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Dem Weiler Niederhofen ging eine römische Siedlung voraus (siehe [[Niederburg]]). Seine Gründung dürfte mit der naheliegenden Enzfurt zusammenhängen, die bereits zur Römerzeit genutzt wurde. Dokumentiert ist eine St. Martinskirche, die erstmals 1419 erwähnt wurde. Nach dem Abgang des Weilers fungierte sie als Wallfahrtskirche. Letztmals wird die Kirche 1556 (als ''Sant Jerg'') erwähnt. Ein Jahr zuvor befahl der württembergische [[Christoph von Württemberg|Herzog Christoph]] Kirchen und Kapellen, die nicht für Predigten verwendet werden, abzubauen. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Martinskirche abgetragen wurde, zumal bereits 1564 ein Fischwasser in einer Urkunde erwähnt wird, das sich auf dem Platz befand, wo "das Niederhöfer Kürchlein gestanden ist".<ref>vgl. Butz (2010) S.293</ref> Angeblich wurde ihr Taufstein wurde bereits im 15. Jahrhundert in die Lomersheimer St. Peters-Kirche gebracht. Nach Schäfer wäre es allerdings auch möglich, dass der Taufstein aus der hypothetischen Vorgängerkirche im Ortsinneren stammte, nachdem diese nach dem Neubau der jetzigen Kirche 1460 schrittweise abgebaut wurde.<ref>vgl. Schäfer (2000), S. 47</ref> |
Dem Weiler Niederhofen ging eine römische Siedlung voraus (siehe [[Niederburg]]). Seine Gründung dürfte mit der naheliegenden Enzfurt zusammenhängen, die bereits zur Römerzeit genutzt wurde und an welcher die Niederburg errichtet wurde. Der Historiker Rüdiger Stenzel betrachtet Niederhofen daher als "Burgweiler zur Lomersheimer Niederburg".<ref>Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 97</ref> Dokumentiert ist eine St. Martinskirche, die erstmals 1419 erwähnt wurde. Nach dem Abgang des Weilers fungierte sie als Wallfahrtskirche. Letztmals wird die Kirche 1556 (als ''Sant Jerg'') erwähnt. Ein Jahr zuvor befahl der württembergische [[Christoph von Württemberg|Herzog Christoph]] Kirchen und Kapellen, die nicht für Predigten verwendet werden, abzubauen. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Martinskirche abgetragen wurde, zumal bereits 1564 ein Fischwasser in einer Urkunde erwähnt wird, das sich auf dem Platz befand, wo "das Niederhöfer Kürchlein gestanden ist".<ref>vgl. Butz (2010) S.293</ref> Angeblich wurde ihr Taufstein wurde bereits im 15. Jahrhundert in die Lomersheimer St. Peters-Kirche gebracht. Nach Schäfer wäre es allerdings auch möglich, dass der Taufstein aus der hypothetischen Vorgängerkirche im Ortsinneren stammte, nachdem diese nach dem Neubau der jetzigen Kirche 1460 schrittweise abgebaut wurde.<ref>vgl. Schäfer (2000), S. 47</ref> |
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Ende des 14. oder Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Weiler schließlich abgegangen (vgl. unten). Der Name Niederhofen tauchte in der Folgezeit noch in Flurnamen auf, ist heute allerdings auf der Landkarte gänzlich verschwunden. |
Ende des 14. oder Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Weiler schließlich abgegangen (vgl. unten). Der Name Niederhofen tauchte in der Folgezeit noch in Flurnamen auf, ist heute allerdings auf der Landkarte gänzlich verschwunden. |
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[[Datei:Niederhofen.jpg|thumb|400px |Anhaltspunkte für die Lage Niederhofen: Linksenzisch (Doktorbuckel, Funde an der Kläranlage) oder rechtsenzisch (alter Flurname Zwischendörfer, Mutele)]] |
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Die Lage Niederhofens ist weder aus historischen Dokumenten noch aus heutigen Flurnamen belegbar. In der heimatkundlichen Fachliteratur ist es Konsens, dass es östlich von Lomersheim gelegen haben muss. Strittig war dabei die Frage, ob es links- oder rechtsenzisch lag. Die ältere Forschung (Conrad 1956, Schäfer 2000) nahm eine Lage rechts der Enz an. Andreas Butz verweist jedoch darauf, dass Niederhofen in den Lagerbücher nur unter den Gütern der Zelg Lienzingen erwähnt wird.<ref>Butz (2010), S. 287</ref> Diese endet jedoch nördlich der Enz, womit eine Lage in der Flur Mutele (zur Zelg Großglattbach) ausgeschlossen werden kann. |
