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Wallfahrtskirche Johannes der Täufer (Bilfingen)

Von PFENZ
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Die Wallfahrtskirche Johannes der Täufer befindet sich in der Steiner Straße, in 75236 Kämpfelbach-Bilfingen. Die Wallfahrtskirche ist dem "heiligen Johannes dem Täufer" geweiht (er ist der Kirchenpatron).



  • Hans Huth: Die Rettung der alten kath. Wallfahrtskirche bei Bilfingen. Ldkr. Pforzheim [file:///C:/Users/ProDesk/Downloads/14774-Artikeltext-31683-1-10-20140620.pdf]

Die alte Wallfahrtskirche lag bis vor einigen Jahrzehnten völlig frei in der reizvollen Pfinzgau­Landschaft nördlich des Ortes Bilfingen, dessen urkundliche Erwähnungen bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückreichen. Erst durch die Bautätigkeit seit den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts rückte der Ortsrand bis an die Kirche vor, die aber für den von Königsbach her Kommenden immer noch ihren dominierenden Eindruck bewahrt hat, obwohl sie jetzt von dem wuchtigen Betonbau der neuerbauten katholischen Pfarrkirche im westlichen Teil des Ortes überragt wird.

Geschichte

Bilfingen gehörte den Grafen von Eberstein, die wohl dem von ihnen gegründeten Kloster Frauenalb diejenigen Güter im Dorf schenkten, die Papst Cölestin III. 1193 dem Kloster bestätigte. In den folgenden Jahrhunderten vermehrte Frauenalb planmäßig seinen Besitz und seine Rechte. Im frühen 16. Jahrhundert war das Kloster Alleinherrin über das Doppeldorf Bilfingen—Ersingen. Durch Säkularisation der Benediktinerinnen ­Abtei 1802 fielen die seither verselbständigten Dörfer an Baden. Die früheste schriftliche Bezeugung der Kirche läßt sich aus der Jahreszahl „1258" auf einem heut e verschwundenen steinernen Reliquiensarkophag ableiten. Unter dem Patronat des Klosters wurde 1415 eine Frühmesse „in sant Johans gnadenrichen Capellen" gestiftet. Diese Wallfahrtskapelle war Filiale der Pfarrkirche von Ersingen. Erst 1495 wurde die Kapelle zu Bilfingen zur selbständigen Pfarrkirch e erhoben und der Friedhof um die Kirche angelegt. Die Pfarrei ging 1598 infolge einer früher schon einmal erfolgten Säkularisation des Klosters Frauenalb durch die Markgrafen von Baden, die aber nicht von langer Dauer war, ein. Nach einer kurzen Wiederbesetzung 1729/30 wurde sie erst 1909 als Pfarrkuratie neu errichtet. Nachdem um 1955/57 die Frage der Möglichkeit einer Erweiterung der alten Kirche von der Denkmalpflege verneint worden war, wurde an anderer Stelle des Ortes ein Neubau aufgeführt. Da für die katholische Gemeinde die Unterhaltung zweier Kirchengebäude eine zu schwere Last bedeutete, war der Fortbestand der alten Wallfahrtskirche unsicher geworden. Erfreulicherweise ist die Kirche 1967 dann doch durch den Beschluß gerettet worden, sie als Friedhofskapelle zu nutzen, wobei in ihrem Westteil die notwendigen Anlagen einer Leichenhalle eingebaut werden sollten.

Baugeschichte und -forschung

Die Wallfahrtskirche wurde Anfang des 12. Jahrhundert umgebaut. Es war ein romanischer Bau der Kapelle mit Anbau im Westen. Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Gebäude zur gotischen Pfarr- und Wallfahrtskirche umgebaut. Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte 1750 Turmumbau und 1789 - 1794 Umbau des romanischen-gotischen Langhauses im Rundbogenstil mit Barockausstattung. 1968 Umbau zu Friedhofskapalle mit Leichenhalle. (Daten aus dem Buch Chronik über Bilfingen) Nach der Darstellung im Kunstdenkmälerban d PforzheimLan d von E. Lacroix, P. Hirschfeld u n d W. Paeseler, 1938, bestanden die Bauteile der Kirche aus folgenden Bauperioden:

