Feier mit! 20 Jahre Pfenz!

Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
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Jugendstil: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Jugendstil''' oder '''Art nouveau'''<ref>Im Deutschen ist „der, die, das Art nouveau“ gleichermaßen gebräuchlich; vgl. [http://www.duden.de/rechtschreibung/Art_nouveau ''Art nouveau''] bei Duden online.</ref> ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dem Jugendstil zuzuordnende Strömungen sind der ''Reformstil'' (nach der [[Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung Dresden#Reformbewegung|Reformbewegung]]), der ''Secessionsstil'' (nach der [[Wiener Secession]]), ''[[Modernisme]]'' (bezogen auf Katalonien), in Russland ''Modern'', tschechisch ''Secese'', slowakisch ''Secesia'', polnisch ''Secesja'', ungarisch ''Szecesszió''. Neben dem im Französischen, Englischen und Italienischen dominierenden Ausdruck ''Art nouveau'' wird im Englischen auch ''Modern Style'' und im Italienischen ''Stile Floreale'' oder ''Liberty'' verwendet.
Der '''Jugendstil''' oder '''Art nouveau'''<ref>Im Deutschen ist „der, die, das Art nouveau“ gleichermaßen gebräuchlich; vgl. [http://www.duden.de/rechtschreibung/Art_nouveau ''Art nouveau''] bei Duden online.</ref> ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dem Jugendstil zuzuordnende Strömungen sind der ''Reformstil'' (nach der [[Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung Dresden#Reformbewegung|Reformbewegung]]), der ''Secessionsstil'' (nach der [[Wiener Secession]]), ''[[Modernisme]]'' (bezogen auf Katalonien), in Russland ''Modern'', tschechisch ''Secese'', slowakisch ''Secesia'', polnisch ''Secesja'', ungarisch ''Szecesszió''. Neben dem im Französischen, Englischen und Italienischen dominierenden Ausdruck ''Art nouveau'' wird im Englischen auch ''Modern Style'' und im Italienischen ''Stile Floreale'' oder ''Liberty'' verwendet.
Zeitlich gehört der Jugendstil zum ''[[Fin de siècle]]''.
Zeitlich gehört der Jugendstil zum ''Fin de siècle''.




== Herkunft des Ausdrucks ==
== Herkunft des Ausdrucks ==
Der Ausdruck ''Jugendstil'' geht zurück auf die von [[Georg Hirth]] Ende 1895 in München gegründete illustrierte Kulturzeitschrift ''[[Jugend (Zeitschrift)|Jugend]]'' und ist zu verstehen als eine Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zum rückwärtsgewandten [[Historismus]], aber auch zur als seelenlos verstandenen [[Industrialisierung]]. Der Blick richtet sich auf neue Materialien, wie Beton oder Eisen, und neue Baumethoden. Er ist nur im deutschsprachigen Raum, den [[Niederlande]]n, [[Ungarn]], den [[Nordische Länder|nordischen Ländern]] und in [[Lettland]] in Gebrauch.
Der Ausdruck ''Jugendstil'' geht zurück auf die von [[Georg Hirth]] Ende 1895 in München gegründete illustrierte Kulturzeitschrift ''[[Jugend (Zeitschrift)|Jugend]]'' und ist zu verstehen als eine Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zum rückwärtsgewandten [[Historismus]], aber auch zur als seelenlos verstandenen Industrialisierung. Der Blick richtet sich auf neue Materialien, wie Beton oder Eisen, und neue Baumethoden. Er ist nur im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, Ungarn, den nordischen Ländern und in Lettland in Gebrauch.


Von ''Jugendstil'' war erstmals im Jahr 1897 bei der [[Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897|Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897]] die Rede.<ref>Georg Hirth: ''Wege zur Freiheit'', Verlag der Münchner Jugend, 1903, 546 Seiten, hier [http://books.google.de/books?id=Gie0gD6PFDwC&q=%22Iugendstil%22 S. 525]</ref> Hierfür gestaltete [[Paul Möbius (Architekt)|Paul Möbius]] den außergewöhnlichen Ausstellungspavillon Nietzschmann-Wommer; der Pavillon wurde beschrieben als vom Hergebrachten stark abweichend mit gewagt humoristisch-phantastischen Motiven, die einen gewissen Schwung entwickeln.<ref>[[Michael Georg Conrad]] (1885–1900), [[Arthur Seidl]] (1901–1902): ''Die Gesellschaft'', Band 16, Teil 2, Verlag E. Pierson, 1970, [http://books.google.de/books?id=JnkaAQAAIAAJ&q=%22s%C3%A4chsisch%22+%22paul+m%C3%B6bius%22&dq=%22s%C3%A4chsisch%22+%22paul+m%C3%B6bius%22&source=bl&ots=Z4Sp1Avlx3&sig=VtPlnjln30X6AR8oq3nzM5Ngur4&hl=de&sa=X&ei=oVdwUMK5OIjNtAbfkYHIDw&sqi=2&ved=0CDQQ6AEwAQ S. 246]</ref>
Von ''Jugendstil'' war erstmals im Jahr 1897 bei der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897 die Rede.<ref>Georg Hirth: ''Wege zur Freiheit'', Verlag der Münchner Jugend, 1903, 546 Seiten, hier [http://books.google.de/books?id=Gie0gD6PFDwC&q=%22Iugendstil%22 S. 525]</ref> Hierfür gestaltete [[Paul Möbius (Architekt)|Paul Möbius]] den außergewöhnlichen Ausstellungspavillon Nietzschmann-Wommer; der Pavillon wurde beschrieben als vom Hergebrachten stark abweichend mit gewagt humoristisch-phantastischen Motiven, die einen gewissen Schwung entwickeln.<ref>[[Michael Georg Conrad]] (1885–1900), [[Arthur Seidl]] (1901–1902): ''Die Gesellschaft'', Band 16, Teil 2, Verlag E. Pierson, 1970, [http://books.google.de/books?id=JnkaAQAAIAAJ&q=%22s%C3%A4chsisch%22+%22paul+m%C3%B6bius%22&dq=%22s%C3%A4chsisch%22+%22paul+m%C3%B6bius%22&source=bl&ots=Z4Sp1Avlx3&sig=VtPlnjln30X6AR8oq3nzM5Ngur4&hl=de&sa=X&ei=oVdwUMK5OIjNtAbfkYHIDw&sqi=2&ved=0CDQQ6AEwAQ S. 246]</ref>


Anfangs waren die Ausdrücke ''Jugendstil'' und ''Secessionsstil'' in den einschlägigen Zeitschriften (''Dekorative Kunst'', Autoren: [[Hermann Muthesius]], [[Julius Meier-Graefe]]) ein kritisches Etikett für die modische Popularisierung der neuen Formen durch die Industrie, die mit ihrer „billigen“ kunstgewerblichen Massenproduktion einzelne Werke von Künstlern wie [[Henry van de Velde]] nachahmte.
Anfangs waren die Ausdrücke ''Jugendstil'' und ''Secessionsstil'' in den einschlägigen Zeitschriften (''Dekorative Kunst'', Autoren: Hermann Muthesius, Julius Meier-Graefe) ein kritisches Etikett für die modische Popularisierung der neuen Formen durch die Industrie, die mit ihrer „billigen“ kunstgewerblichen Massenproduktion einzelne Werke von Künstlern wie Henry van de Velde nachahmte.


== Kennzeichen und Programmatik ==
== Kennzeichen und Programmatik ==
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Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine geschlossene Bewegung war. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise divergierenden Strömungen in Europa, die sich allenfalls in der Abkehr vom [[Historismus]] wirklich einig waren, also die bisher gängige Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder ablehnten.
Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine geschlossene Bewegung war. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise divergierenden Strömungen in Europa, die sich allenfalls in der Abkehr vom [[Historismus]] wirklich einig waren, also die bisher gängige Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder ablehnten.


Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa die des [[Palais Stoclet]] in Brüssel, in dem alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung einheitlich durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von „Kunst und Leben“ verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein besonderes Gewicht zukam. In diesem Punkt knüpfte der Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das „Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Es war ein programmatischer Gegenentwurf zur Abgehobenheit [[Atmosphäre (Ästhetik)|auratischer]] Kunstwerke in der Sphäre der sogenannten „hohen“ oder „bildenden Kunst“.
Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa die des Palais Stoclet in Brüssel, in dem alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung einheitlich durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von „Kunst und Leben“ verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein besonderes Gewicht zukam. In diesem Punkt knüpfte der Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das „Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Es war ein programmatischer Gegenentwurf zur Abgehobenheit auratischer Kunstwerke in der Sphäre der sogenannten „hohen“ oder „bildenden Kunst“.


Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität, dass also zum Beispiel die Funktionen eines Gebäudes dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollten. Die Fassaden mussten nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein, sondern durften einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen.
Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität, dass also zum Beispiel die Funktionen eines Gebäudes dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollten. Die Fassaden mussten nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein, sondern durften einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen.


Insgesamt gehören die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eines der zentralen Anliegen des Jugendstils war der sogenannte „moderne“ Stil, ein „Stil unserer eigenen Zeit“.
Insgesamt gehören die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eines der zentralen Anliegen des Jugendstils war der sogenannte „moderne“ Stil, ein „Stil unserer eigenen Zeit“.




== Historische Entwicklung und Verbreitung ==
== Historische Entwicklung und Verbreitung ==
Im deutschen Sprachraum liegen die Ursprünge des Jugendstils vor allem in drei Städten: in [[Wien]] als architektonische Reaktion auf den [[Historismus]] der Ringstraßenepoche, in [[München]] vor allem im Bereich von Innenarchitektur und Kunstgewerbe sowie in Darmstadt durch die von Großbritannien angeregte [[Darmstädter Künstlerkolonie]].
Im deutschen Sprachraum liegen die Ursprünge des Jugendstils vor allem in drei Städten: in Wien als architektonische Reaktion auf den [[Historismus]] der Ringstraßenepoche, in München vor allem im Bereich von Innenarchitektur und Kunstgewerbe sowie in Darmstadt durch die von Großbritannien angeregte Darmstädter Künstlerkolonie.


=== Entstehung ===
=== Entstehung ===
Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Diese Stilrichtung dauerte ca. 20 Jahre. Sie kann als eine Antwort auf verschiedene Entwicklungen des 19. Jahrhunderts verstanden werden:
Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Diese Stilrichtung dauerte ca. 20 Jahre. Sie kann als eine Antwort auf verschiedene Entwicklungen des 19. Jahrhunderts verstanden werden:
* die [[industrielle Revolution]] und damit das Aufkommen von mit Verzierungen überladener, maschinell hergestellter Massenware im [[Viktorianisches Zeitalter|viktorianischen]] Großbritannien.
* die industrielle Revolution und damit das Aufkommen von mit Verzierungen überladener, maschinell hergestellter Massenware im viktorianischen Großbritannien.
* den Historismus im Frankreich der sogenannten [[Belle Epoque]], der in Verbindung mit den Bedürfnissen des gehobenen Bürgertums in „Extravaganz“ ausuferte. In etwas schlichterer Form dominierte der Historismus auch in Süddeutschland. In Österreich war der Historismus im letzten Jahrhundertdrittel hegemonial, in diesem Stil wurde die [[Wiener Ringstraße|Ringstraße]] erbaut. Schon von den Zeitgenossen wurde der zugehörige Malstil als [[Emblem (Kunstform)|emblematisch]] empfunden, besonders jener von [[Hans Makart]] mit seinen [[neobarock]]en [[Allegorie]]n.
* den Historismus im Frankreich der sogenannten Belle Epoque, der in Verbindung mit den Bedürfnissen des gehobenen Bürgertums in „Extravaganz“ ausuferte. In etwas schlichterer Form dominierte der Historismus auch in Süddeutschland. In Österreich war der Historismus im letzten Jahrhundertdrittel hegemonial, in diesem Stil wurde die Wiener Ringstraße erbaut. Schon von den Zeitgenossen wurde der zugehörige Malstil als emblematisch empfunden, besonders jener von Hans Makart mit seinen neobarocken Allegorien.
* In München dominierte ebenfalls die [[großbürger]]lich bestimmte Malkunst, charakterisiert und beherrscht durch den ''Lenbachkreis'' um den Maler [[Franz von Lenbach]].
* In München dominierte ebenfalls die großbürgerlich bestimmte Malkunst, charakterisiert und beherrscht durch den ''Lenbachkreis'' um den Maler Franz von Lenbach.
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=== Die Arts-and-Crafts-Bewegung in Großbritannien ===
Trotz der unterschiedlichen Bezeichnungen in den verschiedenen Ländern muss der Jugendstil als internationales Phänomen verstanden werden, das die gesamte westliche Kunst umfasste. Dessen Ursprung liegt in der [[Arts and Crafts Movement|''Arts-and-Crafts''-Bewegung]] in [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]]. Wegbereiter waren der Werkkünstler [[William Morris]], der Architekt [[Philip Speakman Webb|Philip Webb]], der Kunstkritiker und Sozialphilosoph [[John Ruskin]] und die [[Präraffaeliten|präraffaelitische Bruderschaft]] um die Künstler [[Dante Gabriel Rossetti]] und [[Edward Burne-Jones]]. Letztere ähnelt in einigen Aspekten der Bewegung der [[Nazarenische Kunst|Nazarener]] im deutschsprachigen Raum. 1861 gründete Morris, der überzeugt war, dass „sich alles Kunstgewerbe in völliger Entartung“ befand, mit Freunden die Firma ''Morris, Marshall, Faulkner & Co.'' Ab 1875 hieß das Unternehmen ''Morris & Co.'' Ideale dieser Werkstatt waren einfache Schönheit, Nützlichkeit und Qualität. Maschinenarbeit war ausgeschlossen. Noch heute berühmt sind die ''Morris-Tapeten''. 1891 gründete Morris einen [[Bibliophilie|bibliophilen]] Verlag, die ''Kelmscott Press''. Das erste Buch dieses Verlags, ''The Story of Glittering Plain'', mit eigens entworfenen neuen Techniken, Materialien und Schrifttypen wurde ein überwältigender Erfolg beim Publikum.