Die Lage Niederhofens ist weder aus historischen Dokumenten noch aus heutigen Flurnamen belegbar. In der heimatkundlichen Fachliteratur ist es Konsens, dass es östlich von Lomersheim nahe der alten Furt gelegen haben muss (vgl. 1489: "zu Niderhofen ob dem furt", HStA H 102/1491). Strittig war dabei die Frage, ob es links- oder rechtsenzisch lag. Die ältere Forschung (Conrad 1956, Schäfer 2000) nahm eine Lage rechts der Enz an. Andreas Butz verweist jedoch darauf, dass Niederhofen in den Lagerbücher nur unter den Gütern der Zelg Lienzingen erwähnt wird.<ref>Butz (2010), S. 287</ref> Diese endet jedoch nördlich der Enz, womit eine Lage in der Flur Mutele (zur Zelg Großglattbach) ausgeschlossen werden kann. |
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=== Rechtsenzisch === |
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Version vom 5. Februar 2015, 19:07 Uhr
Die Wüstung Niederhofen war eine Ortschaft nahe dem heutigen Lomersheim.
Der Name Niederhofen wird in verschiedenen Lagerbüchern und Urkunden erwähnt. Die ersten Namensnennungen stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Ob Niederhofen zu dieser Zeit noch besiedelt war, ist aus den Quellen nicht ableitbar. In Flurnamen erscheint das Toponym noch bis ins 18. Jahrhundert.
Geschichte
Dem Weiler Niederhofen ging eine römische Siedlung voraus (siehe Niederburg). Seine Gründung dürfte mit der naheliegenden Enzfurt zusammenhängen, die bereits zur Römerzeit genutzt wurde und an welcher die Niederburg errichtet wurde. Der Historiker Rüdiger Stenzel betrachtet Niederhofen daher als "Burgweiler zur Lomersheimer Niederburg".[1] Dokumentiert ist eine St. Martinskirche, die erstmals 1419 erwähnt wurde. Nach dem Abgang des Weilers fungierte sie als Wallfahrtskirche. Letztmals wird die Kirche 1556 (als Sant Jerg) erwähnt. Ein Jahr zuvor befahl der württembergische Herzog Christoph Kirchen und Kapellen, die nicht für Predigten verwendet werden, abzubauen. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Martinskirche abgetragen wurde, zumal bereits 1564 ein Fischwasser in einer Urkunde erwähnt wird, das sich auf dem Platz befand, wo "das Niederhöfer Kürchlein gestanden ist".[2] Angeblich wurde ihr Taufstein wurde bereits im 15. Jahrhundert in die Lomersheimer St. Peters-Kirche gebracht. Nach Schäfer wäre es allerdings auch möglich, dass der Taufstein aus der hypothetischen Vorgängerkirche im Ortsinneren stammte, nachdem diese nach dem Neubau der jetzigen Kirche 1460 schrittweise abgebaut wurde.[3]
Ende des 14. oder Anfang des 16. Jahrhunderts ist der Weiler schließlich abgegangen (vgl. unten). Der Name Niederhofen tauchte in der Folgezeit noch in Flurnamen auf, ist heute allerdings auf der Landkarte gänzlich verschwunden.
Lage

Die Lage Niederhofens ist weder aus historischen Dokumenten noch aus heutigen Flurnamen belegbar. In der heimatkundlichen Fachliteratur ist es Konsens, dass es östlich von Lomersheim nahe der alten Furt gelegen haben muss (vgl. 1489: "zu Niderhofen ob dem furt", HStA H 102/1491). Strittig war dabei die Frage, ob es links- oder rechtsenzisch lag. Die ältere Forschung (Conrad 1956, Schäfer 2000) nahm eine Lage rechts der Enz an. Andreas Butz verweist jedoch darauf, dass Niederhofen in den Lagerbücher nur unter den Gütern der Zelg Lienzingen erwähnt wird.[4] Diese endet jedoch nördlich der Enz, womit eine Lage in der Flur Mutele (zur Zelg Großglattbach) ausgeschlossen werden kann.
