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Unter der ältesten Namensschicht fasst man alle nicht-indogermanischen Sprachen zusammen. Da die Sprachen, die vor dem Indogermanischen in Süddeutschland gesprochen wurden, nicht überliefert sind, bleiben Interpretationsansätze i. d. R. spekulativ. Nach Wolfgang Kleber finden sich in Baden-Württemberg keine Gewässernamen aus dieser Sprachschicht, d. h. es lassen sich alle Gewässernamen prinzipiell indogermanisch rekonstruieren.<ref>Kleber, Wolfgang: Vordeutsche, nichtgermanische Gewässer- und Siedlungsnamen. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Stuttgart 1979</ref> Natürlich kann man dagegen einwenden, dass man nicht ausschließen kann - da die nicht-idg. Sprachen ja nicht bekannt sind - ob sich der eine oder andere Flussname nicht auch in diesen Sprachen sinnvoll oder gar besser interpretieren lässt. Dagegen spricht, dass man hier zum einen auf ein ungewöhnlich hohes Alter stoßen würde, zum anderen sind die Flüsse, deren Namensherkunft umstritten oder deren Bedeutung weniger typisch für das Indogermanische ist, oft zu klein, um dem Namen der ältesten Namensschicht zuzuordnen.
Unter der ältesten Namensschicht fasst man alle nicht-indogermanischen Sprachen zusammen. Da die Sprachen, die vor dem Indogermanischen in Süddeutschland gesprochen wurden, nicht überliefert sind, bleiben Interpretationsansätze i. d. R. spekulativ. Nach Wolfgang Kleber finden sich in Baden-Württemberg keine Gewässernamen aus dieser Sprachschicht, d. h. es lassen sich alle Gewässernamen prinzipiell indogermanisch rekonstruieren.<ref>Kleber, Wolfgang: Vordeutsche, nichtgermanische Gewässer- und Siedlungsnamen. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Stuttgart 1979</ref> Natürlich kann man dagegen einwenden, dass man nicht ausschließen kann - da die nicht-idg. Sprachen ja nicht bekannt sind - ob sich der eine oder andere Flussname nicht auch in diesen Sprachen sinnvoll oder gar besser interpretieren lässt. Dagegen spricht, dass man hier zum einen auf ein ungewöhnlich hohes Alter stoßen würde, zum anderen sind die Flüsse, deren Namensherkunft umstritten oder deren Bedeutung weniger typisch für das Indogermanische ist, oft zu klein, um dem Namen der ältesten Namensschicht zuzuordnen.

=== Voreinzelsprachlich ===

Eine große Anzahl der größeren Flüsse in Baden-Württemberg besitzen einen Namen, der sich auf eine indogermanische Wurzel zurückführen lässt, die zwar semantisch typisch für die idg. Flussnamensgebung ist, sich aber keiner der drei bekannten idg. Sprachgruppen in Baden-Württemberg (keltisch, Latein, germanisch) zuordnen lassen. Zum Beispiel deutet der älteste Beleg des Namens "Enz", nämlich ''Enzin'', auf die ursprünglich Form *''Antin-'' hin. Hans Krahe führt dies auf die idg. Wurzel *''antina'' "Grenze" zurück, eine n-Erweiterung von ''antios'' "gegenüber". Diese idg. Wurzel entwickelte sich in den Einzelsprachen lautgesetzlich allerdings anders weiter. Da sich sehr viele solcher ''nicht-keltisch/lateinisch/germanische'' Flussnamen finden lässt, schloss man, dass vor Ankunft der Kelten bereits indogermanische Völker in Süddeutschland lebten. Die rekonstruierten Flussnamen sind dem Urindogermanischen sehr ähnlich, weshalb Hans Krahe daraus folgert, dass diese Stämme einen frühindogermanischen Dialekt vor dem Auseinandersplitten in die Einzelsprachen sprachen (daher ''vor-einzelsprachlich''). Er selbst nannte die Sprachschicht ''alteuropäisch'', wobei der Begriff ''Alteuropa'' mitunter auch für die beiden ältesten Sprachschichten - der nicht-idg. und der voreinzelspr. - verwendet wird.