1887 gründeten verschiedene ''Artist-Designers'', die sich dem Kunsthandwerk verpflichtet fühlten, die ''Arts and Crafts Exhibition Society'', die 1888 ihre erste Ausstellung organisierte.<ref>Rosalind P. Blakesley, ''The Arts and Crafts Movement'', Phaidon, London 2006.</ref> Bereits zuvor waren ähnliche Zusammenschlüsse entstanden, beispielsweise 1882 die ''Century Guild'' von [[Arthur Mackmurdo]]. 1888 folgte die ''School of Handicraft'' von [[Charles Robert Ashbee]]. Auch japanische Stilelemente fanden über Großbritannien Eingang in die europäische Kunst und sollten zu prägenden Bestandteilen der Jugendstilkunst werden. In den Jahren 1854 und 1862 fanden in London große Ausstellungen japanischer Kunst statt. 1858 schloss Großbritannien ein Handelsabkommen mit Japan. Japanische Holzschnitte, Möbel, Keramiken und Lackarbeiten wurden in großer Anzahl nach Großbritannien importiert. Unter denjenigen, die sich für diese Kunst begeisterten, war der Designer und Dozent [[Christopher Dresser]], der mit seinen kunsthandwerklichen Entwürfen, vor allem aber mit seinen Büchern einen großen Einfluss auf die Bewegung hatte. 1877 reiste er im Auftrag der New Yorker Firma Tiffany nach Japan.

Der gebürtige Amerikaner [[James McNeill Whistler]], seit 1859 in London lebend, war ebenfalls einer der Pioniere, die den [[Japonismus]] in Großbritannien populär machten. [[Japanischer Farbholzschnitt|Japanische Farbholzschnitte]] waren in besonderem Maß das stilistische und technische Vorbild für Whistlers Arbeit.

Als weitere Protagonisten sind die Architekten und Designer [[Ernest Gimson]] und [[Charles Voysey]] sowie der Unternehmer Sir [[Arthur Liberty]] und der Künstler [[Charles Ricketts]] zu nennen. [[Oscar Wilde]] vertraute Ricketts die Illustration und Produktion der Mehrzahl seiner Werke an.

Der wohl bekannteste Künstler des englischen ''Modern Style'' ist der Illustrator [[Aubrey Beardsley]]. Stilistisch ließ sich der Autodidakt Beardsley von Burne-Jones, vor allem aber von Whistler inspirieren. Thematisch begeisterte und entsetzte Beardsley mit seinen morbiden, frivolen, kunstreich-kühl ziselierten Grafiken sowohl seine Zeitgenossen als auch spätere Betrachter seiner Kunst bis in die heutige Zeit.

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=== Verbreitung in Deutschland ===
=== Verbreitung in Deutschland ===
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Der Jugendstil ist in Deutschland aus lokalen Bewegungen und Künstleravantgarden entstanden, die erst im Laufe der Jahre und über die vielen neu gegründeten Kunstzeitschriften zu einem überregionalen Ideenaustausch gelangten.
Der Jugendstil ist in Deutschland aus lokalen Bewegungen und Künstleravantgarden entstanden, die erst im Laufe der Jahre und über die vielen neu gegründeten Kunstzeitschriften zu einem überregionalen Ideenaustausch gelangten.


Namensgeber der Bewegung, die in Deutschland zuvor als ''[[Art nouveau]]'' oder als ''Yachting Style'' bezeichnet wurde, war die künstlerische Wochenzeitschrift ''[[Jugend (Zeitschrift)|Jugend]]'', die erstmals im Mai 1896 in München erschien. Als weitere einflussreiche Zeitschriften sind der Münchner ''[[Simplicissimus]]'' und die Berliner Zeitschrift ''[[Pan (Zeitschrift)|Pan]]'' zu nennen.
Namensgeber der Bewegung, die in Deutschland zuvor als ''Art nouveau'' oder als ''Yachting Style'' bezeichnet wurde, war die künstlerische Wochenzeitschrift ''Jugend'', die erstmals im Mai 1896 in München erschien. Als weitere einflussreiche Zeitschriften sind der Münchner ''Simplicissimus'' und die Berliner Zeitschrift ''Pan'' zu nennen.


Einer der rührigsten Mitarbeiter bei ''Jugend'' und ''Pan'' war der Maler und Gestalter [[Otto Eckmann]]. Ebenso wie seine Vorgänger in Großbritannien befasste er sich intensiv mit der japanischen Kunst. Ihn interessierte besonders die flächige Darstellung von Naturmotiven. Sein Lieblingstier, der Schwan, wurde zu einem der Leitmotive des Jugendstils.
Einer der rührigsten Mitarbeiter bei ''Jugend'' und ''Pan'' war der Maler und Gestalter Otto Eckmann. Ebenso wie seine Vorgänger in Großbritannien befasste er sich intensiv mit der japanischen Kunst. Ihn interessierte besonders die flächige Darstellung von Naturmotiven. Sein Lieblingstier, der Schwan, wurde zu einem der Leitmotive des Jugendstils.


==== München ====
==== München ====
Weitere Künstler, die dazu beitrugen, dass [[München]] zu einem der Zentren des Jugendstils wurde, sind:
Weitere Künstler, die dazu beitrugen, dass München zu einem der Zentren des Jugendstils wurde, sind:
* [[Hermann Obrist]], der 1895 mit seiner Stickarbeit ''Peitschenhieb'', einem Wandbehang, der eine [[Zyklame]] darstellt, großes Aufsehen erregte. Obrist gründete 1897 gemeinsam mit Freunden, darunter [[Peter Behrens]], die ''Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk'', um die Produktion und den Verkauf der neuen Kunstrichtung zu fördern.
* Hermann Obrist, der 1895 mit seiner Stickarbeit ''Peitschenhieb'', einem Wandbehang, der eine Zyklame darstellt, großes Aufsehen erregte. Obrist gründete 1897 gemeinsam mit Freunden, darunter Peter Behrens, die ''Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk'', um die Produktion und den Verkauf der neuen Kunstrichtung zu fördern.
* [[August Endell]], der die Fassade des 1897 erbauten Photostudios ''Elvira'' in der Münchner Von-der-Tann-Straße entwarf. Mit seinem Drachenornament war dieses Haus ein spektakulärer Blickfang im Münchner Stadtbild. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Der Jugendstildrache an der Fassade war schon 1937 auf Veranlassung der Nationalsozialisten abgeschlagen worden.
* August Endell, der die Fassade des 1897 erbauten Photostudios ''Elvira'' in der Münchner Von-der-Tann-Straße entwarf. Mit seinem Drachenornament war dieses Haus ein spektakulärer Blickfang im Münchner Stadtbild. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Der Jugendstildrache an der Fassade war schon 1937 auf Veranlassung der Nationalsozialisten abgeschlagen worden.
* [[Richard Riemerschmid]] mit seinen Möbeln und Raumentwürfen.
* Richard Riemerschmid mit seinen Möbeln und Raumentwürfen.
* Der Architekt, Raumgestalter, Bildhauer, Maler und Gestalter [[Bernhard Pankok]].
* Der Architekt, Raumgestalter, Bildhauer, Maler und Gestalter Bernhard Pankok.
* [[Bruno Paul]] mit seinen Möbelentwürfen, die sowohl auf der [[Weltausstellung Paris 1900|Weltausstellung in Paris 1900]] als auch in [[Louisiana Purchase Exposition|St. Louis 1904]] preisgekrönt wurden.
* Bruno Paul mit seinen Möbelentwürfen, die sowohl auf der Weltausstellung in Paris 1900 als auch in St. Louis 1904 preisgekrönt wurden.
* Der Architekt [[Martin Dülfer]].
* Der Architekt Martin Dülfer.
* Der Architekt und Innenarchitekt [[Hans Eduard von Berlepsch-Valendas]].
* Der Architekt und Innenarchitekt Hans Eduard von Berlepsch-Valendas.


==== Darmstadt ====
==== Darmstadt ====
Gleichrangig neben München entwickelte sich Darmstadt zum Zentrum des Jugendstils in Deutschland. Motor dieser Entwicklung war Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Bei Besuchen in Großbritannien hatte sich der weltoffene Großherzog, ein Enkel der Königin Viktoria, mit der ''Arts-and-Crafts''-Bewegung vertraut gemacht. 1899 berief er sieben junge Künstler nach Darmstadt in die Künstlerkolonie.


Der Großherzog ließ auf der Mathildenhöhe durch den Architekten Joseph Maria Olbrich ein Atelierhaus als Mittelpunkt der Künstlerkolonie errichten. Weithin sichtbares Wahrzeichen wurde der 1908 durch Olbrich errichtete monumentale Hochzeitsturm. Außerdem hatten die Künstler die Möglichkeit, sich eigene Wohnhäuser zu bauen. Die Mathildenhöhe und die angrenzende Rosenhöhe gilt als das kunsthistorisch bedeutendste und wertvollste erhaltene Jugendstilensemble in Deutschland.
Gleichrangig neben München entwickelte sich [[Darmstadt]] zum Zentrum des Jugendstils in Deutschland. Motor dieser Entwicklung war [[Ernst Ludwig (Hessen-Darmstadt, Großherzog)|Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein]]. Bei Besuchen in Großbritannien hatte sich der weltoffene Großherzog, ein Enkel der Königin [[Victoria (Vereinigtes Königreich)|Viktoria]], mit der ''Arts-and-Crafts''-Bewegung vertraut gemacht. 1899 berief er sieben junge Künstler nach Darmstadt in die [[Darmstädter Künstlerkolonie|Künstlerkolonie]].


Durch die Meisterkurse verbreitete sich der Jugendstil von Darmstadt aus, Darmstadt war auch das geistige Zentrum der theoretischen Diskussion über den neuen Stil. Neben Olbrich waren Peter Behrens, Hans Christiansen, Ludwig Habich und Patriz Huber weitere bedeutende Künstler unter den ''Darmstädter Sieben''.
Der Großherzog ließ auf der [[Mathildenhöhe]] durch den Architekten [[Joseph Maria Olbrich]] ein [[Darmstädter Künstlerkolonie#Atelierhaus|Atelierhaus]] als Mittelpunkt der Künstlerkolonie errichten. Weithin sichtbares Wahrzeichen wurde der 1908 durch Olbrich errichtete monumentale [[Hochzeitsturm]]. Außerdem hatten die Künstler die Möglichkeit, sich eigene Wohnhäuser zu bauen. Die Mathildenhöhe und die angrenzende Rosenhöhe gilt als das kunsthistorisch bedeutendste und wertvollste erhaltene Jugendstilensemble in Deutschland.

Durch die Meisterkurse verbreitete sich der Jugendstil von Darmstadt aus, Darmstadt war auch das geistige Zentrum der theoretischen Diskussion über den neuen Stil. Neben Olbrich waren [[Peter Behrens]], [[Hans Christiansen]], [[Ludwig Habich]] und [[Patriz Huber]] weitere bedeutende Künstler unter den ''Darmstädter Sieben''.

==== Bad Nauheim ====
Auf Betreiben von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein entstand in [[Bad Nauheim]] überwiegend durch Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie ein einzigartiges Ensemble von Kur-Anlagen: [[Sprudelhof]], Trinkkuranlage, Badehäuser, Parks und die Maschinenzentrale mit Saline und Wäscherei. Diese Bauten prägen noch heute, neben etlichen weiteren Jugendstilbauten, das Stadtbild und machen es zu einem außerordentlichen Gesamtkunstwerk der Zeit um 1910. Weil dieses Ensemble heute auch in seinen Details noch weitgehend erhalten ist, ist Bad Nauheim als einzige deutsche Stadt neben Darmstadt im ''[[Réseau Art Nouveau Network]]'' vertreten, in dem derzeit 20 europäische Städte und Regionen wie Barcelona, Budapest, Brüssel, Glasgow, Helsinki oder Wien sowie Havanna als einziger Vertreter aus Übersee zusammengeschlossen sind.


