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Aktion Gitter

Von PFENZ
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Nach dem 20.7.1944: „Aktion Gitter“

Nach dem mißglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 läuft in ganz Nazi-Deutschland die „Aktion Gitter“, auch „Gewitter“ genannt, an, eine schon länger geplante Verhaftungsaktion. Betroffen sind nicht nur die mittelbar oder unmittelbar Beteiligten am Attentat, ihre Familien oder Mitwisser, sondern alle potentiellen Regime-Gegner aus der Reihen der 1933 verbotenen Parteien, in erster Linie deren frühere Funktionsträger, selbst wenn sie sich aus der politischen Arbeit zurückgezogen hatten. Über 5000 Antifaschisten werden verhaftet, über 700 Mordurteile gefällt und vollstreckt.

August 1944 in Pforzheim

In Pforzheim holen Männer der Gestapo-Außenstelle Pforzheim an der Bahnhofstraße – früher stand der hier der Hexenturm in der Stadtmauer, nach 1945 war wieder die Polizei in dem Gebäude untergebracht – im August 1944 insgesamt 14 frühere sozialdemokratische und kommunistische Stadtverordnete aus ihren Wohnungen, bringen sie ins Gefängnis an der Rohrstraße und deportieren sie über das Gefängnis Karlsruhe ins Konzentrationslager Dachau.

Namen der Regime-Gegner

Namentlich bekannt sind aus Pforzheim Wilhelm Doll, KPD, Josef Hils, SPD, Joseph Hoffmann, SPD, Heinrich Jäger, KPD, Gottlieb Mössinger, SPD, Rudolf Pöhler, SPD, Richard Raisch, SPD, Ernst Stoll, SPD, August Weik, SPD. Alle Genannten haben das Konzentrationslager Dachau überlebt.

Weitere Opfer mit Bezug zu Pforzheim

Der in Pforzheim geborene Julius Helmstädter, ebenfalls nach dem 20. 7. 1944 festgenommen, stirbt unter unbekannten Umständen am 11. 2. 1945 im Konzentrationslager Dachau.

Auch im Zuge der „Aktion Gitter“ ist Nikolaus Bernhard, der 1911/12 in Pforzheim Stadtverordneter für die SPD war, im Konzentrationslager Sachsenhausen eingesperrt.

Karl Bauer aus Arnbach, der in Pforzheim die Goldschmiede- und dann die Kunstgewerbeschule besuchte, als SPD-Mitglied und Gewerkschaftssekretär schon ab 1935 für 22 Monate in den Fängen der Gestapo, wird im August 1944 erneut verhaftet und im Konzentrationslager Dachau eingesperrt.

Als die aus Pforzheim stammenden Nazi-Gegner im KZ Dachau eintreffen, sitzen dort schon seit Jahren Menschen, weil sie versuchten, dem Regime zu widerstehen, so die Kaplane Kurt Habich und Emil Kiesel von der St. Franziskus-Pfarrei in Pforzheim sowie der SPD-Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher. Er war Redner bei der letzten Kundgebung gegen die NSDAP auf dem Turnplatz in Pforzheim am 4. 2. 1933 mit der prophetischen Warnung: „Hitler heißt Krieg, Not, Hunger, Elend für das ganze deutsche Volk“.

Literatur

  • Ausstellung: Mut zum Widerstehen – Pforzheim 1933 – 1945, Dokumentation der Ausstellungstafeln, Hrsg.: Stadtjugendring Pforzheim und Volkshochschule, Redaktion: Gerhard Brändle, Pforzheim, 1995
  • Gerhard Brändle: Nach dem 20. Juli: ‚Gegen den inneren Feind’, in: Pforzheimer Kurier 27. 4. 1995
  • Karl Schroth, Und immer wieder für die Freiheit, Pforzheim, 1977
  • Studienkreis: Deutscher Widerstand (Hsrg.), Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstands und der Verfolgung 1933 – 1945, Bd. 5, Baden-Württemberg I, Frankfurt/M., 1991
  • August Weik, Meine Lebensgeschichte, Pforzheim, 1957 (ungedruckt)