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Neidlingen: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Das einstige Dorf Neidlingen ===
=== Das einstige Dorf Neidlingen ===

Von allen abgegangenen Siedlungen aus der Umgebung von [[Pforzheim]] ist Neidlingen die bekannteste. Es war einst Pfarrdorf und Mutterkirche von [[Ispringen]] und scheint zeitweilig aus zwei Orten, aus Unter- und Oberneidlingen bestanden zu haben. Ab dem [[13. Jahrhundert]] wird ein Ortsadel, die Herren von Neidlingen, erwähnt, die zu Anfang des [[15. Jahrhundert]]s ausgestorben zu sein scheinen.. Die Burg der Herren von Neidlingen stand wahrscheinlich im heutigen Neulinger Wald, wo auch Mauereste gefunden wurden. Das Dorf Neidlingen lag wohl in einem Wiesengelände nördlich vom Walde. [[1365]] verkauften die Edelknechte Berthold Göler und seine Brüder Konrad und Hans von [[Enzberg]] an die Priorin und den Konvent des Prediger-Frauenklosters in Pforzheim ihre Kirchensätze zu Ispringen und Neidlingen um 1500 Gulden. Fünf Jahre später,[[1370]], wird Neidlingen als vollständig zerstört bezeichnet.
Wie ist die Zerstörung erfolgt? Ist es in kriegerischen Fehden niedergebrannt worden? Dies wäre nicht ausgeschlossen, denn damals herrschten unruhige Zeiten. Die Kriege wurden meist in der Weise geführt, dass man in die ungeschützten Dörfer des Gegners einfiel und sie niederbrannte.

In der Zeit als Neidlingen abging, fällt der aus Uhlands Ballade bekannte [[Der Überfall im Wildbad|Überfall]] in [[Wildbad]] ([[1367]]) statt. Daran beteiligt waren auch die Wunnsteiner, die nach einer Urkunde aus dem Jahre 1428 in Neidlingen begütert waren. Was lag also näher, als dass sie [[Eberhard der Greiner]] für den Überfall durch Zerstörung wunnsteinischer Dörfer rächte? Die ist nur eine Vermutung, und selbst wenn sie zutreffen sollte, wäre immer noch nicht geklärt, warum der Ort nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut wurde, wie es in den meisten Fällen geschah.

Es mussten also noch andere Ursachen dazu geführt haben, dass die Bewohner zum dauernden Verlassen des Ortes nötigten. Wer schon einmal im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze über die Neulinger Wiesen gegangen ist, der weiß, wie dort an mehreren Stellen das Wasser in gurgelnden Tönen in die Tiefe verschwindet. Ein eigentümliches und unsicheres Gefühl beschleicht uns, und man verlässt wieder rasch den unsicheren Boden, von dem man nie weiß, ob und wann er unter unseren Füßen wieder einbricht. Die Gegend ist eine typische Kalk- und [[Karst]]landschaft mit unterirdischen Flussläufen, Erdfällen und Quelltöpfen, in denen die unterirdischen Wasserläufe zutage treten (Ispringen). Die Bildung von Erdfällen geht in dieser Gegend immer noch vor sich, wie man aus Beobachtungen weiß. Diese Gegebenheiten könnten natürlich auch ein Grund dafür gewesen sein, dass die Bewohner von Neidlingen ihren Ort aufgaben.

Die Gemarkung Neidlingen wird noch lange als Gemarkung erwähnt. Später wurde sie mit der Gemarkung [[Göbrichen]] vereinigt. Daher erklärt sich die eigenartige Gestalt der Gemarkung Göbrichen und die Lage des Ortes. Die Sage will wissen, dass die Bewohner von Neidlingen nach Göbrichen gezogen seien. Dies ist möglich. Doch sollte man bei Sagen vorsichtig sein, dies zeigt eine andere Sage, die Neidlingen im [[Dreißigjähriger Krieg|30-jährigen Kriege]] zerstören lässt und zwar deswegen, weil die Bewohner der Einführung der [[Reformation]] Widerstand geleistet hätten; dabei wird aber der Ort schon 200 Jahre vorher als zerstört bezeichnet, und die Reformation ist [[1556]] in der Gegend zur Einführung gelangt.


== Quelle ==
== Quelle ==

Version vom 13. Februar 2015, 14:10 Uhr

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Neidlingen war ein abgegangenes Dorf, eine sogenannte Wüstung, auf der heutigen Gemarkung von Neulingen.