==== Karlsruhe ====
==== Karlsruhe ====
[[Karlsruhe]] war – stark beeinflusst von Darmstadt, aber parallel dazu – ein weiteres Zentrum des Jugendstils in Südwestdeutschland. Hier machten bereits vor 1900 die Architekten [[Hermann Billing]] und [[Karl Coelestin Moser]] durch avantgardistische Entwürfe von sich reden. Anders als in Darmstadt zeigt sich der Jugendstil in Karlsruhe uneinheitlich, Billing vertrat einen expressiven, farbbetonten und floral ornamentierten Stil, der auch Elemente anderer Baustile, etwa der [[Neugotik]] freizügig vereinnahmte. Moser stand dagegen eher für eine abgeklärte, geometrische Variante an der Schwelle zum [[Reformstil]].
[[Karlsruhe]] war – stark beeinflusst von Darmstadt, aber parallel dazu – ein weiteres Zentrum des Jugendstils in Südwestdeutschland. Hier machten bereits vor 1900 die Architekten [[Hermann Billing]] und [[Karl Coelestin Moser]] durch avantgardistische Entwürfe von sich reden. Anders als in Darmstadt zeigt sich der Jugendstil in Karlsruhe uneinheitlich, Billing vertrat einen expressiven, farbbetonten und floral ornamentierten Stil, der auch Elemente anderer Baustile, etwa der [[Neugotik]] freizügig vereinnahmte. Moser stand dagegen eher für eine abgeklärte, geometrische Variante an der Schwelle zum [[Reformstil]].


Bemerkenswert ist die [[Hof-Apotheke (Karlsruhe)|Hof-Apotheke]], die die spitzwinklige Ecksituation an der Kaiserstraße/Waldstraße expressiv übersteigert. Weitere wichtige Zeugnisse des Jugendstils in Karlsruhe sind die Villenkolonie [[Baischstraße]] um den [[Kaiserplatz (Karlsruhe)|Kaiserplatz]] (Hermann Billing), die Bebauung der Wendtstraße in der Weststadt und um die [[Lutherkirche (Karlsruhe)|Lutherkirche]] in der Oststadt ([[Robert Curjel|Curjel]] & [[Karl Coelestin Moser|Moser]]). Eine eigentümliche Mischung zwischen Neoklassizismus und Jugendstil weist das nach Plänen von [[August Stürzenacker]] 1913 entstandene Empfangsgebäude des [[Karlsruhe Hauptbahnhof|Karlsruher Hauptbahnhofs]] auf.
Bemerkenswert ist die Hof-Apotheke, die die spitzwinklige Ecksituation an der Kaiserstraße/Waldstraße expressiv übersteigert. Weitere wichtige Zeugnisse des Jugendstils in Karlsruhe sind die Villenkolonie Baischstraße um den Kaiserplatz (Hermann Billing), die Bebauung der Wendtstraße in der Weststadt und um die Lutherkirche in der Oststadt ([[Robert Curjel|Curjel]] & [[Karl Coelestin Moser|Moser]]). Eine eigentümliche Mischung zwischen Neoklassizismus und Jugendstil weist das nach Plänen von August Stürzenacker 1913 entstandene Empfangsgebäude des [[Karlsruhe Hauptbahnhof|Karlsruher Hauptbahnhofs]] auf.


Um 1900 war Karlsruhe mit der [[Grötzinger Malerkolonie]] auch ein Zentrum der deutschen Landschaftsmalerei mit [[Gustav Kampmann]] als stark stilisierendem, abstrahierendem Linien- und Flächenkünstler. Schließlich brachten die Kunstgewerbeschule ([[Max Laeuger]]), die Majolikamanufaktur ([[Alfred Kusche]], Baukeramik) und das Atelier von Emmy Schoch (Reformkleider) bedeutende Beispiele für das Kunstgewerbe des Jugendstils hervor. Heute verfügt das [[Badisches Landesmuseum Karlsruhe|Badische Landesmuseum]] über eine der besten Jugendstil-Sammlungen Deutschlands. Auch das [[Schmuckmuseum Pforzheim]] stellt viele Werke aus der Zeit des Jugendstils aus. Der „Künstlerfabrikant“ [[Theodor Fahrner]] war einer der Wegbereiter des [[Modeschmuck]]s, der von Künstlern wie Max J. Gradl entworfen und von Fahrner in [[Pforzheim]] hergestellt wurde.
Um 1900 war Karlsruhe mit der [[Grötzinger Malerkolonie]] auch ein Zentrum der deutschen Landschaftsmalerei mit [[Gustav Kampmann]] als stark stilisierendem, abstrahierendem Linien- und Flächenkünstler. Schließlich brachten die Kunstgewerbeschule ([[Max Laeuger]]), die Majolikamanufaktur (Alfred Kusche, Baukeramik) und das Atelier von Emmy Schoch (Reformkleider) bedeutende Beispiele für das Kunstgewerbe des Jugendstils hervor. Heute verfügt das [[Badisches Landesmuseum Karlsruhe|Badische Landesmuseum]] über eine der besten Jugendstil-Sammlungen Deutschlands. Auch das [[Schmuckmuseum Pforzheim]] stellt viele Werke aus der Zeit des Jugendstils aus. Der „Künstlerfabrikant“ [[Theodor Fahrner]] war einer der Wegbereiter des [[Modeschmuck]]s, der von Künstlern wie Max J. Gradl entworfen und von Fahrner in [[Pforzheim]] hergestellt wurde.
==== Jugendstil in Pforzheim ([[Architekturführer Goldstadt Jugendstil und Art Déco]])====
Beispiele in Pforzheim waren:
* [[Goldner Adler#Geschichte|Goldner Adler]]: Das Gebäude wurde [[1906]] – [[1908]] im [[Jugendstil]] nach Entwürfen des [[Karlsruhe]]r Architekten [[Hermann Walder]] (* 3. November 1847 in Karlsruhe; † 20. August 1921).<ref>http://www.stille-zeitzeugen.de/info/info_architekten.php?nr=134&vorname=Hermann&nachname=Walder&sort=1</ref> erbaut.
* [[Brauerei Beckh#Zweite Generation: Die Söhne Adolf und Christoph - Gebrüder Beckh|Brauerei Beckh]] :Die Söhne des Firmengründers, Adolf und Christoph, ließen 1904 das Brauhaus der Gebrüder Beckh am Marktplatz 4 in Pforzheim erbauen. Für den Umbau ließen sie sich Entwürfe von dem Pforzheimer Architekten [[Ernst Maler]] sowie von dem [[Karlsruhe]]r Architekten [[Hermann Billing]] liefern.<ref>[https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/images/1600WM/42970.jpg „Deutsche Bauzeitung“ von 1904 (Jahrgang 38) No. 85 ]</ref><ref>[https://mediatum.ub.tum.de/?id=1176553 ''Die Architektur des XX. Jahrhunderts - Zeitschrift für moderne Baukunst'', Jahrgang 5, Tafel 54.]</ref><ref>[https://www.stcroixarchitecture.com/products/house-office-brothers-beckh-brewery-pforzheim-germany-1904-lithograph-prof-h-billing ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect''. In: ''The American Architect and Building News'', 2. Oktober 1904, No. 1507]</ref><ref>[https://mediatum.ub.tum.de/?id=932734 ''München, Architekturmuseum der TU München, Inventar-Nr. bill-80-1, 932734, alte Inventar-Nr. 80.1'']</ref> Die Brauerei ist auch als ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim'' bekannt und wurde im Jahre 1904 unter dieser Bezeichnung in den [[USA]] publik gemacht.<ref>[https://www.stcroixarchitecture.com/products/house-office-brothers-beckh-brewery-pforzheim-germany-1904-lithograph-prof-h-billing ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect''. In: ''The American Architect and Building News'', 2. Oktober 1904, No. 1507]</ref>
* [[Ringer'schen Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]]


==== Jugendstil in Pforzheim ====

Beispiele in Pforzheim sind:
Beispiele in Pforzheim (vgl. [[Architekturführer Goldstadt Jugendstil und Art Déco]]) waren:
* [[Goldner Adler]]: Das Gebäude wurde [[1906]]–[[1908]] im Jugendstil nach Entwürfen des [[Karlsruhe]]r Architekten [[Hermann Walder]] (* 3. November 1847 in Karlsruhe; † 20. August 1921).<ref>http://www.stille-zeitzeugen.de/info/info_architekten.php?nr=134&vorname=Hermann&nachname=Walder&sort=1</ref> erbaut.
* [[Hochschule für Gestaltung]]. Das Jugendstilgebäude der ehemaligen Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in der Holzgartenstraße 36 wurde am 15. November 1911 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Es beherbergt heute die Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim
* [[Brauerei Beckh]]: Die Söhne des Firmengründers, Adolf und Christoph, ließen 1904 das Brauhaus der Gebrüder Beckh am Marktplatz 4 in Pforzheim erbauen. Für den Umbau ließen sie sich Entwürfe von dem Pforzheimer Architekten [[Ernst Maler]] sowie von dem [[Karlsruhe]]r Architekten [[Hermann Billing]] liefern.<ref>[https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/images/1600WM/42970.jpg „Deutsche Bauzeitung“ von 1904 (Jahrgang 38) No. 85 ]</ref><ref>[https://mediatum.ub.tum.de/?id=1176553 ''Die Architektur des XX. Jahrhunderts - Zeitschrift für moderne Baukunst'', Jahrgang 5, Tafel 54.]</ref><ref>[https://www.stcroixarchitecture.com/products/house-office-brothers-beckh-brewery-pforzheim-germany-1904-lithograph-prof-h-billing ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect''. In: ''The American Architect and Building News'', 2. Oktober 1904, No. 1507]</ref><ref>[https://mediatum.ub.tum.de/?id=932734 ''München, Architekturmuseum der TU München, Inventar-Nr. bill-80-1, 932734, alte Inventar-Nr. 80.1'']</ref> Die Brauerei ist auch als ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim'' bekannt und wurde im Jahre 1904 unter dieser Bezeichnung in den USA publik gemacht.<ref>[https://www.stcroixarchitecture.com/products/house-office-brothers-beckh-brewery-pforzheim-germany-1904-lithograph-prof-h-billing ''House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect''. In: ''The American Architect and Building News'', 2. Oktober 1904, No. 1507]</ref>
* [[Bezirksamtsturm]]. Das Bezirksamtsgebäude wurde von 1901 bis 1903 nach den Entwürfen des Architekten und Bezirksbauinspektors [[Emil Lang]] aus Bruchsal errichtet. Der „Bezirksamtsturm“ zeigt das Wappen von Pforzheim und Baden als Hoheitszeichen. Der 42 Meter hohe Turm ist ein stadtbildprägendes Wahrzeichen Die zwei farbigen Jugendstilbilder und die Tierkreiszeichen auf den Zifferblättern wurden vom Karlsruher Jugenstilkünstler [[Hellmuth Eichrodt]] gestaltet. Innen beherbergt der Turm ein hallenartiges Treppenhaus, das auf drei Ebenen mit Farbglasfenstern mit Alt-Pforzheim Motiven ausgestattet ist. Die Innenausstattung wurde von Jugendstilkünstlern geschaffen: [[Hermann Billing]], Hellmut Eichrodt und [[Max Laeuger]] sowie [[Adolf Sautte]]r. Die Steinreliefs des Supraportes mit Eichenlaubdekor wurden nach einem Entwurf des Pforzheimer Bildhauers Adolf Sautter geschaffen.
* [[Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]]
* [[Hochschule für Gestaltung]]. Das Jugendstilgebäude der ehemaligen Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in der Holzgartenstraße 36 wurde am 15. November 1911 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Es beherbergt heute die Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim
* [[Bezirksamtsturm]]. Das Bezirksamtsgebäude wurde von 1901 bis 1903 nach den Entwürfen des Architekten und Bezirksbauinspektors [[Emil Lang]] aus Bruchsal errichtet. Der „Bezirksamtsturm“ zeigt das Wappen von Pforzheim und Baden als Hoheitszeichen. Der 42 Meter hohe Turm ist ein stadtbildprägendes Wahrzeichen Die zwei farbigen Jugendstilbilder und die Tierkreiszeichen auf den Zifferblättern wurden vom Karlsruher Jugenstilkünstler [[Hellmuth Eichrodt]] gestaltet. Innen beherbergt der Turm ein hallenartiges Treppenhaus, das auf drei Ebenen mit Farbglasfenstern mit Alt-Pforzheim Motiven ausgestattet ist. Die Innenausstattung wurde von Jugendstilkünstlern geschaffen: [[Hermann Billing]], Hellmut Eichrodt und [[Max Laeuger]] sowie [[Adolf Sautter]]. Die Steinreliefs des Supraportes mit Eichenlaubdekor wurden nach einem Entwurf des Pforzheimer Bildhauers Adolf Sautter geschaffen.
* [[Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße in Pforzheim]]
* [[Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße in Pforzheim]]


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Bild:Pforzheim 2016 070.jpg|Jugendstil: [[Bezirksamtsturm]].
Bild:Pforzheim 2016 070.jpg|Jugendstil: [[Bezirksamtsturm]].


Datei:Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945), Entwurf Emil Ringer.png|[[Ringer'schen Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]].
Datei:Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945), Entwurf Emil Ringer.png|[[Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]].
Datei:Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim, erbaut 1906 bis 1907, Entwurf Emil Ringer.png|[[Ringer'schen Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]].
Datei:Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim, erbaut 1906 bis 1907, Entwurf Emil Ringer.png|[[Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)]].