Romanik (13.Jhdt)

Chorturm im untere n Teil und Sakristei 13. Jahrhundert, I Der erste faßbar e Zustand ist ein romanischer Bau. Zu ihm gehören auf der Süd­ wie der Nordseite des Langhause s je ein auf eine Länge von etwa 13 m erhaltenes Mauerstück (Abb.), das im Innern des Langhauses festgestellte Fundament seiner Westmauer und als Spolie ein als Quader an der Südostecke des Turmes wiederverwendeter, mit Schachbrettmuster und Kreuz ornamentierter Werkstein (Abb.). Außerdem kamen bei den Ausschachtungsarbeiten für die Heizkanäle einige profilierte Werkstücke zu Tage. Davon soll hier vor allem das Fragment eines Würfelkapitells (Abb.) erwähnt werden. Der Befun d der Nordmauer ähnelt in seiner Struktur ganz der durch ein Portal und Fensteröffnungen als romanisch bestimmten Südmauer. Erhalten sind von beiden Mauern die Stücke von den Ausquaderungen im oberen Teil an den Westecken des Langhauses bis zu den Abbruchzahnungen im Osten. Das Mauerwerk besteht aus Sandsteinquadern, die in verschieden hohen Schichten aber ziemlich sorgfältig aufgesetzt sind. Auf der Nordseite sind keine Fenster und Türöffnungen im romanischen Mauerwerk nachgewiesen. Es ist wahrscheinlich, daß diese Seite keine Öffnungen hatte, wie dies im Mittelalter häufig der Fall war. Dagegen konnten wir auf der Südseite ein vollständig erhaltenes, romanisches Rundbogenfenster mit Quaderbemalung auf der Putzfläche der inneren Leibung (Abb.) und figürlicher Bemalung auf der geputzten äußeren Leibung (Abb.) freilegen. Dabei stellte sich heraus, daß die Innenwand in romanischer Zeit in Sohlbankhöhe 14 cm zurückgesetzt war und erst später durch Verblendung auf die einheitliche Dicke gebracht worden war (vgl. Abb.). Von einem zweiten, gleichartigen Rundbogenfenster konnte noch knapp die Hälfte der äußeren Leibung festgestellt werden. Auf der Nordseite war diese Veränderung der Mauerdicke nicht zu erkennen. Entscheidend für die Datierung — die figürliche Malerei in der Fensterleibung weist Dr. Niester in das frühe 13. Jahrhundert — ist die Freilegung des Portales (Abb.) etwas östlich der beiden hochgelegenen Fenster. Auf der Schwelle sind die Gewände mit Werksteinen aufgesetzt. Darüber ruht ein beachtlicher waagrechter Sturz und darauf ein halbkreisförmiges Tympanon. Alle Werksteine haben durch Feuereinwirkung sehr gelitten. Am Fuße des Tympanons war eine lateinische Inschrift, deren linker Teil erhalten ist (Abb.).

Gotik (15. Jhdt)

Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Gebäude zur gotischen Pfarr- und Wallfahrtskirche umgebaut. von Gertringen [1468—1475 war Agnes von Gertringen Äbtissin in Frauenalb]." Auf der anderen seithen seind auch zwen altar der eine S. Joannis des Täufers, auf dem anderen stehet vnser liebe fraw mit dem Kündlein und St. Otmarus auf beiden seiten des gewölbs fenster vnder disem ein Österreich, wappen. Die Kantzel stehet gegen mittag die Kirchen ist vnderstützet mit 4 hölernen säulen hind(er) der anderen ist die begräbnuß der heyl. alda der grabstein mit der sarch geweßen, alwo ietzo der Tauf stein stehet, zw. dem ersten und dem andern ist im ahnfang des schwedischen Kriegs ein graff begraben worden. An der thüren gegen mitternacht steht ein gemahltes altes hülzeneß gewölb auf 4 runden saulen oben mit altem blumenwerckh, ahn dem gewölb auf 4 saulen sind die vier thier des propheten Ezechielis der 4 Evangelisten figur abgemahlt, ob dieses auf dem Grab der heyligen gestanden ist nicht bewußt, allein an der forderen saul hangt an einem Nagel ein schwerer stein mit einer Eysenen Ketten ist bey mans gedenckhen daran gehangen. Die alt sag ist, das ein verruchter söhn geweßen, der seinen leiblichen Vatter mit disem stein hab wollen werfen, im werfen aber sey ihm der stein in der handt gebliben, hab von solchem stein nit ledig Khomen werden, auch nach dem er ahn vnderschidliche orth wallfahrten verricht, biß das er zur begräbnuß der gemelten heyl. Khommen, da sey ihm der stein auß den händen gefallen und zu ewiger gedächtnis zu ehr der heyl. alda aufgehenckht worden und ist dieser in all durchzügen vnuerruckht verbliben. "