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Version vom 2. September 2012, 14:38 Uhr

Hydronyme (Gewässernamen) sind in der Namensforschung Namen für fließende und stehende Gewässer.

Herkunft von Gewässernamen

Gewässernamen sind oft die ältesten Flurnamen. Sie sind daher für die historische Linguistik von besonderem Interesse, da sie mitunter in die älteste fassbare Sprachschicht zurück reichen können. In der Forschung werden dabei folgende Sprachschichten (mit Beispielen[1] aus dem Pfenz-Gebiet) unterschieden:

  • Nicht-Indogermanisch: ohne Beispiel
  • Voreinzelsprachliches Idg. (Alteuropäisch): Enz, Würm, Nagold
  • Keltisch: Ammer
  • Römisch: ohne Beispiel
  • Germanisch: Schwippe, Eyach, Salzach

Nicht-Indogermanisch

Unter der ältesten Namensschicht fasst man alle nicht-indogermanischen Sprachen zusammen. Da die Sprachen, die vor dem Indogermanischen in Süddeutschland gesprochen wurden, nicht überliefert sind, bleiben Interpretationsansätze i. d. R. spekulativ. Nach Wolfgang Kleber finden sich in Baden-Württemberg keine Gewässernamen aus dieser Sprachschicht, d. h. es lassen sich alle Gewässernamen prinzipiell indogermanisch rekonstruieren.[2] Natürlich kann man dagegen einwenden, dass man nicht ausschließen kann - da die nicht-idg. Sprachen ja nicht bekannt sind - ob sich der eine oder andere Flussname nicht auch in diesen Sprachen sinnvoll oder gar besser interpretieren lässt. Dagegen spricht, dass man hier zum einen auf ein ungewöhnlich hohes Alter stoßen würde, zum anderen sind die Flüsse, deren Namensherkunft umstritten oder deren Bedeutung weniger typisch für das Indogermanische ist, oft zu klein, um dem Namen der ältesten Namensschicht zuzuordnen.

Voreinzelsprachlich

Eine große Anzahl der größeren Flüsse in Baden-Württemberg besitzen einen Namen, der sich auf eine indogermanische Wurzel zurückführen lässt, die zwar semantisch typisch für die idg. Flussnamensgebung ist, sich aber keiner der drei bekannten idg. Sprachgruppen in Baden-Württemberg (keltisch, Latein, germanisch) zuordnen lassen. Zum Beispiel deutet der älteste Beleg des Namens "Enz", nämlich Enzin, auf die ursprünglich Form *Antin- hin. Hans Krahe führt dies auf die idg. Wurzel *antina "Grenze" zurück, eine n-Erweiterung von antios "gegenüber". Diese idg. Wurzel entwickelte sich in den Einzelsprachen lautgesetzlich allerdings anders weiter. Da sich sehr viele solcher nicht-keltisch/lateinisch/germanische Flussnamen finden lässt, schloss man, dass vor Ankunft der Kelten bereits indogermanische Völker in Süddeutschland lebten. Die rekonstruierten Flussnamen sind dem Urindogermanischen sehr ähnlich, weshalb Hans Krahe daraus folgert, dass diese Stämme einen frühindogermanischen Dialekt vor dem Auseinandersplitten in die Einzelsprachen sprachen (daher vor-einzelsprachlich). Er selbst nannte die Sprachschicht alteuropäisch, wobei der Begriff Alteuropa mitunter auch für die beiden ältesten Sprachschichten - der nicht-idg. und der voreinzelspr. - verwendet wird.

Einzelnachweise

  1. nach Hoops, Johannes: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 22, 2003, S. 252
  2. Kleber, Wolfgang: Vordeutsche, nichtgermanische Gewässer- und Siedlungsnamen. In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Stuttgart 1979