Datei:Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße 135-155 in Pforzheim, erbaut 1906 bis 1907, Entwurf Hans Bühling für Theodor Denzle.png|[[Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße in Pforzheim]].
Datei:Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße 135-155 in Pforzheim, erbaut 1906 bis 1907, Entwurf Hans Bühling für Theodor Denzle.png|[[Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße in Pforzheim]].
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File:Wilhelm Kick, Einfache Neubauten, Stuttgart 1890, Wohnhaus in Pforzheim, Architekt H. Zartmann aus Pforzheim.jpg| Wohnhaus in Pforzheim, Architekt H. Zartmann aus Pforzheim
File:Wilhelm Kick, Einfache Neubauten, Stuttgart 1890, Wohnhaus in Pforzheim, Architekt H. Zartmann aus Pforzheim.jpg| Wohnhaus in Pforzheim, Architekt H. Zartmann aus Pforzheim
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==== Nürnberg ====

In [[Nürnberg]] fertigten zunächst die Werkstätten Johann von Schwarz, Gustav Frey und die Metallwarenfabrik für Kleinkunst Walter Scherf & Co. seit 1898 kunsthandwerkliche Gegenstände im Sinne des Jugendstils. Durch die kunstgewerblichen Meisterkurse, die [[Peter Behrens]] ab 1901 und [[Richard Riemerschmid]] ab 1903 im Bayerischen Gewerbemuseum erteilten, gewann der Jugendstil rasch Auftrieb. Die Meisterkurse wurden später von [[Paul Haustein]] und [[Friedrich Adler (Künstler)|Friedrich Adler]] fortgesetzt. In den keramischen Werkstätten entstanden vorwiegend [[Fayence]]n. Gebrauchsgegenstände aus Zinnguss („das Silber des kleinen Mannes“) wurden von Walter Scherf durch Vergoldung oder Kombinieren mit Glas aufgewertet. Der Bildhauer und Zeichner [[Carl Sigmund Luber]] wirkte als künstlerischer Direktor bei ''Johann von Schwarz''. Weitere bedeutende Jugendstilkünstler waren [[Friedrich Müller (Künstler)|Friedrich Müller]], [[Valentin Oeckler]], [[Christian Schönamsgruber]] und [[Ferdinand Semmelroth]].

1902 entstand in der Kaiserstraße 30 das Haus des Juweliers August Merklein „im neuen Stil nach Pariser Vorbild“ (von [[Friedrich Trost der Ältere|Friedrich Trost d. Ä.]], Inneneinrichtung von [[Heinrich Höllfritsch]]). Das Gebäude wurde im Krieg zerstört. Impulsgebend für die Architektur war die Bayerische Jubiläums-Landesausstellung 1906 im [[Luitpoldhain (Nürnberg)|Luitpoldhain]] mit den Ausstellungshallen von [[Theodor von Kramer]] (in der nationalsozialistischen Ära abgebrochen). Das Gebäude des Industrie- und Kulturvereins (1902 von Theodor von Kramer) wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Weitgehend erhaltene Großbauten sind das [[Bismarckschule (Nürnberg)|Bismarckschulhaus]] (1902/1904 von [[Georg Kuch]] und [[Carl Weber (Architekt, II)|Carl Weber]]) und das [[Volksbad Nürnberg|Volksbad]] mit originaler Innenausstattung (1906 von Carl Weber, heute geschlossen). Ebenfalls erhalten ist der [[Nürnberg Hauptbahnhof#Architektur|Jugendstil-Wartesaal]] im Hauptbahnhof (1905 von [[Bruno Paul]]). Für private Bauten konnte sich der Jugendstil gegen den in Nürnberg um 1900 noch vorherrschenden [[Nürnberger Stil]] erst spät durchsetzen. Im Jugendstilviertel im Stadtteil [[Gärten hinter der Veste]] finden sich mehrere bedeutende im Ensemblezusammenhang erhaltene Jugendstilbürgerhäuser. Weitere bedeutende Einzelbauten des Jugendstils finden sich in den Stadtteilen [[St. Johannis (Nürnberg)|St. Johannis]], [[Galgenhof]], [[St. Leonhard (Nürnberg)|St. Leonhard]] und am [[Liste der Baudenkmäler in den Nürnberger Stadtteilen Wöhrd und Rennweg#Ensemble Prinzregentenufer|Prinzregentenufer]].

==== Bayreuth ====

In [[Bayreuth]] findet sich im [[Präsidialbau der Regierung von Oberfranken]] eines der bedeutendsten Jugendstil-Raumensembles. Das Empfangszimmer des Regierungspräsidenten wurde von Joseph und [[Franz Rank]] entworfen. Das an das Empfangszimmer direkt anschließende Arbeitszimmer des Präsidenten stammt von [[Bruno Paul]]. Der holzvertäfelte Landrätesaal (Wappensaal) im zweiten Obergeschoss wurde von [[Martin Dülfer]] entworfen. Alle drei Raumausstattungen wurden zunächst 1904 auf der [[Louisiana Purchase Exposition|Weltausstellung in St. Louis]] gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. Die nach Ende der Weltausstellung nach Bayreuth verbrachten und dort bestimmungsgemäß eingebauten Räume wurden wegen der internationalen Anerkennungen vielfach publiziert und waren beispielgebend und stilbindend für deutsche Werkstätten. Das Ensemble ist samt den Einrichtungsgegenständen vollständig erhalten.

==== Leipzig ====
Aus den zahlreichen deutschen Städten, in denen der Jugendstil seine Spuren hinterlassen hat, ragt [[Leipzig]] besonders hervor. So besitzt Leipzig den wohl größten erhaltenen Bestand an Gebäuden, die Architekturmerkmale des Jugendstils aufweisen. Sowohl im Zentrum als auch in den Stadtteilen [[Gohlis (Leipzig)|Gohlis]], Plagwitz, Leutzsch, im [[Waldstraßenviertel]] und in Stötteritz finden sich zahlreiche Jugendstilgebäude. Neben Mehrfamilienhäusern, zahlreichen Villen, öffentlichen Gebäuden und Geschäftshäusern hat der Jugendstil auch Eingang in die Industriearchitektur Leipzigs gefunden. Viele Gebäude weisen auch im Inneren deutliche Merkmale des Jugendstils auf, so etwa das im Stil der Neorenaissance erbaute [[Neues Rathaus (Leipzig)|Neue Rathaus]] und die Schalterhallen des Leipziger Hauptbahnhofs.

Der wohl bedeutendste Jugendstilarchitekt Leipzigs war [[Paul Möbius (Architekt)|Paul Möbius]] (1866–1907), der in den Jahren 1893 bis 1907 etwa 40 Mehrfamilienhäuser, Villen und Geschäftshäuser plante und errichtete. Weitere namhafte Jugendstilarchitekten in Leipzig waren [[Fritz Drechsler]], [[Max Pommer (Architekt)|Max Pommer]], [[Paul Lange (Architekt, 1853)|Paul Lange]] und [[Emil Franz Hänsel]].

==== Halle (Saale) ====
In [[Halle (Saale)|Halle]] zeigt der Jugendstil ein provinzielles, jedoch auch vielschichtiges und originelles Gesicht. Vor allem die Verbindung des neuen Stils mit historischer Bausubstanz und historisierenden, insbesondere [[Neogotik|neogotischen]] Formen haben hier zu einer eigentümlichen und bisweilen bizarren Durchmischung geführt. Zu den wenigen weitgehend im Jugendstil gestalteten Bauten zählen vor allem der [[Volkspark (Halle)|Volkspark]], das Hauptgebäude des [[Gertraudenfriedhof (Halle)|Gertrauden-Friedhof]]s, das Geschäftshaus am Universitätsring, einige Kaufhäuser sowie teilweise das [[Stadtbad (Halle)|Stadtbad]]. Mit den Brauereien Glauchaer Straße und Böllberger Weg sind auch bedeutende Industriebauten im Jugendstil anzutreffen.
Der in den Gründerzeitquartieren wie etwa dem [[Paulusviertel (Halle)|Paulusviertel]] oder der [[Südliche Innenstadt (Halle)|südlichen Innenstadt]] vorherrschende Baustil ist größtenteils vom [[Historismus]] geprägt, vereinzelt tritt jedoch auch hier Fassadenschmuck des Jugendstils auf.

==== Berlin ====

In der Reichshauptstadt Berlin dominierte um 1890 der [[Wilhelminismus|wilhelminische]] Prunk. Eine Ausstellung des Norwegers [[Edvard Munch]] führte 1892 zu einem Eklat, an dem sich jedoch der Widerstand einiger Künstler gegen die offizielle Kunst kristallisierte. Gegen die Schließung der Ausstellung protestierte eine Gruppe von elf Künstlern, unter ihnen [[Walter Leistikow]], [[Max Liebermann]] und [[Max Klinger]]. Auf Initiative des Schriftstellers [[Otto Julius Bierbaum]] und des Schriftstellers, Herausgebers und Unternehmers [[Julius Meier-Graefe]] erschien 1895 die exklusive und teure Zeitschrift ''[[Pan (Zeitschrift)|Pan]]'', die Impulse für neue Kunst geben sollte. Bereits 1900 musste die Zeitschrift wegen fehlenden wirtschaftlichen Erfolges wieder eingestellt werden. In den fünf Jahren, die der Zeitschrift beschieden waren, veröffentlichte jedoch ein großer Teil der künstlerischen Elite Deutschlands darin. Als Jugendstil-Künstler des ''Pan'' sind besonders zu nennen:
* der Schrift- und Ornamentkünstler [[Otto Eckmann]], der die fantastischen [[Initialen]] für ''Pan'' entwarf.
* Die Glas- und Schmuckkünstler [[Karl Koepping]] und [[Wilhelm Lucas von Cranach]].

Berlin entwickelte sich zum Zentrum der deutschen Jugendstil-Schmuckkunst. Neben Cranach sind [[Hugo Schaper]], [[Hermann Hirzel (Künstler)|Hermann Hirzel]] und [[Bruno Möhring]] zu nennen. Ihr floraler Stil erinnert in mancher Hinsicht an den des Belgiers [[Henry van de Velde]].

==== Hagen ====
Der Mäzen [[Karl Ernst Osthaus]] gab in Hagen den Anstoß zum [[Hagener Impuls]]. Zwischen 1900 und dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] wollte er eine Künstlerkolonie in Hohenhagen entstehen lassen. Der Erste Weltkrieg verhinderte jedoch die Fertigstellung. So sind nur wenige der geplanten Bauten verwirklicht worden, diese jedoch von namhaften Künstlern, die Osthaus nach Hagen holte. Unter anderem sind dies [[Henry van de Velde]], [[Peter Behrens]], [[Richard Riemerschmid]]. Der niederländische Künstler [[Jan Thorn Prikker (Künstler)|Jan Thorn Prikker]] gestaltete auf Osthaus' Initiative für den 1910 eingeweihten Hauptbahnhof Hagen das noch heute dort vorhandene Glasfenster „Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“.

Ein deutlich überregional herausragendes Baudenkmal ist der [[Hohenhof]]. Nach einem Entwurf von [[Henry van de Velde]] wurde er als Gesamtkunstwerk gestaltet. Er diente [[Karl Ernst Osthaus]] als Wohnsitz und sollte Mittelpunkt der nach 1910 geplanten, aber nicht vollendeten Gartenvorstadt Emst werden.

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==== Weitere Künstler und Zentren des Jugendstils in Deutschland ====


Die im [[Klassizismus]] und [[Historismus]] entstandene [[Bäderarchitektur]] in den [[Liste deutscher Seebäder|deutschen Seebädern]] weist um die Wende zum 20. Jahrhundert zahlreiche Jugendstileinflüsse auf, ein Beispiel ist die [[Lietzenburg]] auf der Insel [[Hiddensee]].

1896 wurde eine Kunstwebschule im nordschleswigschen [[Scherrebek]] gegründet, die auf Anhieb deutschlandweit Anerkennung fand. Diese fertigte unter [[Justus Brinckmann]] Bildwerke nach Entwürfen von Künstlern wie Otto Eckmann, Walter Leistikow, Heinrich Vogeler, Hans Christiansen oder [[Gadso Weiland]] an.<ref>[[Ernst Schlee (Kunsthistoriker)|Ernst Schlee]]: ''Scherrebeker Bildteppiche'' (= Kunst in Schleswig-Holstein, Bd. 26). Wachholtz, Neumünster 1984, ISBN 3-529-02542-9.</ref>

[[Henry van de Velde]] war nicht nur in seinem Heimatland Belgien, sondern später auch in Deutschland ein Protagonist des Jugendstils. 1897 zeigte er bei der Kunstgewerbeausstellung in [[Dresden]] viel beachtete Inneneinrichtungen. Für die [[Porzellanmanufaktur Meißen]] entwarf er in den Jahren 1904 und 1905 viel beachtete Porzellan-Service. In [[Weimar]] schuf van de Velde das Gebäude für die [[Kunstgewerbeschule Weimar]] (1905–1906), deren Direktor er bis 1915 war, sowie das Ateliergebäude für die gegenüberliegende [[Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar]] (1904–1911). Beide Gebäude waren dem Jugendstil verpflichtet, ebenso sein eigenes Wohnhaus, [[Haus Hohe Pappeln]], und die Inneneinrichtung des [[Nietzsche-Archiv]]s in Weimar, für deren Gestaltung er verantwortlich zeichnete. Der akademische Maler [[Arnold Lyongrün]] schuf im reinsten Jugendstil verschiedene Vorlagenwerke für dekorative Kunst und Kunstgewerbe, darunter „Dekorationsmotive“ (1899), „Neue Ideen“ (1901),<ref>[http://www.archive.org/stream/allgemeineskns61ml/allgemeineskns61ml_djvu.txt Arnold Lyongrün]. In: ''[[Internet Archive]]'': Hans W. Singer (Hrsg.): ''Allgemeines Künstlerlexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler, Band 6''. Rütten, Frankfurt am Main 1922, abgerufen am 19.&nbsp;Oktober 2010.</ref> Stil- und Naturformen, Moderne Vorbilder für Decken- und Wandmalerei (zusammen mit A. Eiserwag). Diese Bücher werden teilweise heute noch verlegt.<ref>Arnold Lyongrün: Eine Sammlung naturalistischer Motive, Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Leipzig 1898.</ref><ref>Arnold Lyongrün: Neue Ornamente, Verlag Ernst Wasmuth, Berlin, 1899–1902.</ref><ref>Arnold Lyongrün: Vorbilder für Kunstverglasungen im Style der Neuzeit, Verlag Hessling, Berlin und New York 1900.</ref><ref>Arnold Lyongrün: Neue Ideen für dekorative Kunst und das Kunstgewerbe, Verlag Kanter und Mohr, Berlin 1903.</ref><ref>Arnold Lyongrün: Masterpieces of Art Nouveau, Stained Glass Design, 91 Motifs in full color, Verlag Dover Pubn Inc., 1989.</ref><ref>Arnold Lyongrün: From Nature to Ornament, Organic Forms in the Art Nouveau Style, Dover Pictorial Archive Series 2010.</ref>

Unter den Künstlern der [[Künstlerkolonie Worpswede]] war [[Heinrich Vogeler]] derjenige, der sich in seiner Arbeit am engsten vom Jugendstil und seinen Idealen leiten ließ. Bekannt ist insbesondere Vogelers 1905 entstandenes Gemälde ''Sommerabend auf dem Barkenhoff'', das ihn selbst und seine Worpsweder Künstlerfreunde zeigt – unter ihnen [[Paula Modersohn-Becker]], ihren Mann [[Otto Modersohn]] und die Bildhauerin [[Clara Westhoff]].

