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Karl Schroth

Von PFENZ
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Karl Schroth

Widerstand gegen Nazi - Diktatur

1909 Pforzheim – 1999 Pforzheim

Karl Schroth ist 1909 In Pforzheim geboren. Durch den Vikar Erwin Eckert kommt er als Stahlgraveur-Lehrling zur Sozialistischen Jugend, zur Gewerkschaft (Deutscher Metallarbeiterverband) und tritt 1927 der SPD bei. 1930 schließt er sich der links von der SPD stehenden Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an.

Im April 1932 warnen die Linksparteien: „Hitler heißt Krieg, Not, Hunger und Elend für das ganze deutsche Volk !“1 – eine klarsichtige und leider vergebliche Warnung, denn am 30.1.1933 übergeben die bürgerlichen Parteien Hitler und der NSDAP die Macht. Bei den Reichstagswahlen am 5.3.1933 erhält die NSDAP in Pforzheim 57,5 Prozent der Stimmen.

1933 im Juni verteilen K.S. und weitere SAP – Mitglieder in Pforzheim die illegalen Schrift „Das Fanal“, das Titelblatt zeigt eine Fotomontage mit schrecklichen Kriegs- und Verwüstungsszenen unter dem Titel „Durch Rüstung zum Krieg !“2. 1934 heißt es „Hitler bedeutet Krieg !“ auf Zetteln, die Nazi - Gegner heimlich in Briefkästen stecken. Karl Schroth und die SAP leisten auch für Verfolgte Fluchthilfe nach Frankreich.

1935 wird K.S. inhaftiert und drei Tage verhört. Am 5.5.1938 verhaftet ihn die Gestapo erneut. Im März 1939 wird er aus der Einzelhaft im Pforzheimer Gefängnis nach Stuttgart verlegt. Am 6.9.1939 kommt der Volksgerichtshof Berlin nach Karlsruhe und verurteilt K.S. zu zwei Jahren Gefängnis. Er muss in Darmstadt und Dieburg bei der Moor-Entwässerung mitarbeiten und im Straßenbau Steine klopfen. Im Frühjahr 1940 entlassen, heiraten er und seine Verlobte Klara im Juni 1940. Er muss sich täglich bei der Gestapo melden, bis er im Mai 1941 zur Wehrmacht eingezogen wird. Von der Pforzheimer Buckenberg - Kaserne muss er zuerst nach Frankreich, dann nach Italien, wo er im Mai 1944 Italien in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerät.

Ab Juni 1944 ist er im französischen Kriegsgefangenen-Wüstenlager Djelfa in der Nähe von Laghuat (Algerien), ab April 1945 in einem Arbeitslager nahe der Mittelmeerküste.

Im Spätsommer 1945 am Rande der Sahara erfährt K.S., der Gegner der Nazi-Diktatur und des Eroberungskrieges, vom Schicksal seiner Heimatstadt am 23.2.1945:

„Auf der Strasse, außerhalb des Stacheldrahtzauns, rasseln staubbedeckte Panzer mit allem Pipapo, Kradrädern, Jeep’s und Munitionsfahrzeugen. Jawohl, ich schrecke bis ins Innere auf. Ich öffne die Augen ganz weit, die rasselnden Ungetüme sind grell bemalt – ein Jux, eine Fata Morgana – mit den Namen von unmittelbar an Pforzheim angrenzenden Gemeinden. Ich staune und lese: Kleinsteinbach, Königsbach, Bilfingen, Stein, Ersingen – auf jedem neu vorbeiziehenden Panzer – ein vertrauter Name. Sofort versuche ich einen Kradfahrer an den Zaun zu bekommen. Ohne Erfolg. Die Fahrzeuge donnern vorbei wie ein eiliges Gewitter. Die Heimat so fern und plötzlich so nah und umgehend wieder so fern. Ich gehe zu Freyér (einem Aufseher) und bitte ihn, einen dieser vorbeigerauschten Augenzeugen ausfindig zu machen, und nun erfahre ich von einem jungen Soldaten, dass seine Truppe in allen auf die Panzer gemalten Orte längere Zeit festgesessen ist. Und rücksichtsvoll, geradezu zögernd, gibt er preis, was ich ängstlich vermute: ‚Deine Stadt’ – er breitet die Arme weit aus – ‚tous cassé, kaputt, total kaputt.’ Ich fühle, wie mein Herz schneller schlägt, sich überhaspelt und zu rasen beginnt...“3.

Im Juli 1947 aus der Gefangenschaft entlassen, kehrt er im August nach Pforzheim zurück. K.S. wirkt nach dem Krieg mit beim Aufbau eines demokratischen Staates, durch seine Verbindungen als Zeitungsredakteur kommt Fritz Erler nach Pforzheim. K.S. ist drei Jahre Vorsitzender der SPD, wirkt neun Jahre als Stadtrat für das Gemeinwesen und arbeitet bei der Volksbühne und der Arbeiterwohlfahrt mit. K.S. stirbt 1999.


Literatur:

  • Schroth, Karl, Das unbewältigte Kapitel (unveröffentlichtes Manuskript),o.O.,o.J.
  • Schroth, Karl, Die entscheidenden Jahre, Pforzheim, 1974
  • Schroth, Karl, Und immer wieder für die Freiheit, Pforzheim, 1977

Quellenangabe:

  1. Schroth, Freiheit S. 285
  2. dito S. 388
  3. Schroth, Manuskript S.44