Feier mit! 20 Jahre Pfenz!
Jubiläumsfeier am Montag 18.5. 18:30 und Samstag 23.5. 14:00
in der EngagementWerkStadt, Lammstraße — gerne anmelden, oder einfach vorbeikommen!
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Hebamme Friedericke Klink
Unsere Hebamme Friedericke Klink („Rickele“)
Wir Kinder vom Schafhof sind bald dahintergekommen, dass das nicht stimmen kann, dass der Storch die Kinder bringt. Die wenigen Störche haben sich eher am Roßweiher See niedergelassen und haben nach unserer Beobachtung nichts im Schnabel gehabt. Wir haben die Feststellung gemacht, dass wenn das „Rickele“, die Hebamme Friederike Klink, ins Haus kam, man hinterher Babygeschrei gehört hat. Auch sind täglich Windeln zum Trocknen aufgehängt worden. Die Riecke, die Hebamme, war oft auf dem Schafhof. Es gab dort viele Kinder - in manchen Häusern 8-10. Sie war eine energische Person und konnte manchmal richtig harsch sein. Aber in ihrem Gesicht sah man auch ihren Humor und Schalk blitzen; den hat sie oft zur Geltung gebracht. Bei den Hausgeburten waren ihr die näheren Bekannten der Wöchnerin, die ihr Beistand leisteten, lieber. Die Männer hat sie mit rauhem Befehlston weggschickt. Im damaligen Krankenhaus hat sie auch praktiziert. Manche Frauen, auch wenn es absehbar war, dass die Geburt kompliziert war, waren auf der Entbindungsstation und haben dort ihre Kinder geboren. Reichlich zu tun hatte sie immer, wenn man bedenkt, dass sie die einzige Hebamme war. Jeden Tag mehrmals mit dem Fahrrad die Knittlinger Steige rauf und runter, musste im ganzen Ort rumkommen, zum Elfinger Hof bis auf den Seide- und Scheuelberghof, auch ab und zu nach Freudenstein und Hohenklingen. Gewohnt hat sie in der „Schmiede“, in dem Haus vom Klosterkeller. Sie war eine sehr geehrte Person. Von jeder Frau, die sie entbunden hat, konnte sie deren Geschichte erzählen - meistens sehr originell. Unzählige Kinder hat sie auf die Welt gebracht, ganze Generationen, z.B. meine Geschwister und auch alle meine Kinder. Mit ihr zusammen war es ein ganz besonderes Erlebnis und immer wieder anders, dabei war immer etwas Witziges. Nun ein Beispiel. Wenn eine Gebärende laut geschrien hat, hat sie sagen können: „Mensch Maier, hast Du beim Machen auch so geschrien?“ Bei meiner letzten Geburt sagte sie ganz trocken: „Ein Mädchen.“ Es war das Vierte. Und ich meinte dazu: „Ich glaubte fast, es wär` ein Bub!“ Sie darauf: „Dann schieb ich`s wieder rein und du wartest bis es ein Junge wird!“ Sowieso hat sie alle geduzt. Ihre Tochter Anne hat dann auch Hebamme gelernt und so haben sie zusammen gearbeitet. Allein hätte sie das auch nicht mehr geschafft. Nach dem Krieg sind überall viele Vertriebene oder ausgebombte Menschen dazu gekommen, somit gab es immer mehr Geburten. Die Entbindungsstation im damaligen Krankenhaus wurde immer mehr genutzt. Das war auch für die Hebammen einfacher und sie mussten nicht mehr so oft von Haus zu Haus unterwegs sein. In den meisten alten Häusern war es, was die Hygiene anbetrifft, nicht gerade optimal; da hat sie oft erbärmliche Zustände angetroffen! So hatten die beiden im Krankenhaus ein besseres Arbeiten, weil ja auch immer Ärzte anwesend waren. Aber dann wurde das Maulbronner Krankenhaus aufgelöst, die Entbindungsstation auch und nach Mühlacker in das neue Krankenhaus miteingebunden und die Tochter Anne hatte nun dort ihren Arbeitsplatz. Das war eine ganz große Umstellung für sie. Da war sie eben eine unter den anderen und konnte keine eigene Entscheidungen mehr treffen. Ihre Mutter, die Friedericke Klink (Rickele), hat das nicht mehr erlebt. aufgeschrieben von Maria Weissert-Hartmann Herbst 2017