In [[Traben-Trarbach]] an der Mosel entstanden mehrere Jugendstil-Villen, Hotels und Weingüter durch den Berliner Architekten [[Bruno Möhring]].<ref>Ines Wagemann: Jugendstil in Traben-Trarbach (Rheinische Kunststätten, Heft 331). Neuss 1988.</ref><ref>Gemeindekirchenrat der Evang. Kirchengemeinde Marienfelde (Hrsg.), Hans-Werner Fabarius: Bruno Möhring. Baukünstler, Designer, Stadtplaner. Berlin 2004.</ref>

Der Architekt [[Albin Müller]] wirkte in Magdeburg und ab 1908 in Darmstadt; abseits dieser Wirkungsstätten baute er unter anderem 1911–1913 das heute unter Denkmalschutz stehende Sanatorium Dr. Barner in Braunlage im Harz.

Ein weiterer wichtiger Vertreter war der Glasmaler und Künstler [[Josef Goller]].

[[Kayserzinn]]: Für außergewöhnliches deutsches Jugendstil-Zinn stehen die von Engelbert Kayser in Köln gefertigten Zinnprodukte.


=== Art nouveau in Frankreich ===
==== Der Salon de l’Art Nouveau ====
1871 zog der Hamburger [[Samuel Bing]] nach Paris. Er war zuvor im fernen Osten gewesen und handelte nun mit japanischen Farbholzschnitten, Keramik und Gebrauchskunst. 1894 lernte er auf einer USA-Reise [[Louis Comfort Tiffany]] kennen und verkaufte anschließend auch dessen Produkte in Europa. 1895 gründete er, um dem stark anwachsenden Geschäftsbetrieb gerecht zu werden, eine großzügige neue Galerie, die er ''Salon de l’Art Nouveau'' nannte. 1896 erregte eine Ausstellung von Möbeln des neuen Stils so großes Aufsehen, dass der Salon zum Namensgeber für die neue Bewegung wurde.
In dieser Galerie standen Gemälde und grafische Arbeiten von in Frankreich lebenden Künstlern aller Richtungen zum Verkauf, beispielsweise Blätter von [[Henri de Toulouse-Lautrec]], aber auch [[Impressionismus|Impressionisten]], [[Symbolismus (Bildende Kunst)|Symbolisten]] und viele mehr. Man konnte kunsthandwerkliche Arbeiten des Amerikaners Louis Comfort Tiffany, des Deutschen [[Karl Koepping]] oder von [[Emile Gallé]], eines der besten Meister der Schule von Nancy, kaufen. Bing sorgte dafür, dass Möbel von [[Henry van de Velde]] erstmals in Frankreich erhältlich waren. Später gründete Bing eine eigene Werkstatt und ließ dort Möbel nach Entwürfen von [[Edouard Colonna]], [[Georges de Feure]] und [[Eugène Gaillard]] fertigen.

1903 verkaufte er seine Galerie an den Möbelkünstler [[Louis Majorelle]]. Es war nur folgerichtig, dass seine Galerie, die so entscheidend dazu beigetragen hatte, dass Frankreich und Paris zu europäischen Zentren dieser Kunstrichtung wurden, zum Namensgeber der Bewegung wurde.

==== Paris ====
Paris wurde in vielerlei Hinsicht ein Zentrum des ''Art nouveau'':


* Der Schmuckkünstler [[René Lalique]] entwickelte ab 1885 eine neue Formen- und Farbenwelt bei Schmuckstücken: Er ließ sich von der Ideenwelt des [[Symbolismus (Bildende Kunst)|Symbolismus]] und den Formen der Natur, von Pflanzen, deren Blüten, Insekten, Fischen leiten. Er bevorzugte Materialien wie Glas, Email, Perlmutt, Elfenbein und Horn. Er setzt durch, dass statt des Materialwerts des Schmuckstückes der künstlerische Wert in den Vordergrund trat. Mit seinen Arbeiten hatte er einen so großen Erfolg, dass er schon 1890 dreißig Angestellte beschäftigte.
* Ein weiterer bedeutender Meister der Schmuckkunst in Paris war [[Georges Fouquet]], der häufig nach Entwürfen von [[Alfons Mucha]] arbeitete. Besonders bekannt wurde er durch seine Schmuckstücke für die Schauspielerin [[Sarah Bernhardt]]. Weitere bekannte Pariser Schmuckkünstler waren [[Lucien Gaillard]], der sich besonders von japanischer Kunst inspirieren ließ, sowie die ''Maison Vever'', die Firma der Brüder [[Paul Vever|Paul]] und [[Henri Vever]].
* Die Möbelkunst von Männern wie [[Eugène Gaillard]], [[Edouard Colonna]] und [[Georges de Feure]] war tonangebend für Frankreich und darüber hinaus.
* Der bekannteste Name unter den französischen Jugendstilkünstlern dürfte [[Henri de Toulouse-Lautrec]] sein. Auch [[Jules Chéret]], [[Eugène Grasset]], [[Alfons Mucha]], [[Théophile-Alexandre Steinlen|Théophile Steinlen]] trugen das ihre dazu bei, dass die Plakatkunst mit neuen Techniken wie der Lithografie und anspruchsvoller künstlerischer Gestaltung zu einer anerkannten Kunstform und zu einem Sammelobjekt für Kunstliebhaber wurde.
* Selbst die Pariser Metro wurde um 1900 zum Objekt des ''Art nouveau''. Dass es dazu kam, ist [[Hector Guimard]] zu verdanken, der die Pariser Metroeingänge mit phantasievollen Schmiedeeisengittern und den berühmten geschwungenen Schriftzügen gestaltete. Der Ausdruck ''Style Métro'' wurde sogar zum zweiten Synonym für den französischen Jugendstil. Außerdem erwarb sich Guimard auch als Möbelkünstler einen Ruf, der bis in die heutige Zeit anhält.
* Zahlreiche Keramiker wie [[Maurice Bouval]], [[Léon Delagrange|Léon Noël Delagrange]], [[Louis Chalon]], [[Hans Stoltenberg Lerche]], [[Carl Larsson|Larsson]], [[Henri Allouard|Allouard]], [[Alexandre Charpentier]], [[Paul Philippe]] etc. prägten ebenfalls den französischen ''Art nouveau'', die ihre Werke über die Editeurs d’Art wie [[Houdebine]], E. Blot, Colin & Cie oder [[Arthur Goldscheider]], den Sohn von [[Friedrich Goldscheider]], verkauften.

==== Nancy ====


[[Nancy]] war neben Paris das zweite Zentrum des ''Art nouveau''. Die [[École de Nancy (Kunst)|École de Nancy]] (Schule von Nancy, die sich durch Glas, Porzellan, Möbel und andere kunstgewerbliche Arbeiten auszeichnete) wurde 1901 von [[Emile Gallé]] gegründet. In den Jahren zuvor, ab 1894, hatte sich Gallé zunächst mit einer Glasbläserei, später auch mit Möbelwerkstätten als Künstler und Unternehmer hervorgetan. Er experimentierte mit neuen Techniken der Glasbläserkunst (Marmorierungen, Reflexe, Glasschichten mit Einschmelzungen von Gold- und Silberfolien, Blasenbildungen). Auf den [[Weltausstellung Paris 1889|Weltausstellungen 1889]] und [[Weltausstellung Paris 1900|1900]] wurden seine Arbeiten preisgekrönt.

Neben Gallé waren der berühmte Möbelkünstler [[Louis Majorelle]] sowie [[Jean-Antonin Daum]] und [[Eugène Vallin]] die Gründungsmitglieder der Schule von Nancy.

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=== Secessionsstil in Österreich ===

In [[Österreich]] wurde die Entwicklung ab 1897 vor allem in [[Wien]] vorangetrieben durch die Zeitschrift ''[[Ver Sacrum]]'' und durch die Künstlergruppe der [[Wiener Secession]], geführt unter anderem von [[Gustav Klimt]], [[Joseph Maria Olbrich]] und von dem Dichter [[Hermann Bahr]]. Demzufolge bekam die Kunstrichtung in Österreich den Namen ''Secessionsstil''. Neben Klimt waren [[Otto Wagner]], [[Josef Hoffmann (Architekt)|Josef Hoffmann]] und [[Josef Plečnik]] bekannte Künstler des Secessionsstils. Daneben waren auch die Keramiken, [[Terrakotta|Terrakotten]] und Bronzen der Wiener Manufaktur [[Friedrich Goldscheider]] international anerkannt.

Außerdem weltweit bekannt wurde die [[Wiener Werkstätte]] u. a. mit [[Koloman Moser]], Josef Hoffmann und [[Dagobert Peche]], die das Kunsthandwerk (Innenarchitektur, Keramik, Textil, Mode, Glas) zur Perfektion trieben.

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=== Belgien ===

Der Einfluss des Jugendstils in Belgien zeigt sich auch heute noch in der Hauptstadt [[Brüssel]]. Die Brüsseler Stadtgemeinde [[Sint-Gillis]] (oder Saint Gilles) ist in ihrem Zentrum vom Jugendstil geprägt. Auch in den Stadtgemeinden [[Schaerbeek]], [[Etterbeek]] und [[Ixelles]] findet man viele Jugendstilgebäude. Vor allem der Architekt [[Victor Horta]] trug zu dieser Prägung der Stadt bei.

Auch in [[Antwerpen]] (besonders im Stadtteil Zurenborg), [[Gent]], [[Lüttich]], [[Charleroi]], [[Namur]] und weiteren Städten gibt es eine Vielzahl an Bauwerken im Jugendstil.

Weitere wichtige belgische Jugendstil-Künstler neben Victor Horta sind:

[[Paul Hankar]], [[Gustave Serrurier-Bovy]], [[Philippe Wolfers]] sowie der bereits mehrfach erwähnte [[Henry van de Velde]], der auch in Deutschland so entscheidend zur Entwicklung des Jugendstils beitrug.

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=== Verbreitung in anderen Ländern ===
Es gibt kaum ein westliches Land, das nicht vom Jugendstil beeinflusst wurde. Erwähnenswert sind unter anderem:

;Italien
Die Italiener nannten den Stil ''Liberty'' nach einer englischen Firma, Liberty Ltd., die im kommerziellen Bereich aktiv war. Der italienische Jugendstil war vor allem in [[Mailand]], [[Turin]] und im übrigen Norditalien zu Hause.<ref>http://www.artelino.com/artikel/jugendstil.asp</ref> Auch der ''stilo [[Gino Coppedè|coppedè]]'' (vorwiegend in [[Rom]]) gehört zu dieser Art des Jugendstils.

;Lettland
Unter dem Einfluss deutscher Architekten ist in der Stadt [[Riga]] in [[Lettland]] der Jugendstil zu einer der noch heute das Stadtbild wesentlich prägenden Architekturrichtungen geworden. Riga gehört zu den glänzendsten Perlen des Jugendstils und wurde 1997 als „hochwertigste Konzentration an Jugendstilgebäuden“ auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes gesetzt.<ref>Andris Bruderis: ''Riga. Der Jugendstil.'' Madris Verlag, Riga, ISBN 978-9984-31-541-6.</ref>

;Skandinavien/Finnland
Vor allem in [[Finnland]] und [[Skandinavien]] ist die [[Nationalromantik]] dem Jugendstil verwandt; sie nahm aber gleichzeitig Elemente des erwachenden Nationalbewusstseins auf. In [[Dänemark]] ist überdies der ''Skønvirkestil'' zu nennen, eine Mischung aus Jugendstil, Heimatstil und Nationalromantik.

