsozialisten wurde er 1944 Opfer der „Aktion Gitter“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Gemeinderat und Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.

Leben

Er machte eine Schlosserlehre in Wildbad und legte 1903 seine Gesellenprüfung ab. Von 1903 bis 1905 war er als Schlossergeselle tätig, 1905 bis 1906 war er auf Wanderschaft, 1906 bis 1908 leistete er Militärdienst. Von 1909 bis 1914 war er erneut als Schlossergeselle tätig. Von 1914 bis 1918 war er zum Kriegsdienst eingezogen. Von 1919 bis 1924 arbeitete er als Vorarbeiter, 1924 absolvierte er die Meisterprüfung als Schlosser und eröffnete seinen eigenen Handwerkbetriebe in Pforzheim. 1930 erwarb er eine weitere Schlosserei.

Er war Gründungsmitglied der Freien Turnerschaft Pforzheim, bis zum Verbot 1933 war er dort als Turnwart aktiv.

Ab 1929 war er SPD-Stadtverordneter. Unter der Herrschaft der NSDAP wird der Stadtrat nicht neu gewählt, sondern nach den Ergebnissen der Reichstagswahlen am 5. März 1933 umbesetzt, wobei die Sitze der KPD unter den Tisch fallen. Bei der Wahl des Stadtverordneten-Vorstands am 10. Mai 1933 werden zwei Sozialdemokraten gewählt, was Bürgermeister Dr. Gündert als Gefährdung der „öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung“ bewertet, er zwingt sie zum Rücktritt.

Die beiden Gewählten geben folgende Protesterklärung ab:

„Wir tun das, dem Zwang folgend, obwohl wir glauben, durch vierjährigen ununterbrochenen Frontdienst im Weltkrieg durch Verteidigung unserer Heimat unsere nationale Gesinnung bewiesen und das Recht erworben zu haben, als gleichberechtigte Bürger Pforzheims auch ein gemeinderätliches Ehrenamt bekleiden zu dürfen.

Gottlieb Mössinger, Schlossermeister, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, und 30 % Kriegsversehrter

Rudolf Brenner, Edelsteinschleifer, 16-jähriger Kriegsfreiwilliger, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2.Klasse, des oldenburgischen Verdienstkreuzes, der neunjährigen Militärverdienstmedaille und des Verwundetenabzeichens.“ [1]

Gottlieb Mössinger war vom 12. bis zum 20. September 1939 im Gefängnis Pforzheim inhaftiert, vom 26. August bis zum 25. September 1944 ist er wie 14 weitere frühere SPD- bzw. KPD-Stadtverordnete aus Pforzheim im Zuge der „Aktion Gitter“ im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Im August 1945 beruft die US-Militärregierung Gottlieb Mössinger in den Stadtrat, wo er bei der nachfolgenden Wahl bestätigt wurde.

Gottlieb Mössinger war ab 1945 im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Arlinger und ab 1948 Präsident der Handwerkskammer Pforzheim.

Ihm wird 1956 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Quellen

  • Stadtarchiv Pforzheim, Archivsignatur S1-29-M-057

Literatur

  • Hans-Peter Becht: „Laßt uns wenigstens im Unglück haushalten…“. Die ersten Kommunalwahlen in Pforzheim nach dem Zweiten Weltkrieg am 26. Mai 1946 und der Wiederaufbau der Demokratie in Deutschland, Pforzheim 1996, S. 56/57.

Einzelnachweise

  1. Karl Schroth: "Und immer wieder für die Freiheit: Pforzheimer sozialdemokratische Arbeiterbewegung 1924-1939", Pforzheim (SPD-Kreisverband Pforzheim) 1977, S. 367 f.