Rechtsenzisch
Gerd Schäfer (2000) versetzte Niederhofen in die Flur Mutele in der Enzschleife[5]. Er betrachtet den Weiler dabei als "Nachfolgesiedlung" der römischen Villa rustica und argumentiert, dass sich dort noch Scherben finden lassen, die "aus römischen Zeiten bis in das 15. Jahrhundert reichen".[6] Die nachgewiesenen Gebäudereste datieren jedoch allesamt auf ein römischen Alter. Das zweite rechtsenzische Argument ist die alte Flurbezeichnung "Zwischendörfer". Diese lag auf der rechten Enzseite und reichte in etwa von Lomersheim bis zum Altwasser Waagrain.
Linksenzisch
Andreas Butz sieht im sog. "Doktorbuckel", der Turmhügel der ehemaligen Niederburg, den "noch sichtbaren Rest Niederhofens"[7]. Im Heiligenlagerbuch von 1768 wird der Doktorbuckel als Äckern bei der Altenburg [= Niederburg] in Niderhofen umschrieben, womit eine Verbindung zwischen der Burg und der Wüstung belegt werden kann[8] Weiterhin wurden am 8. März 2009 während Bauarbeiten an der Kläranlage Lomersheim, nahe der ehemaligen Niederburg, mehrere ältere Knochen gefunden, die mit dem Weiler Niederhofen in Verbindung gebracht werden. Bereits 1928 wurden bei Bauarbeiten in der Nähe Reste eines ehemaligen Friedhofs entdeckt.
Aus diesen Daten ergibt sich, dass Niederhofen in der heutigen Flur "Untere Au" am Doktorbuckel am nördlichen Ufer der Enzfurt lag. Der alte Name "Zwischendörfer" hätte sich demnach auf das gegenüberliegende Land bezogen (das Altwasser Waagrain mündet in etwa gegenüber des Doktorbuckels in die Enz).
Oberhofen
Die frühere Forschung zu Niederhofen nahm aufgrund des Namens Niederhofen eine zweite Wüstung namens Oberhofen an. Historisch belegt ist dieser Name aber nicht.[9] Der Historiker Andreas Butz geht davon aus, dass es sich bei Niederhofen lediglich um einzelne Höfe bei der Niederburg handelte, die zu Lomersheim gehörten. Demnach wäre Lomersheim die "oberen" Höfe. Ob Lomersheim "jemals als Oberhofen bezeichnet wurde, bleibt offen."[10]
Abgang
Uneinigkeit besteht auch bei der Frage nach dem Abgangszeitpunkt. Im Sommer 1504 wurden im Pfälzischen Erfolgekrieg mehrere Klosterdörfer, darunter auch Lomersheim, durch die Württemberger niedergebrandt. Da Niederhofen in späteren Dokumenten nicht mehr erwähnt wird, nimmt Schäfer (2000) an, dass der Weiler aufgegeben wurde.
Da die Lagerbücher und Urkunden des 15. Jahrhunderts, die den Namen "Niederhofen" erwähnen, allerdings keine Besiedlung belegen, nimmt Andreas Butz an, dass der Weiler zur Zeit seiner Ersterwähnung bereits abgegangen war. Er datiert den Wüstungsprozess auf "spätestens in der zweiten Hälte des 14. Jahrhunderts"[11]. Als Ursache nimmt er eine "planmäßige Verlagerung der Hofstätten und eine[r] Übersiedlung ihrer Bewohner flussaufwärts" an, nachdem die Enzfurt durch den Brückenbau in Lomersheim an Bedeutung verloren hatte.
Dem seien lediglich folgende Gegenindizien vorgebracht:
- In der Speyerer Bistumsmatrikel von um 1469 wird das Niederhofener Kirchenamt - wie das Lomersheimer - als pastoria (ordentliche Pfarrpfründe) bezeichnet (im gesamten damaligen Dekanat Pforzheim gab es insgesamt nur sechs solcher pastoria)[12]. Eine Wüstungskirche hätte kaum ein solches Amt besessen. Nach Butz wäre dieses zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ausgeführt worden.