;Spanien
In [[Spanien]] entwickelte sich zunächst der ''arte noven'', aus dem in [[Katalonien]] der stark verspielte [[Modernisme]] unter anderem von [[Antoni Gaudí]], [[Lluís Domènech i Montaner]] und [[Josep Puig i Cadafalch]] hervorging. Herausragender Ort mit erhaltener Architektur dieser Zeit ist [[Barcelona]].

;Tschechien
[[Alfons Maria Mucha]] (* 24. Juli 1860 Ivančice in Mähren; † 14. Juli 1939 Prag) war ein tschechischer Plakatkünstler, Grafiker, Illustrator, Maler und Kunstgewerbler, der als einer der herausragenden Repräsentanten des Jugendstils gilt.

;Ungarn
In [[Ungarn]] gilt [[Ödön Lechner]] mit seinen Bauten als namhafter Vertreter.

;USA
In den USA wurde [[Louis Comfort Tiffany]], der durch seine einzigartige, patentierte [[Tiffany-Glaskunst|Glastechnik]] berühmt wurde und der auch die europäische Entwicklung stark beeinflusste, bereits erwähnt. Auch der Architekt [[Frank Lloyd Wright]] ist zu nennen, dessen frühe Arbeiten stark vom japanischen Einfluss geprägt sind. Der Grafiker und Schriftkünstler William H. Bradley ließ sich stark von [[William Morris]], [[Aubrey Beardsley]] und anderen englischen Künstlern beeinflussen und trug so den europäischen Einfluss zurück nach Amerika.

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=== Ende des Jugendstils ===
=== Ende des Jugendstils ===
Ein klares Ende des Jugendstils lässt sich nicht bestimmen, es wird im Allgemeinen aber noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges angesetzt.<ref>Nach Lieb und Kadatz umfasst der Jugendstil die Zeit von 1890 bis 1910 (Siehe Stefanie Lieb: Was ist Jugendstil, Darmstadt 2000, Seite 14, sowie Hans-Joachim Kadatz: Seemanns Lexikon der Weltarchitektur, Leipzig 200, S. 129), der Kunst-Brockhaus dagegen gibt das Ende des Jugendstils mit dem Jahr 1914 an (Kunst-Brockhaus in 10 Bänden, Mannheim 1987, S. 77).</ref>
Ein klares Ende des Jugendstils lässt sich nicht bestimmen, es wird im Allgemeinen aber noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges angesetzt.<ref>Nach Lieb und Kadatz umfasst der Jugendstil die Zeit von 1890 bis 1910 (Siehe Stefanie Lieb: Was ist Jugendstil, Darmstadt 2000, Seite 14, sowie Hans-Joachim Kadatz: Seemanns Lexikon der Weltarchitektur, Leipzig 200, S. 129), der Kunst-Brockhaus dagegen gibt das Ende des Jugendstils mit dem Jahr 1914 an (Kunst-Brockhaus in 10 Bänden, Mannheim 1987, S. 77).</ref>


Das Einsetzen des allmählichen Endes des Jugendstils in Deutschland kann man auf die ''III. Deutsche Kunstgewerbeausstellung'' 1906 in Dresden datieren. In deren unmittelbarer Folge wurde 1907 der [[Deutscher Werkbund|Deutsche Werkbund]] gegründet. Er erhob Sachlichkeit, Schlichtheit und Gediegenheit zu neuen Leitbildern. Den Vorsitz führte [[Hermann Muthesius]]; bekannte Künstler des Jugendstils wie van de Velde, Behrens, Niemeyer, Endell und Obrist waren bei der Gründung beteiligt oder stießen später dazu.
Das Einsetzen des allmählichen Endes des Jugendstils in Deutschland kann man auf die ''III. Deutsche Kunstgewerbeausstellung'' 1906 in Dresden datieren. In deren unmittelbarer Folge wurde 1907 der Deutsche Werkbund gegründet. Er erhob Sachlichkeit, Schlichtheit und Gediegenheit zu neuen Leitbildern. Den Vorsitz führte [[Hermann Muthesius]]; bekannte Künstler des Jugendstils wie van de Velde, Behrens, Niemeyer, Endell und Obrist waren bei der Gründung beteiligt oder stießen später dazu.

Für die Zeit zwischen 1906 und 1914 wird in der kunstgeschichtlichen Literatur u.&nbsp;a. die Stilbezeichnung „[[Reformarchitektur]]“ bzw. „Reformstil“ verwendet (im Kontext der allgemeinen [[Lebensreform]]). Mitunter wird diese Periode auch als „Halbzeit der Moderne“ (nach der gleichnamigen Ausstellung 1991 in Münster) oder „Prämoderne“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem geschichtswissenschaftlichen Begriff [[Vormoderne]]).<!-- Man könnte sie in Abgrenzung von der sogenannten [[Neue Sachlichkeit|Neuen Sachlichkeit]] der 1920er Jahre als ''erste Sachlichkeit'' oder ''frühen [[Funktionalismus (Design)|Funktionalismus]]'' bezeichnen. QUELLE?? wer könnte. -->


Für die Zeit zwischen 1906 und 1914 wird in der kunstgeschichtlichen Literatur u.&nbsp;a. die Stilbezeichnung „[[Reformarchitektur]]“ bzw. „Reformstil“ verwendet (im Kontext der allgemeinen Lebensreform). Mitunter wird diese Periode auch als „Halbzeit der Moderne“ (nach der gleichnamigen Ausstellung 1991 in Münster) oder „Prämoderne“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem geschichtswissenschaftlichen Begriff [[Vormoderne]]).
Um 1905 liegen in Deutschland mit der Gründung der Künstlervereinigung [[Brücke (Künstlergruppe)|Brücke]] die Anfänge des [[Expressionismus]], der in vereinfachender geschichtlicher Darstellung als Ablösung des Jugendstils präsentiert wird. Bereits um 1900 deutete jedoch eine intensivere Farbgebung im Jugendstil bereits eine Vorform des Expressionismus an. Der Jugendstil hält sich etwa bei Interieurmalerei, Möbeln, anderen Gebrauchsgegenständen und kunstgewerblichen Produkten noch bis in die mittleren 1920er Jahre, indem er die Formensprache beibehält, aber in der Farbgebung auf den Expressionismus der Malerei reagiert.
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== Bedeutende Bauwerke ==
{{Hauptartikel|Liste von Bauwerken des Jugendstils}}


Um 1905 liegen in Deutschland mit der Gründung der Künstlervereinigung Brücke die Anfänge des [[Expressionismus]], der in vereinfachender geschichtlicher Darstellung als Ablösung des Jugendstils präsentiert wird. Bereits um 1900 deutete jedoch eine intensivere Farbgebung im Jugendstil bereits eine Vorform des Expressionismus an. Der Jugendstil hält sich etwa bei Interieurmalerei, Möbeln, anderen Gebrauchsgegenständen und kunstgewerblichen Produkten noch bis in die mittleren 1920er Jahre, indem er die Formensprache beibehält, aber in der Farbgebung auf den Expressionismus der Malerei reagiert.
== Museen ==
Folgende Museen präsentieren Werke aus der Zeit des Jugendstils:
* Das Berliner [[Bröhan-Museum]] zeigt Möbel, Porzellan, Glas, Keramik und Metallarbeiten aus der Epoche des Jugendstils und des [[Art Déco]].
* Das [[Brüssel]]er [[Victor Horta|Musée Horta]] zeigt das Haus des Jugendstilarchitekten Victor Horta. Architektur und Innenausstattung sind dem Besucher großenteils frei zugänglich und bilden eine stilistische Einheit.
* Das [[Museum für Kunst und Gewerbe]] Hamburg hat eine Jugendstil-Abteilung, die auf den Museumsgründer [[Justus Brinckmann]] zurückgeht, der vor allem die [[Weltausstellung Paris 1900|Pariser Weltausstellung 1900]] dazu nutzte, eine große Sammlung zeitgenössischer angewandter Kunst anzulegen. Im Mittelpunkt seiner Erwerbungen standen Möbel und Zimmereinrichtungen, Wandteppiche, Textilien, Lampen, Zierobjekte aus Glas, Metall, Keramik, sowie Skulpturen, Bücher und Schmuck. Brinckmann vereinigte sie zu einem „Gesamtkunstwerk“, dem Pariser Zimmer. Spätere Generationen haben diesem Bestand zahllose weitere Objekte hinzugefügt, darunter Möbelensemble der Wiener Werkstätte und der Darmstädter Künstlerkolonie. Alle Objekte sind in der Dauerausstellung zu sehen.
* Das [[Dreiländermuseum]] in Lörrach zeigt Kunstkeramiken [[Max Laeuger]]s aus der Epoche des Jugendstils.
* Das [[Musée d’Orsay]] und der [[Petit Palais (Paris)|Petit Palais]] in Paris zeigen in mehreren Sälen Möbel, Haushaltsgegenstände, Schmuck und Ornamente des ''Art nouveau'' aus Belgien und aus den französischen Zentren [[Nancy]] und [[Paris]].
* Im Schleswiger [[Schloss Gottorf]], welches zwei Landesmuseen beherbergt, befindet sich eine eigene Abteilung des Jugendstils. Mehrere Räume sind mit Möbeln und anderen Kunstwerken dieser Epoche ausgestattet, der Besucher wandelt sogar über originale Teppiche.
* Das [[Museum für angewandte Kunst (Wien)|MAK, Museum für angewandte Kunst Wien]] zeigt Kunsthandwerk aus der Epoche des Jugendstils und des [[Art Déco]].
*Musée de l'école de Nancy (Nancy)