Die Lage des ehemaligen Dorfes deckt sich etwa mit dem heutigen Naturschutzgebiet Neulinger Dolinen.

Das einstige Dorf Neidlingen

Von allen abgegangenen Siedlungen aus der Umgebung von Pforzheim ist Neidlingen die bekannteste. Es war einst Pfarrdorf und Mutterkirche von Ispringen und scheint zeitweilig aus zwei Orten, aus Unter- und Oberneidlingen bestanden zu haben. Ab dem 13. Jahrhundert wird ein Ortsadel, die Herren von Neidlingen, erwähnt, die zu Anfang des 15. Jahrhunderts ausgestorben zu sein scheinen.. Die Burg der Herren von Neidlingen stand wahrscheinlich im heutigen Neulinger Wald, wo auch Mauereste gefunden wurden. Das Dorf Neidlingen lag wohl in einem Wiesengelände nördlich vom Walde. 1365 verkauften die Edelknechte Berthold Göler und seine Brüder Konrad und Hans von Enzberg an die Priorin und den Konvent des Prediger-Frauenklosters in Pforzheim ihre Kirchensätze zu Ispringen und Neidlingen um 1500 Gulden. Fünf Jahre später,1370, wird Neidlingen als vollständig zerstört bezeichnet.

Wie ist die Zerstörung erfolgt? Ist es in kriegerischen Fehden niedergebrannt worden? Dies wäre nicht ausgeschlossen, denn damals herrschten unruhige Zeiten. Die Kriege wurden meist in der Weise geführt, dass man in die ungeschützten Dörfer des Gegners einfiel und sie niederbrannte.

In der Zeit als Neidlingen abging, fällt der aus Uhlands Ballade bekannte Überfall in Wildbad (1367) statt. Daran beteiligt waren auch die Wunnsteiner, die nach einer Urkunde aus dem Jahre 1428 in Neidlingen begütert waren. Was lag also näher, als dass sie Eberhard der Greiner für den Überfall durch Zerstörung wunnsteinischer Dörfer rächte? Die ist nur eine Vermutung, und selbst wenn sie zutreffen sollte, wäre immer noch nicht geklärt, warum der Ort nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut wurde, wie es in den meisten Fällen geschah.

Es mussten also noch andere Ursachen dazu geführt haben, dass die Bewohner zum dauernden Verlassen des Ortes nötigten. Wer schon einmal im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze über die Neulinger Wiesen gegangen ist, der weiß, wie dort an mehreren Stellen das Wasser in gurgelnden Tönen in die Tiefe verschwindet. Ein eigentümliches und unsicheres Gefühl beschleicht uns, und man verlässt wieder rasch den unsicheren Boden, von dem man nie weiß, ob und wann er unter unseren Füßen wieder einbricht. Die Gegend ist eine typische Kalk- und Karstlandschaft mit unterirdischen Flussläufen, Erdfällen und Quelltöpfen, in denen die unterirdischen Wasserläufe zutage treten (Ispringen). Die Bildung von Erdfällen geht in dieser Gegend immer noch vor sich, wie man aus Beobachtungen weiß. Diese Gegebenheiten könnten natürlich auch ein Grund dafür gewesen sein, dass die Bewohner von Neidlingen ihren Ort aufgaben.

Die Gemarkung Neidlingen wird noch lange als Gemarkung erwähnt. Später wurde sie mit der Gemarkung Göbrichen vereinigt. Daher erklärt sich die eigenartige Gestalt der Gemarkung Göbrichen und die Lage des Ortes. Die Sage will wissen, dass die Bewohner von Neidlingen nach Göbrichen gezogen seien. Dies ist möglich. Doch sollte man bei Sagen vorsichtig sein, dies zeigt eine andere Sage, die Neidlingen im 30-jährigen Kriege zerstören lässt und zwar deswegen, weil die Bewohner der Einführung der Reformation Widerstand geleistet hätten; dabei wird aber der Ort schon 200 Jahre vorher als zerstört bezeichnet, und die Reformation ist 1556 in der Gegend zur Einführung gelangt.

Quelle

  • Der Enz- und Pfinzgau, 1925, Verschwundene Dörfer und verlassene Wege um Pforzheim von Michael Walter,Karlsruhe, Verlag G. Braun, Karlsruhe
  • Topographische Karte 1:25 000 Blatt 7018, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg