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Thailfingen: Unterschied zwischen den Versionen

Von PFENZ
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Die Wüstung '''Thailfingen''' (''Tailfingen, Dalfingen, Dallfingen, Dagelfingen'', ältester bekannter Name ''Dagolfingen'') war eine Ortschaft zwischen [[Enzberg]], [[Dürrn]] und [[Ötisheim]]. Heute ist "Tailfingen" der Name einer Straße im Gebiet [[Mühlacker]].
Die Wüstung '''Thailfingen''' (''Dagelfingen'') war eine Ortschaft zwischen [[Enzberg]], [[Dürrn]] und [[Ötisheim]]. Heute ist "Tailfingen" der Name einer Straße und einer Flur im Gebiet Enzberg. Die Flur Dal(l)fingen liegt in der Gemarkung Dürrn.


== Geschichte ==
== Geschichte ==


=== Römische Besiedlung ===
Die Endung ''-ingen'' verweist auf eine mögliche alamannische Gründung. Namensgeber dürfte ein Sippenanführer oder Gutsbesitzer namens "Dagolf" oder "Dagwolf" sein. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem [[Lorscher Codex]] und datiert auf das Jahr [[883]]. Dort ist von der "dagolvinger marca" (''Dagolfinger Mark/Gebiet'') die Rede. Die Lorscher Urkunden erwähnen die Stadt letztmals 1100. Weitere Urkunden lassen eine Existenz bis 1120/1140 vermuten. Das Aufgeben der Ortschaft im 12. oder 13. Jahrhundert führte zu einer relativ starken Zuwanderung nach Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Die Markschaft wurde zwischen Dürrn und Enzberg aufgeteilt. Der Name T(h)ailfingen wird bis heute als Flurname gebraucht.


In der Dürrner Gemarkung fand man neben Mauerresten und römischen Münzen den sog. [[Herkulesstein]], der auf eine römische Vorbesiedlung, mögl. eine weitere [[Villa rustica]] oder ein zur Villa rustica Enzberg gehörendem Hof, schließen lässt. Man vermutet, dass der Herkulesstein zu einem Grabmal gehörte. Heute befindet sich der Stein im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.
Tailfingen / Dagelvingen


=== Gründung und Verwüstung ===
Da wo die Gemarkungen [[Dürrn]], [[Enzberg]] und [[Ötisheim]] zusammentreffen, findet sich auf Dürrner Gemarkung der Flurname „Dallfingen“ und auf der Gemarkung Enzberg der sinnverwandte Name Tailfingen. Diese Namensformen lassen vermuten, dass wir es hier mit dm Namen einer ehemaligen Siedlung zu tun haben. In Dürrn ([[1924]]) waren bei alten Leuten noch dunkle Erinnerungen an ein Dorf, das hier in der Gegend vorhanden gewesen sein soll.

Wir haben hier wohl den Ort Dagolfingen zu suchen, der im Jahre [[883]] im Urkundenbuch des Klosters [[Lorsch]] bei Benzheim ''(Codex Laureshamensis)'' vorkommt. In der Urkunde von 883 handelt es sich um den Gütertausch zwischen dem [[Kloster Lorsch]] und einem gewissen ''Ernst''. Lorsch erhält gegen Abgabe von Gütern an Ernst, Besitz in [[Nußbaum]], [[Mühlhausen]] und auf Dagelfinger Mark. Nun liegt aber Nußbaum in dieser Gegend, Mühlhausen ist sehr wahrscheinlich das bei Bauschlott abgegangene Mühlhausen, dann muss auch Dagelfingen, da es sich doch um eine Besitzabrundung handelt, in dieser Gegend gesucht werden. Im Jahr [[1100]] wird Dagelfingen wieder erwähnt. In diesem Jahr gründet der Bischof Johannes I. von [[Speyer]], der Sohn des Enzgaugrafen Wolfram, das Kloster [[Sinsheim]] und stattete es mit zahlreichen Ortschaften aus. Seine Verwandte und Mitstifterin schenkte dem Kloster noch Enzberg und Dagelfingen im Enzgau. Hier ist die Lage ziemlich genau bezeichnet, so dass ein Zweifel über sie nicht mehr entstehen kann. Näheres sagen uns dann die Flurnamen ''Großes Dalfingen'', ''Kleines Dalfingen'', ''Kirchäcker'' an der Landesgrenze. Der Ort scheint sehr früh abgegangen zu sein. Vielleicht hat Wassermangel die Bewohner genötigt, den Platz wieder zu verlassen. Die Gemarkung blieb aber noch länger als besondere Gemarkung erhalten, wie das in häufig in solchen Fällen vorzukommen pflegt. Dieser Umstand erschwert die genaue Feststellung der Zeit des Abganges einer Siedlung, weil bei urkundlichen Erwähnungen oft nicht zu erkennen ist, ob man es mit dem Dorfe selbst oder nur mit seiner Gemarkung zu tun hat.
Die Endung ''-ingen'' verweist auf eine mögliche alamannische Gründung. Die Alamannen stießen ab dem 3. Jh. n. Chr. in den Südwestraum vor. Namensgeber der Ortschaft dürfte ein Sippenanführer oder Gutsbesitzer namens "Dagolf" bzw. "Dagwolf" sein. Hierbei ist zu erwähnen, dass das althochdeutsche w noch vokalisch, ähnlich dem englischen w, ausgesprochen wurde und die meisten Vornamen mit -wolf (vgl. Adolf, Rudolf, etc.) ihren w-Laut bereits zur althochdeutschen Zeit verloren haben. Der Name ''Dagolf'' ist als männlicher Vorname ist mehrfach belegt (vgl. auch [[Dalsheim]]).

Quelle ''Der Enz- und Pfinzgau aus dem Jahr 1925'' - bearbeitet von R. Cölsch
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem [[Lorscher Codex]] ''(Codex Laureshamensis)'' und datiert auf das Jahr [[883]]. In dieser Urkunde handelt es sich um den Gütertausch zwischen dem [[Kloster Lorsch]] und einem gewissen ''Ernst'' aus [[Eckenweiher]]. Lorsch erhält gegen Abgabe von Gütern an Ernst, Besitz in [[Nußbaum]], [[Mühlhausen]] und auf der "Dagolvinger marca" (''Dagolfinger Mark/Gebiet''). Im Jahr [[1100]] wird Dagelfingen wieder erwähnt. In diesem Jahr gründet der Bischof Johannes I. von [[Speyer]], der Sohn des Enzgaugrafen Wolfram, das Kloster [[Sinsheim]] und stattete es mit zahlreichen Ortschaften aus. Seine Verwandte und Mitstifterin schenkte dem Kloster noch Enzberg und Dagelfingen im Enzgau.

Letztmals wird die Ortschaft 1120/1140 erwähnt. Die Ursache für den Abgang der Ortschaft ist unbekannt. Vielleicht hat Wassermangel die Bewohner genötigt, den Platz wieder zu verlassen. Das Aufgeben der Ortschaft im 12. oder 13. Jahrhundert führte zu einer relativ starken Zuwanderung nach Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Die Markschaft wurde zwischen Dürrn und Enzberg aufgeteilt.


== Heute ==
== Heute ==


Mehrere Flurnamen in den Gemarkungen Dürrn und Enzberg erinnern an die Wüstung. Auf dem Dürrner Gebiet gibt es den Gewann "Dallfingen" (mit Doppel-l), der wiederum aus den Fluren "Kleines Dalfingen" und "Großes Dalfingen" (mit einfachem l) besteht. Desweiteren verweist der Flurname "Kirchäcker" auf das ehemalige Dorf.
T(h)ailfingen oder Dal(l)fingen ist heute der Name eines Gewanns auf dem Gelände der ehemaligen Ortschaft. Ebenso erinnert die Straße "Tailfingen", bestehend aus nur einem Haushalt, an die Wüstung.

Auf dem Enzberger Gebiet erinnert die Flur und die Straße "Tailfingen", bestehend aus nur einem Haushalt, an die Wüstung.

== Quellen ==

*''Der Enz- und Pfinzgau aus dem Jahr 1925''
*Die Flurnamen richten sich nach [http://k1z07s009.kivbf.de/enzkreis/asp/main.asp Geoportal Enzkreis]



[[Kategorie:Wüstung]]
[[Kategorie:Wüstung]]

Version vom 19. Februar 2010, 15:41 Uhr

Die Wüstung Thailfingen (Dagelfingen) war eine Ortschaft zwischen Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Heute ist "Tailfingen" der Name einer Straße und einer Flur im Gebiet Enzberg. Die Flur Dal(l)fingen liegt in der Gemarkung Dürrn.

Geschichte

Römische Besiedlung

In der Dürrner Gemarkung fand man neben Mauerresten und römischen Münzen den sog. Herkulesstein, der auf eine römische Vorbesiedlung, mögl. eine weitere Villa rustica oder ein zur Villa rustica Enzberg gehörendem Hof, schließen lässt. Man vermutet, dass der Herkulesstein zu einem Grabmal gehörte. Heute befindet sich der Stein im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Gründung und Verwüstung

Die Endung -ingen verweist auf eine mögliche alamannische Gründung. Die Alamannen stießen ab dem 3. Jh. n. Chr. in den Südwestraum vor. Namensgeber der Ortschaft dürfte ein Sippenanführer oder Gutsbesitzer namens "Dagolf" bzw. "Dagwolf" sein. Hierbei ist zu erwähnen, dass das althochdeutsche w noch vokalisch, ähnlich dem englischen w, ausgesprochen wurde und die meisten Vornamen mit -wolf (vgl. Adolf, Rudolf, etc.) ihren w-Laut bereits zur althochdeutschen Zeit verloren haben. Der Name Dagolf ist als männlicher Vorname ist mehrfach belegt (vgl. auch Dalsheim).

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) und datiert auf das Jahr 883. In dieser Urkunde handelt es sich um den Gütertausch zwischen dem Kloster Lorsch und einem gewissen Ernst aus Eckenweiher. Lorsch erhält gegen Abgabe von Gütern an Ernst, Besitz in Nußbaum, Mühlhausen und auf der "Dagolvinger marca" (Dagolfinger Mark/Gebiet). Im Jahr 1100 wird Dagelfingen wieder erwähnt. In diesem Jahr gründet der Bischof Johannes I. von Speyer, der Sohn des Enzgaugrafen Wolfram, das Kloster Sinsheim und stattete es mit zahlreichen Ortschaften aus. Seine Verwandte und Mitstifterin schenkte dem Kloster noch Enzberg und Dagelfingen im Enzgau.

Letztmals wird die Ortschaft 1120/1140 erwähnt. Die Ursache für den Abgang der Ortschaft ist unbekannt. Vielleicht hat Wassermangel die Bewohner genötigt, den Platz wieder zu verlassen. Das Aufgeben der Ortschaft im 12. oder 13. Jahrhundert führte zu einer relativ starken Zuwanderung nach Enzberg, Dürrn und Ötisheim. Die Markschaft wurde zwischen Dürrn und Enzberg aufgeteilt.

Heute

Mehrere Flurnamen in den Gemarkungen Dürrn und Enzberg erinnern an die Wüstung. Auf dem Dürrner Gebiet gibt es den Gewann "Dallfingen" (mit Doppel-l), der wiederum aus den Fluren "Kleines Dalfingen" und "Großes Dalfingen" (mit einfachem l) besteht. Desweiteren verweist der Flurname "Kirchäcker" auf das ehemalige Dorf.

Auf dem Enzberger Gebiet erinnert die Flur und die Straße "Tailfingen", bestehend aus nur einem Haushalt, an die Wüstung.

Quellen

  • Der Enz- und Pfinzgau aus dem Jahr 1925
  • Die Flurnamen richten sich nach Geoportal Enzkreis