== Musik ==
{{Hauptartikel|Jugendstilmusik}}
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== Literatur ==
== Literatur ==
<small> nach Autoren alphabetisch geordnet </small>
<small> nach Autoren alphabetisch geordnet </small>
* Friedrich Ahlers-Hestermann: ''Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900''. Ullstein, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-548-36063-7 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1956; Zur Geschichte der Bewegung).
* Friedrich Ahlers-Hestermann: ''Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900''. Ullstein, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-548-36063-7 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1956; Zur Geschichte der Bewegung).
* Claudia Banz, Leonie Beiersdorf, Sabine Schulze (Hrsg.): ''Jugendstil. Die große Utopie''. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-923859-84-9.
* Claudia Banz, Leonie Beiersdorf, Sabine Schulze (Hrsg.): ''Jugendstil. Die große Utopie''. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-923859-84-9.
* [[Claus Bernet]]: ''Jugendstil, Secession, Art nouveau.'' Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-4026-5.
* Claus Bernet: ''Jugendstil, Secession, Art nouveau.'' Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-4026-5.
* Kai Buchholz: ''Im Rhythmus des Lebens. Jugendstil und Bühnenkunst''. Verlag Arnold, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89790-270-1.
* Kai Buchholz: ''Im Rhythmus des Lebens. Jugendstil und Bühnenkunst''. Verlag Arnold, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89790-270-1.
* Lydia L. Dewiel: ''Schnellkurs Jugendstil''. 2. Aufl. DuMont, Köln 2007, ISBN 3-8321-5384-5.
* Lydia L. Dewiel: ''Schnellkurs Jugendstil''. 2. Aufl. DuMont, Köln 2007, ISBN 3-8321-5384-5.
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* Giovanni Fanelli: ''Wiener Jugendstil. Die Druckgraphik''. Propyläen Verlag Ullstein GmbH Frankfurt am Main Berlin 1992, ISBN 3-549-05204-9.
* Giovanni Fanelli: ''Wiener Jugendstil. Die Druckgraphik''. Propyläen Verlag Ullstein GmbH Frankfurt am Main Berlin 1992, ISBN 3-549-05204-9.
* Pierre-Olivier Fanica, Gérard Boué: ''Céramiques impressionnistes et grès art nouveau. Montigny-sur-Loing et Marlotte 1872–1958''. Édition Massin, Paris 2005, ISBN 2-7072-0512-5.
* Pierre-Olivier Fanica, Gérard Boué: ''Céramiques impressionnistes et grès art nouveau. Montigny-sur-Loing et Marlotte 1872–1958''. Édition Massin, Paris 2005, ISBN 2-7072-0512-5.
* Géza Hajos: ''Gartenarchitektur des Jugendstils und der Zwischenktriegszeit''. In: Die Gartenkunst 7 (2/1995), S. 177–181.
* Peter Guth, Bernd Sikora: ''Jugendstil & Werkkunst. Architektur um 1900 in Leipzig''. Edition Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-361-00590-6.
* Géza Hajos: ''Gartenarchitektur des Jugendstils und der Zwischenktriegszeit''. In: [[Die Gartenkunst (Zeitschrift)|Die Gartenkunst]] 7 (2/1995), S. 177–181.
* Richard Hamann, Jost Hermand: ''Stilkunst um 1900'', Band 4 der Reihe ''Epochen deutscher Kultur von 1870 bis zur Gegenwart'', Fischer Taschenbuch Verlag 1977, ISBN 3-436-02510-0.
* Richard Hamann, Jost Hermand: ''Stilkunst um 1900'', Band 4 der Reihe ''Epochen deutscher Kultur von 1870 bis zur Gegenwart'', Fischer Taschenbuch Verlag 1977, ISBN 3-436-02510-0.
* Sara Hamm, Sabine Kübler (Hrsg.): ''„Bauen für ein neues Leben“. Die Entstehung der Bad Nauheimer Jugendstilanlagen, fotografiert von Albert Schmidt, 1905–1911''. Theiss Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2161-9.
* Hiltrud A. Hölzinger, Christina Uslular-Thiele (Hrsg.): ''Jugendstil in Bad Nauheim''. Verlag Langewiesche, Königstein/T. 2005, ISBN 3-7845-7100-X (Mit 17 Künstler-Biografien; Alle Texte deutsch/englisch).
* Dr. Dieter Klein: ''Martin Dülfer – Wegbereiter der Deutschen Jugendstilarchitektur''. Arbeitsheft 8 – Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege München 1993, Lipp Verlag, ISBN 3-87490-531-4.
* Dr. Dieter Klein: ''Martin Dülfer – Wegbereiter der Deutschen Jugendstilarchitektur''. Arbeitsheft 8 – Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege München 1993, Lipp Verlag, ISBN 3-87490-531-4.
* Stefan W. Krieg, Bodo Pientka: ''Paul Möbius. Jugendstil in Leipzig''. Deutsche Verlagsanstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-03438-0.
* Stefanie Lieb: ''Was ist Jugendstil? Eine Analyse der Jugendstilarchitektur 1890–1910''. Primus-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14910-6.
* Hermann Muthesius: ''Kunstgewerbe und Architektur''. Kraus-Thomson, Nendeln 1976 (Nachdruck der Aufsätze „Neues Ornament und neue Kunst“ und „Kultur und Kunst“; Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik).
* [[Stefanie Lieb]]: ''Was ist Jugendstil? Eine Analyse der Jugendstilarchitektur 1890–1910''. Primus-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14910-6.
* [[Hermann Muthesius]]: ''Kunstgewerbe und Architektur''. Kraus-Thomson, Nendeln 1976 (Nachdruck der Aufsätze „Neues Ornament und neue Kunst“ und „Kultur und Kunst“; Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik).
* Edda Neumann-Adrian, Michael Neumann-Adrian: ''Münchens Lust am Jugendstil. Häuser und Menschen um 1900''. MünchenVerlag, München 2006, ISBN 3-934036-93-7.
* Frank Russell: ''Architektur des Jugendstils. Die Überwindung des Historismus in Europa und Nordamerika''. Stuttgart 1982.
* Frank Russell: ''Architektur des Jugendstils. Die Überwindung des Historismus in Europa und Nordamerika''. Stuttgart 1982.
* Angela Sanna, Violetta Farina: ''Jugendstil, Sezessionsstil, Modernisme, Stile Liberty, Nieuwe Kunst, Modern Style''. Scala Group S.p.A. Florenz 2011, ISBN 978-88-6637-005-5.
* Angela Sanna, Violetta Farina: ''Jugendstil, Sezessionsstil, Modernisme, Stile Liberty, Nieuwe Kunst, Modern Style''. Scala Group S.p.A. Florenz 2011, ISBN 978-88-6637-005-5.
* Friedemann Schäfer: ''Stadtspaziergänge in Karlsruhe. Jugendstil''. Verlag Braun, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-7650-8360-0. (Taschenbuch mit umfassender, aber kompakter und leicht verständlicher Einführung in den europäischen und deutschen Jugendstil. Hervorragend bebildert).
* Friedemann Schäfer: ''Stadtspaziergänge in Karlsruhe. Jugendstil''. Verlag Braun, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-7650-8360-0. (Taschenbuch mit umfassender, aber kompakter und leicht verständlicher Einführung in den europäischen und deutschen Jugendstil. Hervorragend bebildert).
* Klaus-Jürgen Sembach: ''Jugendstil. Die Utopie der Versöhnung''. Taschen Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-8228-2971-4.
* Klaus-Jürgen Sembach: ''Jugendstil. Die Utopie der Versöhnung''. Taschen Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-8228-2971-4.
* Christopher Vernon: ''[[Frank Lloyd Wright]], [[Walter Burley Griffin]], [[Jens Jensen (Landschaftsarchitekt)|Jens Jensen]] and the Jugendstil Garden in America''. In: [[Die Gartenkunst (Zeitschrift)|Die Gartenkunst]] 7 (2/1995), S. 232–246.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
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* [http://www.pbase.com/bauer/jugendstil_art_nouveau_belle_epoque European Jugendstil]
* [http://www.pbase.com/bauer/jugendstil_art_nouveau_belle_epoque European Jugendstil]
* [http://www.jugendstil-in-karlsruhe.de/ Jugendstil in Karlsruhe]
* [http://www.jugendstil-in-karlsruhe.de/ Jugendstil in Karlsruhe]
* [http://www.szecesszio.com/ szecesszio.com – Jugendstil in Ungarn]
* [http://www.jugendstilsenteret.no/ Jugendstil in Norwegen – Jugendstilsenteret]
* [http://www.lartnouveau.com/ lartnouveau.com]
* [http://www.lartnouveau.com/ lartnouveau.com]
* [http://bewegtejahre.mkg-hamburg.de/ Bewegte Jahre] – Web-Journal zum Jugendstil des [[Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg]]
* [http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend/ Digitalisierte Ausgabe der ''Münchner Jugend'']
* [http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend/ Digitalisierte Ausgabe der ''Münchner Jugend'']
* [http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/artjournals/dk_deko.html Digitalisierte Ausgabe der Zeitschrift ''Deutsche Kunst und Dekoration'']
* [http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/artjournals/dk_deko.html Digitalisierte Ausgabe der Zeitschrift ''Deutsche Kunst und Dekoration'']
* [http://www.artnouveau-net.eu/Netzwerk/Jugendstil/Homepage/tabid/575/language/de-DE/Default.aspx The Réseau Art Nouveau Network] – Das Jugendstil-Netzwerk, ein Kulturweg des Europarats
* {{DDB-Suche}}
* [http://www.artnouveau-net.eu/Netzwerk/Jugendstil/Homepage/tabid/575/language/de-DE/Default.aspx The Réseau Art Nouveau Network] – Das Jugendstil-Netzwerk, ein [[Kulturweg des Europarats]]


== Einzelnachweise ==
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<references />
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Aktuelle Version vom 27. August 2019, 19:44 Uhr

Der Jugendstil oder Art nouveau[1] ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dem Jugendstil zuzuordnende Strömungen sind der Reformstil (nach der Reformbewegung), der Secessionsstil (nach der Wiener Secession), Modernisme (bezogen auf Katalonien), in Russland Modern, tschechisch Secese, slowakisch Secesia, polnisch Secesja, ungarisch Szecesszió. Neben dem im Französischen, Englischen und Italienischen dominierenden Ausdruck Art nouveau wird im Englischen auch Modern Style und im Italienischen Stile Floreale oder Liberty verwendet. Zeitlich gehört der Jugendstil zum Fin de siècle.


Herkunft des Ausdrucks

Der Ausdruck Jugendstil geht zurück auf die von Georg Hirth Ende 1895 in München gegründete illustrierte Kulturzeitschrift Jugend und ist zu verstehen als eine Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zum rückwärtsgewandten Historismus, aber auch zur als seelenlos verstandenen Industrialisierung. Der Blick richtet sich auf neue Materialien, wie Beton oder Eisen, und neue Baumethoden. Er ist nur im deutschsprachigen Raum, den Niederlanden, Ungarn, den nordischen Ländern und in Lettland in Gebrauch.

Von Jugendstil war erstmals im Jahr 1897 bei der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung Leipzig 1897 die Rede.[2] Hierfür gestaltete Paul Möbius den außergewöhnlichen Ausstellungspavillon Nietzschmann-Wommer; der Pavillon wurde beschrieben als vom Hergebrachten stark abweichend mit gewagt humoristisch-phantastischen Motiven, die einen gewissen Schwung entwickeln.[3]

Anfangs waren die Ausdrücke Jugendstil und Secessionsstil in den einschlägigen Zeitschriften (Dekorative Kunst, Autoren: Hermann Muthesius, Julius Meier-Graefe) ein kritisches Etikett für die modische Popularisierung der neuen Formen durch die Industrie, die mit ihrer „billigen“ kunstgewerblichen Massenproduktion einzelne Werke von Künstlern wie Henry van de Velde nachahmte.

Kennzeichen und Programmatik

Äußerlich kennzeichnende Teile oder Elemente des Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien sowie flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien.

Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine geschlossene Bewegung war. Es handelt sich um eine Reihe von teilweise divergierenden Strömungen in Europa, die sich allenfalls in der Abkehr vom Historismus wirklich einig waren, also die bisher gängige Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder ablehnten.

Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis unter anderem auch für große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa die des Palais Stoclet in Brüssel, in dem alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung einheitlich durchgestaltet wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen Verschmelzung von „Kunst und Leben“ verknüpft, der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein besonderes Gewicht zukam. In diesem Punkt knüpfte der Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das „Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Es war ein programmatischer Gegenentwurf zur Abgehobenheit auratischer Kunstwerke in der Sphäre der sogenannten „hohen“ oder „bildenden Kunst“.

Zur Programmatik des Jugendstils gehörte aber auch die Forderung nach Funktionalität, dass also zum Beispiel die Funktionen eines Gebäudes dessen Gestaltung sichtbar bestimmen sollten. Die Fassaden mussten nicht länger symmetrisch und von axialen Aufteilungen bestimmt sein, sondern durften einer aus dem Grundriss entwickelten Raumvorstellung folgen.

Insgesamt gehören die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eines der zentralen Anliegen des Jugendstils war der sogenannte „moderne“ Stil, ein „Stil unserer eigenen Zeit“.

Historische Entwicklung und Verbreitung

Im deutschen Sprachraum liegen die Ursprünge des Jugendstils vor allem in drei Städten: in Wien als architektonische Reaktion auf den Historismus der Ringstraßenepoche, in München vor allem im Bereich von Innenarchitektur und Kunstgewerbe sowie in Darmstadt durch die von Großbritannien angeregte Darmstädter Künstlerkolonie.

Entstehung

Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Diese Stilrichtung dauerte ca. 20 Jahre. Sie kann als eine Antwort auf verschiedene Entwicklungen des 19. Jahrhunderts verstanden werden:

  • die industrielle Revolution und damit das Aufkommen von mit Verzierungen überladener, maschinell hergestellter Massenware im viktorianischen Großbritannien.
  • den Historismus im Frankreich der sogenannten Belle Epoque, der in Verbindung mit den Bedürfnissen des gehobenen Bürgertums in „Extravaganz“ ausuferte. In etwas schlichterer Form dominierte der Historismus auch in Süddeutschland. In Österreich war der Historismus im letzten Jahrhundertdrittel hegemonial, in diesem Stil wurde die Wiener Ringstraße erbaut. Schon von den Zeitgenossen wurde der zugehörige Malstil als emblematisch empfunden, besonders jener von Hans Makart mit seinen neobarocken Allegorien.
  • In München dominierte ebenfalls die großbürgerlich bestimmte Malkunst, charakterisiert und beherrscht durch den Lenbachkreis um den Maler Franz von Lenbach.

Verbreitung in Deutschland

Ursprünge

Der Jugendstil ist in Deutschland aus lokalen Bewegungen und Künstleravantgarden entstanden, die erst im Laufe der Jahre und über die vielen neu gegründeten Kunstzeitschriften zu einem überregionalen Ideenaustausch gelangten.

Namensgeber der Bewegung, die in Deutschland zuvor als Art nouveau oder als Yachting Style bezeichnet wurde, war die künstlerische Wochenzeitschrift Jugend, die erstmals im Mai 1896 in München erschien. Als weitere einflussreiche Zeitschriften sind der Münchner Simplicissimus und die Berliner Zeitschrift Pan zu nennen.

Einer der rührigsten Mitarbeiter bei Jugend und Pan war der Maler und Gestalter Otto Eckmann. Ebenso wie seine Vorgänger in Großbritannien befasste er sich intensiv mit der japanischen Kunst. Ihn interessierte besonders die flächige Darstellung von Naturmotiven. Sein Lieblingstier, der Schwan, wurde zu einem der Leitmotive des Jugendstils.

München

Weitere Künstler, die dazu beitrugen, dass München zu einem der Zentren des Jugendstils wurde, sind:

  • Hermann Obrist, der 1895 mit seiner Stickarbeit Peitschenhieb, einem Wandbehang, der eine Zyklame darstellt, großes Aufsehen erregte. Obrist gründete 1897 gemeinsam mit Freunden, darunter Peter Behrens, die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, um die Produktion und den Verkauf der neuen Kunstrichtung zu fördern.
  • August Endell, der die Fassade des 1897 erbauten Photostudios Elvira in der Münchner Von-der-Tann-Straße entwarf. Mit seinem Drachenornament war dieses Haus ein spektakulärer Blickfang im Münchner Stadtbild. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Der Jugendstildrache an der Fassade war schon 1937 auf Veranlassung der Nationalsozialisten abgeschlagen worden.
  • Richard Riemerschmid mit seinen Möbeln und Raumentwürfen.
  • Der Architekt, Raumgestalter, Bildhauer, Maler und Gestalter Bernhard Pankok.
  • Bruno Paul mit seinen Möbelentwürfen, die sowohl auf der Weltausstellung in Paris 1900 als auch in St. Louis 1904 preisgekrönt wurden.
  • Der Architekt Martin Dülfer.
  • Der Architekt und Innenarchitekt Hans Eduard von Berlepsch-Valendas.