Barock (18. Jhdt)

Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte 1750 Turmumbau und 1789 - 1794 Umbau des romanischen-gotischen Langhauses im Rundbogenstil mit Barockausstattung. Im Jahre 1749 ließ die Äbtissin Gertrud von Ichtersheim den baufälligen Kirchturm im oberen Teil abtragen. Im folgenden Jahr wurde er auf Kosten der Gemeinde in seiner heutigen Form aufgebaut. Bald darauf war auch das Langhaus erneuerungsbedürftig. 1788 wurde die Kirche geschlossen. Ein Jahr später waren die Arbeiten so weit gediehen, daß die Kirche wieder benutzbar war. Abgeschlossen wurden die Arbeiten 1794. Damals wurden alle gotischen Fenster am Langhaus vermauert oder entfernt. Die Portale wurden durch barocke Portale ersetzt. Der Anbau im Westen wurde zur Kirche hinzugenommen und erhielt auf der Süd­ und Nordseite je ein Rundbogenfenster und in der westlichen Giebelwand ein Rundbogenportal und drei Kreisfenster. In die Nordmauer wurden zwei weitere Rundbogenfenster, vielleicht anstelle gotischer Fenster, eingesetzt. Die oberen Schichten der Umfassungsmauern wurden als Auflage für den neuen Dachstuhl erneuert. Nach einem Aktenstück hatte einst diese Kirche 5 Hochaltäre: Der Hochaltar im Chor war zu Ehren der Krönung der Himmelskönigin Maria. Auf den Flügeln waren innen die Heilige Magdalena und Ursula und außen die Verkündigung Mariä gezeigt. Je einen Altar zu Ehren St. Stephanus, St. Laurentius, und St. Barbaras und andere zu Ehren St. Eurasmus und St. Sebastians. Zwei Altäre zu Ehren Johannes des Täufers und der andere zu Ehren "unser lieben Frau mit dem Kindlein" und St. Otmarus. Die Altäre wurden Im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert.

(Daten aus dem Buch Chronik über Bilfingen)

Moderne (20. Jhdt)

1968 Umbau zu Friedhofskapalle mit Leichenhalle.

Im Jahr 1968 wurde die Wallfahrtskirche wieder einmal umgebaut. Danach blieb unverständlicherweise von dem Hauptaltar und den Seitenaltären der Nachwelt nichts erhalten. Außer der Marienfigur ist heute leider alles verschwunden.

Literatur

Kunstdenkmäle r Badens IX, 7, Amtsbezirk Pforzheim­Land, bearb. von E. Lacroix, P. Hirschfeld und W. Paeseler, Karlsruhe , 1938. G. A. Reiling, Geschichte der ehemals frauenalbischen Dörfer Ersingen u nd Bilfingen, Pforzheim o. J., bes. S. 90 ff. A. Vogel, Umba u der alten Pfarrkirch e von Bilfingen, in: Konradsblatt 1969, Nr. 33. H. Niester, Ein Vierteljahrhundert Denkmalpflege in und um Pforz ­ heim, in: Badische Heima t (Mein Heimatland). 50. Jg., 1970, H. 2/3, S. 325 ff.