- Es werden im 15. Jahrhundert weiterhin Kirchherren genannt, so etwa wird 1431 ein Kirchherr "Meister Eberhart" erwähnt. Andreas Butz hält ihn möglicherweise für einen Eremiten.[13]
Name
Das erste Kompositumsglied "Nieder-" in "Niederhofen" ist eine relative Höhenangabe und bezieht sich auf die Auenlandschaft. Die Ortsnamensendung -hofen ist ein alter Dativ-Plural von "Hof" und meint einen "eingehegte[n], eingezäunte[n] Raum, Garten, Gehöft, Fürstenhaus"[14]. Der Dativ liegt darin begründet, dass man Orte in der Anfangsphase meist mit Präpositionalphrasen paraphrasierte, also z. B. "[der Ort bei/mit den] niederen Höfen". Der Name "Niederhofen" ließe sich daher am ehesten mit "Höfe in der Au" umschreiben.
Während der Ort um die Niederburg möglicherweise noch vor Lomersheim besiedelt worden war, ist die Endung -hofen selbst jünger als die Namensendungen -ingen und -heim. Sie ist in der Mehrheit "erst im 8. Jahrhundert auf[ge]kommen und [blieb] für die folgenden Jahrhunderte produktiv [...] können aber auch in anderen, späteren Siedlungsphasen auftreten"[15]. Da der Ortsname erst im 15. Jahrhundert erwähnt ist, ist eher eine spätere Begriffsentstehung anzunehmen. Die daraus resultierende Diskrepanz zur Siedlungsgeschichte (alte Siedlung - junger Name) wäre ein Indiz für die These von Butz, wonach Niederhofen ursprünglich die Vorgängersiedlung Lomersheims war und erst nach der genannten Siedlungsbewegung flussaufwärts zum "übriggebliebenen" Weiler mit den Höfen in der Au wurde.
Einzelnachweise
- ↑ Rüdiger Stenzel: Abgegangene Siedlungen zwischen Rhein und Enz, Murg und Angelbach. In: Oberrheinische Studien. Bd. III. Fs. für G. Haselier. Bretten 1975. S. 97
- ↑ vgl. Butz (2010) S.293
- ↑ vgl. Schäfer (2000), S. 47
- ↑ Butz (2010), S. 287
- ↑ Schäfer (2000), S. 45f.
- ↑ Schäfer (2000), S. 45
- ↑ Butz (2010), S. 285
- ↑ vgl. Butz (2010), S. 286
- ↑ vgl. Butz, Andreas: "Niederhofen. Eine abgegangene Siedlung bei Lomersheim" In: "Bettelarm und abgebrannnt. Von der Burg Löffelstölz und dem Mittelalter in Mühlacker." (Hrsg. Stadtarchiv Mühlacker) Heidelberg [u.a.] 2010, S. 288
- ↑ Butz (2010) S. 288
- ↑ Butz (2010), S. 295
- ↑ vgl. dazu Butz (2010) S.290
- ↑ vgl. Butz (2010), S. 291
- ↑ Christa Jochum-Godglück "Die orientierten Siedlungsnamen auf -heim, -hausen, -hofen und -dorf im frühdeutschen Sprachraum und ihr Verhältnis zur fränkischen Fiskalorganisation". Frankfurt a. M. [u. a.] 1995. S. 402
- ↑ Christa Jochum-Godglück "Die orientierten Siedlungsnamen auf -heim, -hausen, -hofen und -dorf im frühdeutschen Sprachraum und ihr Verhältnis zur fränkischen Fiskalorganisation". Frankfurt a. M. [u. a.] 1995. S. 517
Literatur
- Butz, Andreas: Niederhofen. Eine abgegangene Siedlung bei Lomersheim. In: "Bettelarm und abgebrannnt. Von der Burg Löffelstölz und dem Mittelalter in Mühlacker." (Hrsg. Stadtarchiv Mühlacker) Heidelberg [u.a.] 2010, S. 285-295.
- Conrad, Otto: Altes und Neues von Lomersheim. Vom Flurnamen "Zwischendörfer" zur abgegangenen Siedlung Niederhofen. In: Schwäbische Heimat NF, 1956, S. 202-205.
- Gerd Schäfer: Bauspuren aus dem mittelalterlichen Lomersheim. In: Lomersheim an der Enz. Mehr als 1200 Jahre Geschichte (hrsg. von Thomas Adam und Konrad Dussel). Ubstadt-Weiher 2000.