Darmstadt

Gleichrangig neben München entwickelte sich Darmstadt zum Zentrum des Jugendstils in Deutschland. Motor dieser Entwicklung war Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Bei Besuchen in Großbritannien hatte sich der weltoffene Großherzog, ein Enkel der Königin Viktoria, mit der Arts-and-Crafts-Bewegung vertraut gemacht. 1899 berief er sieben junge Künstler nach Darmstadt in die Künstlerkolonie.

Der Großherzog ließ auf der Mathildenhöhe durch den Architekten Joseph Maria Olbrich ein Atelierhaus als Mittelpunkt der Künstlerkolonie errichten. Weithin sichtbares Wahrzeichen wurde der 1908 durch Olbrich errichtete monumentale Hochzeitsturm. Außerdem hatten die Künstler die Möglichkeit, sich eigene Wohnhäuser zu bauen. Die Mathildenhöhe und die angrenzende Rosenhöhe gilt als das kunsthistorisch bedeutendste und wertvollste erhaltene Jugendstilensemble in Deutschland.

Durch die Meisterkurse verbreitete sich der Jugendstil von Darmstadt aus, Darmstadt war auch das geistige Zentrum der theoretischen Diskussion über den neuen Stil. Neben Olbrich waren Peter Behrens, Hans Christiansen, Ludwig Habich und Patriz Huber weitere bedeutende Künstler unter den Darmstädter Sieben.

Karlsruhe

Karlsruhe war – stark beeinflusst von Darmstadt, aber parallel dazu – ein weiteres Zentrum des Jugendstils in Südwestdeutschland. Hier machten bereits vor 1900 die Architekten Hermann Billing und Karl Coelestin Moser durch avantgardistische Entwürfe von sich reden. Anders als in Darmstadt zeigt sich der Jugendstil in Karlsruhe uneinheitlich, Billing vertrat einen expressiven, farbbetonten und floral ornamentierten Stil, der auch Elemente anderer Baustile, etwa der Neugotik freizügig vereinnahmte. Moser stand dagegen eher für eine abgeklärte, geometrische Variante an der Schwelle zum Reformstil.

Bemerkenswert ist die Hof-Apotheke, die die spitzwinklige Ecksituation an der Kaiserstraße/Waldstraße expressiv übersteigert. Weitere wichtige Zeugnisse des Jugendstils in Karlsruhe sind die Villenkolonie Baischstraße um den Kaiserplatz (Hermann Billing), die Bebauung der Wendtstraße in der Weststadt und um die Lutherkirche in der Oststadt (Curjel & Moser). Eine eigentümliche Mischung zwischen Neoklassizismus und Jugendstil weist das nach Plänen von August Stürzenacker 1913 entstandene Empfangsgebäude des Karlsruher Hauptbahnhofs auf.

Um 1900 war Karlsruhe mit der Grötzinger Malerkolonie auch ein Zentrum der deutschen Landschaftsmalerei mit Gustav Kampmann als stark stilisierendem, abstrahierendem Linien- und Flächenkünstler. Schließlich brachten die Kunstgewerbeschule (Max Laeuger), die Majolikamanufaktur (Alfred Kusche, Baukeramik) und das Atelier von Emmy Schoch (Reformkleider) bedeutende Beispiele für das Kunstgewerbe des Jugendstils hervor. Heute verfügt das Badische Landesmuseum über eine der besten Jugendstil-Sammlungen Deutschlands. Auch das Schmuckmuseum Pforzheim stellt viele Werke aus der Zeit des Jugendstils aus. Der „Künstlerfabrikant“ Theodor Fahrner war einer der Wegbereiter des Modeschmucks, der von Künstlern wie Max J. Gradl entworfen und von Fahrner in Pforzheim hergestellt wurde.

Jugendstil in Pforzheim

Beispiele in Pforzheim (vgl. Architekturführer Goldstadt Jugendstil und Art Déco) waren:

  • Goldner Adler: Das Gebäude wurde 19061908 im Jugendstil nach Entwürfen des Karlsruher Architekten Hermann Walder (* 3. November 1847 in Karlsruhe; † 20. August 1921).[4] erbaut.
  • Brauerei Beckh: Die Söhne des Firmengründers, Adolf und Christoph, ließen 1904 das Brauhaus der Gebrüder Beckh am Marktplatz 4 in Pforzheim erbauen. Für den Umbau ließen sie sich Entwürfe von dem Pforzheimer Architekten Ernst Maler sowie von dem Karlsruher Architekten Hermann Billing liefern.[5][6][7][8] Die Brauerei ist auch als House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim bekannt und wurde im Jahre 1904 unter dieser Bezeichnung in den USA publik gemacht.[9]
  • Ringer'sche Arkadenhäuser an der Auerbrücke in Pforzheim (1907-1945)
  • Hochschule für Gestaltung. Das Jugendstilgebäude der ehemaligen Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in der Holzgartenstraße 36 wurde am 15. November 1911 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Es beherbergt heute die Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim
  • Bezirksamtsturm. Das Bezirksamtsgebäude wurde von 1901 bis 1903 nach den Entwürfen des Architekten und Bezirksbauinspektors Emil Lang aus Bruchsal errichtet. Der „Bezirksamtsturm“ zeigt das Wappen von Pforzheim und Baden als Hoheitszeichen. Der 42 Meter hohe Turm ist ein stadtbildprägendes Wahrzeichen Die zwei farbigen Jugendstilbilder und die Tierkreiszeichen auf den Zifferblättern wurden vom Karlsruher Jugenstilkünstler Hellmuth Eichrodt gestaltet. Innen beherbergt der Turm ein hallenartiges Treppenhaus, das auf drei Ebenen mit Farbglasfenstern mit Alt-Pforzheim Motiven ausgestattet ist. Die Innenausstattung wurde von Jugendstilkünstlern geschaffen: Hermann Billing, Hellmut Eichrodt und Max Laeuger sowie Adolf Sautter. Die Steinreliefs des Supraportes mit Eichenlaubdekor wurden nach einem Entwurf des Pforzheimer Bildhauers Adolf Sautter geschaffen.
  • Bühling'schen Arkadenhäuser an der Calwer Straße in Pforzheim

Ende des Jugendstils

Ein klares Ende des Jugendstils lässt sich nicht bestimmen, es wird im Allgemeinen aber noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges angesetzt.[10]

Das Einsetzen des allmählichen Endes des Jugendstils in Deutschland kann man auf die III. Deutsche Kunstgewerbeausstellung 1906 in Dresden datieren. In deren unmittelbarer Folge wurde 1907 der Deutsche Werkbund gegründet. Er erhob Sachlichkeit, Schlichtheit und Gediegenheit zu neuen Leitbildern. Den Vorsitz führte Hermann Muthesius; bekannte Künstler des Jugendstils wie van de Velde, Behrens, Niemeyer, Endell und Obrist waren bei der Gründung beteiligt oder stießen später dazu.

Für die Zeit zwischen 1906 und 1914 wird in der kunstgeschichtlichen Literatur u. a. die Stilbezeichnung „Reformarchitektur“ bzw. „Reformstil“ verwendet (im Kontext der allgemeinen Lebensreform). Mitunter wird diese Periode auch als „Halbzeit der Moderne“ (nach der gleichnamigen Ausstellung 1991 in Münster) oder „Prämoderne“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem geschichtswissenschaftlichen Begriff Vormoderne).

Um 1905 liegen in Deutschland mit der Gründung der Künstlervereinigung Brücke die Anfänge des Expressionismus, der in vereinfachender geschichtlicher Darstellung als Ablösung des Jugendstils präsentiert wird. Bereits um 1900 deutete jedoch eine intensivere Farbgebung im Jugendstil bereits eine Vorform des Expressionismus an. Der Jugendstil hält sich etwa bei Interieurmalerei, Möbeln, anderen Gebrauchsgegenständen und kunstgewerblichen Produkten noch bis in die mittleren 1920er Jahre, indem er die Formensprache beibehält, aber in der Farbgebung auf den Expressionismus der Malerei reagiert.

Literatur

nach Autoren alphabetisch geordnet

  • Friedrich Ahlers-Hestermann: Stilwende. Aufbruch der Jugend um 1900. Ullstein, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-548-36063-7 (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1956; Zur Geschichte der Bewegung).
  • Claudia Banz, Leonie Beiersdorf, Sabine Schulze (Hrsg.): Jugendstil. Die große Utopie. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-923859-84-9.
  • Claus Bernet: Jugendstil, Secession, Art nouveau. Norderstedt 2013, ISBN 978-3-7322-4026-5.
  • Kai Buchholz: Im Rhythmus des Lebens. Jugendstil und Bühnenkunst. Verlag Arnold, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89790-270-1.
  • Lydia L. Dewiel: Schnellkurs Jugendstil. 2. Aufl. DuMont, Köln 2007, ISBN 3-8321-5384-5.
  • Gabriele Fahr-Becker: Jugendstil. Tandem-Verlag, Königswinter 2007, ISBN 978-3-8331-3544-6 (Prachtvoll ausgestatteter, aber preisgünstiger Bildband mit allerdings recht anspruchsvollem Textteil)
  • Giovanni Fanelli: Wiener Jugendstil. Die Druckgraphik. Propyläen Verlag Ullstein GmbH Frankfurt am Main Berlin 1992, ISBN 3-549-05204-9.
  • Pierre-Olivier Fanica, Gérard Boué: Céramiques impressionnistes et grès art nouveau. Montigny-sur-Loing et Marlotte 1872–1958. Édition Massin, Paris 2005, ISBN 2-7072-0512-5.
  • Géza Hajos: Gartenarchitektur des Jugendstils und der Zwischenktriegszeit. In: Die Gartenkunst 7 (2/1995), S. 177–181.
  • Richard Hamann, Jost Hermand: Stilkunst um 1900, Band 4 der Reihe Epochen deutscher Kultur von 1870 bis zur Gegenwart, Fischer Taschenbuch Verlag 1977, ISBN 3-436-02510-0.
  • Dr. Dieter Klein: Martin Dülfer – Wegbereiter der Deutschen Jugendstilarchitektur. Arbeitsheft 8 – Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege München 1993, Lipp Verlag, ISBN 3-87490-531-4.
  • Stefanie Lieb: Was ist Jugendstil? Eine Analyse der Jugendstilarchitektur 1890–1910. Primus-Verlag, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14910-6.
  • Hermann Muthesius: Kunstgewerbe und Architektur. Kraus-Thomson, Nendeln 1976 (Nachdruck der Aufsätze „Neues Ornament und neue Kunst“ und „Kultur und Kunst“; Quelle zur Entstehung des Begriffs Jugendstil, zeitgenössische Kritik).
  • Frank Russell: Architektur des Jugendstils. Die Überwindung des Historismus in Europa und Nordamerika. Stuttgart 1982.
  • Angela Sanna, Violetta Farina: Jugendstil, Sezessionsstil, Modernisme, Stile Liberty, Nieuwe Kunst, Modern Style. Scala Group S.p.A. Florenz 2011, ISBN 978-88-6637-005-5.
  • Friedemann Schäfer: Stadtspaziergänge in Karlsruhe. Jugendstil. Verlag Braun, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-7650-8360-0. (Taschenbuch mit umfassender, aber kompakter und leicht verständlicher Einführung in den europäischen und deutschen Jugendstil. Hervorragend bebildert).
  • Klaus-Jürgen Sembach: Jugendstil. Die Utopie der Versöhnung. Taschen Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-8228-2971-4.

Weblinks

 Commons: Art Nouveau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Jugendstilarchitektur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Im Deutschen ist „der, die, das Art nouveau“ gleichermaßen gebräuchlich; vgl. Art nouveau bei Duden online.
  2. Georg Hirth: Wege zur Freiheit, Verlag der Münchner Jugend, 1903, 546 Seiten, hier S. 525
  3. Michael Georg Conrad (1885–1900), Arthur Seidl (1901–1902): Die Gesellschaft, Band 16, Teil 2, Verlag E. Pierson, 1970, S. 246
  4. http://www.stille-zeitzeugen.de/info/info_architekten.php?nr=134&vorname=Hermann&nachname=Walder&sort=1
  5. „Deutsche Bauzeitung“ von 1904 (Jahrgang 38) No. 85
  6. Die Architektur des XX. Jahrhunderts - Zeitschrift für moderne Baukunst, Jahrgang 5, Tafel 54.
  7. House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect. In: The American Architect and Building News, 2. Oktober 1904, No. 1507
  8. München, Architekturmuseum der TU München, Inventar-Nr. bill-80-1, 932734, alte Inventar-Nr. 80.1
  9. House and Office of the Brothers Beckh Brewery in Pforzheim, Baden, Germany. Prof. H. Billing, Architect. In: The American Architect and Building News, 2. Oktober 1904, No. 1507
  10. Nach Lieb und Kadatz umfasst der Jugendstil die Zeit von 1890 bis 1910 (Siehe Stefanie Lieb: Was ist Jugendstil, Darmstadt 2000, Seite 14, sowie Hans-Joachim Kadatz: Seemanns Lexikon der Weltarchitektur, Leipzig 200, S. 129), der Kunst-Brockhaus dagegen gibt das Ende des Jugendstils mit dem Jahr 1914 an (Kunst-Brockhaus in 10 Bänden, Mannheim 1987, S. 77).


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